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VDS-Infobrief 47. Woche

Presseschau vom 20. bis 26. November 2013

Schlagzeile des Jahres 2013

Die Schlagzeile des Jahres 2013 heißt „Yes, we scan!“. Sie erschien erstmals in der Bildzeitung vom 10. Juni und fand sich danach auch in vielen anderen Medien sowie auf Protestplakaten gegen die erstmals aufgedeckte US-amerikanische Medienschnüffelei. „Besser als jeder Leitartikel fassen diese drei Worte die Enttäuschung vieler Europäer über die Überwachungsmanie der Obama-Regierung zusammen“, so der Jurysprecher und Vorsitzende des Vereins Deutsche Sprache Walter Krämer. Auf Platz zwei landete „Wir gegen uns“ (auf Bild.de am 24. Mai), gefolgt von „Die Vereinigte Stasi von Amerika“ („Süddeutsche Zeitung“ vom 11. Juli). Weiteres dazu hier.  (www.welt.de, www.fr-online.de)

„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann erklärte auf „Twitter“, dass er den ersten Preis ablehne. Dies sei zu viel der Ehre, die Schlagzeile „Yes, we scan“ habe in der „Bild“am größten, aber nicht zuerst gestanden. (www.bild.de)

 

Gegen Englisch als deutsche Wissenschaftssprache

Im „Focus“ kritisiert Jens Rehländer, Experte für Wissenschaftskommunikation und Hochschulthemen, dass die Wissenschaftssprache Deutsch zunehmend durch das Englische ersetzt wird. Während in den 1930er Jahren Chemiker in den USA noch ihre Lesefähigkeit in Deutsch nachweisen mussten und Deutsch die führende wissenschaftliche Publikationssprache in Ländern wie Skandinavien, Niederlande und Osteuropa war, seien seit dem zweiten Weltkrieg viele Wissenschaftler darauf angewiesen, Englisch in Wort und Schrift zu beherrschen. Weiterhin wunderten sich ausländische Studierende heutzutage, warum sie die deutsche Sprache für eine Zulassung an einer deutschen Universität erlernen müssten, wenn sie sich dann in englischsprachigen Seminaren wiederfänden. Gerade für die Geisteswissenschaften sei die notwendige Übersetzung eigener Gedanken in eine Fremdsprache mit dem Verlust der Präzision verbunden. Den Kern des Problems sieht Rehländer darin, dass die Befürworter des Englischen als erste Wissenschaftssprache die Mehrheit im Hochschulbetrieb bildeten. Neben dem starken Zeitdruck sei dies ein weiterer Nachteil durch die Bologna-Reform, die zur „Schematisierung des Denkens“ führe. (www.focus.de)

 

Sprachenförderkompetenz für angehende Lehrkräfte

Das Niedersächsische Kultusministerium, das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache sowie neun niedersächsische Hochschulen fördern ab dem nächsten Jahr eine Initiative zur Lehramtsausbildung in Niedersachsen mit 2,7 Millionen Euro. Ziel des Projekts „Umbrüche gestalten“ sei die Entwicklung eines strukturierten schulformspezifischen Qualifizierungsangebots in den Bereichen Sprachenförderung und Deutsch als Zweitsprache für Lehramtsstudierende aller Fächer. Ein Fokus liege auf der Vermittlung von Kompetenzen zur Entwicklung fächerspezifischer Diskursfähigkeiten. Die Niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt erklärte: „Wichtig ist, dass die Sprachförderung nicht nur in Förderstunden, sondern überall im Schulalltag erfolgt – in jeder Unterrichtsstunde und bei jeder Lehrkraft. Darum investieren wir an dieser Stelle deutlich in die Lehramtsausbildung“. (idw-online.de, www.mercator-institut-sprachfoerderung.de)

 

Englisch als neues „Flaggschiff“ bei der „Deutschen Welle“

Der neue Intendant der „Deutschen Welle“, Peter Limbourg, stellte seine Reformpläne vor. Unter anderem plant Limbourg, Englisch zum zentralen Angebot und „zum Flaggschiff“ des Auslandsrundfunksenders auszubauen. Dafür sollen „im englischen TV-Programm beispielsweise die Nachrichtenflächen deutlich ausgeweitet werden“. Deutschsprachige Angebote sollen weiterhin erhalten, strukturiert und ausgebaut werden. (www.dwdl.de)

Der britische Multimediadienstleister „World Radio Network“ (WRN) wird zum Ende des Jahres keine deutschsprachigen Hörfunkprogramme aus aller Welt mehr übertragen. (www.radioszene.de)

 

„Babo“ ist Jugendwort des Jahres 2013

Der Langenscheidt-Verlag eklärte, dass „Babo“ (für Chef, Anführer) das Jugendwort des Jahres sei. Bekannt geworden ist das Wort aus dem Lied „Chabos wissen, wer der Babo ist“ (Jungs wissen, wer der Boss ist) des deutsch-kurdischen Rappers Haftbefehl. Dieser äußerte sich erfreut zu der Wahl zum Jugendwort. Heike Wiese, Professorin für Deutsche Sprache der Gegenwart in Berlin und „Kiezdeutsch“-Forscherin erklärte: „Es hat mich positiv überrascht, weil es ein Wort ist, das man kennt. Früher kannte die Jugendwörter des Jahres, etwa ‚Gammelfleischparty‘, niemand.“ Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) bezeichnete die Wahl als „eine schöne Idee“. Der Leiter der GfdS-Sprachberatung, Lutz Kuntzsch, sagte aber auch: „Das Ganze ist ein Sprachspiel. Ich würde daraus nicht ableiten, dass die Jugend tatsächlich so spricht.“ Jugendforscher Wolfgang Gaiser vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München kritisierte die Wahl: „Wenn Spaßformulierungen herausgehoben werden, als ob sie das Sprach- und Denkniveau der Jugend heute wären, verzerrt dies das Bild über die Jugend von heute. Wir haben aber eine gut ausgebildete, weltoffene, sprachkompetente Jugend in Deutschland.“ Wenn der Eindruck erweckt werde, dass dies die Kommunikationsformen und die Themen seien, sei das nicht angemessen. Auf diese Weise werde das Bild der Jugend ins Negative gezogen. Bei der Wahl zum Jugendwort landete „fame“ (für toll oder berühmt) auf Platz zwei, gefolgt von „gediegen“ (für lässig), „in your face“ (für: „Dir hab' ich's gegeben“) und „Hakuna Matata“ (für „kein Problem“, „alles klar“). Die „Welt“ erklärte, dass „Babo“ nicht – wie vom Langenscheidt-Verlag behauptet – türkischen, sondern zazaischen Ursprungs sei. (www.fr-online.de,www.welt.de, www.zeit.de, www.berliner-zeitung.de, www.mittelhessen.de, www.n-tv.de)

 


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Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Sprüche

„Mich hat es gestört, dass es keine ordentlichen deutschen Texte gab. Ich dachte, das muss doch gehen. Dass ich Trommler war, kam mir sehr zugute. Ich hab mir die Sprache zurechtgetrommelt. Ich konnte gut Wörter dehnen wie Kaugummi, sie schleudern, zerbeißen, konnte rhythmisch auch die ersten Rap-Dinger anlegen: 'Käthe Dorsch wohnt in Kiel', das war schon Ende der Siebziger.“

Udo Lindenberg, DB mobil 5/2016