AG Tag der deutschen Sprache

Gruppenleiter

holger klatte

Dr. Holger Klatte
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Gedanken zum fünften Tag der deutschen Sprache 2005

Freitag, den 30. September 2005 um 14:05 Uhr

Schule und sprachliche Vielfalt

UNESCO, Europarat und Europäische Kommission haben vor längerer Zeit dazu aufgerufen, die sprachliche und kulturelle Vielfalt und die Vielsprachigkeit zu fördern und als Erbe zu bewahren. Das größere Bewußtsein für sprachliche und kulturelle Traditionen in der Welt soll entwickelt und der Gemeinsinn - auf Verständnis, Toleranz und Dialog gegründet - angeregt werden. Aus diesen Gründen sind der "Internationale Tag der Muttersprachen" und der "Europäischen Tag der Sprachen" als Gedenktage festgelegt worden. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat in seiner Rede vor dem Deutschen Philologenverband an der Humboldt-Universität in Berlin anläßlich des Europäischen Jahres der Sprachen (2001) beklagt, "daß sich der fremdsprachliche Unterricht in Deutschland weit vom Humboldtschen Bildungskonzept entfernt hat" und gefordert, "daß bei der Auswahl der Sprachen nicht nur auf Englisch, Französisch und Spanisch gesetzt werden sollte". Er fragt in diesem Vortrag, "warum in Europa nicht stärker als bisher Sprachnachbarschaften genutzt werden."

Diese Einsichten haben bei uns noch keine Änderungen der Stundentafeln an den allgemeinbildenden Schulen nach sich gezogen. Die jetzigen sprachlichen Schulmaßnahmen zielen auf Englisch als einzige Fremdsprache. Das ist nicht im Sinne der o. g. Initiativen.

Fremdsprachenerwerb fördert die geistige Entwicklung und das Verständnis für die eigene Muttersprache und ist deshalb für die schulische Bildung wichtig. Deutschland grenzt auf Grund seiner geographischen Lage an zehn fremde Sprachräume. Der Unterrichtsstoff in den Schulen wird immer umfangreicher bei gleichzeitiger Verringerung der Schuljahre.

Für Auswahl, Anzahl und Tiefe der zu erlernenden Fremdsprachen müssen Begabung, Lebensentwürfe und Wünsche der Schüler und Eltern, evtl. unter Einbeziehung von Lehrern, den Vorrang erhalten. Jeder soll ohne staatlichen Zwang seine fremdsprachlichen Schwerpunkte selbst setzen können. Ausgangspunkt für diese Überlegungen ist die Feststellung, daß Fremdsprachen in einigen Fällen existentiell wichtig sind und in vielen Fällen fast gar keine Bedeutung haben.

Für alle Schultypen ist ein Schulabschlußnachweis lediglich für eine Fremdsprache zur Pflicht zu machen. Daneben können die Schüler als Kür je nach den fachlichen Vorlieben weitere Sprachen freiwillig erlernen. Die Fremdsprachen werden nicht vorgeschrieben. Auf diese Art wird erreicht, daß der Zeitaufwand für das Erlernen von Fremdsprachen persönliche Interessen berücksichtigt.

Der Staat sollte die Kosten für drei Fremdsprachen übernehmen und im Sinne der öffentlich-privaten Zusammenarbeit den privatwirtschaftlichen Anbietern den Fremdsprachenunterricht überlassen. Nur auf diese Weise ist die sprachliche Vielfalt beim Fremdsprachenlernen organisatorisch zu bewältigen. In dünnbesiedelten Gebieten können die Schulen für reisende Lehrer die Räume zur Verfügung stellen.

Wir brauchen nicht nur in Deutschland, sondern auch in der EU eine Liberalisierung des Standards und eine Privatisierung des Fremdsprachenunterrichts an den allgemeinbildenden Schulen. Wir sollten in unserem Lande den ersten Schritt tun.

Veranstaltungen des VDS am oder terminnah mit Bezug auf den "Tag der deutschen Sprache" und sonstige Berichte

Der diesjährige Tag der deutschen Sprache war wieder ein großer Erfolg. Daran haben auch einige ausländische Regionen mit ihren Veranstaltungen tatkräftig mitgewirkt. Die vorgezogenen Bundestagswahlen haben unseren Veranstaltungskalender am Tag der deutschen Sprache etwas durcheinandergebracht. Einige Regionalvorsitzende mußten ihre Vorhaben, insbesondere die Info-Stand-Termine, vorverlegen oder verschieben, so daß von den insgesamt 40 Aktionen nur 25 am 10. 9. 2005 stattfanden. Mit Beiträgen dabei waren die Regionalvorsitzenden (einschließlich Mannschaften) O. Baer (09), Uwe Bernd Baumeister (75), Alfred Bielefeld (58), Erika Braunshausen (44), Otto Dammann (29), Dr. Kurt Gawlitta (10-14), Michael Hanz (67), Wolfgang Hildebrandt (27), Eberhard Himmel (23), Günter Hollmann (60), Karl-Ernst Jipp (24), Henning Jonas (89), Eva-Maria Kieselbach (34), Dietmar Kinder (50/51), Gerhard König (76), Günther Kopp (65), Kurt Kösters (48), Irene Liefländer (93), Peter U. Limberg (64), Wolfram Martin (57), Dieter Maurer (74), Dr. Hermann Neemann (30), Andreas R. Niepel (31), Roland Prudhomme (78), Wilhelm Schäfer (28), Heiner Schäferhoff (59), Bernd Schamberger (90), Birgit Schönberger (84), Martin Sester (68), Dr. Gisela Spieß (79), Frieder Spitzner (08), Hugo Stockter (26), Dr. Bernhard Sturn (97), Dr. Hans-Joachim Thelen (46), Diethold Tietz (02) Achim Voigt (03), Otto Vowinkel (40), Dr. Guelenber Pirneserova (Aserbaidschan), Christel Schindler (Kanada), Mohammed Chergui (Marokko), Deutsch-Russisches Begegnungszentrum in St. Petersburg (Rußland), Mawoussé Tsogbé (Togo). Nach Bundesländern verteilte sich die Anzahl der Aktionen/Regionen wie folgt: Baden-Württemberg 6, Bayern 5, Berlin 0, Brandenburg 2, Bremen 1, Hamburg 0, Hessen 5, Mecklenburg-Vorpommern 0, Niedersachsen 8, Nordrhein-Westfalen 8, Rheinland-Pfalz 1, Sachsen 3, Sachsen-Anhalt 2, Schleswig-Holstein 2, Thüringen 0.

Die RV haben das diesjährige Plakat mit den beiden sich ergänzenden Wahlsprüchen "Zukunft ist Herkunft", das für die Bedeutung der Tradition steht, und "Auf deutsch verstehen wir uns", das auf den drohenden Traditionsbruch hinweist, mit Lob und Begeisterung aufgenommen.

An den Informationsständen sammelten die Aktiven der Regionen Unterschriften für die Aktion "Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch" als Grundgesetzergänzung. Darüber hinaus gab es als Anziehung für die Besucher Kandidatenbefragungen, Preisausschreiben, Verleihung regionaler Sprachpreise, Rundfunk- und Fernsehinterviews, Vortragsveranstaltungen bei und zusammen mit den Bildungseinrichtungen von CDU (Konrad-Adenauer-Stiftung) und FDP (Friedrich-Naumann-Stiftung), ein Sprachratespiel "Geographie der europäischen Sprachen", Wahl der regionalen Schrottwörter und Kulturveranstaltungen.

Der SWR und der WDR waren mit eigenen Beiträgen am Tag der deutschen Sprache vertreten. Über zahlreiche Themen zur deutschen Sprache konnte sich die Internet-Gemeinde auf den Internetseiten des SWR informieren.

Die ausländischen Teilnehmer (Toronto, Fes und Lomé) stellten ihre Aktionen unter das Motto "Zukunft der deutschen Sprache" in den jeweiligen Regionen. Der kanadische Freundeskreis führte dazu eine Umfrage durch. Im Deutsch-Russischen Begegnungszentrum in St. Petersburg gab es ein umfangreiches dreitägiges Programm mit moderner deutscher Musik, Schreibwettbewerb, Vorträgen über die deutsche Sprache, Filmvorführungen, Dichterlesungen usw.

Nach dem Vorbild des "Tages der deutschen Sprache" wird in Italien ein Tag der italienischen Sprache (Giornata della lingua italiana) angestrebt. Dem Senat liegt ein Antrag vor, einen gesetzlichen Tag der italienischen Sprache einzuführen. Die Initiative wird von Kultureinrichtungen wie dem Allarme Lingua, der Accademia della Crusca und der Dante Alighieri-Gesellschaft getragen.

Fernziel für den Tag der deutschen Sprache ist ebenfalls ein offizieller Kalendertag. Der nächste Tag der deutschen Sprache ist am 9. 9. 2006.