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VDS-Infobrief 45. Woche

Presseschau vom 5. bis 11. November 2014

Deutsch in Indien nur noch „Hobbyfach“

Indien streicht Deutsch als Fremdsprache vom Lehrplan. Die „Tagesschau“, die „Frankfurter Rundschau“ und die „Deutsche Welle“ berichteten über den Stoppder Sprachoffensive „Deutsch an 1.000 Schulen“ in Indien (siehe auch Infobrief 42. Woche/2014), mit der seit dem Jahr 2009 rund 80.000 Schüler Deutsch gelernt haben. Indiens neue Regierung, die Partei BJP, unterstützt die Klage eines Sanskrit-Lehrers; die Kinder sollen Sanskrit anstatt Deutsch lernen.Die staatliche Schulkette KVS hat beschlossen, Deutsch vom Lehrplan zu streichen und künftig nur noch als „Hobbyfach“ anzubieten. Zudem soll ermittelt werden, wer die Deutsch-Initiative ermöglichte. Den Verantwortlichen drohen nicht näher benannte „persönliche Konsequenzen“.Offizielle Landessprachen in Indien sind Hindi und Englisch. (www.tagesschau.de, www.fr-online.de, www.dw.de)

 

Neue Wörter im Oktober

Lothar Lemnitzer, Lexikograph bei der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, stellte in seiner monatlichen Kolumne in der „Welt“ neue Wörter vor. Unter den interessantesten Wörtern der letzten Wochen waren u. a. „Ich-Journalismus“, bei dem das journalistische Ego die Essenz der Nachricht immer stärker zu überlagern drohe, das „Social Freezing“ (das vorsorgliche Einfrieren von Eizellen, der Begriff existiert so im Englischen nicht, dort heißt es „egg freezing“) sowie „Streikkorridor“, der ungefähre Zeitraum, der für einen Streik genannt wird. Zu weiteren neuen Begriffen und Wörtern geht es hier. Lemnitzerveröffentlicht zudem eine Sammlung von Neologismen auf seiner Seite www.wortwarte.de. (www.welt.de)

 

Sprache und Wortfreiheit in der DDR

Die „Welt“ beleuchtete, ob Walter Ulbricht, der im Jahre 1970 die Teilung des Deutschen in zwei verschiedene Nationalsprachen verkündete, Recht behielt. Zwar gebe es noch heute feine Unterschiede im Ost-West-Wortschatz. Nach Ansicht von Norbert Dittmar, emeritierter Sprachforscher der Freien Universität Berlin, habe sich aber der Sprachgebrauch von Ost- und Westdeutschen seit zehn Jahren vereinheitlicht. Einige typisch ostdeutsche Ausdrücke wie Büchse anstatt Dose oder Buddelkiste anstatt Sandkasten existierten weiter. Auch die Werbung greife zum Beispiel Kürzel wie „SMH“ auf, das in der DDR für das Krankentransportunternehmen „Schnelle Medizinische Hilfe“ stand, um Menschen mit DDR-Hintergrund besonderes Vertrauen zu vermitteln. Die Linguistin Doris Steffens berichtete, die vermeintlich osttypischen „Sprachmonster“ wie die „geflügelte Jahresendfigur“ für den Weihnachtsengel, über die sich Feuilletonisten, Satiriker und Leitartikler im Westen empörten, habe es im allgemeinen Sprachgebrauch der DDR nicht gegeben. Die alte Bundesrepublik habe ebenfalls eigene Wörter besessen, z. B. Abenteuerspielplatz. Sprachforscher Manfred Hellmann empfand die Wendezeit als sprachlich-kommunikatives Chaos, nach der viele DDR-Bürger „Westdeutsch“ wie eine Zweitsprache lernen mussten. (www.welt.de)

Im Gespräch mit der „Deutschen Welle“ betonte der Schriftsteller Günter Kunert, seit 2005 Präsident des PEN-Clubs deutschsprachiger Autoren im Ausland, wie wichtig die Wahlfreiheit der Sprache ist. Kunert emigrierte in den 1970er Jahre aus der DDR, da dort „die Freiheit des Wortes nicht gewährleistet wurde“. Der Versuch der DDR, in der Sprachgemeinschaft das sogenannte „Parteichinesisch“ einzuführen, sei nie gelungen. Die Sprache seinatürlich geblieben, aus ihr schöpfte der Autor. In Kunerts Werken tauchen immer wieder Überlegungen zur deutschen Sprache auf, besonders verbunden habe er sich mit den Autoren gefühlt, die ihr Land verlassen mussten und nicht mehr in ihrer eigenen Sprache schreiben konnten. Videoausschnitte aus dem Gespräch gibt es hier. (www.dw.de)

 

Visuelle Reize beeinflussen Sprachverarbeitung

Junior-Professorin Dr. Pia Knoeferle und ihre Forschungsgruppe der Universität Bielefeld, untersuchten den Einfluss visueller Reize auf Sprachverarbeitung im Gehirn. Dazu zeigten sie den Teilnehmern ihrer Studie Sätze mit einem Widerspruch und Sätze mit einem Zusammenhang. Zuvor bekamen die ProbandenSpielkarten gezeigt, die sich räumlich aufeinander zu- oder wegbewegten. Heraus kam, dass der visuelle Reiz, der unabhängig vom Inhalt des Satzes war, die Lesegeschwindigkeit erhöhte und das Verständnisverbesserte. Einen praktischen Nutzen könntendieErgebnisse etwa im Grundschulunterricht haben, wenn Kinder lernen zu klassifizieren, also Sachen zu Gruppen zusammenzufassen. Knoeferle sagte: „Eine Übung wie mit den Spielkarten könnte den Kindern helfen, schneller Ähnlichkeiten und Unterschiede zu begreifen“. (idw-online.de)

 

Vornamenstudie: Kevin oder Mandy haben zu Unrecht schlechten Ruf

Eine Untersuchung der Leipziger Sprachwissenschaftlerin Gabriele Rodriguez belegte, dass es viele Akademiker mit stereotypenVornamen wie Kevin, Mandy oder Peggy gebe. Anlass für die Studie waren Ergebnisse, dass Grundschullehrer Kinder mit diesen Namen für leistungsschwach halten. Die Oldenburger Erziehungswissenschaftlerin Astrid Kaiser sagte, dass der Grund für solche Vorurteile eine „Sozialschichten-Arroganz“ sei. Ursache für die Entstehung sei, dass englische Namen zunächst in der Mittelschicht, vor allem im Osten, modern gewesen seien, was die unteren Sozialschichten imitierten. Das Ost- und Unterschichtenniveau habe sich daraufhin im öffentlichen Bewusstsein vermischt. (www.berlinonline.de, www.focus.de)

 

Falsche Freunde im Russischen

Die Zeitung „Russia Beyond the Headlines“ (RBTH, ehemals „Russland Heute“) stellte sogenannte „falsche Freunde“ vor, die aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu europäischen Wörtern zu Übersetzungsfehlern aus dem Russischen führen, da sie eine andere Bedeutung haben. Ein „galstuk" z. B. ist kein Halstuch, sondern eine Krawatte. Ein „Butterbrod“ ist eine Scheibe Brot mit Belag. Ist nur Butter auf dem Brot, heißt es auf Russisch „butterbrod s maslom“. Weitere Beispiele gibt es hier. (de.rbth.com)

 

„Putin-Versteher“ wohl kein Unwort

Nina Janich, Professorin an der TU Darmstadt undMitglied in der Jury der Aktion „Unwort des Jahres“, berichtete, dass unter den bisher 600 eingereichten Vorschlägen für das „Unwort“ am häufigsten „Putin-Versteher“ genannt wurde, ein Begriff, mit dem Unterstützer des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Ukraine-Konflikt bezeichnet werden. Dieser komme aber wegen des enthaltenen Eigennamens nicht in Betracht. Janich erklärte: „Wir warten noch auf einen Favoriten“. Bis zum 31. Dezember können Vorschläge geschickt werden (an: vorschlaege(at)unwortdesjahres.net), im Januar erfolgt die Bekanntgabe des Unwort des Jahres. Die Jury entscheidet nicht nach der Häufigkeit eines genannten Begriffs, sondern unabhängig. Die Aktion soll Bewusstsein und Sensibilität für Sprache schaffen. Das Unwort des Jahres 2013 war „Sozialtourismus“. (Unwort des Jahres, sueddeutsche.de)

 

Tag der deutschen Sprache in Korea

Die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland Seoul lädt zum Tag der deutschen Sprache am 22. November in der Platoon Kunsthalle in Seoul ein. Besucher erwartet ein abwechslungsreiches Programm, u. a. musikalische und schauspielerische Darbietungen sowie eine Tombola. Zum Programm geht es hier. (www.seoul.diplo.de)

 

Vorankündigung: Die große Dokumentation einer Kultursprache

Am 3. Dezember erscheint „Edelsteine. 107 Sternstunden deutscher Sprache – vom Nibelungenlied bis Einstein, von Mozart bis Loriot“. (Herausgegeben von Max Behland, Walter Krämer und Reiner Pogarell. Paderborn: IFB Verlag Deutsche Sprache 2014. 672 Seiten, Leinen gebunden mit Schutzumschlag, 25,00 Euro. ISBN 978-3-942-409-31-5)Eine ungeheure Fülle großer Texte in deutscher Sprache. Anregend kommentiert und verständlich erklärt. Ein Lesevergnügen mit garantierten Aha-Erlebnissen. 107 Begegnungen u. a. mit einem gotischen Bischof, einer Magdeburger Nonne, einem Arzt aus der Schweiz, einem Weimarer Minister, zwei Göttinger Wissenschaftlern, einigen Komponisten, dem Erfinder des Automobils, dem Computererfinder, einem Staatsgründer aus Wien, zwei Psychotherapeuten, einem Rundfunkreporter, der in 90 Minuten ein Land veränderte, einem Bielefelder Liedermacher und einem Knollennasenzeichner. Wir erleben die deutsche Sprache in ihrer ganzen Pracht und Fülle. Erscheinungstermin ist der 3. Dezember 2014. Bestellungen werden aber schon jetzt angenommen beim: IFB Verlag Deutsche Sprache, Schulze-Delitzsch-Straße 40, D-33100 Paderborn, info@ifb-verlag.de

 


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Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Sprüche

„Ich glaube, die Deutschen sind nicht stolz genug auf ihre Sprache. An Heideggers Aus­spruch, nur Deutsch und Griechisch seien fürs Philosophieren geeignet, ist vielleicht doch ir­gendwas dran. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es ein Zufall ist, dass es in der Vergangenheit so viele deutsche Denker und Komponisten gab. Oder in der Gegenwart, dass die Deutschen so einzigartig gute Maschinen und Motoren bauen. Die Komplexität ihrer Sprache bereitet sie genau darauf vor."

Yngve Slyngstad, Chef des Norwegischen Staatsfonds in: Frankfurter Allgemeine Sonntags­zeitung, 7. Februar 2016, S. 40.