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VDS-Infobrief 51. Woche

Presseschau vom 18. bis 24. Dezember 2013

Deutsch in der EU

Gerade im Jahr der Europawahl solle Deutschlands Außenminister auf die Forderung nach einer Stärkung des Deutschen in der EU verzichten, wie Germanistikprofessor Karl-Heinz Göttert in dem Artikel „Mehr Deutsch in der EU? Gebt es doch einfach auf!“ schreibt. Die Forderung nach einer höheren Gewichtung des Deutschen in den Institutionen der EU laufe darauf hinaus, dass jeder Beamte aus den 23 Mitgliedsstaaten Deutsch können müsse bzw. einen Dolmetscher brauche. Dagegen solle das 1957 eingeführte Instrument der Arbeitssprachen zugunsten des Englischen als einzige Arbeitssprache abgeschafft werden, so Göttert, da die Beamten der EU-Institutionen so nur zwei Sprachen beherrschen müssten, im Gegensatz zu englischen Beamten, die mit einer Sprache auskämen. Dass den Engländern dieser erhebliche Vorteil nicht gegönnt würde, sei dabei keiner Vernunft geschuldet, sondern dem Streben nach Prestige. Ein möglicher Ausgleich wäre etwa eine Beteiligung an den Dolmetscherkosten seitens der Briten.

Auch am Europäischen Gerichtshof in Luxemburg wäre es für deutsche EU-Beamte und Juristen eine Erleichterung, würde Englisch als einzige Arbeitssprache eingeführt. Zurzeit muss dort nicht nur Englisch, sondern auch Französisch perfekt beherrscht werden. Schließlich, so Göttert, solle es weniger um ein Streben nach Prestige gehen, sondern vielmehr darum, die Probleme zu lösen. Und dies sei möglich, indem der englischen Sprache die Position als einzige Arbeitssprache gewährt würde. (www.welt.de)

 

Computerprogramm zur Sprachförderung

Aus dem Sprachtest der Berliner Senatsverwaltung für Bildung geht hervor, dass fast jedes zehnte Kind in Berliner Kitas auf eine gezielte Sprachförderung angewiesen ist. Damit ist die Zahl deutscher Kinder mit sprachlichen Defiziten auf ein „Rekordniveau“ von neun Prozent gestiegen, wie die Internetseite „Bildungsklick“ berichtet. Betroffen seien vor allem Kinder aus bildungsfernen Familien, so die Leiterin der Ina Kita in Berlin, Anette Baumann.  Des Weiteren gäben Eltern von Kindern im Vorschulalter zu häufig die Führungs- und Erziehungsverantwortung ab, erklärt die Schulleiterin der Herman-Nohl-Schule, Ilona Bernsdorf. Die Eltern jedoch zu bevormunden sei ebenso falsch, wie den Eltern die Verantwortung für eine Sprachförderung gänzlich abzunehmen. Vielmehr müsse gemeinsam darüber nachgedacht werden, wie Sprachförderung funktionieren kann. Auch in Köln ergab die Sprachstandserhebung, dass 21 Prozent der Kita-Kinder, die aus deutschsprachigen Familien stammen, schlechtes Deutsch sprechen. Gründe für die sprachlichen Defizite seien Arbeitslosigkeit der Eltern, Kinderarmut und Vernachlässigung.

Um Sprachdefiziten entgegenzuwirken und um die Bildungschancen der Kinder zu erhöhen, nutzen etwa 9.000 Kindergärten und Grundschulen ein Computerprogramm von Microsoft im Rahmen der bundesweiten Bildungsinitiative „Schlaumäuse – Kinder entdecken Sprache“. Das Programm erlaubt den Schülern, in ihrem eigenen Tempo zu lernen. So sei es z.B. durch integrierte Wiederholungsmöglichkeiten ein hervorragendes Mittel zur Sprachförderung und pädagogisch sehr wertvoll. Dies hätten auch Proben mit Kindern, die sonderpädagogischen Förderbedarf benötigen, gezeigt. (www.bildungsklick.de)

 

Heilmittelbericht der AOK

Laut Heilmittelbericht 2013 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) erhielt im Jahr 2012 jeder vierte sechsjährige Junge vor der Einschulung eine sprachtherapeutische Behandlung. Im Vergleich dazu war jedes fünfte Mädchen im gleichen Alter förderungsbedürftig. Insgesamt waren auf die Versicherten bis zum 14. Lebensjahr, die insgesamt 6,4 Prozent der AOK-Versicherten ausmachten, 42 Prozent der gesamten sprachtherapeutischen Leistungen entfallen. Dabei verzeichnete die AOK vor allem bei Kindern im Kindergartenalter einen hohen Anstieg der sprachtherapeutischen Verordnungen. Mehr als die Hälfte hiervon seien aufgrund von Störungen in der Sprachentwicklung verschrieben worden, so dass die Mehrzahl der Kinder noch vor dem zehnten Lebensjahr behandelt wurden. Im regionalen Vergleich haben Versicherte in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein am häufigsten Sprachtherapien erhalten, während Ärzte in Bayern die niedrigste Anzahl sprachtherapeutischer Behandlungen verordneten. (www.spiegel.de, www.heise.de)

 

Deutsche Kultur in Russland

Obwohl nur noch 10 Prozent (etwa zwei Millionen) der russischen Schüler Deutsch als erste Fremdsprache lernen, hat Russland weiterhin die größte Anzahl an Schülern, die Deutsch lernen. Vor allem in Moskau, der Altai-Region in Sibirien und in dem Gebiet um Rostow am Don ist die deutsche Sprache sehr beliebt. Dabei sei es die deutsche Kultur der 1970er Jahre, die russische Deutschlernende besonders interessiere, wie Wolf Iro, Leiter der kulturellen Programmarbeit am Goethe-Institut, erklärt. Zu nennen seien hier die Autorenfilme, z.B. von Fassbinder, Wenders oder Herzog. Literarisch sei man neben den deutschen Klassikern an Grass und Böll interessiert, wobei die zeitgenössische Literatur nicht begeistern könne. Kinderliteratur bilde dabei allerdings eine Ausnahme. Erich Kästner, Michael Ende, Otfried Preußler, Cornelia Funke und Janosch werden in Russland gelesen, so die Leiterin des Buchinformationszentrums Moskau, Anastasia Milekhina. Von der Gesamtzahl der Übersetzungen aus dem Ausland machten Übersetzungen aus dem Deutschen etwa sechs Prozent aus, wohingegen 61 Prozent der übersetzten Literatur aus dem Englischen stamme. Trotzdem, so Iro, habe die deutsche Kultur einen besonderen Stellenwert in Russland, da England und Amerika unter Ideologieverdacht stünden und Deutschland seit langer Zeit als Vermittler zwischen Russland und dem Westen fungiere.

Das Goethe-Institut Russland fördert das Erlernen der deutschen Sprache in Russland durch zahlreiche Projekte, wie etwa durch Märchenfilme, Schülerzeitungsartikel, Übersetzer-Weiterbildungen, Filmfestivals, Lesungen und das Magazin „vitamin.de“, das in Omsk (Sibirien) für junge Deutschlerner geschrieben wird. Außerdem solle das von Angela Merkel und Wladimir Putin erklärte Sprachenjahr in Deutschland und Russland wieder dazu ermuntern, in Russland mehr Deutsch zu lernen. (www.russland-heute.de)

 

Deutsche Sprache in New York

Die deutsche Sprache und Kultur ist im New Yorker Stadtteil Brooklyn angesagt. Viele Lokale tragen dort Namen wie „Landhaus“ oder „Essbar“. Auch der Deutschunterricht wird seit 2010 immer beliebter, erklärt Martin Rauchbauer von der New Yorker Deutschschule „Deutsches Haus“. So habe nicht nur die Attraktivität des deutschen Wirtschaftsstandortes, sondern auch die angesagte Kunst- und Kulturmetropole Berlin dazu beigetragen, dass Deutsch in New York so beliebt sei.

Statistisch gesehen würden englische Muttersprachler selten Fremdsprachen erlernen und deshalb bevorzugt Wörter anderer Sprachen übernehmen, ohne die Grammatik zu lernen, erklärt Ben Schott, Autor des Buches „Schottenfreude: Meisterwerke der deutschen Sprache“ dazu. In seinem Buch hat Schott neue Wörter für Alltägliches, das noch keine Bezeichnung hat, erfunden, wie etwa „Sonntagsleere“ (Depression am Sonntagnachmittag) oder „Gastdruck“ (die Strapaze, ein guter Gast zu sein). Dazu klängen Neologismen im Englischen meistens albern, was im Deutschen, aufgrund der „Tiefe“ der Sprache, nicht der Fall sei.

Auch den US-Werbeträgern hat es ein deutsches Wort besonders angetan. Der Begriff „über“ wird synonym zu cool verstanden und wecke Assoziationen von Intellligenz und ironischem Abstand zur Kultur. Mehr dazu gibt es hier: www.focus.de

 

Beliebteste Vornamen 2013

Eine Stichprobenumfrage zu den beliebtesten Vornamen aus dem Jahr 2013 der Gesellschaft für deutsche Sprache hat ergeben, dass die beliebtesten Mädchennamen in deutschen Großstädten weiterhin Marie, Sophie und Maria sind. Auch bei den beliebtesten Jungennamen hat sich im Vergleich zu den Vorjahren nicht viel verändert. Auf den ersten Plätzen stehen nach wie vor Maximilian und Alexander und nun auch Paul. Unter den ersten Zehn finden sich neuerdings auch Charlotte, Emilia, Elisabeth, Luise, Anton, David, Emil und Moritz sowie traditionelle Namen aus der „Großvätergeneration“, wie Focus online berichtet. Dazu gehören Jakob, Leopold, Ludwig, Theodor und Friedrich, Magdalena, Theresa, Greta, Helene und Mathilda. Auch traditionelle ausländische Namen seien oft vergeben worden, wie etwa für Jungen Ali, Can und Yasin sowie für Mädchen Elif und Zeynep.
(www.focus.de, www.ksta.de)

 


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Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu, facebook.com

Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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(derwesten.de 12.12.2014)