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VDS-Infobrief 49. Woche

Presseschau vom 7. bis 13. Dezember 2011

  • Interesse an deutscher Sprache steigt - oder nicht?
  • Günter Grass verurteilt Journalisten bei Trauerfeier für Christa Wolf
  • Franz-Hessel-Preis verliehen
  • Jedes vierte Kind braucht Sprachförderung
  • Spaltung im Förderverein Bairische Sprache und Dialekte
  • Gebärdensprache in der Politik
  • Deutsch auf dem Schulhof
  • Feinheiten im Deutschen und Arabischen
  • Künftig keine Anglizismen in Elsdorf
  • Hörbuch vermittelt korrekte Aussprache
  • Wettbewerbe

 

Interesse an deutscher Sprache steigt - oder nicht?

Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass weltweit das Interesse an der deutschen Sprache gestiegen sei. Lehmann erklärte: „Was uns zu Gute kommt, ist die derzeitige miserable wirtschaftliche Situation in Südeuropa: Alle lernen Deutsch“. Besonders für Jugendliche in Europa sei Deutsch für ihre berufliche Karriere attraktiv. Auch in Indien werde die deutsche Sprache zunehmend gefördert: „Ab dem nächsten Jahr richten wir 1.000 Schulen mit einer deutschen Sprachabteilung ein, die Deutsch bis zur Hochschulreife anbieten“. Lehmann kritisierte zudem, dass hinsichtlich der Wirtschafts- und Schuldenkrise in Europa überwiegend das Ökonomische im Vordergrund der öffentlichen Aufmerksamkeit stehe, kulturelle Aktivitäten würden auf der Strecke bleiben. (www.net-tribune.de, www.tagesanzeiger.ch, www.tagesspiegel.de)

Demgegenüber steht eine Studie der EU-Statistikbehörde Eurostat. Sie ergab, dass in den meisten EU-Ländern (mit Ausnahme von Luxemburg) der Anteil der Deutsch-Schüler drastisch gesunken sei. (www.welt.de)

 

Günter Grass verurteilt Journalisten bei Trauerfeier für Christa Wolf

Am Dienstag (13.12.) kritisierte Günter Grass in seiner Trauerrede zur Gedenkfeier zu Ehren von Christa Wolf in der Berliner Akademie der Künste auf das Schärfste die Berichterstattung um Christa Wolf nach dem Mauerfall. Damals hätten allen voran die Journalisten Ulrich Greiner und Frank Schirrmacher von der „Zeit“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Christa Wolf aufgrund ihrer „erst“ 1990 veröffentlichten Erzählung, in der es auch um die Bespitzelung des Ehepaares Wolf durch den Staatssicherheitsdienst der DDR ging, „mit nicht endenwollendem Wortschwall niedergemacht. Es war, als wollte man eine öffentliche Hinrichtung zelebrieren.“ Wolf sei „Verleumdung, verfälschten Zitaten und immer wieder versuchtem Rufmord“ ausgesetzt gewesen. Vergeblich sei wohl die Erwartung, es könnten sich die Wortführer der Kampagne von einst spätestens jetzt nach Christa Wolfs Tod nachlesbar entschuldigen, und sei es auch nur, indem sie die verletzende Wirkung ihrer Infamie erkennen würden. Doch offenbar fehle jener Mut zum Selbstzweifel, den Christa Wolf lebenslang im Übermaß bewiesen habe. (www.fr-online.de, www.stern.de)

 

Franz-Hessel-Preis verliehen

Am Donnerstag (8.12.) haben der Kulturstaatsminister Bernd Neumann und der französische Kulturminister Frédéric Mitterrand in Paris den deutsch-französischen Literaturpreis „Franz-Hessel-Preis“ 2011 an die Autoren Thomas Melle und Céline Minard verliehen. Bernd Neumann erklärte: „Frédéric Mitterrand und ich haben den deutsch-französischen Literaturpreis vor allem deshalb ins Leben gerufen, um den deutsch-französischen Kulturraum innerhalb Europas zu stärken und den literarischen Dialog zwischen unseren beiden Ländern zu vertiefen.“ Zudem wies Neumann der Kultur einen hohen Stellenwert zu: „Kultur ist die Quelle der Kreativität; und gerade in einer Krise sind wir auf diese angewiesen!“ Der mit jeweils 10.000 Euro dotierte Literaturpreis solle dazu beitragen, dass die Werke der preisgekrönten Autorinnen und Autoren in die jeweils andere Sprache übersetzt werden. (www.bundesregierung.de)


Jedes vierte Kind braucht Sprachförderung

In Nordrhein-Westfalen braucht etwa jedes vierte Kind zusätzliche Sprachförderung. Das ist das Ergebnis des „Delfin-4-Tests“. Dieser verbindliche Sprachtest prüft zwei Jahre vor der Einschulung, ob ein Kind altersgemäß Deutsch sprechen kann. Kinder in größeren Städten wie Gelsenkirchen (36,02 %), Hagen (34,90 %), Dortmund (33,62 %) oder Bielefeld (33,22 %) hätten deutlich häufiger Defizite als Kinder in ländlichen Regionen wie in den Kreisen Coesfeld (14,23 %), Höxter (15,64 %) oder Borken (16,76 %). Kinder mit Sprachförderbedarf erhalten in ihren Kindertageseinrichtungen oder in einem Familienzentrum von Fachkräften zusätzlichen Deutschunterricht. (www.westfalen-heute.de)

Das Deutsche Jugendinstitut hat sein aktuelles Heft „DJI Impulse“ mit dem Schwerpunkt „Sprachliche Bildung“ herausgegeben. Darin erklärt etwa Lilian Fried, Professorin für Pädagogik der frühen Kindheit an der TU Dortmund, dass es noch zu wenig Ansätze gebe, bei denen Sprachstandfeststellung und daran anknüpfende Sprachfördermaßnahmen auch wirklich aufeinander abgestimmt seien. Neben Verfahren der Sprachstandsmessung geht es in dem Heft auch um den Spracherwerb von Kindern und die unterstützende Rolle von pädagogischen Fachkräften. (www.dji.de)

 

Spaltung im Förderverein Bairische Sprache und Dialekte

Künftig kümmern sich zwei Vereine um die verschiedenen Dialekte in Bayern. Der Vorstand des Bezirksverbandes Niederbayern-Oberpfalz im „Förderverein Bairische Sprache und Dialekte“ (FBSD) hat sich aus Unzufriedenheit mit der Vereinsarbeit selbständig gemacht. Die Dialektologen Sepp Obermeier und Hans Triebel haben einen eigenen Verein, den „Bund Bairische Sprache“, gegründet. Sepp Obermeier, Vorsitzender des neuen Vereins, sagte: „Akademiker und Jugendliche kann man auf der folkloristischen Ebene nicht zum Erhalt der Dialekte bewegen. Das muss auf der sprachwissenschaftlichen Schiene geschehen.“ Notwendig sei eine seriöse Strategie im Bemühen um die Erhaltung der Dialekte. Der Schlüssel für das Überleben der Dialekte in Bayern liege im vorschulischen Bereich. Obermeier monierte: „Unsere Kindergärten sind auf dem sprachwissenschaftlichen Stand von 1970. Da wird den Kindern der Dialekt ausgetrieben!“ Der FBSD bedauerte die Spaltung. Der Zweite FBSD-Vorsitzende, Siegfried Bradl, sagte: „Es ist schade, wenn Fachleute nicht mehr im Boot sind.“ (www.sueddeutsche.de, www.bild.de, www.tz-online.de)

 

Gebärdensprache in der Politik

Die taz sprach mit Martin Zierold, dem ersten gehörlosen Bezirksverordneten für die Grünen in Berlin-Mitte. Zierold erklärt, dass Gebärdensprache mehr Ebenen als Lautsprache habe, da die ganze Mimik und Gestik beteiligt sei. Wenn er Hörenden beim Sprechen zusehe, wirke das auf ihn nahezu ausdruckslos. Gebärdensprache ist Zierolds Muttersprache. Eine seiner Visionen sei es, dass die Gebärdensprache neben Deutsch zur Amtssprache werde. Für Zierold sei Deutsch eine Fremdsprache. Das Erlernen der deutschen Schriftsprache sei nicht für Gehörlose, da sie ganz anders aufgebaut sei. In der Gebärdensprache werden etwa keine Präpositionen verwendet. Für Zierold sei es sehr schwer gewesen, in den Politikbetrieb reinzukommen, da alles auf Hörende ausgerichtet sei und er immer eine Dolmetscherin benötige. (www.taz.de)

 

Deutsch auf dem Schulhof

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, sprach sich für eine Deutschpflicht auf Schulhöfen aus, die aber nicht gesetzlich geregelt sein sollte. Böhmer sagte: „Die Sprache auf dem Schulhof sollte Deutsch sein. Allerdings sollten wir das nicht gesetzlich vorschreiben. Es ist wichtig, dass die Schule, sprich Schüler, Eltern und Lehrer, dahinter stehen und sich selbst dafür entscheiden“. Zudem solle das Netz von Sprachangeboten noch enger geknüpft und etwa auch spezielle Kurse für die in vielen Berufen notwendige fachspezifische Sprache angeboten werden. (www.welt.de)

 

Feinheiten im Deutschen und Arabischen

Die „Süddeutsche“ stellte in ihrer Deutschlandkolumne die inhaltlichen Unterschiede zwischen Deutsch und Arabisch heraus. So werde in arabischen Ländern eine Suppe nicht gegessen, sondern „getrunken“, ebenso wie eine Zigarette „getrunken“ anstatt „geraucht“ werde. Redewendungen wie „Vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen“ und „Jemand hat nicht alle Tassen im Schrank“ seien „schwierig für jemanden aus einer anderen Kultur, in der Tassen, Untertassen, Schränke und Schrankordnung im Wohnzimmer nur „beschränkt“ eine Rolle spielen. Eine andere Wahrnehmung spiele auch bei dem Verhältnis zu Buchstaben eine Rolle. So habe der syrisch-stämmige deutsche Autor Rafik Schami nach der Rechtschreibreform geklagt, dass das „ss“ ihm seinen Lieblingsbuchstaben „ß“ raube: „einen Buchstaben mit Nase und Bauch.“ (www.sueddeutsche.de)


Künftig keine Anglizismen in Elsdorf

„Radio Erft“ berichtete über die Forderung eines Bürgers aus Heppendorf/Elsdorf im nordrhein-westfälischen Rhein-Erft-Kreis, im Namen des Vereins Deutsche Sprache künftig keine Anglizismen wie etwa After-Summer-Party vom Jugendamt oder den Terra-Nova-Speedway zu verwenden. Viele Bürger würden solche Begriffe nicht oder falsch verstehen. Die Stadtverwaltung und Politiker entschieden am Dienstag (12.12.), sich künftig darum zu bemühen, so wenig Anglizismen wie möglich zu verwenden. (www.radioerft.de)

 

Hörbuch vermittelt korrekte Aussprache

Das „Hamburger Abendblatt“ stellt als Hörbuch der Woche „Ich rede. Ein Hoch auf Deutsch“ von Isabel Garcia vor. Die Kommunikationsexpertin vermittelt in acht Lektionen die korrekte Aussprache von Hochdeutsch. Diese gehöre zu einem souveränen Auftritt im Berufsleben. Der Rezensent ist überzeugt vom Inhalt und der Präsentation des Hörbuchs und lobt, dass Garcia die korrekte Aussprache „ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit deutlicher Lust an der deutschen Sprache“ vermittelt. (www.abendblatt.de)


Wettbewerbe

Literatur: Kurzgeschichten
Der 17. MDR-Literaturwettbewerb sucht noch bis zum 31. Januar die besten deutschsprachigen Kurzgeschichten. Der Prosa-Text soll noch nicht erschienen sein, die Autoren sollten aber bereits literarische Texte veröffentlicht haben. Einzelheiten zu dem Literaturpreis gibt es hier: 17. MDR-Literaturwettbewerb - Teilnahmebedingungen (www.mdr.de/literaturpreis)

Zusätzlich sendet der MDR jeden Tag ein Weihnachtslied, zu dem die Hintergründe erklärt werden: www.mdr.de/weihnachtslieder

Anglizismus des Jahres
Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch sucht den Anglizismus des Jahres. Bisher seien 46 Wortvorschläge eingegangen, in denen sich anhand von Begriffen wie Bail-out, Compliance, Euro-Bonds, Haircut und Rating/raten vor allem die Finanzkrise widerspiegele. Dominant seien jedoch immer noch die Bereiche IT und Internet. Vorschläge können bis zum 31. Dezember hier eingereicht werden: Nominierungsseite. (www.scilogs.de)

Fachjournalisten des Jahres
Die Deutsche Fachpresse sucht die besten fachjournalistischen Arbeiten des Jahres und lobt dafür den „Karl Theodor Vogel Preis der Deutschen Fachpresse - Fachjournalist des Jahres 2012“ aus. Bewerben können sich Journalisten bis zum 10. Februar mit Beiträgen, die 2011 in deutscher Sprache in einem Fachmedium in Deutschland, Österreich und der Schweiz veröffentlicht worden sind. Weitere Informationen zum Herunterladen gibt es hier Deutsche-fachpresse.de, Karl-theodor-vogel-preis.de oder können beim Frankfurter Büro der Deutschen Fachpresse angefordert werden:  seiring@deutsche-fachpresse.de (www.horizont.net)

Anzeige des Jahres
Die Zeitungs Marketing Gesellschaft (ZMG) hat den Wettbewerbe „Anzeige des Jahres 2011“ ausgeschrieben. Werbeagenturen und -kunden können bis zum 6. Februar teilnehmen. (www.zmg.de)

New(s)comers Best“
Zudem läuft noch der zum 20. Mal ausgeschriebene Wettbewerb der Zeitungs Marketing Gesellschaft (ZMG) für den Nachwuchs in der Werbebranche. Junge Kreative können unter dem Motto „Wörter sind Schätze. Entdecke sie!“ eine Kampagne für die deutsche Sprache entwickeln. Einsendeschluss ist der 6. Februar. (www.woertersindschaetze.net, www.zmg.de/zeitungkreativ)

 

 

Der Verein Deutsche Sprache im Internet: vds-ev.de, facebook.com
Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu, facebook.com

 

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Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund
1. Vorsitzender: Prof. Dr. Walter Krämer
Geschäftsführer: Dr. Holger Klatte
Redaktion: Monika Elias

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Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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vds-logo-kleinMachen Sie mit! Im Verein Deutsche Sprache e. V. tun Sie etwas für die Zukunft des Deutschen als Kultur­sprache. Jeder ist willkommen; inzwischen sind es mehr als 36.000 Menschen, die weltweit im VDS in über 120 Ländern die deutsche Sprache fördern. Sie können den VDS als stilles Mitglied unterstützen oder die Vereinsarbeit aktiv mitgestalten. Hier (PDF-Datei) finden Sie den Antrag auf Mitglied­schaft. Am besten gleich ausfüllen und mit gelber Post oder per Fax an die Vereinszentrale zurück­. Weitere Informationen finden Sie hier: Mitglied werden.

Stiftung Deutsche Sprache

stiftungdsDie Stiftung Deutsche Sprache ergänzt die Vereinsarbeit. Sie wurde 2001 ge­gründet, ist weltanschaulich neutral, politisch unabhängig und verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke.

Sprüche

Schrecklich, diese „fremdbestimmte Dauer-Beschallung” – vor allem wenn aus den Boxen einer dieser „Gute-Laune-Sender” töne. „Dieser ganze Mainstream-Rock-Faschismus macht mich krank!” Wer das Formatradio erfunden habe, gehöre „gevierteilt – und seine Eingeweide sollten von Geiern gefressen werden!” Da bricht der aufgestaute Frust zahlloser Tournee-Reise-Stunden vor dem Autoradio durch. Auf die Radiomacher, die „unsere Gesellschaft in die Knie zwingen wollen: Diese Nervsäcke in den Gute-Laune-Radios vergehen sich an der Geschmacksbildung – das ist die Hölle. Ganz bitter!”

Götz Alsmann
(derwesten.de, 5.11.2014)