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Donnerstag, den 08. Dezember 2011 um 16:26 Uhr

VDS-Infobrief 48. Woche

Presseschau vom 30. November bis 6. Dezember 2011


  • Christa Wolf ist gestorben
  • Deutsch in der EU
  • Dialekte: damals und heute
  • Zauber der Namen
  • Internetsprache
  • Fremdsprache in der Grundschule
  • Jugendwort des Jahres: „swag“
  • Deutsch im Radio
  • Analphabetismus bei Jugendlichen

Christa Wolf ist gestorben

Am Donnerstag (1. Dezember) starb im Alter von 82 Jahren die Schriftstellerin Christa Wolf, die mit Werken wie „Der geteilte Himmel“, „Kassandra“ oder „Nachdenken über Christa T.“ bekannt wurde, die „wie kaum eine andere Autorin für die deutsche Nachkriegsgeschichte“ stand (SZ) und die eine der wichtigsten deutschen Autoren war. Bundespräsident Christian Wulff erklärte: „Ihre Literatur hat die Menschen in unserem Land bewegt und begeistert und zum Nachdenken gebracht“. In ihrer Literatur hätten sich „die großen Hoffnungen und Irrtümer, die Ängste und Sehnsüchte ganzer Generationen“ widergespiegelt. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sagte: „Sie war eine mutige Schriftstellerin, die die zentralen Fragen ihrer Zeit und ihrer Problematik ausdrücklich behandelt hat.“ Christa Wolf erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Georg-Büchner-Preis, den Deutschen Buchpreis und den Thomas-Mann-Preis. 1990 verlieh ihr die Universität Hildesheim die Ehrendoktorwürde, in den USA erhielt sie das Ehrendoktorat der Ohio State University. (www.faz.net, www.sueddeutsche.de, www.welt.de, www.zeit.de, www.tagesschau.de)

 

Deutsch in der EU

Der VDS lobte in einer Pressemeldung den Entschluss der dänischen Regierung, den Internetauftritt der EU-Ratspräsidentschaft auch auf Deutsch anzubieten. Dafür hatte sich die dänische Zweigstelle in den vergangenen Wochen eingesetzt (siehe auch Infobrief Nr. 77, 47. Woche). Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion begrüßte ebenfalls diese Entscheidung, schrieb den Erfolg aber der Union zu, die sich „gegenüber den EU-Institutionen stets dafür stark macht, der deutschen Sprache in Brüssel mehr Bedeutung zukommen zu lassen“. Zudem sprachen sich der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion Wolfgang Börnsen (Bönstrup) und der zuständige Berichterstatter Christoph Poland in einer Pressemitteilung dafür aus, dass Deutsch gleichberechtigte Arbeitssprache in der EU werden müsse. Zwar ist Deutsch in der EU Amts- und Arbeitssprache, in der Praxis wird jedoch etwa in der Kommission und im Ministerrat überwiegend Französisch und Englisch gesprochen. Dies entspreche nicht der Bedeutung des Deutschen, das mit 90 Millionen die meisten Muttersprachler in der EU hat. (vds-ev.de, www.cducsu.de) 

 

Dialekte: damals und heute

In dieser Woche sprach die „Welt“ mit dem Sprachforscher Karl-Heinz Göttert über Dialekte, dessen Buch „Alles außer Hochdeutsch. Ein Streifzug durch unsere Dialekte" im November erschienen ist (siehe auch Infobrief Nr. 77, 47. Woche). In dem Interview sagte Göttert, dass eine „Färbung bezüglich der verschiedenen Sprachregionen auch der deutschen Sprache immer erhalten bleiben“ werde. Er erklärt, dass das Beurteilen von Dialekten stets etwas mit Macht zu tun habe. So habe das heute als schrecklich empfundene Sächsisch bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts als vorbildliches Deutsch gegolten. Nachdem die Sachsen von den Preußen besiegt wurden, galt das Nordische als vorbildlich. Zudem plädiert Göttert dafür, „Respekt davor zu entwickeln, wenn Türken, die Deutsch lernen, ihren eigenen Akzent mit ins Deutsche tragen.“ So entstehe ein neuer Dialekt. (www.welt.de) 

 

Zauber der Namen

Deutschlandradio Kultur berichtete über Namensgebung. Der Theologe Otmar Schulz meinte, dass alle unsere Namen wert- und bedeutungsvoll seien und „einen regelrechten Zauber haben“. Schulz führte Akte der Namensgebung aus der Bibel an (Engel überbrachten die Namen Johannes und Jesus), erklärte, dass früher Heilige und bedeutende Herrscher Vorbild bei der Namenswahl waren und widerlegte Vorurteile über schichtspezifische Vornamen wie „Kevin“ und „Mandy“. Zudem ging er auf die Zugehörigkeit des Namens zur Identität ein, denn laut des Zürcher Psychoanalytikers Peter Widmer bilde ein Name den „Kern des Psychischen“. (www.dradio.de) 

 

Internetsprache

Peter Schlobinski, Linguistik-Professor an der Leibniz Universität Hannover und künftiger Konrad-Duden-Preisträger, hielt in Wiesbaden im Rahmen der Reihe „Sprache in den Medien“ der Gesellschaft für deutsche Sprache einen Vortrag über Internetsprache. Schlobinski erklärte, dass Internetsprache mit Zeichen wie :-)= Smiley (freundliches Gesicht, Lächler Smile) und Abkürzungen wie 4u = for you = für dich, ganz normaler Sprachgebrauch sei und nicht die korrekte Schriftsprache niederreiße. Die Internetsprache beachte die herkömmliche Syntax in allen Sprachen, nehme aber zusätzlich Bildzeichen (engl.: icons) auf und arbeite mit Abkürzungen, Auslassungen und Lautwörtern. Internetsprache verbinde Schriftsprache und gesprochene Umgangssprache und habe aufgrund ihrer Schnelligkeit eine hohe Fehleranfälligkeit und Fehlertoleranz. (www.wiesbadener-tagblatt.de)

 

Fremdsprache in der Grundschule

Dem „Spiegel“ erklärte Sprachwissenschaftler Thorsten Piske, dass die Abschaffung des Fremdsprachenunterrichts in den ersten beiden Klassen in Baden-Württemberg ein Rückschritt sei. Piske behauptet: „Je früher Kinder Zugang zu einer Fremdsprache haben, desto aufgeschlossener sind sie gewöhnlich anderen Kulturen gegenüber“. Baden-Württemberg reagierte mit der Einführung des Fremdsprachenunterrichts erst ab der dritten Klasse auf die Empfehlung eines Expertenrats. Untersuchungen zeigten, dass früher Fremdsprachenunterricht kaum oder sogar negative Auswirkungen auf das Sprachverständnis habe und besonders Kinder mit Migrationshintergrund überfordere. Piske meint, dass Ursache der negativen Ergebnisse nicht der frühe Beginn des Fremdsprachenunterrichts sei, sondern mangelnde Unterrichtsqualität. (www.spiegel.de)

 

Jugendwort des Jahres: „swag“

Der Langenscheidt Verlag kürte in Kooperation mit der Jugendzeitschrift SPIESSER und mit der Jugendmesse YOU das Wort „swag“ zum Jugendwort des Jahres. Swag komme ursprünglich aus dem Lied „Turn my swag on“ des amerikanischen Rappers Soulja Boy und stehe für eine „beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung“ und eine „charismatisch-positive Aura“. Im deutschsprachigen Raum habe den Begriff der Wiener Rapper Money Boy mit dem Lied „Dreh den Swag auf“ bekannt gemacht. Die Jury begründet ihre Wahl mit Abgrenzung zu den zweit- und drittplatzierten Jugendwörtern „Fail/Epic Fail“ und „guttenbergen“ seien schon im Sprachgebrauch Erwachsener zu finden und der Begriff sei originell. Unverständnis und Ratlosigkeit äußern nicht nur Jugendliche im Internet. Die „Süddeutsche“ erklärt die 23 Begriffe, die zur Wahl standen, und kommentiert „swag“: „Womöglich war die Jury, in der unter anderem Jugendliche sitzen, froh, einen Begriff gefunden zu haben, den wirklich nur Jugendliche kennen“. Das „Hamburger Abendblatt“ wird deutlicher: „Doch dass das Jugendwort viel mit der aktuellen Jugendsprache zu tun hat, ziehen Fachleute in Zweifel“. So weiß etwa Sprachforscherin Eva Neuland von der Bergischen Universität Wuppertal, dass gewählte Jugendwörter mit der Realität oft nicht viel zu tun hätten. Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch kritisiert in seinem „Sprachlog“ heftig die Wahl und die Beliebigkeit der Auswahl: Der Langenscheidt Verlag mache sich damit „zum Affen“. (www.sueddeutsche.de, www.jugendwort.de, www.abendblatt.de, www.scilogs.de)

 

Deutsch im Radio

Die deutsche Minderheit in Polen will beim polnischen Medienrat einen eigenen Radiosender beantragen. Geplantes Sendegebiet sei die Woiwodschaft (Region) Opole (Oppeln) und Teile von Nieder- und Oberschlesien. Laut polnischem Mediengesetz müssten 30 Prozent des Programms auf Polnisch gesendet werden. Die kaschubische Minderheit in Polen hat seit einigen Jahren mit „Radio Kaszëbë“ ein eigenes Radioprogramm. (www.radiowoche.de)

Carl Dieter Heckscher, bekannt als Dieter Thomas Heck, sprach sich in einem Interview zur Vorstellung seiner Biografie für eine Deutsch-Quote im Radio aus und fügte hinzu: „Wir schicken so viel Geld ins Ausland, nun auch noch beim Schlager oder der Musik überhaupt?“. Heck moderierte 16 Jahre lang die ZDF-Hitparade. In der Zeit nahmen nur deutschsprachige Titel teil. Ein „Rezept“ für den Erfolg eines Liedes gebe es nicht, aber „Es muss den kleinen Wurm im Ohr bewegen“. (www.rheinpfalz.de)

 

Analphabetismus bei Jugendlichen

Jeder fünfte 15-Jährige müsste als Analphabet gelten, gab der Rat für deutsche Rechtschreibung bekannt. Die Geschäftsführerin des Rates, Kerstin Güthert, sagte: „20 Prozent Analphabetismus sind ein Skandal, den unsere Gesellschaft nicht hinnehmen darf”. Analphabetismus bedeutet, dass grundlegende Regeln der Rechtschreibung nicht beherrscht werden. Gründe seien, dass Kindern zu wenig vorgelesen wird, sie später selbst wenig lesen und Mängel in der Lehrerausbildung und in Schulbüchern.

Das Schülermagazin „scoolz“ fragt im Internet: „Kannst Du die Studie bestätigen?“. Die Mehrheit (53.85 Prozent) sagt bis jetzt „Ja! Ich kenne viele Leute in meinem Alter, die große Probleme mit der Rechtschreibung haben“. (www.swr.de, detektor.fm, www.scoolz.de)

 

Der Verein Deutsche Sprache im Internet: vds-ev.de, facebook.com

Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu, facebook.com

 

Dies ist der VDS-Infobrief. Jede Woche sammeln Mitarbeiter der VDS-Geschäftsstelle Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache und werten sie aus. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben. Wollen Sie diesen Info-Brief als E-Post erhalten, bitte Nachricht mit dem Betreff „Anmeldung” an:  infobrief@vds-ev.de.

 

Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Sprüche

Englisch ist der Volkswagen unter den Sprachen, Deutsch ist der Rolls-Royce.
(Bastian Sick 2011)

Jedes Imitieren einer sprachlichen Mode ist eine Form der Anbiederung. Und Anbiederung ist das Gegenteil von Souveränität.
(Bastian Sick 2015)

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