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VDS-Infobrief 45. Woche

Presseschau vom 7. bis 13. November 2012

 

Schlechtes Deutsch bei Ärzten

Die „Welt“ berichtete, dass aufgrund des Ärztemangels in Deutschland zugezogene Mediziner aus Osteuropa, Griechenland, Syrien und Ägypten mit unzureichenden Deutschkenntnissen in Kliniken arbeiten. Mehr als die Hälfte der Mediziner seien heute aus dem Ausland, sagte Josef Düllings, Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands. Düllings erklärte: „Die fachlichen Kenntnisse sind oft gut, aber die Abläufe in deutschen Krankenhäusern können oft nicht nachvollzogen werden, und die sprachlichen Kenntnisse sind oft nicht ausreichend“. Das werde zum Sicherheitsproblem. Sprachliche Voraussetzungen für Mediziner sind nicht ausreichend geregelt. Auf seiner Hauptversammlung forderte der Marburger Bund, dass sie Deutschkenntnisse per Prüfung nachweisen müssen. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, berichtete: „Es gibt inzwischen Krankenhäuser, in denen kaum noch ein Arzt richtig Deutsch spricht“. (www.welt.de)

 

Deutsche Kultur in den USA

„Deutschlandradio Wissen“ sendete einen Beitrag über deutsche Kultur in den USA. Dazu gehören neben ausgewanderten Wörtern wie „Kindergarten“ das Feiern des bayerischen Oktoberfestes. Auch im Stadtbild und im Lebensstil gibt es deutsche kulturelle Einflüsse. Den Beitrag kann man sich hier anhören. (wissen.dradio.de)

 

Programm zur frühkindlichen Sprachförderung

Microsoft-Geschäftsführer Steve Ballmer stellte am Donnerstag vor etwa 150 Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien das Lernprogramm „Schlaumäuse“ zur frühkindlichen Sprachförderung vor. Daran mitgearbeitet hat der Erfurter Grundschulpädagoge Gerd Mannhaupt. Notwendig sei die Sprachförderung vor dem Schuleintritt, da Sprachtests zeigten, dass 10 bis 15 Prozent aller deutschen Erstklässler so gravierende Verständnis- und Ausdrucksschwierigkeiten haben, dass sie dem Unterricht nur schwer oder gar nicht folgen können. Seit 2003 stattete die Initiative „Schlaumäuse – Kinder entdecken Sprache“ Kindertageseinrichtungen in Deutschland kostenfrei mit dem „Schlaumäuse“-Programm aus, mit deren Hilfe Kinder im Alter von fünf bis sieben Jahren spielerisch die deutsche Sprache entdecken können. Mannhaupt berichtete von sehr guten sprachlichen Lernerfolgen der Kinder. (www.juraforum.de)

 

CharitéCrossOver“: peinlicher Anglizismus

Die „taz“ bemerkte, dass bei aller Kritik um die neu eröffnete Berliner Charité niemand den „selten dämlichen“ Namen „CharitéCrossOver“ bemängelt hat. Der Name könne „einen sicheren Platz auf der ewigen Bestenliste der peinlichsten Anglizismen für sich beanspruchen“. Die Mitarbeiter nennen die Charité „CC Null“. (blogs.taz.de)

 

Lehrermangel durch überlaufene Deutschkurse

Die „Financial Times Deutschland“ berichtete über das gestiegene Interesse an der deutschen Sprache in Südeuropa, überlaufene Sprachkurse und fehlende Sprachlehrer. Das Goethe-Institut verzeichnet bei Deutschseminaren Rekordzahlen: An den weltweit 149 Instituten gab es im vergangenen Jahr 234.587 Teilnehmer. Vor allem in Spanien, Portugal und Italien stieg die Nachfrage enorm. Günther Schwinn-Zur, Direktor des Frankfurter Goethe-Instituts, sagte: „Das Geschäft läuft prächtig, mit Beginn der Euro-Krise ging es bei uns steil bergauf.“ Viele Teilnehmer seien gut qualifiziert, unter ihnen seien Ingenieure, Ärzte und Piloten. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, erklärte: „Die jungen Leute kommen nicht, weil sie Goethe und Schiller im Original lesen möchten, sondern weil sie im Beruf weiterkommen wollen.“ Auch die VHS meldete einen Zuwachs an gut ausgebildeten Teilnehmern in den Deutschkursen. Allerdings fehlen nun Sprachlehrer, denn die Universitäten haben in den vergangenen Jahren das Ausbildungsangebot aufgrund zu geringer Nachfrage gekürzt. (www.ftd.de)

 

Deutsch in Ungarn erste Fremdsprache?

Wirbel gab es um eine Meldung des Nachrichtenportals „Origo.hu“ vom letzten Montag: Deutsch anstatt Englisch soll zur wichtigsten Fremdsprache in Ungarn aufsteigen. Dies besage ein Dokument der Regierung zum Sprachunterricht in Schulen. Zwar müsse „Englisch jedermann beherrschen“, doch Rózsa Hoffmann, Leiterin des Staatssekretariats für Bildung, empfehle, dass in Ungarn Deutsch erste Fremdsprache werde, da Deutsch eine wesentlich komplexere Grammatik als Englisch besitze. Englisch könnten die Schüler dann noch beiläufig hinterher dazu lernen. Die Begründung: Schülern bereite es größere Schwierigkeiten, eine grammatikalisch komplexere Sprache als die englische Sprache zu erlernen, wenn Englisch ihre erste Fremdsprache sei. Außerdem sei die Motivation beim Erlernen einer zweiten Fremdsprache verschwunden, wenn die Schüler mit Englisch anfingen. Alle zwei Jahre solle es Sprachtests geben. Eine Universität sollten ab 2017 nur noch jene besuchen, die eine Sprachprüfung bestanden haben. Diese Meldung sorgte für Empörung. Der Präsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA), József Pálinkás, erklärte, dass Englisch die Sprache sei, die überall verstanden werde […], Deutsch dagegen außerhalb Deutschlands fast nirgendwo. Pálinkás sagte: „Ich hoffe, dass es nicht wahr ist, was ich in der Presse gelesen habe.”
Ein Kommentar in der „Budapester Zeitung“ lobte die Idee und stellte den historischen Bezug der deutschen Sprache in Ungarn vor. Deutsch, einst Lingua Franca in Ungarn, biete heute u.a. gute Aussichten auf Arbeitsplätze und sei wichtig für Wirtschaft und Handel.
Am Dienstag erklärte Hoffmann, dass es lediglich Pläne für eine Strategie seien. Die Presseberichte enthielten laut Hoffmann neben vielen „wahren Elementen” auch viele „Fehlinterpretationen”. Nicht richtig sei, dass Deutsch zur ersten Fremdsprache im ungarischen Schulunterricht aufsteigen werde. (www.budapester.hu, www.budapester.hu, www.pesterlloyd.net)

 

Mehr Deutsch für Holländer

Bei seinem Antrittsbesuch in Berlin machte sich der neue Außenminister der Niederlande, Frans Timmermans, in einem Gespräch mit der „Welt“ für die deutsche Sprache stark: „Es gibt ein tragisches Missverständnis im heutigen Europa. Die Leute denken, dass Englisch schon reicht. Kurzfristig führt das für uns dazu, dass wir im Kontakt zu Deutschland keinen Vorsprung zu anderen Ländern behalten, wenn wir kein Deutsch lernen oder zu wenig über Deutschland wissen. Viele kleinere deutsche Firmen mögen es nicht, wenn man dort Englisch spricht.“ Holland orientiere sich eher Richtung England statt nach Deutschland, obwohl die Entwicklung in Deutschland für Holland wichtiger sei. (www.welt.de)

 

Verschleiernde Politikersprache

Der „Berliner Kurier“ bedauerte, dass Politiker nicht die Schönheit und Klarheit der deutschen Sprache nutzen, sondern sie „benutzen (...), um zu verschleiern und zu täuschen.“ Eine Ausnahme sei Peer Steinbrück. Angela Merkel äußere häufig, sie wolle für etwas „Sorge tragen“. Übersetzt bedeute dies meistens, dass nichts geschehe. Beispiele für von Politikern erfundene Verschleierungsbegriffe sind „Lebensleistungsrente“ (=Aufstockung der Grundsicherung von etwa Hunderttausend Rentnern um 10 bis 15 Euro), „Konjunkturbeschleunigungsgesetz“ (=Kindergelderhöhung und umstrittene Senkung der Mehrwertsteuer für Hoteliers) und „Gesundheitsprämie“ (=Pauschale für alle Krankenversicherten). (www.berliner-kurier.de)

 

VDS im Dreiländereck

Die „Badische Zeitung“ sprach mit Hans Rudolf Henche, stellvertretender Leiter in der neuen VDS-Regionalgruppe Dreiländereck (Leiter: Frank Schmid), über den bewussten Umgang mit der deutschen und englischen Sprache. Henche erklärte, dass es „eine Form von Angabe und Wichtigtuerei“ sei, wenn englische Wörter in einem deutschen Text verwendet werden, die nicht neu seien. Lächerlich sei es, wenn englische Wörter benutzt werden, wenn es deutsche Entsprechungen gäbe. Dem früheren Chefarzt für Orthopädie fiel bei Kongressen auf, dass viele Kollegen Englisch in Vorträge einstreuten, um gebildet und vielleicht überlegen zu wirken. Deshalb konnten viele Zuhörer dem Gesagten nicht folgen. Die Verständnisprobleme wollte aber niemand zugeben. Englische Wörter seien aus unserer Sprache nicht mehr wegzudenken, aber fast alles könne man auf Deutsch sagen. Dann werde der Sinn genauer verstanden. Ein einsprachiges Schild „Meeting Point“ sei unnötig, doch nicht alle Anglizismen müssten eingedeutscht werden. Statt eines Durcheinanders wäre ein Nebeneinander der Sprachen sinnvoll. (www.badische-zeitung.de)

 

 


 

 

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Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Sprüche

„Ich glaube, die Deutschen sind nicht stolz genug auf ihre Sprache. An Heideggers Aus­spruch, nur Deutsch und Griechisch seien fürs Philosophieren geeignet, ist vielleicht doch ir­gendwas dran. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es ein Zufall ist, dass es in der Vergangenheit so viele deutsche Denker und Komponisten gab. Oder in der Gegenwart, dass die Deutschen so einzigartig gute Maschinen und Motoren bauen. Die Komplexität ihrer Sprache bereitet sie genau darauf vor."

Yngve Slyngstad, Chef des Norwegischen Staatsfonds in: Frankfurter Allgemeine Sonntags­zeitung, 7. Februar 2016, S. 40.