Suche auf der VDS-Seite

Drucken

VDS-Infobrief 44. Woche

Presseschau vom 29. Oktober bis 4. November 2014

Bastian Sick weiß es besser

Bastian Sick, VDS-Mitglied und Sprachkritiker, ruft in der „Welt“ zu mehr Sorgfalt beim Korrekturlesen auf. Für „jeden, der sich mit seiner Sprache öffentlich macht, indem er eine Anzeige aufgibt, ein Werbeplakat ins Schaufenster hängt, eine Speisekarte druckt“, sollte dies gelten. „Früher war das selbstverständlich. Heute machen das nur noch wenige“, so Sick. Auf seiner Tour (Tourdaten: hier) und in seinem neuen Buch „Füllen Sie sich wie zu Hause“ stellt Sick wieder grammatische und orthografische Fehler im öffentlichen Sprachgebrauch vor. Über die Verursacher der Fehler will Sick sich aber nicht lustig machen: „Mir geht es bei den Fehlern, die ich aufspieße, nicht um den Schaden, sondern um das neue Lustige, was daraus entsteht.“ (www.welt.de)

 

Ur-Sprache

Der Nachrichtensender „N 24“ berichtete über die Entwicklung der indoeuropäischen Sprachen. Von einer sogenannten „Ur-Sprache“, die ihren Ursprung in den Steppen des heutigen Russlands vor 8.000 Jahren hatte, entstamme nach neuesten Erkenntnissen von Autor und Geschichtsforscher Christopher Stevens die Hälfte unseres heutigen Wortschatzes. Das sogenannte Proto-Indo-Europäisch zeichne sich durch Töne aus, die versuchten, die Tätigkeit oder den Status des Beschriebenen zu imitieren und intuitiv und schnell zu erlernen waren. Noch heute seien die Töne in verschiedenen Sprachen zu finden: „an“ war einer dieser steinzeitlichen Grundtöne, dessen Ton hochgezogen (wie beim einatmen) gesprochen werde. Der Ton sollte das Atmen imitieren und wurde in Verbindung mit „M“ als Synonym für das Selbst („Me“, „Myself“) gebraucht. Stevens veröffentlichte seine Ergebnisse in dem Buch „In Stein gemeißelt“ (bisher nur auf Englisch erschienen). (www.n24.de)

 

Berlin ohne Deutsch

Das „Zeit Magazin“ zeichnete den Verlauf nach, wie sich Berlin zu einem Lebensumfeld entwickelte, in dem man sich zurechtfindet, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Filme werden mit englischen Untertiteln gezeigt, in manchen Cafés, Restaurants und Geschäften werde mehr Englisch als Deutsch gesprochen, gespickt mit Zitaten und Formulierungen aus der Popkultur. Kellner würden bei Einstellungsgesprächen in Cafés oder Bars nach ihren Sprachkenntnissen gefragt, wobei nicht Deutsch, sondern Englisch entscheidend sei. Herbert Hofmann, künstlerischer Leiter („Creative Director“) des Geschäfts „Voo Store“, berichtete: „Alle unsere Mitarbeiter sprechen Englisch, aber ich sage ihnen auch immer: Lernt wenigstens ein bisschen Deutsch. ‚Welche Größe hast du?‘, solltet ihr schon auf Deutsch fragen können.“ (www.zeit.de)

 

Berliner Dialekt

Die „B. Z.“ meldete, dass sich 70 Prozent der 45- bis 59-jährigen Berliner zu ihrem Dialekt bekennen. Das habe die Gesellschaft für Deutsche Sprache herausgefunden, die ihre Studie am 12. November vorstellen werde. In der repräsentativen Umfrage habe knapp die Hälfte der 15- bis 29-Jährigen angegeben, hin und wieder zu berlinern. Die Akzeptanz der „Berliner Schnauze“ habe nach Meinung von 35 Prozent der Befragten eher abgenommen, 25 Prozent sagten, die Akzeptanz habe zugenommen. Einen Grund zur Sorge sieht die „B. Z.“ im schwindenden Ansehen. Mehr als die Hälfte der Teilnehmerwar der Meinung, der Berliner Dialektklinge „überhaupt nicht“ oder „eher nicht“ intelligent. (www.bz-berlin.de)

 

50 Jahre Institut für Deutsche Sprache: Tag der offenen Tür

Das Mannheimer Institut für deutsche Sprache (IDS) feierte in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen und veranstaltet zum Abschluss des Jubiläumsjahres am 8. November einen Tag der offenen Tür. Besucher erwarten u. a. Vorträge, ein Wissensspiel mit dem Rat für deutsche Rechtschreibung, eine Wörterbuchwerkstatt und eine Verlosung. Zum Programm geht es hier. (www1.ids-mannheim.de)

 

Sprichwörter und Redensarten

Der Fernsehsender „RTL“ stellte in einem Video zehn Sprichwörter und Redensarten vor, die sich zwar sinngemäß übersetzen ließen, sich aber wörtlich übersetzt „auf Englisch bescheuert anhören“. So wird aus „Jetzt haben wir den Salat“ wörtlich übersetzt „Now we have the salad“. Zu den Beispielen geht es hier. (www.rtl.de)

 

Ursprung des Namens „Kobanê“

Die „Süddeutsche Zeitung“ erklärte den Namen der umkämpften Stadt Kobanê an der syrisch-türkischen Grenze. Der Namen habe seinen Ursprung im Deutschen und sei eine Verballhornung von „Kompanie“. Beim Bau der Bagdad-Bahn hätten die Deutschen dort einen kleinen Bahnhof errichtet, so der kurdische Schriftsteller Muhsin Kızılkaya.Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte zuvor erklärt: „Ich will mich nicht in den Streit einmischen, ob die Stadt den Arabern gehört oder den Kurden. Aber Fakt ist, die Stadt heißt Ain al-Arab. Dieser Name wurde erst später in Kobanê umgewandelt.“ (www.sueddeutsche.de)

 

Erfinderin von „Grautvornix“

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur berichtete die Übersetzerin Gudrun über ihre Arbeit an der „Asterix“-Reihe. Die Erfinderin von Sätzen wie „Die spinnen, die Römer“ sowie Namen wie „Grautvornix“ schilderte, dass sie beim Übersetzen darauf zu achten hatte „absolut geschliffene und möglichst zeitlose Sprechsprache zu verwenden“. Die Übersetzungen hätten zum Erfolg der Comics beigetragen, die deutschen Bände seien die erfolgreichsten im Ausland. Die Texte seien auch heute nur geringfügig geändert. (www.zeit.de)

 

Sprachkurse für Flüchtlinge

Im Gespräch mit dem „Deutschlandfunk“ sprach sich SPD-Politiker Guntram Schneider, Minister für Arbeit, Integration und Soziales in der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, dafür aus, dass Asylbewerber fehlende Deutschkenntnisse mit Sprachkursen nach der Erstaufnahme nachholen könnten. Unter den Flüchtlingen aus Syrien zum Beispiel seien hoch qualifizierte Leute mit Hochschulstudium. Der Deutschunterricht könne auch „über unorthodoxe Methoden“ erfolgen. Schneider sagte: „Da müssen ja nicht immer ausgebildete Sprachlehrer tätig werden. Wir haben ja in der Zivilgesellschaft viele, viele Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren, und da kann es auch darum gehen, zumindest Grundkenntnisse des Deutschen zu vermitteln. (www.deutschlandfunk.de)

 

Veranstaltungsreihe „Deutsch 3.0“

In der Reihe „Deutsch 3.0“ findet am 7. und 8. November in Berlin eine Konferenz unter dem Motto „SPRACHE. MOBILITÄT. DEUTSCHLAND: Die Arbeitswelt im Wandel“ statt.

Thema einer Veranstaltung in Leipzig ist am 7. November „Das Fach Deutsch als Fremdsprache – Standortbestimmung, fachliche Entwicklungen und Zukunftsperspektiven“.

Die Veranstaltungsreihe „Deutsch 3.0“ soll als Reflexionsfeld für einen breiten Diskurs zur deutschen Sprache dienen. Initiert hat sie das Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit Duden, dem Institut für Deutsche Sprache und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Weitere Termine gibt es hier. (www.goethe.de)

 

Deutschförderung in der Schweiz

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) berichtete über eine Studie der Psychologischen Fakultät der Universität Basel zum Projekt „Mit ausreichenden Deutschkenntnissen in den Kindergarten“. Die Ergebnisse zeigten, dass die verpflichtende Deutschförderung von Kindern ab drei Jahren in Basel erfolgreich war. Allerdings konnten fremdsprachige Kinder trotz des einjährigen Programms nicht das Sprachniveau ihrer deutschsprachigen Altersgenossen erreichen. (www.20min.ch)

 


Der Verein Deutsche Sprache im Internet: vds-ev.de, facebook.com
Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu, facebook.com

Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

Wollen Sie diesen Info-Brief als E-Post erhalten, bitte Nachricht mit dem Betreff „Anmeldung” an: infobrief@vds-ev.de.


RECHTLICHE HINWEISE

Dieser Infobrief ist kein Diskussionsforum. Nachrichten, die an diese E-Post-Adresse geschickt werden, werden nicht beantwortet und auch nicht weitergeleitet!

Bitte antworten Sie nur dann auf diesen Infobrief, wenn Sie ihn abbestellen oder eine neue E-Post-Adresse angeben wollen.
Zur Diskussion bietet sich das VDS-Internet-Forum an: http://forum.vds-ev.de

Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund
1. Vorsitzender: Prof. Dr. Walter Krämer
Geschäftsführer: Dr. Holger Klatte
Redaktion: Monika Elias

DATENSCHUTZ

Der Verein Deutsche Sprache e.V. nimmt den Schutz Ihrer persönlichen Daten ernst. Die personenbezogenen Daten werden ausschließlich für den Versand dieses Infobriefs gespeichert und keinesfalls an Dritte weitergegeben. Auf Ihren Wunsch hin werden Ihre Daten umgehend gelöscht. Schreiben Sie dazu eine Nachricht an infobrief@vds-ev.de.

© Verein Deutsche Sprache e.V.

 

Medienecho

Wiederum als voller Erfolg erwies sich laut einer Mitteilung eine Vortrags­veranstaltung mit grenz­über­schreitendem Charakter, zu welcher die Regional­gruppe Ortenau des Vereins Deutsche Sprache nach Offenburg eingeladen hatte.
(Badische Zeitung 24.4.2015)

 

Mitglied werden

vds-logo-kleinMachen Sie mit! Im Verein Deutsche Sprache e. V. tun Sie etwas für die Zukunft des Deutschen als Kultur­sprache. Jeder ist willkommen; inzwischen sind es mehr als 36.000 Menschen, die weltweit im VDS in über 120 Ländern die deutsche Sprache fördern. Sie können den VDS als stilles Mitglied unterstützen oder die Vereinsarbeit aktiv mitgestalten. Hier (PDF-Datei) finden Sie den Antrag auf Mitglied­schaft. Am besten gleich ausfüllen und mit gelber Post oder per Fax an die Vereinszentrale zurück­. Weitere Informationen finden Sie hier: Mitglied werden.

Stiftung Deutsche Sprache

stiftungdsDie Stiftung Deutsche Sprache ergänzt die Vereinsarbeit. Sie wurde 2001 ge­gründet, ist weltanschaulich neutral, politisch unabhängig und verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke.

Sprüche

„Ich glaube, die Deutschen sind nicht stolz genug auf ihre Sprache. An Heideggers Aus­spruch, nur Deutsch und Griechisch seien fürs Philosophieren geeignet, ist vielleicht doch ir­gendwas dran. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es ein Zufall ist, dass es in der Vergangenheit so viele deutsche Denker und Komponisten gab. Oder in der Gegenwart, dass die Deutschen so einzigartig gute Maschinen und Motoren bauen. Die Komplexität ihrer Sprache bereitet sie genau darauf vor."

Yngve Slyngstad, Chef des Norwegischen Staatsfonds in: Frankfurter Allgemeine Sonntags­zeitung, 7. Februar 2016, S. 40.