Über den Index

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KonzeptUmfangEinordnung und StatistikLegendeAutoren und Quellen

Der Anglizismen-Index ist ein Verzeichnis von Anglizismen der deutschen Allgemeinsprache

Er will anregen, statt Anglizismen deutsche Ausdrücke zu verwenden, wo immer dies aus inhaltlicher und sprachästhetischer Sicht sinnvoll erscheint. Entscheidend für die Aufnahme eines Anglizismus in den Index ist dabei nicht die Häufigkeit seines Auftretens. Vielmehr will er jedem neuen Anglizismus so früh wie möglich eine deutschsprachige Alternative gegenüberstellen. Auch will der Index jenen helfen, die sich bemühen, ihren Gedanken ohne modische Anglizismen Ausdruck zu verleihen. Zudem kann der Index deutsche Besucher englischsprachiger Länder vor der Peinlichkeit bewahren, Pseudoanglizismen zu verwenden, die im Original-Englisch nicht vorkommen oder eine völlig andere Bedeutung haben.

Der Anglizismen-Index bietet für jeden Anglizismus mindestens eine deutsche Entsprechung an oder benennt Synonyme

Für Anglizismen mit nur einer Bedeutung (monoseme Anglizismen) gibt der Index im Idealfall auch nur eine deutsche Entsprechung an, z.B. für air bag nur „Prallkissen“ und für computer nur „Rechner“. Für Anglizismen mit mehreren Bedeutungen (polyseme Anglizismen) wie event und ticket werden hingegen Entsprechungen für die unterschiedlichen Bedeutungsvarianten aufgelistet. Der Nutzer kann danach je nach Sachverhalt die aus seiner Sicht treffendste Entsprechung auswählen.

Der Anglizismen-Index ist weder puristisch noch fremdwortfeindlich

Der Index ordnet die 7.500 aufgeführten Anglizismen zu 3 % als den deutschen Wortschatz ergänzend ein; 18 % differenzieren ihn zumindest, während 79 % der Anglizismen des Index existierende, voll funktionsfähige und verständliche Wörter aus der deutschen Sprache verdrängen oder zu verdrängen drohen.

Der Anglizismen-Index ist interaktiv

Das heißt, der Index ist ein lernoffenes System; alle Nutzer können über das Eingabefenster mit Ergänzungs- und Verbesserungsvorschlägen seine Aktualisierung ständig vorantreiben.

Der Index enthält nur solche Anglizismen, die nachweislich in der deutschen Allgemeinsprache vorkommen. Fachausdrücke sind nur dann aufgenommen, wenn sie auch in der „Allgemeinsprache“ verwen­det werden (siehe Schnittmengenmodell). Die Entscheidung darüber ist von Fall zu Fall schwierig und oft nur subjektiv zu treffen, denn die Grenzen zwischen der Allgemeinsprache und den Fachsprachen sind grundsätzlich offen. Für die verschiedenen Domänen (Kommunikationsbereiche) werden die folgenden Abkürzungen in Spalte 4 des Index verwendet:

  • Allgemeinsprache
  • Gesellschaft, Kultur, Politik
  • Informatik im Alltag
  • Popkultur und Szene
  • Reklame, Werbung
  • Sport
  • Technik, Wissenschaft
  • Wirtschaft

Nicht aufgenommen in den Index sind außerdem:

  • Vulgäre und obszöne Wörter,
  • Lehnwörter, die längst assimiliert sind und deren Herkunft aus dem Englischen nicht oder kaum noch erkennbar ist (Beispiele: Keks, Partner, Sport, Streik).

Im Index sind die Anglizismen in 3 Klassen geordnet, anhand derer erkennbar ist, welche Wirkung sie nach Einschätzung der Autoren auf den Wortschatz der deutschen Sprache haben oder haben können; diese Einordnung unterliegt jedoch keinen objektiven Kriterien. Als Eigennamen (EN) gekennzeichnete Einträge sind keiner Klasse zugeordnet. Jeder Nutzer des Index mag die Klassenzuordnung im Einzelfall für sich selbst bestimmen. Anregungen dazu sind willkommen und können über das Eingabefenster der Netzversion gemacht werden.

1 »Ergänzend«
sind  Anglizismen, die eine Wortlücke schließen und dadurch neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnen, darunter auch solche, deren Status bereits dem von Lehnwörtern gleich kommt, obwohl sie phonetisch und grammatisch (noch) nicht voll assimiliert sind. Wie in Fremdwörterbüchern werden für sie Synonyme angeboten. Beispiele: Baby, Boiler, Clown, fair, Interview, Sport.
2 »Differenzierend«
gegenüber existierenden deutschen Wörtern sind Anglizismen, die einen neuen Sachverhalt bezeichnen, für den eine deutsche Bezeichnung noch zu bilden und/oder wieder einzuführen ist. Vorschläge für deutsche Entsprechungen werden dazu angeboten. Beispiele: E-Post für e-mail, Prallkissen für air bag, (geschichtliche Vorbilder:) Bahnsteig für Perron, Bürgersteig für Trottoir, Hubschrauber für Helicopter.
3 »Verdrängend«
wirken Anglizismen, die statt existierender, voll funktionsfähiger und jedermann verständlicher deutscher Wörter und Wortfelder in zunehmendem Maße verwendet werden, dadurch die Verständigung erschweren und den sprachlichen Ausdruck verflachen, oder deren Verwendung für moderne Sachverhalte das Entstehen einer deutschen Bezeichnung und dadurch die Weiter­entwicklung der deutschen Sprache verhindern. Beispiele: keeper (Torwart), shop (Laden), slow motion (Zeitlupe), ticket (Fahr-, Eintritts-, Theater-, Kino-, Flugkarte, Strafzettel) bzw. all-inclusive (Pauschalangebot), bad bank (Auffangbank).

Statistik

Von den rund 7.500 Anglizismen des Index sind

3,0 % als ergänzend (1),
18,0 % als differenzierend (2) und
79,0 % als verdrängend (3)

eingeordnet.

 

Die VDS-Anglizismenliste besteht aus vier Spalten.

Spalte 1

enthält die Anglizismen oder Amerikanismen, und zwar im Allgemeinen in Originalschreibweise, jedoch mit folgenden Ausnahmen:

  • Englische Verben, die in der Umgangsprache häufig verwendet und dabei nach deutschen Regeln gebeugt werden, sind in der deutschen Infinitivform aufgeführt.
  • Englische Substantive, die in die Gruppe 1, ergänzend eingestuft sind, werden wie deutsche Substantive behandelt und groß geschrieben. Anglizismen, die im Englischen getrennt geschrieben werden, werden hier wie deutsche Komposita behandelt und als ein Wort geschrieben.
  • Englisch-deutsche Mischsubstantive und Eigennamen werden unabhängig von ihrer Einstufung groß geschrieben.

Außerdem gelten folgende Regeln:

  • Alle Einträge in dieser Spalte sind fett gesetzt.
  • Abkürzungen sind als solche aufgeführt und als Abkürzung alphabetisch eingeordnet, in Spalte 3 wird der abgekürzte Ausdruck genannt.
  • Hat ein Wort mehrere Bedeutungen, so ist das Wort in jeder Bedeutung einzeln aufgeführt und mit hochstehenden Zahlen indiziert.
  • Komposita und Ableitungen sind eingerückt, die Ableitungsbasis bzw. das dominierende Kompositionsglied steht am Anfang, gefolgt von zusammengesetzten Ausdrücken, beide jeweils in alphabetischer Reihenfolge.
  • Als Abkürzungen sind verwendet: (AE) für amerikanisches Englisch, (BE) für britisches Englisch, (d.A.) für deutsche Aussprache, (PA) für Pseudo- oder Scheinanglizismen, d.h. für anglisierende Wortbildungen oder englische Wörter, die als Anglizismen eine andere Bedeutung haben als im britischen oder amerikanischen Englisch, (EN) für Eigennamen.

Spalte 2

enthält, die Kennziffern für den Status der Anglizismen: 1 ergänzend, 2 differenzierend, 3 verdrängend. Sie beziehen sich immer auf die Originalschreibung und Lautung des Anglizismus in Spalte 1, auch wenn in Spalte 3 eine eingedeutschte Version oder eine wegen lateinischen, französischen oder griechischen Ursprungs ähnlich klingende deutsche Entsprechung angegeben ist. Für Eigennamen (EN) wird keine Kennziffer angegeben.

Spalte 3

  • enthält deutsche Entsprechungen des betreffenden Anglizismus, bzw. Synonyme im Falle seiner Einstufung als 1, ergänzend sowie Anmerkungen zu Eigennamen, Abkürzungen und Akronymen.
  • Gewagte oder spöttische Übertragungen sind kursiv gesetzt.
  • Mehrere deutsche Entsprechungen sind in einer Zeile im Allgemeinen alphabetisch geordnet; wenn eine Hauptbedeutung erkennbar ist, steht sie am Anfang, von den weiteren Bedeutungen durch einen senkrechten Strich (|) oder ein Semikolon getrennt. Entsprechungen können auch sonst, falls zweckmäßig, mit Hilfe von Semikola gruppiert werden.
  • Verweise sind kursiv gesetzt.
  • In Spalte 3 angeführte verwandte Anglizismen sind fett gedruckt.
  • Übersetzungsunabhängige Erklärungen stehen in Klammern und sind kursiv gesetzt.
  • Zur Übersetzung gehörende Ergänzungen stehen in Normalschrift in Klammern.
  • Als Abkürzungen sind verwendet: (Abk.) für Abkürzung, (CH) für Ausdruck aus dem deutsch-schweizerischen Sprachraum, (A) für Ausdruck aus dem österreichischen Sprachraum, (EN) für Eigennamen.

Spalte 4

enthält die Kennbuchstaben für die Kommunikationsbereiche (Domänen):

  • Allgemeinsprache
  • Gesellschaft, Kultur, Politik
  • Informatik im Alltag
  • Popkultur und Szene
  • Reklame, Werbung
  • Sport
  • Technik, Wissenschaft
  • Wirtschaft

Der Anglizismen-Index wurde unter Mitarbeit der Index-Arbeitsgruppe von Gerhard H. Junker (†) erarbeitet. Wesentlichen Anteil an Konzept und Gestaltung hatten in der Anfangsphase auch Klaus Däßler, Hermann H. Dieter und Hermann Zabel, später auch R. Bartzsch (†).

Aktive Mitarbeiter der Arbeitsgruppe sind zurzeit Albrecht Balzer, Klaus Däßler, Hermann H. Dieter, Dr. Holger Klatte, Reiner Pogarell, Sebastian Scheipers, Markus Schröder, Oswald Soukop (Verein ‚Muttersprache‘ – Wien), Werner Voigt, Heidi Wiesener und Mitarbeiter des „Sprachkreises Deutsch“, Bern (sprachkreis-deutsch.ch).

Autoren der Textbeiträge sind:

  • Anglizismen, die in die Irre führen: Dipl.-Ing. Gerhard H. Junker
  • Schluss mit der Engländerei!: Patrick Keck
  • Die Suche nach dem deutschen Wort: Dr. Holger Klatte
  • Über die Sprachloyalität der Deutschen: Prof. Dr. Heinz-Günter Schmitz
  • Die Anglomanie und die Sprachwissenschaft: Dr. Franz Stark

Karikaturen: Bernd Andreas Garth, Ideenfabrik Berlin

Bei der Erstellung des Index wurden folgende Quellen herangezogen: