Suche auf der VDS-Seite

Drucken

VDS-Infobrief 46. Woche

Presseschau vom 16. bis 22. November 2011

  • Wissenschaftssprache Deutsch
  • Zweifel an Pflichtsprachtest für Einwanderer
  • Unternehmenssprache
  • Sprichwörter
  • Sinti und Roma
  • USA: Musikgruppe „Madsen“ wirbt für Deutsch
  • Deutsch-Türkisch
  • „2.0“ gegen „Reloaded und „Revisited“

Wissenschaftssprache Deutsch

Die „Welt“ und die „Süddeutsche“ berichten auch in dieser Woche über die Zukunft von Deutsch als Wissenschaftssprache. Der Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache (ADAWIS) in Berlin stellt in seinen „Leitlinien“ fest: „Wenn selbst nationale Kongresse mit ausnahmslos deutschsprachigen Teilnehmern, interne Seminare und alltägliche Besprechungen oft nur noch auf Englisch stattfinden, wenn immer mehr Studiengänge auf Englisch umgestellt werden und deutsche Wissenschaftsinstitutionen oft nur noch englischsprachige Förderanträge entgegennehmen, hat das negative Folgen für unseren Wissenschaftsstandort.“ Die negativen Folgen sieht die „Welt“ im Verlust der Wissenschaftstauglichkeit, „Deutschland fiele in die vordemokratische, vorlutherische Zeit eines elitären Wissenschaftsverständnisses zurück, in der Latein die Lingua franca der Gebildeten war und dem Plebs der Zugang zu höherer Erkenntnis verwehrt blieb.“ Die Welt macht darauf aufmerksam, dass trotz zugesagter Unterstützung des Bundespräsidenten Christian Wulff in der Politik keine Hilfe für die verheerende Situation der Wissenschaftssprache Deutsch erfolgt, stattdessen warfen auf der Essener Konferenz zur Wissenschaftssprache Deutsch „die floskelhaften und von keinerlei Problembewusstsein getrübten Grußworte von zwei Damen des Auswärtigen Amtes […] ein Schlaglicht auf die völlige Desorientiertheit der deutschen Politik in der Sprachenfrage“. Auch die „Süddeutsche“ erkennt, dass die einstige Wissenschaftssprache Deutsch heute „unter massiven Druck geraten (ist), namentlich durch den universalen Gebrauch des Englischen als der Lingua franca“. Sie kritisiert aber auch die universitäre Struktur, die Fremdsprachenzentren vernachlässige sowie die Wissenschaftler selbst, die weder gut auf Englisch noch auf Deutsch Texte verfassten. Fazit der „Süddeutschen“ ist, „dass aus der deutschen Wissenschaftslandschaft schon geraume Zeit nichts mehr gekommen ist, was auch den Anderen die Erlernung des Deutschen unentbehrlich oder mindestens ratsam erscheinen ließe. Kant, Hegel, Marx, das ist schon lange her.“

Vom 1. bis 3. Dezember beschäftigt sich die Internationale Jahrestagung des ZfL (Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin) mit der Verlagerung de Wissenschaftssprache Deutsch ins Englische im Rahmen der Geisteswissenschaft unter dem Motto „nachDenken. Internationale Wirkungsgeschichte der deutschsprachigen Geisteswissenschaften und ihrer Sprache“. (www.welt.de, Südddeutsche Zeitung (Druckausgabe) Nr. 263/ S. 11:Audienzgerecht, www.zfl-berlin.org)

 

Zweifel an Pflichtsprachtest für Einwanderer

Der Tagesspiegel berichtet über Zweifel am Pflichtsprachtest für Kinder, Eltern oder Ehepartner von Einwanderern aus dem Nicht-EU-Ausland. Seit Herbst 2007 gibt es einen Pflichtsprachtest, bei dem Einwanderer, die im Zuge der Familienzusammenführung nach Deutschland ziehen, Grundkenntnisse der deutschen Sprache nachweisen müssen. Nicht dazu verpflichtet sind Einwanderer aus Ländern wie Australien, Japan, Südkorea oder den USA. Das Bundesverwaltungsgericht bezweifelt die Vereinbarkeit der deutschen Vorschrift mit dem europäischen Recht. Die EU-Kommission hat im Mai 2011 in einem niederländischen Fall festgestellt, dass Sprachvorschriften nicht das Menschenrecht auf Familienleben einschränken dürfen. Die Regierung in Den Haag schaffte kurze Zeit später den Sprachtest vor der Einreise ab. (www.tagesspiegel.de)

 

Unternehmenssprache

Die „Süddeutsche“ stellt das Unternehmen eines Frankfurter Computerspiele-Herstellers vor, der Mitarbeiter aus 36 Ländern beschäftigt. Dort hat man sich auf die Unternehmens-sprache Englisch geeinigt. Englischkenntnisse sind Einstellungsvoraussetzung. Reiner Pogarell, stellvertretender VDS-Regionalleiter in Paderborn und Gründer des Instituts für Betriebslinguistik, schätzt, dass dies in kaum mehr als 500 Unternehmen der Fall sei. Vor zehn Jahren wollten im Zuge der Globalisierung viele Manager ihre Firmen bis in die kleinste Abteilung internationalisieren, „IT-Abteilungsleiter wurden zu CIOs und und Kundenbetreuer zum Costumers Care Center - und keiner weiß so genau, was diese Wörter eigentlich bedeuten.“ erklärte Pogarell. Die Verkehrssprache sei allerdings meist Deutsch geblieben. (www.sueddeutsche.de)

 

Sprichwörter

Das Zeit-Magazin sprach mit Wolfgang Mieder, Professor für Deutsche Sprache an der Universität von Vermont, über Merkmale und Hintergründe von Sprichwörtern. Der Sprichwortforscher erzählte, dass „Morgenstund hat Gold im Mund“ im Original „Morgenstund hat im Brot im Mund“ hieß, und lange das beliebteste Sprichwort in Deutschland war. Abgelöst wurde es von „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, einem Import aus England („The early bird catches the worm“), in Deutschland erst seit 1987 bekannt. Im 16. Jahrhundert waren Sprichwörter besonders beliebt, heute kommen sprichwortartige Formulierungen auch in der Politik, in den Medien und in der Werbung zum Einsatz. (www.zeit.de) 

 

Sinti und Roma

Deutschlandradio Kultur informierte über die Missstände bei der Bildungsteilhabe der Sinti und Roma in Deutschland. Laut Regierungsangaben leben etwa 70.000 Sinti und Roma in Deutschland. Sie sind wie die Friesen, Dänen und Sorben als nationale Minderheiten anerkannt und haben somit Anspruch auf eine eigene Kultur- und Sprachförderung sowie eine eigene Politikvertretung. Die deutschen Sinti und Roma wachsen zweisprachig auf: „Romanes wird zu Hause gesprochen, gleichberechtigt mit Deutsch. Das Deutsch der Sinti ist ein eigener Dialekt, der innerhalb der Familien weitergegeben wird. Eine Variante, die dem Ostpreußischen ähnelt. Wegen der gepflegten Familienkontakte bis ins Ausland können sie sogar oftmals mehr Sprachen sprechen als andere Menschen in Europa.“ Trotzdem sind sie sozial benachteiligt, weisen massive Bildungsdefizite auf und haben geringe Berufschancen. Ursache sind Diskriminierung (Antiziganismus), mangelnde interkulturelle Kompetenz an Schulen und der bildungsferne Hintergrund in den Familien aufgrund des jahrhundertelangen Antizigansimus. (www.dradio.de)


USA: Musikgruppe „Madsen“ wirbt für Deutsch

In den USA hat das Goethe-Institut San Francisco mit finanzieller Unterstützung vom Auswärtigen Amt und dem Europäischen Wiederaufbauprogramm für die niedersächsische Gruppe „Madsen“ 13 Konzerte in elf Städten unter dem Motto „Mad About German - Mad About Madsen“ organisiert. Als „Botschafter der deutschen Sprache“ singt „Madsen“ ausschließlich auf Deutsch, was Anreiz zum Deutschlernen in den USA schaffen soll. Deutsch hat in den USA momentan starke Konkurrenz von Spanisch und Mandarin-Chinesisch. Zudem ist das Angebot von Deutschkursen aufgrund von Budgetkürzungen niedrig – das Goethe-Institut schätzt die Anzahl etwa in Nordkalifornien auf etwa 25 überlebensfähige Programme. Mehr als 10.000 Schüler und Studenten haben inzwischen die Konzerte von „Madsen“ besucht. (www.focus.de, www.handelsblatt.com)

 

Deutsch-Türkisch

Die Internetseite „Deutsch Türkische Nachrichten“ berichtet über einen Beitrag in der türkischen Tageszeitung „Zaman“, der die Sprechweise junger Türken, die in der dritten Generation in Deutschland aufwachsen, untersucht hat. Typisch waren Sätze, die in einer Sprache beginnen und in der anderen enden, zum Beispiel „Ich hab’ bir buçuk saat Sport gemacht” (Ich habe für eineinhalb Stunden Sport gemacht) oder „Handy’mi evde unutmuşum“ (Ich habe mein Handy zuhause vergessen). Diese Fähigkeit hätten nicht viele Menschen, doch das Mischen der beiden Sprachen sei bei Außenstehenden, die etwa kein Türkisch verstehen, nicht gut angesehen. Zudem offenbare dieses Sprachverhalten Defizite, da einige Sprecher weder Deutsch noch Türkisch beherrschen. (www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de)

 

„2.0“ gegen „Reloaded und „Revisited“

Die „Welt“ moniert die übermäßige Verwendung von „Reloaded“ („neu entdeckt“, „wiederentdeckt“, „aufgefrischt“) und „Revisited“ („neu betrachtet“) in Zeitungsüberschriften. Diese „ewig gleiche Rhetorik“ zur Bezeichnung der „neuen Generation“ werde allerdings zunehmend von dem Begriff „2.0“ aus dem Netzjargon verdrängt. (www.welt.de)

 

Der Verein Deutsche Sprache im Internet: vds-ev.de, facebook.com
Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu,

 

Dies ist der VDS-Infobrief. Jede Woche sammeln Mitarbeiter der VDS-Geschäftsstelle Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache und werten sie aus. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben. Wollen Sie diesen Info-Brief als E-Post erhalten, bitte Nachricht mit dem Betreff „Anmeldung” an:  infobrief@vds-ev.de.

 

Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

Mitglied werden

vds-logo-kleinMachen Sie mit! Im Verein Deutsche Sprache e. V. tun Sie etwas für die Zukunft des Deutschen als Kultur­sprache. Jeder ist willkommen; inzwischen sind es mehr als 36.000 Menschen, die weltweit im VDS in über 120 Ländern die deutsche Sprache fördern. Sie können den VDS als stilles Mitglied unterstützen oder die Vereinsarbeit aktiv mitgestalten. Hier (PDF-Datei) finden Sie den Antrag auf Mitglied­schaft. Am besten gleich ausfüllen und mit gelber Post oder per Fax an die Vereinszentrale zurück­. Weitere Informationen finden Sie hier: Mitglied werden.

Stiftung Deutsche Sprache

stiftungdsDie Stiftung Deutsche Sprache ergänzt die Vereinsarbeit. Sie wurde 2001 ge­gründet, ist weltanschaulich neutral, politisch unabhängig und verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke.

Sprüche

Schrecklich, diese „fremdbestimmte Dauer-Beschallung” – vor allem wenn aus den Boxen einer dieser „Gute-Laune-Sender” töne. „Dieser ganze Mainstream-Rock-Faschismus macht mich krank!” Wer das Formatradio erfunden habe, gehöre „gevierteilt – und seine Eingeweide sollten von Geiern gefressen werden!” Da bricht der aufgestaute Frust zahlloser Tournee-Reise-Stunden vor dem Autoradio durch. Auf die Radiomacher, die „unsere Gesellschaft in die Knie zwingen wollen: Diese Nervsäcke in den Gute-Laune-Radios vergehen sich an der Geschmacksbildung – das ist die Hölle. Ganz bitter!”

Götz Alsmann
(derwesten.de, 5.11.2014)