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VDS-Infobrief 50. Woche

Presseschau vom 11. bis 17. Dezember 2013

 

„GroKo“ ist Wort des Jahres 2013

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden teilte am Freitag mit, dass „GroKo“ das Wort des Jahres 2013 sei. Das Kurzwort „GroKo“ steht für die neue „Große Koalition“. Die Jury der GfdS begründete ihre Wahl damit, dass das Thema das Wahljahr beherrscht habe und laut GfdS-Vorsitzendem Armin Burkhardt sei „GroKo“ eine interessante, sprachspielerische Wortbildung. Das Wort zeige in seinem Anklang an „Kroko“ bzw. „Krokodil“ eine halb spöttische Haltung gegenüber der sehr wahrscheinlichen Koalition aus CDU/CSU und SPD auf Bundesebene und habe die Presse bereits zu neuen Bildungen wie „GroKo-Deal“animiert. Auf Platz zwei wählte die Jury „Protz-Bischof“, auf dem dritten Platz landete „Armutseinwanderung“. Die Bekanntgabe erntete auch Kritik: Der „Nordkurier“ schrieb, dass „GroKo“ auch das „Zeug zum Unwort des Jahres“ habe. Damit sei die Jury „eingeknickt vor dem Abkürzungswahn“. Zwar förderten Kurzwörter die schnelle Kommunikation, jedoch sei es zweifelhaft, dass sie der deustchen Sprache dienten. Die „taz“ kritisierte, „GroKo“ sei „eines jener Wörter, die man eher zögerlich, vielleicht auch besser gar nicht benutzt“. Laut den „Westfälischen Nachrichten“ sei es „schade (...), dass die Gesellschaft für deutsche Sprache den Kontakt mit den deutsch Sprechenden so langsam zu verlieren scheint“. (www.gfds.de, www.faz.net, www.nordkurier.de, www.taz.de, www.sueddeutsche.de, www.tagesschau.de, www.wn.de)

 

Kein Spenderherz ohne Deutschkenntnisse?

Ärzte des Herz- und Diabeteszentrums (HDZ) in Bad Oeynhausen in Nordrhein-Westfalen haben einen Flüchtling im Jahr 2010 (die „taz“ datierte „April 2009“) nicht auf die Warteliste für Spenderherzen gesetzt, da dieser kaum Deutsch sprach. Sie erklärten, es sei wegen gravierender Verständigungsprobleme zweifelhaft, ob der Patient aus dem Irak die ärztlichen Vorgaben für die Vor- und Nachbehandlung verstehen und konsequent umsetzen würde. Jan Gummert, Leiter der Herzchirurgie am HDZ, verdeutlichte, dass Missverständnisse im schlimmsten Fall tödliche Konsequenzen hätten. Nach Richtlinien der Bundesärztekammer werde eine Mitwirkung (mit dem englischen Wort „compliance“ bezeichnet) erwartet, die durch sprachliche Probleme gefährdet sei. Der betroffene Rashow-Hussein erfülle somit nicht die Voraussetzungen für eine Transplantation. Dagegen reichte der 62-jährige Iraker Klage ein. Am 20. Dezember beginnt die Gerichtsverhandlung. Inzwischen steht Rashow-Hussein auf der Spenderliste der Uniklinik Münster. Wie die Ärzte dort mit den Sprachschwierigkeiten umgehen werden, teilten diese aufgrund des schwebenden Verfahrens nicht mit. (www.welt.de, www.taz.de, www.nw-news.de)

 

Deutsch als Zweitsprache in Schleswig-Holstein

Die deutsche Sprache sei „so übersichtlich wie der Wochenmarkt in Kalkutta, so transparent wie ein Sandsturm in der Sahara und so klar wie ein nasskalter Dezembertag in Hamburg“, erklärt die Initiatorin und Leiterin des DAZ-Zentrums (DAZ= „Deutsch als Zweitsprache“) in Schleswig-Holstein, Eylem Cetinöz. Darum lernen zurzeit 15 Schüler aus dem Libanon, Japan, Israel, Afghanistan, Iran und Kenia die deutsche Sprache an einem der 75 DAZ-Zentren in Schleswig-Holstein. Ausländische Schüler hätten bisher im regulären Unterricht an den Schulen lediglich die Alltagssprache gelernt. Dies reiche für erhöhte Bildungsmöglichkeiten der Kinder jedoch nicht aus, so Cetinöz weiter. Die deutsche Sprache sei zu kompliziert und müsse systematisch erlernt werden. Darüber hinaus können nun angehende Deutschlehrer durch ein praxisnahes Semester ein DAZ-Zertifikat erwerben.

Schleswig-Holstein ist das erste Bundesland, das sich verpflichtet hat, Lehrkräfte in Deutsch als Zweitsprache zu qualifizieren, so Jan Stargardt vom Bildungsministerium. Im bundesweiten Vergleich wechseln in Schleswig-Holstein nach der vierten Klasse mehr Kinder mit Migrationshintergrund auf ein Gymnasium als anderswo. (www.kn-online.de)

 

Wissenschaftssprache in Schweden

Der Wissenschaftsrat in Schweden bewilligt keine weiteren finanziellen Beihilfen für gesellschaftswissenschaftliche und humanistische Zeitschriften. In diesem Jahr betragen die Beihilfen noch etwa 400.000 Euro (3,5 Millionen schwedische Kronen), was weniger als ein Tausendstel des gesamten Forschungsetats ausmacht. Von den gestrichenen Mitteln sind alle 31 schwedischsprachige Zeitschriften betroffen. Der Wissenschaftsrat rechtfertigte die Entscheidung damit, dass die wissenschaftlichen Zeitschriften mehr Verbreitung über das Internet (über „Open Access“) fänden und für sie die gleichen Bedingungen gelten müssten wie für naturwissenschaftliche Zeitschriften. Schwedische Forscher und Hochschullehrer protestieren gegen die Entscheidung des Wissenschaftsrates, da Fächer wie Geschichte, Politik- und Literaturwissenschaft an die Landessprache gebunden seien. Das Protestschreiben, welches von der Zeitschrift für Geschichte („Historisk tidskrift“) initiiert wurde, unterzeichneten 3.606 Personen. Die Dekane der Humanistischen Fakultäten in Schweden, die Leitung des schwedischen Instituts für Kulturelle Studien mit Vertretern der Kulturforschung sämtlicher schwedischer Universitäten und andere protestierten öffentlich. So auch der Sprachrat und der Verein Språkförsvaret, die erklärten, dass der Beschluss dem geltenden Sprachgesetz widerspreche. (das Protestschreiben auf Schwedisch: www.namninsamling.com)

 

Ausstellung: Briefe

Die Deutsche Post und die Deutsche Gesellschaft e.V. haben für den Schreibwettbewerb „Post für Dich. Schreib zurück!“ Schüler dazu aufgerufen, Antwortbriefe auf historische Briefe bekannter Persönlichkeiten wie Anne Frank und Franz Kafka zu verfassen. Im Museum für Kommunikation Berlin und auf der Seite www.postfuerdich.net sind die 30 besten Antworten zu sehen. Etwa 3.000 Schüler haben für das Projekt Briefe geschrieben. (www.presseportal.de, www.museumsstiftung.de)

 

Sprachförderung in Kitas

Da 40 Prozent der Kita-Kinder in Mülheim Probleme mit der deutschen Sprache haben, fördert die Stadt Mülheim – zunächst bis Juli 2014 – mit einem Pilotprojekt aus dem Strukturförderprogramm „Mülheim 2020“ das Erlernen der deutschen Sprache. Die Sprachunsicherheit der Eltern übertrage sich auf die Kinder, was sich auf deren Selbstbewusstsein auswirke. So trauten sich die Kinder zum Beispiel nicht mehr, in der Bauecke zu spielen. Das führe wiederum dazu, dass sich die feinmotorischen Fähigkeiten unzureichend entwickelten, erklärte Diplom-Sprachtherapeutin Eva Kleinemühl von der Arbeiterwohlfahrt. Das Förderprogramm stellt „Entlastungskräfte“ zur Verfügung, damit sich die Erzieher besonders Kindern mit Förderbedarf widmen können. So könne mit den Kindern zum Beispiel häufiger Singspiele gemacht werden, bei denen Bewegung und Sprache gleichermaßen gefördert werden. Auch bei einfachen alltäglichen Handlungen wie Jacke ausziehen oder Hausschuhe anziehen können die Erzieher die Benennungen der Handlungen gezielter mit den Kindern üben. (www.express.de)

 

 


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Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu, facebook.com

Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Medienecho

Wiederum als voller Erfolg erwies sich laut einer Mitteilung eine Vortrags­veranstaltung mit grenz­über­schreitendem Charakter, zu welcher die Regional­gruppe Ortenau des Vereins Deutsche Sprache nach Offenburg eingeladen hatte.
(Badische Zeitung 24.4.2015)

 

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Sprüche

„Ich glaube, die Deutschen sind nicht stolz genug auf ihre Sprache. An Heideggers Aus­spruch, nur Deutsch und Griechisch seien fürs Philosophieren geeignet, ist vielleicht doch ir­gendwas dran. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es ein Zufall ist, dass es in der Vergangenheit so viele deutsche Denker und Komponisten gab. Oder in der Gegenwart, dass die Deutschen so einzigartig gute Maschinen und Motoren bauen. Die Komplexität ihrer Sprache bereitet sie genau darauf vor."

Yngve Slyngstad, Chef des Norwegischen Staatsfonds in: Frankfurter Allgemeine Sonntags­zeitung, 7. Februar 2016, S. 40.