Duden-Redaktion veröffentlicht den Leitfaden „Richtig gendern“

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Legitimiert nun der Duden auch schlimmste Auswüchse des Gender-Deutsch?

Vor etwa drei Jahren hat die taz-Redaktion ausnahmsweise einem Redakteur gestattet, kritische Gedanken zum Gender-Deutsch zu veröffentlichen. Der Journalist schrieb: „Das Binnen-I stört. Und jetzt machen ihm auch noch Sternchen, Unterstrich und x Konkurrenz. JournalistInnen, Feminist_innen und Expertx streiten über die neuen Versuche, gendergerecht zu schreiben.“ Seit wenigen Wochen gibt es jetzt zu diesem Thema die Duden-Richtschnur „Richtig gendern“. Was steht da zu lesen?

Die Duden-Redaktion hat im Oktober 2017 ein neues Werk (120 Seiten) herausgebracht: einen Leitfaden mit dem Titel: „Richtig gendern. Wie Sie angemessen und verständlich schreiben.“ Politisch links positionierte Medien sind begeistert. Das Neue Deutschland etwa (16.12.2017) schreibt: „Der Ratgeber ist dringend notwendig.“ Denn allein „die Zahl der Geschlechter“ habe „zugenommen“ – auf „mindestens 32 Zuordnungen“, nämlich von „Mann“, „Frau“ und „Bigender“ über „Transgender“ bis hin zu „Demiboys und Demigirls“.

Das sieht die Duden-Redaktion offenbar recht ähnlich. Sie will etliche Minderheiten sprachlich „schützen“. Deswegen sollte ein übergeordneter, vermeintlich „amtlicher“ Leitfaden her. Quasi „Duden-amtlich“. Denn selbst Genderisten haben mittlerweile oft, ob des schillernd „vielfältigen“ Gender-Mainstreamings, schon die sprachliche Orientierung verloren. Ganz zu schweigen von den ganz „normalen Bürgern“, die bekanntlich hierzulande immer noch die große Mehrheit bilden.

Was sind eigentlich die Aufgaben des Dudens?

Dazu schreiben die beiden Leitfaden-Autorinnen, dass das neue Buch dazu verhelfen solle, „angemessen und verständlich“ zu schreiben. Gleichzeitig helfe es, eine gendergerechte Sprache weiter zu etablieren. Einig sind sich die Bürger hierzulande wohl darüber, dass es des Dudens höchste Aufgabe sein müsste, dazu beizutragen, dass unsere deutsche Sprache gut verständlich und richtig gesprochen und geschrieben wird. Aber genau dieser Aufgabe wird das Gender-Buch nicht gerecht. Im Gegenteil: Selbst die schlimmsten Gender-Sprachwucherungen werden nicht als Kommunikations-Krankheit angeprangert.

Sehr viele Möglichkeiten der Gender-Sprache beschreibt das Autorinnenteam. Es weist zwar darauf hin, dass besonders ausgefallene Gender-Formulierungen nicht den „amtlichen“ Normen (der offiziellen Orthografie) entsprechen und auch den Sprachfluss behindern können. Doch gleichzeitig ermuntert das Duo selbst radikale Gender-Aktivisten (Seite 10) geradezu, sprachlich weiterhin „kreativ“ zu sein – also ihrer Lust zu frönen, immer neue Gender-Sprachblüten zu kreieren (Seiten 8 und 43 ff.).

Genderisten sind „wissenschaftlich“ orientiert, Kritiker dagegen „anti-wissenschaftlich“?

Menschen, die meinen, man müsse mindestens dem schlimmsten Gender-Deutsch dezidiert Einhalt gebieten, werden in der Schrift beschuldigt, neue „Erkenntnisse“ von „Genderforschung“ nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen. Anders gesagt: Gender-Verfechter etwa aus dem Hochschulbereich – die von Kritikern nicht selten als extrem ideologisierte „Schein-Wissenschaftlerinnen“ angesehen werden – gelten für die Duden-Redaktion anscheinend als vorbildlich. Kritiker der Gender-Gruppierungen dagegen sind in den Augen der beiden Autorinnen eher unwissende Hinterwäldler, die sich weigern, rationalen Argumenten zu folgen (Seite 120 f.).

Ideologisch fixierte und „wissenschaftlich“ verbrämte (mit Fußnoten und Literaturverzeichnis versehene) Pamphlete, die die Gender-Sprache weiter festigen und ausbauen sollen, bezeichnen Gender-Aktivisten also als „Forschungsergebnisse“. Kritiker jedoch werden von Gender-Aktivisten schlicht verleumdet: Sie seien angeblich „anti-wissenschaftlich“ orientiert. Das sind unverschämte Lügen, die mit objektiver Wissenschaft rein gar nichts zu tun haben – wohl aber mit sprachpolizeilicher Agitation und Propaganda.

Stellt sich der Duden in den Dienst linkspopulistischer Milieus?

Bekannte und hoch angesehene Kritiker des Gender-Deutsch – wie etwa Wolf Schneider, Henryk M. Broder, Birgit Kelle oder Tomas Kubelik – kommen in der Duden-Richtschnur nicht zu Wort. Selbst moderate Kritiker wie Winfried Kretschmann (Grüne), der kürzlich sagte, man solle es mit der Political Correctness „nicht übertreiben“, werden grundsätzlich nicht zitiert. So kann man sprachpolitisch die Einseitigkeit auf die Spitze treiben.

Josef Kraus, langjähriger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), hat vor kurzem das neue Duden-Werk rezensiert. Kraus’ Kernthese (bei Tichys Einblick) lautet, der neue „Duden“ sei „so überflüssig, wie es die Rechtschreibreform war“. Der neue Duden-Leitfaden sei „das Machwerk einer an Orwell‘schen Neusprech erinnernden Sprachpolizei, die mittels Sprache Volkspädagogik inszeniert“.

Kritische Leser bei „Amazon“ (wo man die Gender-Schrift für zwölf Euro auch schon erwerben kann) haben in der dortigen Kommentarspalte ihre Meinung präsentiert. Das Berliner VDS-Mitglied Lothar G. Kopp etwa schreibt, das Gender-Buch sei Ausdruck „sprachlicher Autokratie aus den Echo-Räumen von Gender-Professuren“. Er frage sich, warum „wir überhaupt ‚gendern’ sollen“ – und „das auch noch ‚richtig’“. Er verstehe zwar, dass ein Verlag wie der Duden „Geld verdienen will, aber warum macht er sich zum willigen Helfer eines feministisch dominierten, elitären, linkspopulistischen Milieus. DAS ist neu und politisch brisant“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Académie française und französische Regierung: Gegen Gender-Sprache

Kein Wort ist in dem Duden-Buch beispielsweise auch darüber zu lesen, dass die angesehene Académie française schon lange die sprachpolitische Position vertritt, den schlimmsten Auswüchsen der Gender-Sprache müsse endlich wirksam Einhalt geboten werden. Die Entscheidung der französischen Nationalregierung, bestimmte Formen der Gender-Sprache in den Behörden – auch in Schulen – zu untersagen, ist erst kurz nach Erscheinen der Duden-Richtschnur verbindlich geworden. Aber es ist leider anzunehmen, dass das Dekret des Premierministers Emmanuel Philippe das Autorinnen-Tandem kaum beeindruckt. Denn all zu sehr identifiziert sich das Zweier-Team offensichtlich mit politischen Zielen der Genderisten.

Perspektiven

Bei uns, in Deutschland, werden sich radikale Gender-Aktivisten zukünftig eifrig auf das Duden-Buch „Richtig gendern“ berufen. Das verheißt nichts Gutes für die Entwicklung der deutschen Sprache. Kritischen Beobachtern sei zum Beispiel das sprachpolitische Werk von Tomas Kubelik empfohlen („Genug gegendert! Eine Kritik der feministischen Sprache“). Gender-Gegner loben ebenfalls das Buch von Birgit Kelle („GenderGaga“). Die Autorin beschreibt hier, „wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will“.