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VDS-Infobrief 47. Woche

Presseschau vom 19. bis 25. November 2014

Lyrischer Adventskalender

Vor zwei Jahren rief die Schauspielerin Carina-Maria Rief mit einer Gruppe von Dozenten und Künstlern den lyrischen Adventskalender ins Leben; ein gemeinnütziges, schulisches Bildungsprojekt für Kinder und Jugendliche. Hintergrund war, dass Kinder und Jugendliche gegen Vorurteile und Sprachbarrieren zu kämpfen haben, in Grundschulen viele Kinder nur schlecht oder noch gar kein Deutsch sprechen und sich an den weiterführenden Schulen der sogenannte „Gossen-Slang“ eingebürgert hat. Für den lyrischen Adventskalender rezitierten Künstler, Schüler und Lehrer vor allem klassische Gedichte vor laufender Kamera, die Videos sind im Internet auf der Projektseite, auf YouTube und auf Facebook zu sehen. Das Projekt soll zeigen, wie schön die deutsche Sprache ist und dass der Umgang mit ihr Spaß machen kann. Mit Erfolg: Schüler haben sogar eigene Gedichte geschickt, die in diesem Jahr im lyrischen Adventskalender veröffentlicht werden. An den Adventssonntagen sind dort Geschichten und Gedanken der Schüler zu Themen wie Brauchtum, Sprache und Integration zu sehen. (der-lyrische-adventskalender.jimdo.com/)

 

Einfluss von digitaler Kommunikation auf Sprache

Die Universitäten Leipzig, Dortmund, Dresden, Duisburg-Essen, Hannover, Koblenz-Landau und Mannheim haben dazu aufgerufen, für ihr Projekt „What’s up, Deutschland?“ bis zum 11. Januar 2015 Nachrichten des Nachrichtendienstes „WhatsApp“ zu spenden. Ziel ist es, die sprachlichen Merkmale (Länge, Verwendung von Dialekten, anderer Sprachen, Rechtschreibung etc.) der Nachrichten zu untersuchen und z. B. mit denen aus der Schweiz zu vergleichen. Erwartet werden u. a. etwa 700.000 Nachrichten, zurzeit fehlen diese vor allem aus dem Südwesten Deutschlands. Mehr dazu hier. (www.whatsup-deutschland.de, www.swr3.de)

Unfreiwillig komische Ausrutscher von Eltern, für die das Schreiben von SMS neu ist, stellt diese Seite vor.

Ludwig Eichinger, Direktor des Mannheimer Instituts für Deutsche Sprache, erklärte dem „Mannheimer Morgen“, dass es im Internet „zweifellos verhunztes Deutsch“ gebe, weil dort mehr Lockerheit herrsche, doch müsse diese Entwicklung nicht unsere Sprache als Ganzes beeinflussen. (www.morgenweb.de)

Die Linguistin Christa Dürscheid von der Universität Zürich berichtete: „Die Texte werden immer informeller“, wozu besonders Nachrichtendienste wie „WhatsApp“ beigetragen hätten, denn dort komme es auf schnelle Antworten an. Präpositionen und Pronomen fallen dabei weg oder verschmelzen mit anderen Wörtern. Hinzu kommen emotionale Ausdrücke wie „haha“, „gähn“, „seufz“. Der Hannoveraner Sprachwissenschaftler Peter Schlobinski verdeutlichte, wo Gesichtsausdruck und Stimmlage fehlten, müssten Worte Gefühle vermitteln. Die Sorge, junge Leute, bei denen Rechtschreibung und Grammatik noch nicht gefestigt sind, könnten gar kein korrektes Deutsch mehr lernen, sei nicht berechtigt. Dürscheid stellte fest: „Die Schreibkompetenz hat nicht nachgelassen - im Gegenteil. Sie ist breiter geworden“. Die meisten Schüler könnten unterscheiden, ob sie eine SMS oder einen Aufsatz schreiben. (www.wiwo.de, www.n-tv.de, www.haz.de)

 

Deutsch im Ausland

In Russland sinkt das Interesse an der deutschen Sprache. Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts, erklärte auf den gesamtrussischen Deutschlehrertagen in Moskau, dass das Verhältnis durch Sanktionen des Westens gegen Russland in der Ukraine-Krise belastet sei. Deutsch habe zwar als zweite Fremdsprache in Russland nach Englisch weiterhin einen stabilen Platz, verliere aber immer mehr an Bedeutung. Hauptgrund sei ein Mangel an Lehrkräften. Das Institut erwartet bis 2015 einen Rückgang der Schülerzahlen um bis zu acht Prozent und bei den Lehrern um bis zu zehn Prozent. Abhilfe sollen Stipendien schaffen. Auch das bis 2015 laufende Jahr der deutschen Sprache (siehe auch Infobrief 37. Woche/2014) mit 200 Veranstaltungen in Russland soll die Motivation zum Deutschlernen steigern. (www.n24.de, www.europeonline-magazine.eu)

Die „SAZ“ („Spaniens Allgemeine Zeitung“) meldete, dass spanische Schüler zunehmend Deutsch als Zweitsprache wählen. Das bislang geringe Angebot steige derzeit. Grund dafür seien gute Aussichten auf einen Arbeitsplatz in Deutschland. (www.saz-aktuell.com)

 

Kommentare zur geschlechtergerechten Sprache

Die „taz“ berichtete in einer überspitzt formulierten Kolumne zur geschlechtergerechten Sprache (siehe Infobrief 46. Woche/2014), für die Lann Hornscheidt (Humbold-Universität Berlin) die Anrede „Profx.“ vorschlug, dass vor allem Männern „ausflippen“ und sich empörten, „weil es mittlerweile so chic ist, sich ständig über alles erst einmal zu empören – nachdenken geht auch später noch“. Die „taz“ betont, dass dies nicht das „Aus unserer Kulturnation“ sei, sondern nur ein Vorschlag. Einen Vorteil dieser Diskussion sieht die „Welt“ darin, dass sie das Interesse an der deutschen Sprache wach halte, indem sich jeder für einen sprachlichen Ausdruck seiner Identität einsetze und die Macht der deutschen Sprache in der Gesellschaft deutlich werde. (www.taz.de, www.welt.de)

 

Deutsch in amerikanischer Autowerbung

Die „Wirtschaftswoche“ machte auf eine provokante Fernsehwerbung des Autoherstellers Chrysler aufmerksam, in der es auf Deutsch zu Beginn drei Mal heißt „So großartige Autos werden nur in Deutschland gebaut“. Später fährt der Sprecher fort, dass dies trotz Wiederholung nicht wahr sei und im Abspann steht, dass Leistung „nun eine amerikanische Angelegenheit“ sei. Die „Wirtschaftswoche“ stellt weitere Beispiele vor, in der Werbung in den USA mit der deutschen Sprache Qualität und Leistung mitschwingen lässt. Neben dem Hersteller Audi, der seit den 70er Jahren weltweit mit „Vorsprung durch Technik“ wirbt, schaffte es VW, dass seit dem Spruch „Das Auto“ im Jahr 2007 deutsche Schlagworte in der englischen Sprache mit Artikel auftauchen. Zum Beispiel nannten 2014 amerikanische Kommentatoren die deutschen WM-Fußballspieler oft „Die Mannschaft“. Weitere Beispiele hier. Zur neuen Chrysler-Werbung geht es hier. (www.wiwo.de)

 

Jugendwort des Jahres

Der Langenscheidt-Verlag hat zum Jugendwort des Jahres die Redewendung „läuft bei dir“ erklärt. Sie bedeutet „Du hast es drauf!“ als Synonym für „cool“ und „krass“. Auf Platz zwei landete „Gönn dir!“ (für „Viel Spaß dabei!“) und auf den dritten Platz kam der türkische Ausdruck „Hayvan“ (für „Tier“, was auf positive oder negative Eigenschaften von Tieren anspiele (Muskelpaket, treuer Freund oder: triebgesteuert, ohne Denkvermögen). (http://www.jugendwort.de/) Der „Spiegel“ kritisierte, dass die Wahl willkürlich stattfand, denn in diesem Jahr sabotierten Internet-Trolle die Abstimmung, also Teilnehmer, die mit Aufrufen und Kommentaren provozieren wollen. Im Forum „4chan“ gab es Anfang Oktober einen Aufruf, für das Wort „fappieren“ (für masturbieren) zu stimmen, damit der türkische Ausdruck „Hayvan“, der zwischendurch die Mehrheit von 60 Prozent der Stimmen erreichte, nicht das neue Jugendwort wird. Jedoch ist die Abstimmung nur ein Teil der Wahl, unter den 15 meistgewählten Wörtern wählt eine Jury das „Jugendwort des Jahres“ aus. In einer Umfrage des „Spiegels“ im Jahr 2013 äußerten Schüler, dass sie manche der von der Langenscheidt-Redaktion als Jugendsprache deklarierten Begriffe noch nie gehört hätten. Die „Süddeutsche“ sieht die Wahl als Werbung des Langenscheidt-Verlags für sein Buch „100% Jugendsprache“. Für den Sprachwissenschaftler Nils Bahlo von der Universität Münster zeigt der Ausdruck „eine neue Qualität“ der Jugendsprache. Positiv sei, dass die Wendung „im Gegensatz zu den vorherigen Jugendwörtern wohlwollend gemeint ist.“ Ludger Hoffmann, Professor am Lehrstuhl Deutsche Sprache der TU Dortmund sagte: „Es ist gut, dass sie gewählt wurde und nicht wie sonst Wörter“. Satzförmig sei die Redewendung, weil ein finites, also personalisiertes Verb vorkomme. Dass man ein Satzelement mitdenken müsse, sei unproblematisch – „So reden wir mündlich“. Bei „Fühlt sich gut an“ oder „Macht was her“ sei das nichts anderes. (www.tagesspiegel.de, www.spiegel.de, www.spiegel.de, sueddeutsche.de, www.stuttgarter-nachrichten.de, www.mz-web.de)

 

Bedrohtes Bairisch

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) warnte vor dem Verschwinden des Bairischen. BLLV-Vorsitzender Klaus Wenzel forderte, den Dialekt an Schulen stärker zu unterrichten. Der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte unterstützte die Forderung und verschickte ein Wörter-Ratespiel an bayerische Grundschulen. Der „Spiegel“ stellt hier 15 Fragen aus dem Wissensspiel „Woaßt as?“. Dort erfährt man zum Beispiel, dass ein „oide Schäsn“ ein schrottreifes Auto ist. Manchen nutzen diesen Begriff aber auch für eine alte Frau. Die „Tegernseer Stimme“ berichtete, dass Mundarten die Sprachentwicklung von Kindern keinesfalls behinderten, sondern vorteilhaft beim späteren Fremdspracherwerb sein könnten. (www.spiegel.de, www.tegernseerstimme.de)

 

Europatagung an der Deutschen Schule Budapest

Die Deutsche Schule Budapest (DSB)war Gastgeber für die Europatagung 2014 des Weltverbandes Deutscher Auslandsschulen (WDA). In der „Budapester Zeitung“ lobte DSB-Direktor Thomas Mahrenholtz die Konferenz, da dies eine gute Möglichkeit sei, sich mit anderen Auslandsschulen auszutauschen und sich zu präsentieren. Der ungarische Politiker Zoltán Balog trat als Redner auf und war Teilnehmer einer Podiumsdiskussion. Er begründete sein Mitwirken unter anderem damit, dass ihm die deutsche Sprache und deren Förderung besonders am Herzen liege. „Für uns Ungarn ist das Erlernen der deutschen Sprache eine Kulturan­gelegenheit, während das Erlernen der englischen Sprache eher etwas Techni­sches und Englisch in erster Linie ein ‚tool‘ für die Karriere ist“, sagte Balog. (www.budapester.hu)

 

Deutschsprachige Theaterfestspiele in Prag

„Radio Praha“ meldete, dass am Freitagabend mit einer Vorstellung des Hamburger Thalia Theaters und des Theaters Gent die 19. deutschsprachigen Theaterfestspiele eröffnet wurden. Bis zum 1. Dezember werden in Prag Inszenierungen deutschsprachiger Bühnen aus dem vergangenen Jahr aufgeführt. Zum Programm geht es hier. (www.radio.cz)

 


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Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Hannah Herzsprung, Schauspielerin, über das wunderschöne Deutsch in ihrem Film "Die geliebten Schwestern"