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VDS-Infobrief 43. Woche

Presseschau vom 26. Oktober bis 1. November 2011

  

  • Büchner-Preis an Friedrich Christian Delius verliehen
  • Neuer Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
  • Deutschkenntnisse für Integration
  • Steigende Deutschlernerzahlen in Europa
  • Petitionsausschuss berät über „Deutsch ins Grundgesetz“
  • Deutsche Welle sendet in Europa und Asien nicht mehr auf Deutsch
  • Pannen bei Automobilnamen
  • Kritik an Schlecker-Werbespruch
  • Lesen durch Schreiben
  • Deutschsprachiges Lied beim Eurovision Song Contest
  • Neues Internet-Wörterbuch: „Deutsch als Fremdsprache“
  • Glosse: „Knorke“

 

Büchner-Preis an Friedrich Christian Delius verliehen

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat am Samstag (29.) den zum 60. Jubiläumsjahr mit 50.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis an Friedrich Christian Delius als „Chronisten deutscher Bewusstseinslagen“ verliehen. Die Jury erklärte: „Als kritischer, findiger und erfinderischer Beobachter hat Delius in seinen Romanen und Erzählungen die Geschichte der deutschen Bewusstseinslagen im 20. Jahrhundert erzählt“. Dazu gehören die Studentenunruhen 1968, der Deutsche Herbst 1977 und der Mauerfall 1989. Delius sagte in seiner Dankesrede: „Alleinsein, Einsamkeit, Abstandhalten, Meinungsvorsicht, Zweifel, Freude am Fragen, Schweigen, das sind die ersten Voraussetzungen, um zu schreiben“. Der 68-Jährige Autor schrieb u. a. die Romane „Ein Held der inneren Sicherheit“, „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“ und „Die Frau, für die ich den Computer erfand“. (www.mdr.de, www.zeit.de, www.welt.de, www.fr-online.de)

 

Neuer Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung

Am Freitag (28.) wurde der Göttinger Literaturwissenschaftler, Essayist und Lyriker Heinrich Detering auf der Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt zum neuen Präsidenten gewählt. Damit ist der 52-Jährige Nachfolger des 73-jährigen Klaus Reichert, der sich nach neun Jahren nicht mehr zur Wahl gestellt hatte und zum Ehrenpräsidenten erklärt wurde. Detering ist Professor für neuere deutsche Literatur an der Georg-August-Universität Göttingen und veröffentlichte u.a. Bücher über Nietzsche, Brecht, Bob Dylan und Theorien der Autorschaft. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) verlieh ihm 2009 den Leibniz-Preis. In einem Gespräch mit „Deutschlandradio Kultur“ erklärte Detering, dass sich die Akademie künftig einem breiteren Publikum öffnen werde und nicht nur Dichter, Literaturwissenschaftler und Kritiker aufnehmen wolle. Sie werde den öffentlichen Sprachgebrauch kritisch reflektieren und den Kontakt in andere Länder verbessern. (www.dradio.de, www.tagesspiegel.de, www.stern.de)

 

Deutschkenntnisse für Integration

Zum 50. Jubiläum des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Videobotschaft erklärt: „Man kann sich ein Land nur erschließen, wenn man die Sprache kann.“ Eltern könnten ihre Kinder unterstützen, wenn sie selbst auch Deutsch lernten und ihre Kinder dazu animierten, deutsche Sender zu sehen und deutsche Zeitungen zu lesen. Die wichtige Rolle des Spracherwerbs für eine gelungene Integration betonte auch Integrationsbeauftragte und Staatsministerin Maria Böhmer in ihrer Rede im Deutschen Bundestag am 26. Oktober: „Für die Sprachförderung heißt das: Wir müssen so früh wie möglich ansetzen: sei es beim Spracherwerb im Herkunftsland. Sei es hier in Deutschland in den Kindergärten.“ Böhmer kritisierte den Minister für die Auslandstürken, Faruk Celik, für seine Äußerung, dass Menschen, die Deutsch wie ihre Muttersprache, Türkisch jedoch wie eine Fremdsprache sprechen, Ausdruck der Assimilation seien. Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan ging noch weiter und nannte die Forderung von Deutschkenntnissen als Voraussetzung für den Nachzug türkischer Ehepartner eine Menschenrechtsverletzung. (www.bundesregierung.de, www.focus.de, www.fr-online.de)

 

Steigende Deutschlernerzahlen in Europa

Aufgrund erhoffter beruflicher Perspektiven in Deutschland gibt es ein sprunghaft gestiegenes Interesse an der deutschen Sprache in Europa. Die Deutschlernerzahlen in den Goethe-Instituten in Madrid und Barcelona seien gegenüber dem Vorjahr um bis zu 70 Prozent gestiegen. Auch in Irland, Ungarn und Griechenland wollen immer mehr Menschen Deutsch lernen. Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, erklärte: „Mit Englisch kommt man durch, mit Deutsch kommt man weiter“. Die Politik hofft mitunter auf Fachkräfte aus dem Ausland für rund eine Million offenen Stellen. Maria Böhmer (CDU), erklärte, es sei „unbedingt geboten, vermehrt Sprachkurse in diesen Ländern anzubieten“. (www.welt.de, www.rp-online.de, www.morgenpost.de)

 

Petitionsausschuss berät über „Deutsch ins Grundgesetz“

Am Montag (7.November) wird sich der Petitionsausschuss unter Leitung der Vorsitzenden Kersten Steinke (Die Linke) in einer öffentlichen Sitzung mit der Frage beschäftigen, ob die deutsche Sprache als Landessprache im Grundgesetz festgeschrieben werden soll. Für die Aufnahme setzen sich der Verein Deutsche Sprache und der Verein für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland ein. Damit würde nicht nur die Funktion der deutschen Sprache als das wichtigste Verständigungsmittel anerkannt, sondern auch ihre besondere Aufgabe innerhalb unserer Gemeinschaft als Gerüst für bestimmte kulturelle Ausdrucksformen und als Grundmerkmal der Identifikation. Die Festschreibung sei eine Anerkennung, von der auch etwa Berufsgruppen wie Schriftsteller, Journalisten und Lehrer profitierten, da diese einen besonderen Bezug zur Sprache haben. Die Grundgesetzänderung beträfe nicht den privaten Sprachgebrauch, andere Sprachen oder Dialekte. Anatol Stefanowitsch hingegen fordert mit seiner Petition, die deutsche Sprache nicht ins Grundgesetz aufzunehmen, da der Status des Deutschen als Amtssprache in den Verwaltungsverfahrensgesetzen von Bund und Ländern eindeutig geregelt sei. Die Sitzung wird im Internet auf www.bundestag.de direkt übertragen. (www.bundestag.de)

 

Deutsche Welle sendet in Europa und Asien nicht mehr auf Deutsch

Am Samstag (29.) sendete die Deutsche Welle (DW) zum letzten Mal auf Deutsch über Kurzwelle in Asien und Europa. Intendant Erik Bettermann erklärte, dass deshalb nicht der deutschsprachige Hörfunk ende, sondern von neue Übertragungswegen abgelöst werde. Weltweit über 4.500 Partnerstationen senden weiterhin Beiträge der DW in ihrer Landessprache und in Deutsch. Auf ihrer Internetseite will die DW künftig mehr Analysen und Hintergrundinformationen in deutscher Sprache, ergänzt durch radiophone Beiträge, anbieten. Davon könnte das Zielpublikum im Ausland mehr profitieren. Bettermann, der die Förderung der deutschen Sprache als Hauptaufgabe der Deutschen Welle sieht, erklärte: „Wenn man deutsche Kultur und Geschichte verstehen will, dann muss man auch die Sprache verstehen“. (www.dw-world.de)

 

Pannen bei Automobilnamen

Die „Welt“ berichtet über Katastrophen in der Öffentlichkeitsarbeit von Automobilherstellern durch mangelnde Achtsamkeit bei der Namenssuche. Beispiele dieser Stilblüten: Franzosen übersetzen Audis Elektro-Sportwagen „e-tron“ mit „Kothaufen“ (von „Etron“), das Modell „Nova“ von Chevrolet übersetzt man in Lateinamerika mit „geht nicht“ (von „no va“) und Fiats „Uno“ bedeutet im Finnischen „Trottel“. (www.welt.de)

 

Kritik an Schlecker-Werbespruch

Die Drogeriemarktkette Schlecker wirbt mit dem Werbespruch „For You. Vor Ort.“. Auf einen Beschwerdebrief antwortete der Unternehmenssprecher, dass der Spruch für die durchschnittlichen Schlecker-Kunden sei, die dem niederen bis mittleren Bildungsniveau zuzuordnen seien. Sie gehörten zu den 95 Prozent der deutschen Bevölkerung, die nicht über ihre Sprache reflektieren. Dazu zähle sich der Unternehmenssprecher selbst als Geisteswissenschaftler nicht. Der Werber und Autor Sascha Lobo erklärte, dass Arroganz die denkbar schlechteste Voraussetzung für einen Unternehmenssprecher sei, „niedriges Bildungsniveau“ aber in der Werbung ein gängiger Ausdruck sei, der ohne Wertung die Zielgruppe definiere. Monika Elias vom Verein Deutsche Sprache erklärte: „Der Spruch ist weder originell, noch witzig oder prägnant. Eine Verbindung zum Unternehmen Schlecker kann ich nicht erkennen, der Spruch könnte auch für alles andere werben. Zudem wirkt der denglische Spruch nicht authentisch, sondern anbiedernd“. Mit dem Brief werde das unsoziale Ansehen unterstrichen, welches das Unternehmen in der Öffentlichkeit hat. (www.handelsblatt.com, wissen.dradio.de)

 

Lesen durch Schreiben

In der „Berliner Zeitung“ erschien ein Artikel über Eltern, die angesichts der neuen Methode „Lesen durch Schreiben“ (LdS) beim Schreibenlernen verzweifelt sind. Kinder sollen dabei zunächst so schreiben, wie sie die Wörter hören. So sollen Kinder nach Meinung von Erziehungswissenschaftlern besser schreiben lernen. Nun seien jedoch Defizite in der Rechtschreibung von älteren Schülern zu erkennen. (www.bz-berlin.de)

 

Deutschsprachiges Lied beim Eurovision Song Contest

Der Sänger Tim Bendzko, Gewinner des Bundesvision Song Contests, fordert, dass Deutschland beim nächsten Eurovision Song Contest mit einem deutschsprachigen Lied vertreten wird. In einem Gespräch mit dem Magazin PRINZ sagte Bendzko, dass er nicht verstehe, warum Lena Meyer-Landrut einen englischen Titel gesungen hat. Er selbst habe noch nie darüber nachgedacht, auf Englisch zu komponieren und zu singen, es sei schwierig genug, auf deutsch sinnvolle Sachen zu schreiben. (www.presseportal.de)

 

Neues Internet-Wörterbuch: „Deutsch als Fremdsprache“

PONS bietet seit Oktober auf www.Pons.eu das kostenlose Internet-Wörterbuch „Deutsch als Fremdsprache“ an. Deutschlerner haben Zugriff auf rund 77.000 Stichwörter und Wendungen und über 125.000 einfache, lernergerechte Worterklärungen und Anwendungsbeispiele. (www.teachersnews.net)

 

Glosse: „Knorke“

In einer Glosse freut sich der „Tagesspiegel“ über die Wiederentdeckung des Alt-Berliner Wortes „knorke“ für „dufte, schnafte, schnieke, schau, stark, fetzig, supi, krass oder megageil“. Eine Agentur bezeichnet eine Werbefläche auf dem U-Bahnhof Stadtmitte mit „Knorke!“, wonach einmal ein Gorilla im Berliner Zoo benannt gewesen sei und was Kurt Tucholsky 1924 in der „Vossischen Zeitung“ für tot erklärt habe. (www.tagesspiegel.de)

 

 

Der Verein Deutsche Sprache im Internet: vds-ev.de, facebook.com
Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu, facebook.com



Dies ist der VDS-Infobrief. Jede Woche sammeln Mitarbeiter der VDS-Geschäftsstelle Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache und werten sie aus. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben. Wollen Sie diesen Info-Brief als E-Post erhalten, bitte Nachricht mit dem Betreff „Anmeldung” an:  infobrief@vds-ev.de.

 

Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Sprüche

„Ich glaube, die Deutschen sind nicht stolz genug auf ihre Sprache. An Heideggers Aus­spruch, nur Deutsch und Griechisch seien fürs Philosophieren geeignet, ist vielleicht doch ir­gendwas dran. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es ein Zufall ist, dass es in der Vergangenheit so viele deutsche Denker und Komponisten gab. Oder in der Gegenwart, dass die Deutschen so einzigartig gute Maschinen und Motoren bauen. Die Komplexität ihrer Sprache bereitet sie genau darauf vor."

Yngve Slyngstad, Chef des Norwegischen Staatsfonds in: Frankfurter Allgemeine Sonntags­zeitung, 7. Februar 2016, S. 40.