Statistiker für klares Deutsch

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Liebe Statistiker und Biometer (bzw. Biometriker), also liebe Freunde und Kollegen: Der Verein für Deutsche Sprache e.V. hat mich zum Leiter der Gruppe Statistiker für gutes Deutsch berufen. Es war mir schon stets ein Anliegen, in Publikationen und Vorlesungen bzw. Vorträgen unnötige Anglizismen zu vermeiden.

In einer Diskussion auf dem 46. Biometrischen Kolloquium der Deutschen Region der IBS wurde mir deutlich, auf welche Gegenreaktionen man bei diesem Vorhaben sofort stößt.

Das eine Argument beginnt mit „Im dritten Reich …“ und es werden dann unsinnige Eindeutschungsversuche von (lateinischen) Fremdwörtern aufgezählt. Ich selbst konnte mich nie mit Artur Linders (hat nichts mit dem 3. Reich zu tun) Ideen zur Eindeutschung anfreunden, z.B. statt Kovarianzanalyse Mitstreuungszerlegung zu sagen.

Das zweite Argument lautet, man würde sich mit einem eingedeutschten Ausdruck nicht verständlich machen können. Als Beispiel wird dann „odds ratio“ angeführt, dieser Begriff erhält den Artikel „das“, weil man im Hinterkopf wohl doch das Chancen- (oder Quoten-) verhältnis hat. Dagegen ist „power“ weiblich, da die, die es eingeführt haben, sehr wohl wissen, daß es sich um die Trennschärfe handelt.

Einige Kollegen aus der Statistik hatte ich vor Wochen angeschrieben und mehrere positive Reaktionen erhalten. Da Briefpost heute doch ziemlich antiquiert und umständlich ist, eröffne ich hiermit diese Netzseite als Diskussionsforum. Ziel soll es sein, eine Liste vermeidbarer Anglizismen in der Statistik und Ihren Anwendungen zusammenzustellen, die von einem möglichst breiten Kreis von Kollegen akzeptiert wird. Ich erwarte Ihre Vorschläge und hoffe auf eine fruchtbare Diskussion. Die Liste sollte aus 2 Teilen bestehen, eine Kandidatenliste mit ersten zu diskutierenden Vorschlägen und einer Liste allgemein akzeptierter Begriffe.

Herr Thöni bot als Übersetzung von Likelihood das Wort Mutmaßlichkeit an, dem ich persönlich keine Chance gebe. Wie gesagt, wir sollen nicht übertreiben. Als ich dies Herrn Richter aus Rostock sagte, meinte er, Herr Viertl hätte statt dessen Plausibilität vorgeschlagen und dies wird nun in Rostock verwendet.

Folgende Vorschläge entnehme ich „Elsevier’s Dictionary of Biometry“, das neben Erläuterungen auch Übersetzungen in Deutsch (und andere Sprachen) enthält:

englisch

deutsch

Bias Verzerrung
Biased verzerrt
Bootstrap method Münchhausenmethode
Controlled geplant (bei klinischen Studien)
Design Plan, Anlage (je nach Zusammenhang)
Dispersion Varianz (das ist ein Russizismus)
Fuzzy set unscharfe Menge
Intrinsically (nonlinear) eigentlich
Many to one problem Vergleich mit einem Standard
Multiple comparisons mehrfache (multiple) Vergleiche
Multivariate mehrdimensional
Odds ratio Quotenverhältnis (Chancenverhältnis)
Power Trennschärfe
Power function Gütefunktion (schließt H0 ein)
Random zufällig, aber Randomisieren
Random walk ?
Renewal Erneuerung
Survival problem Überlebenszeitproblem
Uniformly gleichmäßig
Uniformely most powerful gleichmäßig trennschärfster (Test)

Demnächst soll an dieser Stelle ein Diskussionsforum entstehen.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Dieter Rasch