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Delegiertenversammlung 2011 - Merseburg

DV2011 Merseburg Treppe - Foto: Jörg Bönisch

Für zwei Tage war der VDS in Merseburg zu Gast. Mitglieder und Delegierte aus der ganzen Welt kamen am 3. und 4. Juni 2011 zu ihrer Delegierten­versammlung im Merseburger Ständehaus zusammen. Hier legten sie, stellvertretend für fast 34.000 Vereinsmitglieder, die inhaltlichen Leitlinien des VDS fest und zogen Bilanz über das zurückliegende Jahr. Die Stadt Merseburg trat als korporatives Mitglied dem VDS bei.

Die sprachgeschichtliche Bedeutung der mitteldeutschen Region für die Entwicklung des Deutschen bot zahlreiche Anknüpfungspunkte, stellvertretend die Merseburger Zaubersprüche. Deswegen setzte sich die hallesche Regionalgruppe unter Leitung von Arne Grit-Gerold und Jörg Bönisch dafür ein, Gastgeber für die diesjährige Delegiertenversammlung zu sein.

Vor der offiziellen Eröffnung der Delegiertenversammlung hatten die Gäste Gelegenheit, bei einer Führung durch den Merseburger Dom und durch die historische Domstiftsbibliothek Hintergründe zur über 1000-jährigen Geschichte der Stadt Merseburg als ehemaliger Bistums- und Herzogsitz zu erfahren. Höhepunkt war die Besichtigung der Sonderausstellung zu den Merseburgern Zaubersprüchen im Zauberspruchgewölbe. Im Ständehaus stellte die hallesche Künstlerin Renate Brömme ihre Collagen zu den Merseburger Zaubersprüchen aus. Vom Bildhauer und Schriftsteller Klaus Friedrich Messerschmidt waren Grafiken zur Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg zu sehen.

Fast 200 Gäste nahmen an der sich im Merseburger Ständehaus anschließenden feierlichen Eröffnung der Bundesdelegiertenversammlung des Vereins teil. Regionalleiterin Gerold und der VDS-Vorsitzende Walter Krämer begrüßten die Gäste im Erhard-Hübener-Saal des Ständehauses. Gerold betonte: „Der Verein Deutsche Sprache hat Sie zu seiner Delegiertenversammlung nach Merseburg eingeladen. Diese Entscheidung freut unsere Regionalgruppe sehr und hat uns in kürzester Zeit gestärkt und stolz gemacht, denn hier in Mitteldeutschland befinden wir uns in einem geistig-kulturellen Zentrum. Machen wir uns das Wirken des Reformators Luther bewusst, den Pietismus August Hermann Franckes, den Philosophen der Universität in Halle Christian Wolff oder den Aufklärer Christian Thomasius, um nur einige zu nennen.” Das Grußwort von Merseburgs Oberbürgermeister Jens Bühligen überbrachte Kulturamtsleiter Michael George. Auf Anregung der halleschen VDS-Regionalgruppe hat sich die Stadt Merseburg entschlossen, in den Verein Deutsche Sprache als korporatives Mitglied einzutreten. George begründete die VDS-Mitgliedschaft der Stadt Merseburg: „Für die Kommunikation der Verwaltung mit den Bürgern ist die sprachliche Klarheit unabdingbar. Beschlüsse, Mitteilungen und der allgemeine Schriftverkehr müssen so verfasst sein, dass sie für den Bürger verständlich und für den jeweiligen konkreten Sachverhalt eindeutig interpretierbar sind. Dem Gebrauch der deutschen Sprache kommt unter diesen Umständen ein hoher Stellenwert zu.” Festredner Klaus-Friedrich Messerschmidt legte anschließend im Vortrag „Über plumpe, brave Burschen, tuckische Kulkraben und Engel mit kotgefleckten Flügeln“ seine Gedanken zur Sprache bei Friedrich Nietzsche, Thomas Müntzer und Georg Trakl dar. (s.a. unter Videos). Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung der Bundesdelegiertenversammlung durch das Gesangsensemble „VocHallensis“. Es begeisterte das Publikum mit mehrstimmigen Liedsätzen von der Renaissance bis zur Romantik.

In seinem Rechenschaftsbericht stellte der VDS-Vorsitzende Krämer am Samstag die Bedeutung der Regionalarbeit heraus: „Wir sind ein Verein, der aus den Graswurzeln wächst, der aus vielen verschiedenen Initiativen zusammenwächst und nicht von oben herab geleitet wird; sondern die Regionen machen das, was sie selbst für richtig halten.” Die Erfolge der Vereinsarbeit erläuterte Krämer anhand zahlreicher Beispiele aus dem zurückliegenden Jahr. Herausragende Glanzlichter waren das „Festspiel der deutschen Sprache“ am im Goethe-Theater Bad Lauchstädt, der bundesweit und international gefeierte 10. Tag der deutschen Sprache, die Verleihung des Kulturpreises Deutsche Sprache an Udo Lindenberg und die jährliche Wahl des Sprachpanschers. Ein ganzes Stück weitergekommen sei der Verein bei der Stärkung des Deutschen in der EU: Die Netzseite der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft ist auf deutsch verfügbar. Das war bei den Vorgängern Spanien, Schweden und Tschechien nicht der Fall gewesen. Zu den erfolgreichen Aktionen zählt ebenso die in Zusammenarbeit mit einer Boulevardzeitung außerordentlich gut angenommene Unterschriftenaktion „Deutsch ins Grundgesetz“. Auftritte bei Hauptversammlungen großer deutscher Aktiengesellschaften gehören genauso dazu wie die Auslobung des Wettbewerbes „Schlagzeile des Jahres“. Für unbedingt nachahmenswert hält der Vereinsvorsitzende die Durchführung regionaler Dichterwettbewerbe.

Am Nachmittag hatten die Tagungsteilnehmer in Arbeitsgruppen die Möglichkeit, zu neuen Einsichten und Ansichten zu gelangen oder den Verein inhaltlich mit eigenen Ideen voranzubringen. Themen waren unter anderem die Arbeit des VDS im Ausland, die europäische Sprachenpolitik, die Vereinsarbeit in den Regionalgruppen und die Mitgliedergewinnung sowie die Geschichte der Merseburger Zaubersprüche.

DV2011 Merseburg Urkunde George - Foto: Jörg Bönisch

200 Mitglieder und Delegierte des VDS kamen ins Merseburger Ständehaus. Der VDS-Vorsitzende Walter Krämer übergibt die Beitrittsurkunde für die Stadt an den Kulturamtsleiter Michael George. Fotos: Jörg Bönisch

Bericht der Region 06 (Halle)

Weitere Bilder von der Delegiertenversammlung

Videos

 


 

Medienecho

Über „Sale“, das überflüssigste Wort des Jahres 2009, das vom Verein Deutsche Sprache gekürt wurde, berichtete unter anderem die „Bild“, die auch den VDS-Regionalleiter in der Elfenbeinküste, Antoine Djokouéhi, zitierte: „Warum sagt man es nicht in der Sprache der Kunden?“ Das Wort des Jahres war „Abwrackprämie“. Die Mitglieder des Verein Deutsche Sprache aus dem In- und Ausland hatten darüber abgestimmt. (Bild vom 16.12.2009)

 

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Sprüche

„Sie müssen sich doch nur ansehen, wer dieses Geschwafel in unserem Lande eigentlich verzapft. ... Das sind Leute, die glauben, ihre Halbbildung könnten sie dadurch steigern, daß sie sich, weil es als schick gilt, plötzlich nicht mehr in Deutsch ausdrücken.“

Helmut Schäfer (FDP), Staatsminister im Auswärtigen Amt, auf einer Podiumsdiskussion in Hannover, 24.10.1999.