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VDS-Infobrief 45. Woche

Presseschau vom 6. bis 12. November 2013

Nach Rechtschreibreform doppelt so viele Rechtschreibfehler

Die „Welt“ berichtete über neue Studien, die zeigten, dass die Rechtschreibreform von 1996 die Schreibleistung von Schülern „dramatisch verschlechterte“. Die Reform scheine „auf bestem Wege, sich als der größte Rohrkrepierer der deutschen Kulturpolitik seit 1945 zu erweisen.“ Bereits 2008 habe der Germanist Uwe Grund die erhöhte Fehlerquote in Schülerdiktaten und -aufsätzen gegenüber der Zeit vor der Reform nachgewiesen, Kritiker bemängelten damals die „zu schmale Datenbasis“. Nun belegte Grund auf der Jahrestagung der Forschungsgruppe Deutsche Sprache in Frankfurt am Main mittels einer erdrückenden Datenmenge, dass sich Rechtschreibfehler in Diktaten und Aufsätzen seit der Rechtschreibreform verdoppelt haben. Die neue s-Schreibung etwa erweise sich als „Totalblamage“ und Fehlerfalle, sie erhöhe die Fehlerzahl um durchschnittlich 20 bis 30 Prozent. Grunds Ergebnisse erhalten Unterstützung von weiteren Studien wie der Gießener Längsschnittstudie. Die „Welt“ erklärte: „Es mutet peinlich an, wie derart alarmierende Forschungsergebnisse von Mitgliedern des Rates für deutsche Rechtschreibung bisher übergangen oder bagatellisiert worden sind.“ Die Folgen der misslungenen Reform bekämen alle Berufssparten bis hin zu den Universitäten, der Wirtschaft und den Kulturinstituten zu spüren. (www.welt.de)

Auf den „Nachdenkseiten“ erklärte Hans Brügelmann, bis 2012 Professor für Grundschulpädagogik und -didaktik an der Uni Siegen, dass die Studien, die eine Rechtschreibverfall diagnostizieren, nicht repräsentativ seien, da sie selektiv betrachtet würden und in der Durchführung Mängel aufwiesen. Die wenigen vorhandenen Repräsentativstudien zeigten „tatsächlich nur geringe Veränderungen“. Ein allgemeiner „Verfall“ der Rechtschreibfähigkeit sei so nicht belegt. (www.nachdenkseiten.de)

 

Neue Sprache in Australien entdeckt

Der „Spiegel“ berichtet über die Entdeckung von „Light Warlpiri“. Die etwa 350 Sprecher sind nicht älter als 35 Jahre und leben in Lajamanu, einem Dorf in der australischen Wüste. Die älteren Bewohner sprechen das ursprüngliche Warlpiri, eine Sprache der Aborigines. „Light Warlpiri“ ist eine Mischung aus Warlpiri, Australischem Englisch und Kriol, einer aus der Kolonialzeit stammenden Sprache. Entdeckt hat die neue Sprache die Lehrerin Carmel O´Shannessy, welche die Sprache aufzeichnete, transkribierte, entschlüsselte und nun im Fachblatt „Language“ veröffentlichte. „Light Warlpiri“ verfügt über ein neues Zeitkonstrukt, die Nichtzukunft: Sie beschreib einen Vorgang, der in der Vergangenheit und Gegenwart liegen kann, aber nicht in der Zukunft. Susanne Michaelis vom Max-Planck-Institut erklärte, dass der Fund ein „historischer Glücksfall“ sei, der helfen könne zu klären, warum und auf welche Weise eine neue Sprache in die Welt komme. O´Shannessy vermutet, dass die Kinder „Light Warlpiri“ aus der Babysprache entwickelten. Faktoren wie außergewöhnliche Kreativität, Freiheit und Isolation begünstigten das Entstehen der neuen Sprache. Die älteren Bewohner befürchten nun das Verschwinden von Warlpiri. (magazin.spiegel.de)

 

Sonne-Mond-und-Sterne statt St. Martin?

Die Linkspartei in Nordrhein-Westfalen forderte von Kindertagesstätten, zum St. Martinsfest die Figur des heiligen Martin nicht in den Mittelpunkt zu stellen. „In vielen NRW-Kitas gibt es einen hohen Anteil von muslimischen Kindern“, erklärte Rüdiger Sagel, Vorsitzender der Linken in NRW. „Ihnen sollte man die christliche Tradition nicht aufdrängen“, riet Sagel und erklärte, dass sich mehr Kinder angesprochen und mitgenommen fühlten, wenn man statt Sankt Martin ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ feiern würde. Daran entzündete sich eine Debatte um politisch korrekte Sprache. Sagel erklärte daraufhin, dass Aussagen missinterpretiert wurden, die Botschaft des Teilens und des Helfens sei auch zentraler Bestandteil der Politik der Linkspartei. Aiman A. Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, teilte Sagel öffentlich mit, dass seine Glaubensgemeinschaft kein Problem damit hätte, wenn Christen feiern. Darüber hinaus habe St. Martin ein Leben geführt, das auch für Muslime „geradezu vorbildlich“ sei. (www.rp-online.de, www.heise.de)

Die Internetseite „web.de“ zeichnete den Verlauf der diesjährigen Diskussionen über politische korrekte Sprache nach, wie etwa das Streichen von rassistisch anmutenden Begriffen in Kinderbüchern und die Beschwerde über die Bezeichnung Zigeunersauce. VDS-Geschäftsführer Holger Klatte erklärte: „Worte selber können nicht beleidigen und wir schaffen Rassismus nicht ab, indem wir sie verbieten“. Die aktuellen Debatten seien „etwas übereifrig“, Namen und Worte innerhalb einer Sprache seien geprägt von Traditionen, die sich über einen langen Zeitraum entwickelt haben. (web.de)

 

Ansturm auf Deutsch in London

Der „Spiegel“ berichtete, dass eine deutsch-englische Grundschule in London einen Ansturm erlebe, obwohl in Großbritannien die Anzahl der Fremdsprachenlerner zurückgehe. Im September eröffnete im Stadtteil Herne Hill die erste deutsch-englische Schule in London, die derzeit 86 Kinder besuchen. Rektorin Basia Lubaczewska erklärte: „Das Interesse war riesig.“ Auf die 50 Plätze in den beiden Vorschulklassen habe es 150 Bewerbungen gegeben. Aufgrund der großen Nachfrage habe die Schulleitung entschieden, auch mit einer ersten und zweiten Klasse zu beginnen. In Großbritannien liegt Deutsch auf der Beliebtheitsskala der Fremdsprachen hinter Französisch und Spanisch. Katrin Kohl, Germanistik-Professorin in Oxford, berichtete, die Tendenz sei fallend, aber in den vergangenen zwei, drei Jahren sei es aufgrund der führenden Rolle Deutschlands in Europa wieder leichter geworden, für die Sprache zu werben. (www.spiegel.de)

 

Stopp für Frachtschiff wegen fehlender Deutschkenntnisse

Die „Main Post“ berichtete, dass Beamte der Wasserschutzpolizei Aschaffenburg einem belgischen Frachtschiff verboten, weiterzufahren, da niemand auf dem Schiff Deutsch beherrschte. Zudem war die Ladung fälschlicherweise als Gefahrgut deklariert. Vorschrift im Schifffahrtsrecht ist, dass zumindest ein Besatzungsmitglied Deutsch beherrschen muss, damit sich die Besatzung über Funk mit dem Schleusenpersonal und anderen Schiffsführern absprechen kann. Schiff und Besatzung mussten auf einen Lotsen mit Deutschkenntnissen warten. (www.mainpost.de)

 

Keine bairischen Bahn-Ansagen

Der Vorsitzende des Fördervereins Bairische Sprache für den Landschaftsverband Werdenfels, Ammergau und Staffelsee, Niklas Hilber, regte bei der Deutschen Bahn an, in den Zügen der Werdenfels-Bahn künftig Durchsagen auf Bairisch zu machen. Vorbild sei die Bayerische Oberlandbahn (BOB), berichtete Hilber. Dort werden die Ansagen „von einer weiblichen Stimme gesprochen, die sich durch schönste bairische Sprachfärbung auszeichnet“. Ein Sprecher der Bahn erklärte: „Wir möchten bei unseren hochdeutschen Durchsagen bleiben“. Begründung: Die Bahn wolle auch für Touristen gut verständlich bleiben und außerdem fahre die DB in verschiedene Landesteile. So könne man es wohl niemals allen recht machen. Daher blieben sie bei ihren DB-Regiozügen einheitlich beim Hochdeutsch. (www.merkur-online.de)

 

Ausstellungen

Das „Hamburger Abendblatt“ und die Seite „Besser im Blick“ wiesen auf die VDS-Karikaturen-Ausstellung „Gezielte Streifschüsse“ hin. 60 Zeichnungen von Künstlern wie Harm Bengen, Heinz Birk, Peter Gaymann, Friedrich Retkowski, Rainer Schade, Horst Haitzinger und Greser&Lenz sind vom 18. November bis 20. Dezember im Harburger Rathaus zu sehen. Zur Wanderausstellung gibt es einen Katalog aus dem Verlag Natur Text, 70 Seiten, 16,50 Euro. (www.abendblatt.de, www.besser-im-blick.de)

Zum 125-jährigen Bestehen des Germanistischen Seminars gibt es bis zum 31. März 2014 eine Ausstellung zur Geschichte der Germanistik in der Universitäts- und Landesbibliothek der Universität Bonn. Vor der Gründung des ersten ordentlichen Lehrstuhls an der Uni Bonn im Jahre 1888 war die Germanistik noch kein fundierter Studiengang. (www.schaufenster-bonn.de)

 


Der Verein Deutsche Sprache im Internet: vds-ev.de, facebook.com
Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu, facebook.com

Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Redaktion: Monika Elias

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Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Wenn ich merke, dass Sprache den Weg über das Gehirn scheut, muss ich eingreifen.

Johann König, Komiker und Lingualgourmet