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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache

XLV. "Die Welt hat wichtigere Probleme, als sich mit Anglizismen und sprachlicher Vielfalt oder auch Reinheit zu beschäftigen."

Widerrede:
Wir Sprachstreiter achten alle, die nicht einfach nur das Sprachproblem der Deutschen klein reden wollen, sondern sich tatsächlich um die Lösung scheinbar wichtigerer Probleme kümmern. Diese sind der Öffentlichkeit viel stärker bewusst und eher als existent „akzeptiert“: Hungersnöte und Wassermangel hier, Diktatur und Folter da, Knechtung und Ermordung von Minderheiten, Rassismus, Verschwendungssucht und Mangel, wo Überfluss herrschen könnte, fehlende Selbstbestimmung und Fundamentalismus, statt nachhaltiger Nutzung des Globus nur dessen nachhaltige Zerstörung.

Weil diese Probleme im Bewusstsein von Öffentlichkeit und Politik längst angekommen sind, betreiben wir Kultur- und Sprachpolitik. Damit beziehen wir keine Luxus- oder Außenseiterposition. Kulturfragen sind die fast immer unerkannte Substanz vieler, nur oberflächlich bedeutenderer gesellschafts- und (welt)politischer Konflikte. Sie lassen sich friedlich und nachhaltig nicht im Zustand der Sprachlosigkeit lösen, sondern nur durch vertieften gedanklichen und kulturellen Austausch, Streit und Wettstreit. Erst wenn nicht mehr miteinander gesprochen wird, entsteht Krieg.

Ein weltweiter Sprachmischmasch nach Art von Denglisch könnte allerdings keinen Krieg verhindern. Und erst recht kann das Angloamerikanische als Sprache einer Weltmacht, die friedlichen Ausgleich nur durch Kommerz und Krieg zu finden behauptet, nur Misstrauen wecken.

Kultureller Austausch und friedlicher Ausgleich sind nur auf kulturell gleichberechtigter und deshalb auch muttersprachlicher Basis herzustellen. Deshalb sind wir uns mit unserem Einsatz für sprachliche Vielfalt keine Außenseiter. Wir befinden uns vielmehr in guter Gesellschaft mit allen Menschen, denen es mit der Lösung der weltweiten Konflikte ebenso ernst ist wie uns.

siehe auch I., VII., XXV.