AG Tag der deutschen Sprache

Gruppenleiter

holger klatte

Dr. Holger Klatte
holger.klatte @ vds-ev.de

Suche auf der VDS-Seite

Drucken

Gedanken zum Tag der deutschen Sprache 2004

Donnerstag, den 30. September 2004 um 14:03 Uhr

Der erste „Tag der deutschen Sprache“ fand im Jahre 2001 statt. Damals beteiligten sich daran 18 Regionen. In diesem Jahr haben wir den Tag zum vierten Mal begangen. 36 regionale Veranstaltungen sind eine erfreuliche Zunahme der Gemeinschaft der teilnehmenden Regionen. Wir haben erreicht, daß die deutsche Sprache an diesem festen Tag des Jahres Gesprächsthema in der Öffentlichkeit geworden ist. Bei Gesprächen haben die Bürger unser Anliegen mit wenigen Ausnahmen unterstützt und gutgeheißen. Diese Rückmeldungen haben uns in unserem Tun bestärkt und auch zusätzlich motiviert.

Der „Tag der deutschen Sprache“ hat sich nicht nur in unserem Verein durchgesetzt, sondern wird auch zunehmend von den Medien als allgemeines Forum für die deutsche Sprache angenommen. So berichteten Rundfunkanstalten zum Teil mit eigenen Beiträgen in ihren Kulturprogrammen über aktuelle Sprachthemen. In Interviews erhielten Vereinsmitglieder Gelegenheit, unerfreuliche Strömungen aufzuzeigen und Änderungen des Sprachgebrauchs anzuregen. Das gilt auch für die Zeitungen.

Wir arbeiten zur Zeit daran, unsere ausländischen Sprachfreunde in diesen Tag einzubinden. Eine erste Veranstaltung hat in Toronto in Kanada stattgefunden (s. besonderen Bericht). Vorbild ist die „Journée de la Francophonie“ in Frankreich, der das gemeinsame sprachliche Band über die Landesgrenzen hinweg zusammenhält.

Eine der gegenwärtig heiß diskutierten Fragen lautet: Warum soll es in Deutschland nicht mehr selbstverständlich sein, daß das Wissen an den allgemeinbildenden Schulen auf deutsch vermittelt wird? Aus Hamburg wird berichtet, daß auf allgemeinbildenden Schulen bereits von der Grundstufe ab unterschiedslos in allen Fächern (außer Deutsch) bzw. in 70 % der Fächer auf englisch unterrichtet wird oder werden soll. Nichts gegen das Erlernen von Fremdsprachen, aber sind diese Bestrebungen nicht eine gefährliche Übertreibung, zumal bereits die muttersprachlichen Kenntnisse zu wünschen übriglassen und die immer seltener werdenden Gespräche im Elternhaus von allen Verantwortlichen beklagt werden? Liegen den Hinweisen auf die Steigerung der Intelligenz, der geistigen Kräfte oder der Konzentration, die die Befürworter des Immersionsunterrichts anführen, objektive Bewertungsmaßstäbe zugrunde? Sind bei Ländervergleichen die unterschiedlichen gesellschaftlichen und ethnischen Ausgangslagen bedacht worden? Jedes Land betreibt seine landesspezifische Sprachpolitik. In Deutschland leben fast ausschließlich deutsche Muttersprachler mit monolingualen Eltern. Bisher sind die vielen schulischen Experimente gescheitert, die im Dienste persönlicher Profilierung oder ideologischer Gleichmacherei durchgesetzt worden sind - mit den bekannten Auswirkungen auf unseren internationalen Rang. Das Hamburger Experiment, das auf seine Weise der Globalisierung hinterherläuft, könnte die vielerorts geäußerten Befürchtungen wahrmachen, daß unsere Sprache eines Tages zu einem Feierabenddialekt wird. Spielerisches Englisch bereits im Kindergarten ist hier und da bereits Wirklichkeit und auch Englisch für Einjährige wird bereits angeboten. Die Beschallung der Embryos mit den ersten Englischlektionen bereits im Mutterleib wäre doch sicherlich eine kommerziell zu nutzende Möglichkeit auf der Welle dieses Englischwahns. Die Einführung ist wohl nur eine Frage der Zeit. Haben wir das Augenmaß für das Sinnvolle verloren?

Achten wir darauf, daß sprachpolitisch und strategisch alles unterlassen wird, was die deutsche Sprache schwächt und alles getan wird, was die deutsche Sprache stärkt.

Veranstaltungen des VDS am oder terminnah mit Bezug auf den „Tag der deutschen Sprache“

Auch in diesem Jahr fanden wieder Informationsstände, Vortragsveranstaltungen, Unterschriftensammlungen, kabarettistische Aufführungen, Sprach-Ratespiele, Märchenstunden und Preisverleihungen statt. Zahlreiche Interviews mit Rundfunkanstalten und Zeitungen haben unsere Bürger im ganzen Lande erreicht. An diesem oder mit Bezug auf diesen Tag haben sich die jeweiligen Regionalvorsitzenden mit ihren Mitstreitern in Bautzen (02), Cottbus (03), Halle (06), Reichenbach (08), Freiberg (09), Berlin (10), Potsdam (14) Tostedt (21), Wilhelmshaven (26), Zeven (27), Handeloh (27), Bremen (28), Hannover (30), Paderborn (33), Kassel (34) , Gießen (35), Braunschweig (38), Dortmund (44, 58), Wesel (46), Oberhausen (46), Köln (50), Holzwickede (59), Frankfurt (60), Darmstadt (64), Wiesbaden (65), Mannheim (67), Freudenstadt (72), Heilbronn (74), Mühlacker (75), Karlsruhe (76), Villingen (78), Landshut (84), Ulm (89), Nürnberg (90), Regensburg (93) und Würzburg (97) beteiligt. Der Vorstand und die Arbeitsgruppe „Tag der deutschen Sprache“ danken allen Aktiven für ihren beharrlichen Einsatz.

Die Deutsche Post hat wieder einen Sonderstempel genehmigt. Der diesjährige Stempelort ist Dessau, die Geburtsstadt des VDS-Ehrenmitglieds Dieter Hallervorden. Mit seiner von uns für Sonderstempelkarte und Plakate verwendeten Aussage „Die deutsche Sprache ist nicht nur mein Arbeitsmedium, sondern auch öffentliches Gut und wichtigster Ausdruck unserer Kultur. Sie bedarf deshalb ebenso der Pflege und des Schutzes, wie Wasser, Boden und Luft.“ stellt er den Schutz der deutschen Sprache in die persönliche Verantwortung eines jeden einzelnen.

Die über den tolerierbaren Sprachwandel hinausgehende Überflutung mit überflüssigen englischen Ausdrücken in fast allen Lebensbereichen und die zunehmenden Verdrängung der deutschen Sprache in der Wirtschaft, Wissenschaft und Lehre, Jugend- und Politikersprache sind Beispiele für Themen gewesen, die an diesem Tag bei unseren Veranstaltungen zur Sprache kamen.

Jugendsprachen hat es zu allen Zeiten gegeben. Sie sind wegen des kurzen Verfalldatums im allgemeinen ungefährlich. Wenn sie durch Werbung und Kommerz aber manipuliert werden und als Gegengewicht das Vorbild der Eltern fehlt, ergeben sich sprachlich unerwünschte Auswirkungen, die mit dem Wort „Kult“ einen beschönigenden Anstrich erhalten haben.

It’s öde to be blöde, Girls’ Day, Public private Partnership, Notebook-University, IT-Cluster, E-Government, Flat-Tax, Brain-Gain statt Brain-Drain, Gender-Mainstreaming, Stalking-Gesetz sind nur einige Beispiele aus der Politik, die der bürgernahen Verständigung und der Sprachloyalität entgegenstehen.

Heinz-Dieter Dey