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Mittwoch, den 22. Dezember 2010 um 11:06 Uhr

VDS-Infobrief 50. Woche 

Presseschau vom 15. bis 21. Dezember 2010

  • Deutsch in Tschechien
  • Unverständliche Wirtschaft
  • Wort des Jahres 2010: „Wutbürger“
  • Wörter sammeln für die Wissenschaft

 

Unverständliche Wirtschaft

Zu viele Fachbegriffe auf Englisch und unklare Begriffe führen zu Verwirrung und Verzicht. Besonders in der IT-Branche wimmelt es von Fachbegriffen, die nicht erklärt werden. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für kleine und mittlere Unternehmen (DIKMU) führt die unklare Sprache von IT-Dienstleistern dazu, dass eigentlich sinnvolle Programme und Technik nicht gekauft werden. (www.ftd.de)

Auch bei der Arbeitsplatzsuche sorgen englische oder denglische Bezeichnungen für Unsicherheit und somit Ablehnung. Bewerber möchten wissen, für welchen Posten sie sich bewerben und welche Anforderungen auf sie zukommen. Stellenanzeigen mit englischen Berufsbezeichnungen wie First Level Supporter (nimmt Reklamationen entgegen) schrecken ab und erhalten weniger Resonanz als Anzeigen mit deutschen Berufsbezeichnungen. (www.sueddeutsche.de)

Beispiele für englisches Kauderwelsch in Firmen listet diese Seite auf und fragt nach Lesermeinungen: (www.think-aboutit.de)

 

Deutsch in Tschechien

Das Institut ISEA für gesellschaftliche und ökonomische Analysen untersuchte die Deutschkompetenz von Tschechen im Vergleich zu anderen Sprachen und veröffentlichte nun das Ergebnis. Heraus kam, dass der Wille und die Fähigkeit zum Erlernen von Fremdsprachen nicht sehr ausgeprägt sind. Jedoch ist Deutsch eindeutig die zweite Fremdsprache, welche die befragten Tschechen lernen wollen. Allerdings verfügen sie nicht über den angemessenen Zugang: Deutsch wird nicht an allen Schulen unterrichtet und wenn, dann nicht immer durchgehend. Deutschland ist für Tschechien der wichtigste Wirtschaftspartner. Tschechische Arbeitskräfte mit Deutschkenntnissen sind gerade für höhere Positionen gefragt. (www.radio.cz)

 

Wort des Jahres 2010: „Wutbürger“ 

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) wählte „Wutbürger“ zum Wort des Jahres. Laut GfdS prägte dieser Begriff das Jahr 2010. „Wutbürger“ stehe für die Empörung in der Bevölkerung, dass politische Entscheidungen über ihren Kopf hinweg getroffen werden. So wie es bei „Stuttgart 21“ (auf Platz 2) geschah. Weit über die Region hinaus gab es Proteste gegen die Umwandlung des Stuttgarter Kopfbahnhofs in einen Durchgangsbahnhof. Auf den dritten Platz landete das „Sarrazin-Gen“. Der Begriff entsprang der Debatte über die Äußerungen von Thilo Sarrazin, dem früheren Berliner Finanzsenator und Bundesbankvorstand. (www.gfds.de)

Die erste Wahl zum Wort des Jahres gab es 1971 (aufmüpfig gewann). Seit 1991 gibt es das „Unwort des Jahres“, seit 2008 das „Jugendwort des Jahres“. Die „Welt online“ erklärt, dass allen große Aufmerksamkeit der Medien sicher ist. Dadurch stehe die Jury unter „Originalitätszwang“. So sei zu erklären, dass mit „Wutbürger“ Wort des Jahres sei, obwohl den Begriff kaum jemand kennt. (www.welt.de)

Die „Süddeutsche“ kritisiert, dass die Jury sich bei der Wahl an Debatten in den Medien orientiert und die Realität der Bürger außer acht lässt. (www.sueddeutsche.de)

 

Wörter sammeln für die Wissenschaft

Wissenschaftler der Harvard-Universität und die Internet-Firma Google haben die größte Sprachdatenbank aller Zeiten eröffnet. Sie umfasst mehr als fünf Millionen Werke in verschiedenen Sprachen, die zwischen 1800 und 2000 veröffentlicht wurden. Das sind ungefähr vier Prozent aller jemals gedruckten Bücher. Die Datenbank ist mit 500 Milliarden Wörtern mehrere Tausend Mal größer als jedes existierende Suchinstrument. 72 Prozent der Texte sind englisch, wesentlich geringer ist der Anteil auf Französisch, Spanisch, Deutsch, Chinesisch, Russisch und Hebräisch.

Die Textsammlung wird neue Forschungsansätze insbesondere für die Kulturwissenschaften ermöglichen. So gibt sie Einblicke in die Entwicklung des Wortschatzes einer Sprache und lässt Rückschlüsse auf die gegenseitigen Einflüsse der Sprachen zu. Außerdem lassen sich durch Stichwort-Abfragen bestimmte kulturelle Entwicklungen quantitativ belegen. Die Themen, über die die Menschen in der Vergangenheit diskutiert haben, lassen sich auf diese Weise besser untersuchen. (www.freitag.de)

Das Diagramm zeigt die Verwendungshäufigkeit des Wortes Anglizismen (nicht deren Zahl) in den Jahren 1945-2008 an.

anglizismen-verwendung

 

Dies ist der VDS-Infobrief. Jede Woche sammeln Mitarbeiter der VDS-Geschäftsstelle Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache und werten sie aus. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben. Wollen Sie diesen Info-Brief als E-Post erhalten, bitte Nachricht mit dem Betreff „Anmeldung” an:  infobrief@vds-ev.de

 

Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Sprüche

„Mich hat es gestört, dass es keine ordentlichen deutschen Texte gab. Ich dachte, das muss doch gehen. Dass ich Trommler war, kam mir sehr zugute. Ich hab mir die Sprache zurechtgetrommelt. Ich konnte gut Wörter dehnen wie Kaugummi, sie schleudern, zerbeißen, konnte rhythmisch auch die ersten Rap-Dinger anlegen: 'Käthe Dorsch wohnt in Kiel', das war schon Ende der Siebziger.“

Udo Lindenberg, DB mobil 5/2016