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VDS-Infobrief 52. Woche

Presseschau vom 25. bis 31. Dezember 2013

Kasus sterben aus

Durch den Einfluss ausländischer Sprachen verändere sich das Deutsche mittlerweile sehr schnell, so nähmen etwa 16 Millionen Migranten mit bedingten Deutschkenntnissen direkten Einfluss auf die deutsche Alltagssprache, wie Professor Uwe Hinrichs von der Universität Leipzig in seinem Buch „Multi Kulti Deutsch“ erklärt. Neben Russisch, das mit ca. drei Millionen Sprechern nach Deutsch die am häufigsten gesprochene Sprache in Deutschland ist, üben zum Beispiel auch Sprachen wie Arabisch, Jugoslawisch, Albanisch und Polnisch Einfluss auf die deutsche Sprache aus. Dieser „sprachliche Schmelztiegel“ führe nicht nur zu Wortneubildungen, sondern zersetze auch die Grammatik nachhaltig, zum Beispiel durch die drastische Verkürzung von Sätzen oder dadurch, dass die verschiedenen Kasus vernachlässigt würden. Der Genitiv zum Beispiel, sei vielerorts nahezu ausgestorben, auch der fälschliche Gebrauch des Dativs sei auffällig. In Zukunft, so Hinrichs, würde der Akkusativ der wichtigste Kasus sein, die Folge eine Spaltung des Deutschen in Hoch- und Stadtteildeutsch. (derwesten.de)

 

SMS-Kommunikation

Dass Menschen immer mehr mittels SMS kommunizieren, liege laut Wolfgang Imo, Professor für germanistische Linguistik mit dem Schwerpunkt Syntax an der Universität Duisburg-Essen, nicht daran, dass der Kommunikationsbedarf gestiegen sei, sondern daran, dass mit SMS eine permanente Möglichkeit zur Kommunikation bestehe. So würden die erweiterten Kommunikationsmöglichkeiten mehr oder weniger automatisch genutzt. Dass zu früheren Zeiten das Telefon, bzw. die Telefonzelle, nicht so häufig verwendet wurde, wie heute SMS oder what´s app, liege daran, dass der Empfänger per SMS nicht unmittelbar zu Antworten gezwungen sei, wie dies etwa bei einem Telefonat der Fall ist.

Eine allgemeine SMS-Sprache gebe es nicht, so Imo weiter, bestimmte sprachliche Tendenzen hingegen schon, so werde meist wenig Gewicht auf Orthografie gelegt, wie z.B. Kommasetzung. Und syntaktische Strukturen, die vor allem in der gesprochenen Sprache verwendet werden, kämen in den Kurznachrichten verstärkt zum Ausdruck. In der Kommunikation zwischen Jugendlichen sei die sogenannte Verbspitzenstellung besonders typisch: „Bin gleich da.“, „Komme um 18 Uhr“, wobei das Pronomen „Ich“ fast gar nicht vorkommt, sondern als selbstverständlich angenommen wird.

Auch regionale sprachliche Eigenarten setzten sich hin und wieder in der SMS-Kommunikation durch, jedoch häufig in scherzhaften Zusammenhängen. So etwa die Verlaufsform „am“ („ich bin am arbeiten“), die sich mittlerweile vom Rhein aus über ganz Deutschland ausgebreitet hat. Grenzen in der SMS-Kommunikation gebe es vor allem dann, wenn es um kompliziertere Dinge geht, dann wechseln Sender und Empfänger immer zur mündlichen Kommunikation. (derwesten.de)

 

Deutsche Sprache im Ausland beliebt

Die Teilnehmerzahlen für Deutschkurse des Goethe-Instituts sind weltweit um 4,6 Prozent gestiegen - in Europa um ganze 8,9 Prozent. Des Weiteren geht aus dem aktuellen Rechenschaftsbericht des Goethe Instituts hervor, dass allein in Südwesteuropa fast 25.000 Teilnehmer einen Deutschkurs besuchen, während es 2010 noch 17.000 waren. Auch in Südostasien, Australien und Neuseeland stiegen die Teilnehmerzahlen auf einen ähnlichen Wert. Insgesamt sei die deutsche Sprache vor allem für Studenten attraktiv. Fortbildung, Berufstätigkeit in ihrem Heimatland oder in Deutschland sowie eine starke Wirtschaft seien wichtige Gründe für Studenten, Deutsch zu lernen, so Ingrid Köster, Bereichsleiterin für Sprachkurse und Prüfungen im Ausland.

Was die deutsche Sprache außerdem so beliebt mache, sei die Hauptstadt Berlin, die sich weltweit großer Beliebtheit erfreue, erklärt Köster weiter. Dass hingegen immer seltener Menschen Deutsch lernen, weil sie ein Buch im Original lesen wollen, liege vor allem daran, dass es von fast jedem Buch sofort eine englische Übersetzung gibt. (welt.de)

 

Esperanto-Sprache

In Saarbrücken findet noch bis zum 03. Januar das 12. Internationale Esperanto-Neujahrstreffen statt. Ca. 190 Esperanto-Sprecher aus insgesamt elf Ländern, wie Russland, Norwegen oder Kanada nehmen an dem Treffen teil. Was die Esperanto-Sprache so besonders mache, sei zum Beispiel, dass sie schnell und einfach zu erlernen sei, wie Louis von Wunsch-Rolshoven vom Veranstalter „EsperantoLand“ erklärt. So benötige man lediglich drei Wochenendkurse, um sich gut verständigen zu können. Außerdem könnten Sprecher sich leicht mit der Sprache identifizieren, da sie neutral und an kein Land gebunden ist. Mehr dazu gibt es hier: saarbruecker-zeitung.de

 

Unwort des Jahres

Für die Wahl zum Unwort des Jahres 2013 wurde unter 1.183 Einsendungen das Wort „Supergrundrecht“ bisher 44 mal vorgeschlagen. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hatte das Wort geprägt, indem er bezüglich der NSA-Abhöraffäre äußerte, dass Sicherheit den Deutschen ein besonders wichtiges Recht sei, das über anderen Grundrechten stehe, also ein „Supergrundrecht“. Ebenfalls vorgeschlagen wurden „Kampf-Radler“ (rücksichtslose Radfahrer) sowie „passive Bewaffnung“, das im Rahmen des antikapitalistischen Blockupy-Protestes in Frankfurt am Main fiel. (ruhrnachrichten.de)

 


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Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Medienecho

Wiederum als voller Erfolg erwies sich laut einer Mitteilung eine Vortrags­veranstaltung mit grenz­über­schreitendem Charakter, zu welcher die Regional­gruppe Ortenau des Vereins Deutsche Sprache nach Offenburg eingeladen hatte.
(Badische Zeitung 24.4.2015)

 

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Wenn ich merke, dass Sprache den Weg über das Gehirn scheut, muss ich eingreifen.

Johann König, Komiker und Lingualgourmet