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VDS-Infobrief 44. Woche

Presseschau vom 30. Oktober bis 5. November 2013

Englischkenntnisse der Deutschen auf 14. Platz

Eine Studie der internationalen Sprachschule EF hat das Englischniveau von fünf Millionen Erwachsenen in 60 Ländern weltweit verglichen. Das Ergebnis: Deutschland liegt auf Platz 14, im Jahr 2012 war es Platz 9. Zwar haben sich hierzulande die Englischkenntnisse nach Bewertungspunkten in den vergangenen sechs Jahren leicht verbessert, die der anderen Länder aber noch mehr. „Deutschland ist bereits auf einem guten Englischniveau. Allerdings gibt es Regionen, die wesentlich größere Zuwächse vorweisen können. Besonders Länder, die stärker von der Krise betroffen sind, wie Spanien und Portugal, haben im vorigen Jahr einen größeren Sprung gemacht. Deutschland nicht“, erklärte EF-Geschäftsführer Niklas Kukat. Die besten Werte für ihre Englischkenntnisse erreichte Schweden, gefolgt von Norwegen (Platz 2), den Niederlanden (Platz 3) und Estland (Platz 4). Am schlechtesten schnitten Nordafrika und der mittlere Osten ab. Algerien, Saudi Arabien und der Irak landeten auf den Plätzen 58, 59 und 60. (www.spiegel.de)

 

Soziales Umfeld anstatt Migration bewirkt Sprachdefizite

Laut einer Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen prägt das soziale Umfeld die Sprachfähigkeit eines Kindes stärker als ein Migrationshintergrund oder die nicht-deutsche Familiensprache. Sybille Stöbe-Blossey, Leiterin der IAQ-Forschungsabteilung „Bildung und Erziehung im Strukturwandel“, sagte: „Eine schwierige soziale Situation stellt für die Beherrschung der deutschen Sprache einen höheren Risikofaktor dar als die Herkunft aus dem Ausland“. Die Studie zeigt zudem, dass Kinder sprachliche Defizite während ihrer Kindergartenzeit nicht aufholen können. Somit ist die Mitarbeit der Eltern entscheidend. Stöbe-Blossey erklärte: „Viele Kitas stellen fest, dass Eltern mit Migrationshintergrund oftmals leichter zu erreichen und zur Mitarbeit zu motivieren sind als Eltern aus bildungsfernen Schichten. Die sehen häufig das Problem mit der Sprache nicht so sehr.“ (idw-online.de, www.derwesten.de, bildungsklick.de)

Forscher des Allensbach-Instituts haben im Auftrag der Deutschen Post die Zufriedenheit der Menschen in Deutschland untersucht. Die „Süddeutsche“ berichtete: „Deutsche Sprache, schwere Sprache? Mag sein, aber sie kann auch glücklich machen. Wer sie als Einwanderer beherrscht, ist glücklicher, als diejenigen, die kein Deutsch sprechen. Das zeigt die Glücksstudie auch.“ (www.sueddeutsche.de, www.stern.de)

 

Zum Spracherhalt und zur deutschen Sprache

Im „Tagesspiegel“ bzw. in der „New York Times“ diskutieren zwei Journalisten über die Frage, wie viele Fremdwörter einer Sprache gut tun. Die deutsche Korrespondentin Anna Sauerbrey, die gerade einen Auslandsaufenthalt in den USA hinter sich hat, begrüßte im Namen ihres Jahrgangs der Zwanzig- und Dreißigjährigen die vielen englischen Wörter in der neuesten Duden-Ausgabe. Eine Überflutung von Fremdwörtern zu beklagen, sei „antikosmopolitisch“.

Ihr amerikanischer Kollege Ned Brown meint dagegen, dass Deutsche, die ihre Sprache erhalten wollen, keine Erzkonservativen seien. Stattdessen sei die Erhaltung sprachlicher und kultureller Vielfältigkeit eine lobenswerte Absicht. (www.tagesspiegel.de)

Einen ausführlichen Kommentar zur Stellung der deutschen Sprache schreibt der Romanist Helmut Berschin im „Oberbairischen Volksblatt“: Deutsch for Sale. (www.ovb-online.de)

Die frisch gebackene Georg-Büchner-Preisträgerin Sybille Lewitscharoff offenbart im Interview mit der Deutschen Welle eine ausgesprochen positive Einstellung zu ihrer Muttersprache. (www.dw.de)

 

Jubiläum: Goethe-Institut in Peking

Am 1. November 1988 wurde das Goethe-Institut in Peking eröffnet. Bis Ende der 1990er-Jahre war es das einzige ausländische Kulturinstitut seiner Art in China. Zunächst wurde ausschließlich Deutsch gelehrt, heute gibt es zur deutschen Sprache Ausstellungen, Filmreihen und Internetprogramme, über Joseph Beuys, Volker Schlöndorff und Richard Wagner. Deutschlernen ist für Chinesen schwierig, da die Sprachen vom Aufbau große Unterschiede haben. „Es gibt im Chinesischen keinen Konjunktiv, keine wechselnden Endungen, keine Vergangenheitsform“, erklärte Michael Kahn-Ackermann, Gründungsdirektor des Pekinger Goethe-Instituts, dem Westdeutschen Rundfunk. Doch das Vermitteln von Sprache und Kultur reiche nicht aus: „Wir stehen dem demnächst vermutlich zweitgrößten Land der Welt mit großem Unwissen und Ratlosigkeit gegenüber", sagte Kahn-Ackermann. Wirklich wichtig sei nun der Aufbau eines deutsch-, oder europäisch-chinesischen Jugendwerkes. (www1.wdr.de)

 

Rückblick: Universitätssprache Deutsch in Österreich

Am 1. November 1783 führte Kaiser Joseph II. in allen österreichischen Universitäten die deutsche Sprache als Unterrichtssprache ein. Zuvor war Latein die Sprache, in der gelehrt wurde. (derstandard.at)

 

Semikolon könnte vor Gericht entscheiden

Der Seegerichtshof in Hamburg soll über den Fall der 30 Greenpeace-Aktivisten entscheiden, die seit Wochen in russischer Haft sind, weil sie eine Bohrinsel von Gazprom entern wollten. Die Niederlande fordern, dass das Schiff und die Besatzung freigegeben werden. Russlands Außenministerium erklärte, der Seegerichtshof in Hamburg sei nicht zuständig, da sich Moskau in einem Vorbehalt von 1997 u.a. gegen gerichtliche Einmischung in „Streitigkeiten über Vollstreckungshandlungen in Ausübung souveräner Rechte;“ verwahrt. Die russischen Diplomaten haben den Zusatz „wenn sie die Fischerei oder Meeresforschung betreffen“ weggelassen und ein Semikolon an die Stelle eines Kommas gesetzt. Nun ist das Semikolon entscheidender Faktor für das weitere Vorgehen. (www.spiegel.de)

 

Namenswechsel von Transmenschen: Studienteilnehmer gesucht

Ein soziolinguistisches Forschungsprojekt am Deutschen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz untersucht die Motive bei einem Namenswechsel von Transpersonen (Menschen, die ihr biologisches Geschlecht oder ihr Identitätsgeschlecht ändern wollen). In Deutschland sind männliche und weibliche Vornamen voneinander gut zu unterscheiden, Jungen dürfen keinen Mädchennamen erhalten und umgekehrt. Wechselt eine Person ihr Geschlecht, hat sie seit 1980 mit dem Transsexuellengesetz das Recht, ihren Namen zu ändern. Was der alte und der neue Name für Transmenschen bedeutet, soll nun untersucht werden. Für die Studie werden Teilnehmer gesucht, die sich selbst als „trans“ bezeichnen und die bereit sind, im Falle einer Namensänderung über ihre Motive zu sprechen.Interessierte melden sich bei Miriam Schmidt-Jüngst (schmidt-juengst@uni-mainz.de). (idw-online.de)

 


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Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Hannah Herzsprung, Schauspielerin, über das wunderschöne Deutsch in ihrem Film "Die geliebten Schwestern"