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VDS-Infobrief 50. Woche


Presseschau vom 10. bis 16. Dezember 2014

Deutsche Welle vor Streichung des deutschen Programms

„Der Tagesspiegel" berichtete von den Plänen der Deutschen Welle, die englischen Informationsangebote im Internet und im Fernsehen auszubauen. Diese Neuausrichtung umfasst den Start der „DW News", ein Info-Kanal auf Englisch, im April 2015. DW-Intendant Peter Limbourg drohte damit, große Teile des deutschsprachigen Programms zu streichen, wenn sich die finanzielle Ausstattung des Senders nicht verbessert. Ob der Umfang des deutschen Programms erhalten bleibt, wird derzeit diskutiert. In einem offenen Brief schlossen sich 130 Wissenschaftler, Autoren und Künstler mit den Mitarbeitern der Deutschen Welle gegen eine drohende Schließung des deutschsprachigen Fernsehprogramms zusammen. „Die Deutsche Welle muss in ihrer Sprachenvielfalt erhalten bleiben", heißt es in dem Schreiben. Dem „Deutschlandfunk" sagte Peter Limbourg: „Deutsch ist auf lange Sicht und muss es auch bleiben die Hauptarbeitssprache der Deutschen Welle, weil was wir dringend brauchen ist eine deutsche Absenderkennung." Offen sei jedoch, ob die deutsche Sprache weiterhin Teil des linearen Fernsehprogramms sein wird. Im Deutsche-Welle-Gesetz stehe, dass ein deutsches Programm angeboten werden muss, nur die Ausspielwege seien unklar. Der Deutsche Kulturrat rief in einer Pressemitteilung dazu auf, die deutschsprachige Programme zu erhalten. „Die Deutsche Welle ohne deutsches Programm ist ebenso undenkbar wie die BBC ohne englisches Programm", sagte der Präsident des Deutschen Kulturrates Christian Höppner. Der VDS protestierte mit einer Pressemitteilung gegen das Vorhaben von Peter Limbourg. (tagesspiegel.de, handelsblatt.com, deutschlandfunk.de, kulturrat.de)

 

Zehn Jahre Rat für deutsche Rechtschreibung

Im Onlineportal „tz.de" gab Hans Zehetmair, Vorsitzender des Rates für Rechtschreibung, ein Interview zu der Gegenwartssprache. Anlass war die Gründung des Rates vor zehn Jahren. Zwei Jahre hatte sich der Rat mit der Korrektur des Regelwerks nach der Rechtschreibreform 1996 beschäftigt. Heute sieht Zehetmair eine andere Herausforderung. „Sprache ist verkommen", sagte Zehetmair. Neben dem fehlenden schöpferischen Akzent, spielen der Konsum und die Anglizismen eine zunehmende Rolle. Zehetmair sieht Anglizismen nicht als grundlegend schlecht an, doch ihre Bedeutung sollte klar sein. Ansonsten entstünden Wortfetzen, wie sie zum Beispiel auf Twitter zu finden sind. Gedanken sollten stärker formuliert und nicht durch Abkürzungen ersetzt werden, so Zehetmair. Übernahmen aus anderen Sprach- und Kulturkreisen sind für den Ratsvorsitzenden in Ordnung, denn „Sprache muss leben und sich organisch weiterentwickeln". Für die Zukunft hob er Wörterbuch-Verlage hervor, die durch das Internet immer mehr an Bedeutung verloren hätten, obwohl sie durch ihre Ansammlungen von Wörtern einen großen Schatz für eine lebendige Sprache darstellen. (kreisbote.de, chiemgau24.de, tz.de)

 

CSU-Parteitag im Blick der Deutschpflicht

Die von der CSU geplante Deutschempfehlung für Zuwanderer war auch ein Thema auf dem Parteitag der CSU in Nürnberg. In dem Leitantrag stand ursprünglich „Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen." „Der Zeit" sagte CSU-Chef Horst Seehofer, dass es sich hierbei um ein Missverständnis gehandelt habe. Für ihren Entwurf hatte die CSU viel Kritik eingesteckt. Die Delegierten des Parteitags schwächten den Wortlaut deswegen etwas ab: „Wer dauerhaft hier leben will, soll motiviert werden, im täglichen Leben deutsch zu sprechen." Ziel sei es nicht gewesen, in das Familienleben einzugreifen und Vorschriften zu machen, sagte Seehofer. Generalsekretär Andreas Scheuer betonte, dass Bayern ein Vorbild für gelungene Integration von Zuwanderern sei. Die „F.A.Z." ergänzte das Deutschgebot der CSU mit dem Hinweis, dass die Zahl der Kinder in mehrsprachigen Kindergärten seit Jahren steige. In vielen Familien werde sogar absichtlich eine andere Sprache als das Deutsche gesprochen, um die Kinder mehrsprachig aufwachsen zu lassen. Die Hamburger Erziehungswissenschaftlerin Ingrid Gogolin erklärte: Zweisprachige Menschen könnten leichter weitere Fremdsprachen lernen und wären länger vor Demenz geschützt als einsprachige. „Der wirklich wichtige Punkt ist, dass Kinder sich in ihren ersten Lebensjahren Sprache als eine kognitive und soziale Fähigkeit aus der Kommunikationskonstellation heraus aneignen, in der sie leben", sagte Gogolin. Dabei sei es zweitrangig, ob diese Konstellation ein-, zwei- oder dreisprachig ist. Hans Kratzer erklärte in der „Süddeutschen", wie langweilig es wäre, „wenn alle Bayern daheim Hochdeutsch sprechen würden. Dann wären so wunderbare Ausdrücke wie ‚schaine graine Blaime' längst ausgestorben.(tagesspiegel.de, spiegel.de, zeit.de, faz.net, sueddeutsche.de)

 

Wort des Jahres 2014 gewählt

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) gab das Wort des Jahres bekannt: „Lichtgrenze". Damit sind die 8.000 weißen, leuchtenden Ballons gemeint, die zum Mauerfall- Jubiläum in Berlin die frühere Grenze durch die Stadt markierten. Das Wort „spiegelt in besonderer Weise die großen Emotionen wider, die das Ende der DDR im Herbst 1989 auch 25 Jahre später noch in ganz Deutschland hervorruft", heißt es auf der Internetseite der GfdS. Die „Zeit" erklärte, dass die Jury aus dem Hauptvorstand der GfdS sowie den wissenschaftlichen Mitarbeitern bestünde und aus 2.300 Wörtern zehn nominiert hätte. „Lichtgrenze" habe sich gegen „Russlandversteher", „Terror-Tourismus", „bahnsinnig" und „Freistoßspray" durchgesetz, so die Zeitung „Die Welt". Der Sieger „Lichtgrenze" sei laut HR-Online erst im Laufe der Jury- Sitzung von einem Mitglied eingebracht worden und hätte zuvor nicht auf der Liste gestanden. Die „Welt" wies darauf hin, dass das „Wort des Jahres" mindestens 200 Jahre alt ist, und bereits Goethe die „Lichtgränze" kannte. (welt.de, sueddeutsche.de, zeit.de , hr-online.de)

 

Deutschkurse für Flüchtlinge, Asylbewerber und fremdsprachige Eltern

Die „Südwest Presse" stellte den Kurs „Lernen durch Sprechen" vor, der seit 2009 an der Barbara-Gonzaga Gemeinschaftsgrundschule angeboten wird. Die Paul-Lechler-Stiftung finanziert dieses Projekt, welches sich an Eltern richtet, die die deutsche Sprache lernen möchten. Susanne Burkhardt leitet den Kurs, der freiwillig ist und sich an alltäglichen Themen orientiert. „Es gibt Menschen, die nach 25 Jahren in Deutschland die Sprache immer noch nicht sprechen", sagte Burkhardt. Sie stelle außerdem eine Kontaktperson zwischen den Eltern und der Schule dar. Ein ähnliches Projekt gibt es auch in Eckernförde. Die „Eckernförder Zeitung" berichtet über eine Wohngemeinschaft, in der unter anderem Flüchtlinge aus Syrien zusammen leben. Am Nachmittag kommen ehrenamtliche Lehrende in die Einrichtung und geben Sprachunterricht. (shz.de, swp.de )

 

Förderpreis „Gutes Deutsch" wird im Februar vergeben

Der VDS in Rostock lobt gemeinsam mit der Hansestadt zum zweiten Mal den Förderpreis der Hansestadt „Gutes Deutsch" aus. Kandidaten für die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung können bis zum 12. Januar vorgeschlagen werden. Der Preis soll an Menschen oder Institutionen vergeben werden, die in ihrem Sprachgebrauch als Vorbild wirken und auf unverständliche oder überflüssige Begriffe verzichten. Der Förderpreis soll so dem Erhalt und der kreativen Entwicklung der deutschen Sprache und des Niederdeutschen in der Hansestadt dienen.
Die Auszeichnung wird im Februar im Rathaus vergeben. Erster Preisträger war im vergangenen Jahr der Rostocker Aphoristiker und Arzt Dr. Klaus D. Koch. Über die Vergabe des Preises entscheidet eine unabhängige Jury, der neben Bürgerschaftspräsident Dr. Wolfgang Nitzsche, die Regionalvertreter des VDS Journalisten von Rostocker Medien angehören.
Kandidaten können bis 12. Januar der Pressestelle der Stadtverwaltung vorgeschlagen werden, per Fax an die Nummer 3 81 91 30 oder per E-Mail an presse @ rostock.de. (das-ist-rostock.de)

 

Denglisch-Kurs in Duisburg

An der VHS-Duisburg hat erstmals ein Sprachkurs „Denglisch" stattgefunden. Insgesamt 25 Teilnehmer dürfen nun den Grad „Dipl.-Deng." tragen. Initiator ist der Duisburger und gebürtige Brite Robert Tonks, der in mehreren Büchern die Anglisierung der deutschen Sprache satirisch verarbeitet hat. (derwesten.de)


Hinweis

 


Der Verein Deutsche Sprache im Internet: vds-ev.de, facebook.com
Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu, facebook.com

Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Medienecho

Wiederum als voller Erfolg erwies sich laut einer Mitteilung eine Vortrags­veranstaltung mit grenz­über­schreitendem Charakter, zu welcher die Regional­gruppe Ortenau des Vereins Deutsche Sprache nach Offenburg eingeladen hatte.
(Badische Zeitung 24.4.2015)

 

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„Ist es Imperialismus, wenn Sowjet-Panzer bis an die deutsche Grenze stehen? Nein, Imperialismus ist, wenn die eigene Kultur flöten geht. Jedes zweite Stück auf deutschen Spielplänen hat einen englischen Titel. Wir machen uns zu Sklaven, wir finden es schick, wenn die Internetsprache deutsche Bühnen bestimmt. Wenn wir so weitermachen, wird das Deutsche 'ne Zwergensprache. Wir sind Deutsche durch Sprache, nicht durch Krupp oder die Bild-Zeitung."

Claus Peymann: Das Theater verliert sein Geheimnis (derwesten.de, 15.6.2016)