Klares Deutsch in der Verwaltung

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ThemaVerweise und Literatur

Verwaltungshandeln ist sprachliches Handeln. Sprachliches Handeln ist eingebettet in eine soziale Praxis. Ist die soziale Praxis standardisiert, haben wir es mit Kultur zu tun. Kulturen sind „Antworten“ auf gesellschaftliche Probleme. Tauchen neue Probleme auf, müssen Kulturen darauf reagieren und sich selbst verändern. Da Verwaltungshandeln Sprachhandeln ist, liegt der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit von Behörden und Kommunen in einer Sprachkultur, die in der Lage ist, ihre eigenen Voraussetzungen zu reflektieren. Deshalb ist der Gegenstand der Arbeitsgruppe die Sprachkultur der öffentlichen Verwaltung. Anders gesagt: Es geht um die jeweils angemessene Sprache des Informierens, Reglementierens, Motivierens, Erklärens, Begründens und Aushandelns sowie um Sprach- und Kulturbewusstheit in der Ausbildung und in der Praxis der Verwaltung.

Die Ziele der Arbeitsgruppe

  • Vermittlungsfunktion der Sprache: Verstehen und Verständigung

Barrieren der Verständlichkeit in der schriftlichen, mündlichen und digitalen Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern identifizieren, untersuchen und überwinden.

  • Soziale Funktion der Sprache: Teilhabe und Engagement

(Kommunale) Sprachkulturen entwickeln, welche die Bildung von Gemeinschaften und den Umgang miteinander fördern und die von der Vielfalt leben.

  • Geistige Funktion der Sprache: Entwicklung und Wandel

Sprache als Medium von administrativen Lern- und Veränderungsprozessen erkunden und verbessern. Sprache als Quelle sozialer Innovation entdecken und neue Sprachen für neue Aufgaben und neue Identitäten entwickeln.

 


AG-Leiter Dr. Helmut Ebert (58) ist außerplanmäßiger Professor der Universität Bonn, Lehrbeauftragter der Ruhr Universität Bochum (RUB) und Geschäftsführer der „Prof. Ebert – Kommunikationsstrategie und Coaching GmbH“ (Bochum). Studium der Germanistik, Psychologie und Kommunikationswissenschaft (Universität Bonn). Dissertation über „Alltagssprache und religiöse Sprache in Luthers Briefen und in seiner Bibelübersetzung“ (1986). Habilitation über „Unternehmens- und Führungsgrundsätze“ (1994). Von 2008 bis 2010 Leiter der Abteilung „Deutsche Sprache und Kultur“ sowie kommissarischer Direktor des Zentrums für Deutschlandstudien an der Radboud Universiteit Nijmegen (NL). Beratung: Sprachkultur, präventive Kommunikation und Krisenkommunikation, Verwaltung-Bürgerkommunikation, PR-Texte, Marken­diskursanalyse, Textoptimierung und Verständlichkeitsforschung, Innovationskommunikation. Publikationen: „Handbuch Bürgerkommunikation“ (2. Aufl. LIT-Verlag 2016, gemeinsam mit Iryna Fisiak), „PR-Texte“ (UVK Verlag 2014).

Verweise

 

Literatur

  • Berger, Peter (2004): Flotte Schreiben vom Amt. Eine Stilfibel. Köln/Berlin/München: Carl Heymanns Verlag.
  • Ebert, Helmut/Fisiak, Iryna (2016): Handbuch Bürgerkommunikation. Moderne Schreib- und Kommunikationskultur in der Dienstleistungsverwaltung. 2. vollständig überarbeitete und erweiterte Aufl. Berlin: LIT Verlag.
  • Eichhoff-Cyrus, Karin/Antos, Gerd (Hrsg.)(2008): Verständlichkeit als Bürgerrecht? Die Rechts- und Verwaltungssprache in der öffentlichen Diskussion. Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich: Dudenverlag.
  • Fluck, Hans-R./Blaha, Michaela (Hrsg.)(2010): Amtsdeutsch a.D.? Europäische Wege zu einer modernen Verwaltungssprache. Tübingen: Stauffenburg
  • Lerch, K. D. (Hrsg.)(2004): Die Sprache des Rechts. Bd. 1: Recht verstehen: Verständlichkeit, Missverständlichkeit und Unverständlichkeit von Recht. Berlin: Walther de Gruyter.