Betriebswirte für klares Deutsch

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Getrieben von wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen stehen Europas Sprachen unter einem starken Globalisierungsdruck. Deutschland ist als Teil der Europäischen Union zudem in einen Verbund gestellt, der zunehmend zur Einebnung nationaler Gepflogenheiten und Kulturen neigt. Unbestritten ist die Stellung der deutschen Sprache somit heute breitflächig prekär.

Eine Facette dieser Entwicklung ist das sich offenbar epidemisch ausbreitende Denglisch. Politiker, Journalisten, Werbetreibende – und leider auch immer mehr Normalbürger – neigen zu einer fortschreitenden (und in den meisten Fällen komplett unnötigen) Ersetzung deutscher Worte durch englische Begriffe. Dieser Mangel an Sprachloyalität offenbart sich in „Tickets“ und „Events“, in „Highlights“ und „Performance“, in „Basics“ und „Electronic Handshakes“. Ein Gewinn an Ausdruckskraft entsteht hierdurch nicht.

Eine unrühmliche Rolle spielt hierbei leider auch die deutsche Wissenschaftsszene. Sprache ist aber nicht nur ein Kulturgut, sondern auch ein ganz praktisches Verständigungsmittel, das im Ideal dafür sorgen soll, dass sich Experten möglichst verständlich ausdrücken – damit möglichst viele Leute das Gesagte auch verstehen. Insofern erweist der gerade auch in den Wirtschaftswissenschaften grassierende Wahn, sich schriftlich wie mündlich nur noch auf Englisch ausdrücken zu wollen, unserer Gesellschaft einen Bärendienst. Den Jüngeren wird als Studenten suggeriert, man komme auch gut ohne die eigene Muttersprache aus, die Älteren verstehen oftmals „die Welt nicht mehr“. Relevante Erkenntnisse der Wissenschaft dringen so nicht mehr zu denen durch, die mit ihren Steuergeldern die Produktion eben dieser Erkenntnisse finanziert haben. Wissenschaft und Lebenswelt nabeln sich dann zusehends voneinander ab; die Entfremdung wächst. Denn unser Denken ist sprachvermittelt.

Diese Arbeitsgruppe setzt sich dafür ein, dass Forschung und Lehre auch weiterhin primär in unserer Muttersprache abgehalten werden. Auf Deutsch publizierte Beiträge dürfen weder im In- noch im Ausland ignoriert und diskriminiert werden, nur weil sie nicht in der neuen Lingua franca abgefasst sind. Deutsch ist nicht minderwertig und darf kein Nebenfach werden – weder in den Schulen noch in den Hochschulen! Seien wir so stolz auf unsere schöne und differenzierte Sprache, wie es zu Recht auch die Italiener, Franzosen und Spanier beim Gebrauch ihrer Landessprache(n) sind!

Dietrich von der Oelsnitz
Ostern 2018

 

Eine kleine Erfolgsgeschichte

Stakeholder?

Auf dem Campus läuft mir ein Kollege über den Weg. Ich bedanke mich gleich für seinen Beitrag in der Festschrift für mich. Er erwähnt ausdrücklich, wie er meinetwegen alle Anglizismen vermieden habe.

Nur für „stakeholder“ habe er kein deutsches Wort gefunden. Ich bin überrascht, denn zwischen ihm und mir hatte lange ein dritter Kollege sein Büro, der schon ein passendes deutsches Wort verwandte, als „stakeholder“ noch gar nicht verbreitet war. Also frage ich: „Erinnern Sie sich nicht an Otfrid Fischer und seine Anspruchgruppen?“

„Hm, Anspruchsgruppe – gar nicht so schlecht“, war die Antwort. Ich finde „Anspruchsgruppe“ ganz gut, gerade wegen des Hinweisens auf Gruppe. Denn es geht ja fast immer um eine Vielzahl von Menschen, die gleichartige Erwartungen gegenüber einem Unternehmen hegen, seien es konkret nun Kunden, Mitarbeiter, Gläubiger oder Aktionäre.

Das Gespräch mit dem Kollegen liegt zwölf Jahre zurück. Heute gab mir ein junger Wissenschaftler die neueste Version seiner Arbeit, an deren Beurteilung ich nicht beteiligt sein werde. Dennoch hatte er mit mir über die Vorversion gesprochen. In der neuesten Version sind aus „Stakeholders“ nun „Anspruchsgruppen“ geworden.

Hartmut Schmidt

Gloger, Axel: Betriebswirtschaftsleere – Wem nützt BWL noch?, Frankfurter Societäts-Medien GmbH
(Frankfurter Allgemeine Buch; zugl. Verlag Neue Zürcher Zeitung), Frankfurt am Main 2016 (zugl. Zürich 2016), 200 S., 19,90 €, ISBN 978-3-95601-152-8 (zugl. ISBN 978-3-03810-206-9).
Besprechung von: Univ.-Prof. Dr. rer. pol. habil. Thomas Hering, Hagen (Westf.)

Klaus Brockhoff: Betriebswirtschaftslehre in Wissenschaft und Geschichte – Eine Skizze, 5. Auflage, Springer-Gabler-Verlag: Wiesbaden 2017, 312 Seiten, 44,99 Euro. ISBN 978-3-658-14583-5
Besprechung von: Univ.-Prof. Dr. rer. pol. habil. Thomas Hering, Hagen (Westf.)

 

Prof. Dr. Hartmut Schmidt Universität Hamburg | Fakultät für Betriebswirtschaft