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VDS-Infobrief 3. Woche

Presseschau vom 14. bis 20.Januar2015

Abendlied“ ist berühmtestes deutsches Gedicht

Das „Abendlied“ aus dem Jahre 1779 von Matthias Claudius gilt als berühmtestes deutsches Gedicht und entstand nach einer Vorlage von Paul Gerhardts „Nun ruhen alle Wälder“. Die „Welt“ berichtete, dass laut Hans Braam und Lutz Hagestedt von der Universität Rostock das „Abendlied“ seit Jahrzehnten unangefochten das am besten belegte deutsche Gedicht in deutschen Anthologien sei. Bekanntheit erlangte das „Abendlied“ vor allem als Volkslied, bis heute wurde es rund 70 Mal vertont: angefangen hat Schubert, die jüngste stammt von Herbert Grönemeyer. Der Reclam-Verlag erläuterte: „Neben den berühmten Metaphern (Der Wald steht schwarz und schweiget; kalt ist der Abendhauch) steht, wie oft bei Claudius, auch ein weiser Hinweis auf die Selbstüberhebung des seiner Beschränktheit unbewussten Menschen: So wie der »halbe« Mond in Wahrheit rund ist, so sind wohl manche Sachen, / Die wir getrost belachen, / Weil unsre Augen sie nicht sehn.Am 21. Januar war Matthias Claudius' 200. Todestag. (www.welt.de, www.reclam.de, www.deutschlandradiokultur.de)

 

Klare Sprache des Papstes

Die „Bild“-Zeitung lobt Papst Franziskus als „Mann klarer Worte“, z. B. für Äußerungen wie „Wenn mein lieber Freund Dr. Gasbarri meine Mama beleidigt, bekommt er einen mit der Faust.” (über Grenzen der Meinungsfreiheit). Auch den Ausspruch „Manche glauben, entschuldigt bitte das Wort, um gute Katholiken zu sein, müssen wir sein wie Kaninchen“, lobte die „Bild“, denn: „Mit diesem Satz hat sich der Papst unter uns gemischt. […] Dieser Papst geht mit uns ein Bier trinken. Und er spricht in einer Sprache, die wir verstehen.“ (www.bild.de, www.bild.html)

 

Deutsches Wort für i-wear gesucht!

Die Arbeitsgruppe Anglizismen-INDEX des VDS sucht regelmäßig Vorschläge für deutsche Entsprechungen zu englischen oder pseudoenglischen Ausdrücken. Zurzeit sucht die Arbeitsgruppe ein treffendes deutsches Wort für den Anglizismus i-wear. Der aktuelle Anglizismen-INDEX schlägt als Übersetzung „intelligente Kleidung (z. B. integriertes Mobiltelefon)“ vor. Senden Sie Ihren Vorschlag an: deutscheswort@vds-ev.de. Unter den besten Einsendungen verlosen wir einen Buchpreis.

 

Vom Steineklopfen zur Sprache

Im Fachblatt „Nature Communications“ erschien eine neue Theorie zum Ursprung der Sprache: Forscher um den Entwicklungspsychologen Thomas Morgan von der schottischen Universität St. Andrews erklärten, die Fähigkeit, Steinwerkzeuge herzustellen, könnte einst die Entwicklung der Sprache beflügelt haben. In einem Experiment ließen sie 184 Studenten mehr als 6.000 Feuersteine herstellen und dabei fünf verschiedene Kommunikations- bzw. Lerntechniken anwenden. Die Wissenschaftler verglichen die hergestellten Feuersteine hinsichtlich ihrer Größe, ihres Gewichts und ihrer Qualität. Demnach erzielten die Teilnehmer die besten Ergebnisse, wenn sie fortschrittlichere Formen des Lehrens und Lernens und vor allem Sprache anwandten. Dies unterstreicht für die Forscher die These, dass die Herstellung von Steinwerkzeugen neben Formen des gegenseitigen Lehrens die Entwicklung von Sprache förderte. (www.nature.com, www.welt.de, www.sueddeutsche.de, www.abendblatt.de)

 

Begriff „Willkommenskultur“

Die Autorin Gila Lustiger griff im „Deutschlandradio Kultur“ in drei Teilen der „Originalton“-Reihe das Wort „Willkommenskultur“ auf und setzte sich mit dem Gebrauch auseinander. Im ersten Teil, „Das deutsche Brot“, lobt Lustiger die Prägnanz und Ausdrucksstärke der deutschen Sprache. Über die Kraft und die „erschreckende Belanglosigkeit mancher Worte“ liest Lustiger im zweiten Teil, „Worte wie Arsendosen“. Im dritten Teil bilanziert die Autorin: Das Wort „Willkommenskultur“ habe in Deutschland Hochkonjunktur, denn so gut wie jede Institution griff das Schlagwort auf und entwickelte Leitfäden und Veranstaltungen, die Bundesregierung organisierte eine Wanderausstellung mit dem Namen „Yes, we are open“. Fazit sei, dass die Willkommenskultur in Deutschland, kaum ins Leben gerufen, „einbürokratisiert“ wurde. (www.deutschlandradiokultur.de)

 

Deutsche Wortschatzlücken

Der Wiener „Kurier“ erklärte, dass die deutsche Sprache (mit ihren je nach Quelle zwischen 300.000 und 500.000 Wörtern) zwar „Bausteinweltmeisterin“ sei (Stichwort: Donaudampf­schifffahrts­gesellschafts­kapitän), aber für einige „Auswüchse des zwischenmenschlichen Seins“ Lücken aufweise. Zum Beispiel gibt es in der Sprache Yaghan (gesprochen vom Stamm der Yámana in Feuerland) das Wort „Mamihlapinatapai“, das in etwa die Situation beschreibt, „wenn man einen Blick mit jemandem tauscht, und hofft, dass der andere etwas initiiert, was beide Personen begehren, was aber keiner bereit ist zu tun.“ Im Guiness-Buch der Rekorde steht Mamihlapinatapai als „prägnantestes Wort“. Weitere Beispiele: Im Japanischen bezeichnet „Age-Otori“ „nach einem neuen Haarschnitt schlechter aussehen als vorher“, „Tingo“ bedeutet in dem polynesischen Dialekt Rapa Nui auf den Osterinseln „nach und nach alle Gegenstände vom Haus des Nachbarn leihen, bis nichts mehr übrig ist“. (kurier.at)

 

Schreibwettbewerb „Schöne deutsche Sprache“

Die Neue Fruchtbringende Gesellschaft hat mit der Theo-Münch-Stiftung für die Deutsche Sprache den Schreibwettbewerb „Schöne deutsche Sprache“ 2015 zum Thema „Wenn Oma und Opa erzählen“ ausgeschrieben. Teilnehmen können Schüler der Klassen 3 bis 13, die literarische Form (Gedicht, Geschichte, Essay, Fabel) ist frei wählbar, Einsendeschluss ist der 30. April 2015. Die Texte zum Thema „Wenn Oma und Opa erzählen“ sollten höchstens zwei DIN-A4-Seiten lang und möglichst maschinengeschrieben sein. Die Preisverleihung findet am Tag der deutschen Sprache am 12. September 2015 in Köthen (Anhalt) statt. Weitere Informationen hier. (www.fruchtbringende-gesellschaft.de)

 

Carl-Zuckmayer-Medaille an Bruno Ganz verliehen

Der Schweizer Schauspieler Bruno Ganzerhielt vom Land Rheinland-Pfalz die Carl-Zuckmayer-Medaille für seine Verdienste um die deutsche Sprache. Die Ministerpräsidentin des Bundeslandes Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), hielt die Laudatio im Mainzer Staatstheater und überreicht den Preis vor 1.000 Gästen. Dreyer erklärte, Bruno Ganz wirke in einer eigenen künstlerischen Kategorie. „Mit seiner Ausdrucks­fähigkeit erzielt er eine ganz besondere Wirkung und verleiht seiner Darstellung eine hohe Glaubwürdigkeit.“ Er gehöre zu den wenigen Schauspielern, denen es gelinge, das Feuilleton ebenso zu Begeisterungsstürmen hinzureißen wie ein großes Publikum. Bisherige Preisträger sind u. a. Friedrich Dürrenmatt, Martin Walser, Herta Müller, Armin Mueller-Stahl, Katharina Thalbach und Udo Lindenberg. (www.rlp.de, www.abendzeitung-muenchen.de, derstandard.at, www.dw.de)

 

Videos zur Orthografie

Auf dem Portal „Youtube“ veröffentlichte das „Tübinger Orthografie-Programm“ Videos für Lehrende zu den Themen „Großschreibung im Satz“, „Grammatik mit rotem Faden“ und „Rechtschreibung mit rotem Faden“. (www.youtube.com)

 

Bremisch-Fragespiel

Im „Weser-Kurier“ können Leser ihre Bremisch-Kenntnisse anhand von 15 Fragen testen. Wie lebendig die Sprache der Bremer ist, zeigen Begriffe wie „duhn“ oder „Büdel“. (www.weser-kurier.de)

 


Der Verein Deutsche Sprache im Internet: vds-ev.de, facebook.com
Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu, facebook.com

Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Redaktion: Monika Elias

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Medienecho

Wiederum als voller Erfolg erwies sich laut einer Mitteilung eine Vortrags­veranstaltung mit grenz­über­schreitendem Charakter, zu welcher die Regional­gruppe Ortenau des Vereins Deutsche Sprache nach Offenburg eingeladen hatte.
(Badische Zeitung 24.4.2015)

 

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Sprüche

Dass Sprache und Worte auch Stil, Klasse und Poesie haben können, das geht in unserem schnelllebigen, alltäglichen Miteinander völlig verloren. 

Hannah Herzsprung, Schauspielerin, über das wunderschöne Deutsch in ihrem Film "Die geliebten Schwestern"