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VDS-Infobrief 45. Woche

 

Presseschau vom 9. bis 15. November 2011

  • Deutsch als Wissenschaftssprache erhalten
  • Anforderung „Sehr gutes Deutsch“ in Stellenanzeige ist nicht diskriminierend
  • Anglizismen
  • Deutsch ins Grundgesetz
  • Medienpreis für Sprachkultur verliehen
  • Unnötige Übernahmen aus dem Englischen
  • Kölner Volkshochschule: Ansturm auf Deutschkurse

 

Deutsch als Wissenschaftssprache erhalten

Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, sagte anlässlich des Essener Fachkongresses zum Thema „Deutsch in den Wissenschaften“ (10.-12.11.) der Nachrichtenagentur dpa: „An den deutschen Universitäten sollte vor allem deutsch gesprochen werden“. Die Vielfalt der Ausdrucksformen gehe sonst verloren, auch wenn Englisch unbestritten die Verkehrs- und Kongresssprache sei. Aber es dürfe nicht länger der Eindruck vermittelt werden, dass man nur mit Englisch in Deutschland leben, studieren und forschen könne. In den Geistes- und Sozialwissenschaften habe das Deutsche nach wie vor eine gute Chance, in den Naturwissenschaften nicht. Lehmann forderte die EU-Kommission und europäische Verleger auf, Datenbanken für den Nachweis wissenschaftlicher Publikationen in anderen Sprachen als dem Englischen aufzubauen. Klaus Reichert, Anglist, Übersetzer und früherer Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, erklärte, qualifiziertes Englisch sei so schwierig, dass es kaum ein deutscher Wissenschaftler beherrsche. Das Ergebnis sei eine Reduktion der wissenschaftlichen Inhalte. Auch der israelische Sprachwissenschaftler Guy Deutscher sprach sich für den Erhalt der Wissenschaftssprache Deutsch aus und schilderte plastisch die unterschiedliche kulturelle Wahrnehmung von Sprachen. Wissenschaftler aus dem Ausland wie Politikprofessor Randall Hansen von der Universität Toronto in Kanada und Pramod Talgerie, Vize-Kanzler der privaten „India International Multiversity“ im indischen Pune berichteten von einer wachsenden Begeisterung für die deutsche Sprache in ihren Herkunftsländern. (dradio.de, wienerzeitung.at, dw-world.de)

 

Anforderung „Sehr gutes Deutsch“ in Stellenanzeige ist nicht diskriminierend

Die Qualifikation „sehr gutes Deutsch“ darf per Stellenanzeige verlangt werden, wenn die Gesamtschau der Anzeige ergibt, dass Tätigkeit und Position dies erfordern. Das hat das Landesarbeitsgericht Nürnberg entschieden. Die Klägerin hatte sich nach einer Absage wegen ihrer russischen Herkunft diskriminiert gefühlt. Das Gericht entschied, dass das Merkmal „sehr gutes Deutsch“ darauf abstelle, dass der Bewerber die deutsche Sprache beherrscht - und nicht, dass er Deutscher ist. Sehr gute Sprachkenntnisse lassen sich grundsätzlich unabhängig von der ethnischen Herkunft erwerben. (arbeit-und-arbeitsrecht.de)

 

Anglizismen

...als Imponier-Deutsch

Helga Kotthoff, Professorin für Germanistische Linguistik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, erklärt in der „Zeit“, dass Anglizismen das neue Imponier-Deutsch seien und dass auch an Hochschulen die deutsche Sprache stetig entwertet werde. Neuerdings würden die Gebildeten sogar Latinismen anglisieren. Besonders auffällig werde dies bei Begriffen wie dual career oder diversity etwa bei der Beschäftigung mit kultureller Unterschiedlichkeit. Kotthoff sieht dies als Versuch einer sprachpolitischen Aufwertung, was aber nicht funktional sei. Stattdessen sei dies eine rituelle Form von Anglisierung, die kommuniziere: „Ich bin nicht nur gebildet, sondern ich gehöre auch einer internationalen community (!) an.“ Kotthoff führt zudem an, dass englische Begriffe in Deutschland ein Eigenleben hätten, die Bedeutung entweder eine andere oder eine speziellere sei. (zeit.de)

 

...in der Innenstadt

Über die Dominanz des Englischen in der Essener Innenstadt berichtete „Der Westen“. Bernd Rüschoff, Anglistik-Professor der Uni Duisburg-Essen und Präsident der „Gesellschaft für Angewandte Linguistik“ hält aber Shopping für einen sinnvollen Anglizismus, da er eine Bedeutungslücke im Deutschen schließe. Wer Shopping sage, meine nicht „Einkaufen“, sondern „Herumgehen und Spaß haben“. (derwesten.de)

   

Deutsch ins Grundgesetz

Bei der Anhörung im Petitionsausschuss des Parlaments reagierte die Mehrheit der Parteien skeptisch auf die Forderung des VDS und VDA die deutsche Sprache als Landessprache im Grundgesetz festzuschreiben. Unions-Abgeordnete Sabine Weiss erklärte, in ihrer Fraktion gebe es dazu noch keine „einhellige Meinung“ (vor drei Jahren stimmte die Mehrheit auf dem CDU-Parteitag für die Aufnahme von Deutsch in die Verfassung. Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und die FDP waren dagegen.) Memet Kilic (Bündnis 90/Die Grünen) meinte, dass das Gerichtsverfassungsgesetz und die Verwaltungsverfahrensgesetze Deutsch als Amtssprache ausreichend festlegen, Peter Röhlinger (FDP) befürchtete eine abschreckende Wirkung auf Fachkräfte aus dem Ausland, wenn diese erst Deutsch lernen müssten. Agnes Alpers (Die Linke) sagte, dass Deutschland eine multikulturelle Gesellschaft sei und Sprachkultur von dieser entwickelt werde. Eine Entscheidung steht noch aus. (das-parlament.de, berlinerumschau.com)


Medienpreis für Sprachkultur verliehen

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat den Medienpreis für Sprachkultur im Fernsehen an ZDF heute journal-Moderatorin Marietta Slomka verliehen. Sie schaffe mit ihrer klaren Sprache Nähe zum Zuschauer und halte aber zugleich journalistische Distanz zu den Themen. In der Sparte Presse erhielt der Internet-Journalist Stefan Niggemeier, der für „Spiegel Online“ und „Bildblog“ schreibt, den Medienpreis für deutsche Sprache. Die öffentliche Verleihung findet im Mai 2012 in Wiesbaden statt. (heute.de)

 

Unnötige Übernahmen aus dem Englischen

Einer Kolumne der Financial Times Deutschland gehen einige Übernahmen aus dem Englischen zu weit. So etwa „finden“ als wörtliche Übersetzung aus dem Englischen („Bitte finde die Details im Anhang“), „Waschraum“ und die zunehmende Verwendung von „mögen“ und „lieben“ für alle möglichen Dinge. (ftd.de)

Die „Thüringer Allgemeine stellt Oberhofs „verbale Buckelpiste“ vor: Die Oberhofer Tourismus GmbH wirbt jetzt mit Obstacles (kreativen Hindernissen). Das sind zum Beispiel ein Jib-Tank, ein Step-up und zwei Hand-Rails, ein Industrial-Rail, eine Butter- und eine Elephant-Box. All dies bezeichnet einfach „Erde, die am Rande des Ortes bewegt worden ist“ zu Buckeln und Hügeln auf der Ski-Piste. (thueringer-allgemeine.de)

 

Kölner Volkshochschule: Ansturm auf Deutschkurse

An der Kölner Volkshochschule (VHS) lernen in diesem Jahr 7.777 Teilnehmer Deutsch. Vor allem gut ausgebildete Spanier, aber auch Griechen, Polen und Italiener, teilweise mit mehreren Hochschulabschlüssen, ziehen in die Domstadt. Arabische, türkische und iranische Teilnehmer verzeichnet die VHS weniger. (rundschau-online.de)

 


 

 

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Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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