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VDS-Infobrief 47. Woche

Presseschau vom 23. bis 29. November 2011

  • Schlagzeile des Jahres
  • Empfehlung zur Wissenschaftssprache
  • Rechtschreibrat: zu nachlässiger Umgang mit Sprache
  • Dialekte
  • Dänischer EU-Internetauftritt bald auch auf Deutsch
  • Filmsynchronisation
  • Literatur

 

Schlagzeile des Jahres

Der Verein Deutsche Sprache gab am Freitag (25.11.) die Schlagzeile des Jahres 2011 bekannt. Die Sieger-Schlagzeile stand in der Berliner taz: „Brüderle bei Ehrlichkeit ertappt“ (25. März 2011). Nach Ansicht der Jury brachte die taz damit die Schlitzohrigkeit dieses bekannten FDP-Politikers präzise auf den Punkt. (Zum Hintergrund: Rainer Brüderle soll den Atomstopp der Regierung vor Industriemanagern als Wahlkampftaktik bezeichnet haben.) Gemeinsam auf dem zweiten Platz landeten „Nein tanke! Der Irrsinn mit dem Biosprit“ aus BILD, 8. März 2011, und „Circus Krone – vom Sinn und Wahnsinn der britischen Monarchie“ aus dem Spiegel vom 18. April 2011. Die komplette Liste der besten 30 Schlagzeilen ist hier nachzulesen.
(vds-ev.de, www.spiegel.de, www.faz.net, www.bild.de) 

 

Empfehlung zur Wissenschaftssprache

Die Mitgliederversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) empfiehlt zur „Sprachenpolitik an den deutschen Hochschulen“, Mehrsprachigkeit sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene in der Wissenschaft zu fördern. Die Sprachenvielfalt solle Deutsch als Wissenschaftssprache erhalten und zugleich „den qualifizierten Erwerb und Einsatz anderer Sprachen unterstützen.“ Die Präsidentin der HRK, Prof. Dr. Margret Wintermantel, sagte: „Wir müssen dafür sorgen, dass die lebendige Kommunikation zwischen den Hochschulmitgliedern nicht eingeschränkt wird. (…) Es ist auch ein Problem, wenn nicht-englischsprachige wissenschaftliche Veröffentlichungen immer weniger berücksichtigt werden. Dies führt zu Wettbewerbsverzerrungen, die wir nicht hinnehmen können.“ Der zuständigen Arbeitsgruppe bei der HRK gehörten auch der VDS-Vorsitzende Walter Krämer und der Biologe Ralph Mocikat (ADAWIS e.V.) an. (idw-online.de)

 

Rechtschreibrat: zu nachlässiger Umgang mit Sprache

In der Hannoverschen Allgemeinen stand, dass der Rat für deutsche Rechtschreibung „den nachlässigen Umgang von Lehrern und Schülern mit der Sprache“ beklage. Rechtschreibung bedürfe gemeinsamer Anstrengung. Dass jeder fünfte Jugendliche als Analphabet gelte, sei nicht hinnehmbar, sagte der Ratsvorsitzende Hans Zehetmair. Neben der Schule sollten sich auch Schulbuchverlage um bessere didaktische Konzepte bemühen. Der Rat für deutsche Rechtschreibung wurde 2004 gegründet, sein erklärtes Ziel war die Wiederherstellung des „Sprachfriedens“. (www.haz.de)

 

Dialekte

Die Süddeutsche Zeitung sprach mit dem Dialektforscher Karl-Heinz Göttert über die Entwicklung und das Ansehen von Dialekten. Seit den 70ern würden Dialekte nicht mehr als bildungsfern gelten, da die Globalisierung als „sprachliches Gegenprogramm eine Aufwertung von Regionalität“ bescherte. Heute werde Dialekt in der Öffentlichkeit gezielt eingesetzt, etwa wenn Politiker sich mit ihrer Mundart volksnah geben. Und Dialekt sei beliebt, was Göttert an dem Erfolg des Dialektfilms „Willkommen bei den Sch'tis“ belegt sieht. Allerdings sei Dialekt heute eher ein zusätzliches Register und „eine abgeflachtere, für größere Regionen gültige und entsprechend verständlichere Version“. Über die Lebensdauer von Dialekten gibt es gegensätzliche Auffassungen, Göttert glaubt nicht an das Aussterben, prognostiziert aber, dass im Jahr 2040 das Bairische in München verschwunden sein werde. (www.sueddeutsche.de)

 

Dänischer EU-Internetauftritt bald auch auf Deutsch

„Der Nordschleswiger. Deutsche Tageszeitung in Dänemark“ berichtet, dass die dänische Regierung ihren EU-Internetauftritt zur dänischen EU-Ratspräsidentschaft ab 1. Januar 2012 auf der Seite www.eu2012.dk auch in deutscher Sprache präsentieren wird. Dafür hat sich der VDS in Dänemark unter Leitung von Anne-Marie Fischer-Rasmussen eingesetzt. Nachdem zunächst die Forderung nach einer deutschen Fassung abgelehnt wurde, wartete der VDS mit guten Gründen für Deutsch auf: Mit 90 Millionen Menschen haben die meisten EU-Bürger Deutsch als Muttersprache, das EU-Parlament habe im Jahre 2008 eine Resolution mit der Aufforderung an die jeweilige EU-Ratspräsidentschaft verabschiedet, „wonach die EU-Auftritte im Internet in so vielen Sprachen wie möglich, insbesondere aber in den zahlenmäßig stärksten Sprachen erfolgen sollen“ und schließlich hätten auch die letzten drei EU-Ratspräsidentschaften – Belgien, Ungarn und Polen – jeweils die deutsche Sprache in ihrer Internet-Präsentation berücksichtigt. (www.nordschleswiger.dk)


Filmsynchronisation

Der Bundesvorstand der Synchronproduzenten, Christian Wunder, erklärte in einem Gespräch mit der dpa, dass vor allem die Synchronisation englischsprachiger Filme für die Studios jedes Mal wieder eine Herausforderung sei. Englisch sei eine wenig dankbare Sprache. Da Englisch in der Regel zwei Silben kürzer als Deutsch sei, müssten die Filmdialoge zugunsten der Lippensynchronität häufig gekürzt werden. Pro Jahr würden in Deutschland 250 bis 300 Kinofilme synchronisiert, so viel wie in keinem anderen Land. (wissen.dradio.de)

 

Literatur

Die Carl-Zuckmayer-Medaille des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten wird am 18. Januar dem Autor Uwe Timm für seine Verdienste um die deutsche Sprache verliehen. Laut Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sei Timm „im besten Sinne des Wortes ein Bestseller-Autor“, der viel zum Verständnis der Nachkriegsgeschichte beigetragen habe. Auf komische Weise sei dies bei dem Werk „Die Entdeckung der Currywurst" (1993) geschehen, auf tragische Weise in „Der Freund und der Fremde“ (2005), worin Timm an seinen Schulkameraden Benno Ohnesorg erinnert. (www.nachrichten.at)

Die Deutsche Welle berichtet über die Buchmesse in Guadalajara (Mexiko), „die größte ihrer Art auf dem amerikanischen Kontinent“. Ehrengast ist dieses Jahr Deutschland, doch vielen Mexikanern fehle das geschichtliche Hintergrundwissen über Deutschland (DDR, Zweiter Weltkrieg). Erst mit diesem Wissen erschlössen sich die meisten deutschen Bücher und deshalb habe deutsche Literatur in Mexiko einen schweren Stand, die Zahl der Übersetzungen sei „überschaubar“. Ausnahme sei die gebürtige Rumänin und Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, die „eine erstaunliche Popularität in Lateinamerika“ genieße. (www.dw-world.de)

Deutschlandradio Kultur hat Urs Widmers „Stille Post. Kleine Prosa.“ besprochen. Zwar gefällt der Rezensentin nicht jedes Stück, doch gebe es „auch hier die hohe Kunst des Urs Widmer zu bewundern, uns so scheinbar leicht zu entführen in Sphären von Angst, Unsinn und Erkenntnis.“ Das sprachlich Besondere an Widmers neuem Band ist, dass er seinen Text mehrmals hat übersetzen lassen: zuerst vom Deutschen ins Spanische, vom Spanischen ins Chinesische, dann ins Englische und später wieder ins Deutsche. (www.dradio.de)

 

 

Der Verein Deutsche Sprache im Internet: vds-ev.de, facebook.com
Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu,

 

Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Sprüche

Dass Sprache und Worte auch Stil, Klasse und Poesie haben können, das geht in unserem schnelllebigen, alltäglichen Miteinander völlig verloren. 

Hannah Herzsprung, Schauspielerin, über das wunderschöne Deutsch in ihrem Film "Die geliebten Schwestern"