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VDS-Infobrief 51. Woche

Presseschau vom 19. bis 26. Dezember 2012

 

Sprachverfall durch SMS, Twitter und WhatsApp

Der Vorsitzende des deutschen Rechtschreibrats, Hans Zehetmair, erklärt, dass Kommunikationsformen wie SMS und Twitter die deutsche Sprache zu einer „Recycling-Sprache" machten und damit zum Verfall der Sprache beitrügen. Denn vor allem Jugendliche verkürzten und vereinfachten die Sprache in den Kurznachrichten und die Rechtschreibung sei oft fehlerhaft. Zudem würden die Aussagen lediglich „wiedergekäut" und nicht kreativ neu gestaltet. Eine Lösung des Problems sieht Zehetmair in der Altersbeschränkung. So sollten Kinder, deren Deutschkenntnisse noch nicht ausreichend gefestigt sind, etwa bis zum 14. Lebensjahr, auf Kommunikationsmittel wie Twitter und WhatsApp verzichten. Im Gegensatz zu Zehetmair, der in der SMS-Kommunikation das „Gefühl" und die „Herzlichkeit" vermisst, spricht der Essener Sprachforscher Karl-Dieter Bünting dem SMS-Verkehr „ganz andere emotionale Qualitäten" zu als etwa einem Brief. Die SMS sei „dichter am Menschlichen", weil der Umgang miteinander lockerer sei. Auch die Kürze einer SMS rege vielmehr die Phantasie und die Ausdrucksmöglichkeiten an, statt der Sprache zu schaden. Für VDS-Geschäftsführer Holger Klatte sind die Gefahren, die Zehetmair für die Sprachentwicklung sieht, eine Folge des Schulsystems, da dem Fach Deutsch im Vergleich zum Fach Englisch und den IT-Fächern „zu wenig Bedeutung beigemessen wird". Dem Gegenüber empfindet Peter Schlobinski, Sprachforscher aus Hannover, die Aussagen Zehetmairs „völlig überzogen", denn sich sprachlich der Kurzform-Kommunikation anzupassen, sei „normal und intelligent". Des Weiteren gibt der Duisburger Linguist Ulrich Ammon zu bedenken, dass sich Kommunikationsformen wie SMS, Twitter oder WhatsApp lediglich der „Umgangssprache" und nicht der Hochsprache bedienten und diese sei „schon immer lässiger und anders gewesen". (derwesten.de)

Wie der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, beobachtet, ist das Ausdrucksvermögen und das Sprachverständnis von Schülern in den letzten Jahren „erheblich" gesunken. Häufig würde in Aufsätzen nicht mehr zwischen Hoch- und SMS-Sprache unterschieden, so dass die Sätze wirr oder bruchstückhaft seien. Dies sei zum Einen der SMS-Kommunikation und der „Computerisierung" geschuldet, zum Anderen dem schwindenden Leseverhalten, Fehlern in der Pädagogik sowie dem zu geringen Deutschunterricht. Auch Rolf Koschorrek, Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB) sowie der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Heinrich Driftmann, beklagen die nachlassenden Rechtschreib- und Ausdruckskompetenzen der Schulabgänger und potenziellen Auszubildenden. (bild.de)

 

Schäuble spricht schlechtes Englisch

Mit denglischen Sätzen wie „It will not happen that there will be a Staatsbankrott in Greece" ist Bundesminister Wolfgang Schäuble in der Vergangenheit aufgefallen. „Mir tut jeder leid, der mein Englisch ertragen muss" erklärte Schäuble nun in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Jedoch sei schlecht gesprochenes Englisch „eine der am meisten gesprochenen Sprachen der Welt." Schäuble erklärt weiter, dass er auf die Befürchtung des früheren französischen Innenministers Nicolas Sarkozy, die Engländer könnten einen Vorteil durch die Dolmetscher bei den Sitzungen des Europäischen Rats in Brüssel innehaben, entgegnete, dass diese „vielmehr einen großen Nachteil hätten, weil wir ihre Sprache zerstören". (news.de, faz.net)

 

Scheinanglizismen

Dass die Bezeichnung Shitstorm in Italien als eine deutsche Vokabel bezeichnet wird, ist nicht unbedingt verkehrt, wie Filmemacher Volker Heise erklärt. So sei Shitstorm doch zumindest zum Teil ein Scheinanglizismus, da die eigentliche Bedeutung des Wortes „eine unübersichtliche und chaotische Situation, hervorgerufen durch Kräfte, die von außen auf ein Individuum oder eine Gruppe einwirken" bezeichne, wie etwa die Euro-Krise. In Deutschland bezeichnet die zurzeit populäre Bezeichnung die öffentliche Entrüstung im Internet, bei der sich Argumente mit Beleidigungen mischen (Anmerkung d. Redaktion).

Scheinanglizismen sind Wörter, die englisch klingen, aber auf eine deutsche Erfindung zurückgehen, wie etwa das Wort Bowle von Bowl (Schale), Handy oder Dressman, ein Wort, das im deutschsprachigen Raum einen gut gekleideten Herrn, im englischsprachigen Raum jedoch einen Transvestiten bezeichnet. Auch der Begriff Talkmaster werde von Engländern eher abwertend gebraucht, während wir einen Gesprächsleiter darunter verstehen, so Heise. (fr-online.de)

 

Englisch in anderen Ländern

Wie es in Deutschland Denglisch gibt, gibt es in Korea Konglish und in Frankreich Frenglish. Und auch in Japan nimmt das Japlish einen erheblichen Einfluss auf die japanische Sprache. Dort ist zum Beispiel ein bezahlter Angesteller mit administrativen Aufgaben ein „Salary man", eine Bezeichnung, die im englischsprachigen Raum keine Verwendung findet. In korrektem Englisch hieße die Bezeichnung salaried man, sozusagen ein bezahlter Mann. In englischsprachigen Ländern wird ein entsprechender Angestellter jedoch mit „white-collar worker" bezeichnet. Auch der Begriff „Skinship", der einer japanischen Enzyklopädie zufolge aus Amerika nach Japan gekommen sein soll, ist im englischsprachigen Raum nicht geläufig. Dort gibt es vielmehr den ähnlichen Begriff „touchship", bezeichnend für die Kommunikation zwischen einer Mutter und ihrem Baby, während „Skinship" im koreanischen Raum vor allem die Annäherung von Verliebten oder Freunden bedeutet.
Laut der britischen Rundfunkanstalt British Broadcasting Corporation (BBC) schreite der englische Einfluss auf die verschiedenen Sprachen deshalb so schnell voran, weil viele nicht-englischsprachige Internetnutzer sehr viele Beiträge auf englischen Internetseiten hinterließen. (english.donga.com)

 

Denglisch in der Werbung

In seinem neuen Buch „Denglisch in Pool Position – English makes German Werbung funny! 2" deckt Robert Tonks wieder lustige Verfehlungen deutscher Werbetexter auf. (bild.de)

 


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Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Sprüche

„Mich hat es gestört, dass es keine ordentlichen deutschen Texte gab. Ich dachte, das muss doch gehen. Dass ich Trommler war, kam mir sehr zugute. Ich hab mir die Sprache zurechtgetrommelt. Ich konnte gut Wörter dehnen wie Kaugummi, sie schleudern, zerbeißen, konnte rhythmisch auch die ersten Rap-Dinger anlegen: 'Käthe Dorsch wohnt in Kiel', das war schon Ende der Siebziger.“

Udo Lindenberg, DB mobil 5/2016