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VDS-Infobrief 10. Woche

Presseschau vom 4. bis 10. März 2015

Pop mit Schmäh

Pop-Bands aus Österreich bringen ihre nördlichen Nachbarn derzeit die Feinheiten des Österreichischen näher. Über Musiker wie „Wanda“, „Gustav“, „Bilderbuch“ und „Ja!Panik“ schreibt die Wiener Zeitung „Die Presse“ nicht ohne Stolz und hofft nebenbei, dass „ihre Austrophilie sie [die Deutschen] bald auch dazu bringt, den Kaffee auf der zweiten Silbe zu betonen.“ Laut „Die Presse“ seien Musikerfolge ohne den österreichischen Tonfall nicht möglich gewesen. „Der Grant von Kreisky (der Band, aber auch des Kanzlers) würde auf Englisch genauso wenig funktionieren wie die subtile Aufsässigkeit von Gustav.“ Hier würde die Grundhaltung vertreten, dass Pop lokalen Charakter und Wiener Schmäh haben darf. „Alle heimische Popmusik, die von Bestand war und ist, hätte und hat deutsche – respektive österreichische – Texte“, schreibt die „Presse“. (diepresse.com)

 

Zitat der Woche

„Ich finde, dass Deutsch eine wirklich schöne Sprache ist. Und vor allem so einzigartig.“

Das sagte die Schauspielerin Sigourney Weaver im Gespräch mit der „Stuttgarter Zeitung“ über ihre Vorliebe für die deutsche Sprache. Sie erläuterte: „Die Worte und Sätze erscheinen mir, wenn ich sie sehe, so vollkommen anders zusammengesetzt als in jeder anderen Sprache.“ Weaver sei beeindruckt von der Ausdruckskraft des Deutschen und bedauere, die deutsche Sprache nicht zu beherrschen. (www.stuttgarter-zeitung.de)

 

Modellversuch: bilinguale Grundschulen in Bayern

Mit dem neuen Schuljahr beginnt in Bayern an 21 Schulen ein vierjähriger Modellversuch mit zweisprachigem Unterricht. Georg Eisenreich, Bildungsstaatssekretär und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Bildungspakt Bayern, erklärte zur Bekanntgabe am Montag: „Wir wollen das Lernen in zwei Sprachen fördern und starten daher den Modellversuch bilinguale Grundschule (Deutsch/Englisch). Mit dem Modellversuch erproben wir, wie man Englisch schon in der Grundschule mit dem Fachunterricht sinnvoll verbinden kann.“ Der bilinguale Unterricht findet in den Fächern Kunst, Musik und Sport statt. Dies ermögliche den Kindern einen altersgemäßen und praxisorientierten Zugang, ohne den Vorrang von Deutsch zu gefährden. „Es gibt immer mehr Eltern, die sich in der Schule ein frühes bilinguales Lernangebot für ihre Kinder wünschen. Darauf will der Modellversuch eine Antwort geben“, sagte Eisenreich. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) unterstützt das Projekt. (www.km.bayern.de)

 

Englische Privatschulen gegen Deutschquote

Der „Deutschlandfunk“ bezog sich in einem Beitrag auf die neue Deutschquote an Berliner Schulen (siehe Infobrief 9. Woche/2015) und berichtete, dass der Privatschulverband dagegen Sturm laufe, vor allem weil es um sehr viel Geld gehe. Die englischen Privatschulen wollen mit einem größeren Englischangebot angebliche Sprachdefizite auffangen. Andreas Wegener, Vorsitzender des Berlin-Brandenburger Verbands, erklärte, in anderen Bundesländern würden rein englischsprachige Privatschulen sehr wohl vom Staat finanziert. SPD-Bildungspolitikerin Renate Harant sagte: „Eine rein englischsprachige Schulbildung, das ist politisch nicht gewollt. Ich sehe das ein bisschen anders, wenn der Bedarf da ist, wenn der Wunsch da ist, warum soll das nicht möglich sein. Aber dafür gibt es politisch keine Mehrheit und auch keine Umsetzung“. (www.deutschlandfunk.de)

 

„Alemannisch-schwäbische Nacht“

Der „Südkurier“ berichtete über das Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen der „Muettersproch-Gesellschaft“, dem Verein für alemannische Sprache e.V. In der Singener Stadthalle kamen fast 500 Dialektfreunde zur „Alemannisch-schwäbischen Nacht“ zusammen. Im Programm traten sowohl schwäbische als auch badische Künstler auf. Trotz kleiner „Sticheleien“ zwischen den beiden Mundarten war es ein erfolgreicher und harmonischer Abend. (www.suedkurier.de)

 

Die Begriffe „Pegida“ und „Lügenpresse“ verbreiten sich in Europa

Wie die „Welt“ berichtete, wird das deutsche Akronym „Pegida“ auch bei Demonstrationen gegen die Islamisierung Europas außerhalb Deutschlands verwendet. Anhänger dieser Bewegung nutzten den Begriff in Belgien, in den Niederlanden und in Skandinavien. Auch das Unwort des Jahres 2014 „Lügenpresse“ verbreitete sich auf diesem Weg: „180 Jahre nach seiner Entstehung überschreitet das Wort ‚Lügenpresse‘ die Grenzen des deutschen Sprachraums und könnte zum globalen Propagandaschlagwort werden.“ In den Niederlanden und Belgien werden Lehnformen des Begriffs verwendet: „leugenpers“ oder „leugenmedia“. Die Geschichte und Verwendung des Wortes „Lügenpresse“ erklärt die „Welt“ ausführlich auf dieser Seite: www.welt.de

 

Deutsche Welle bald ohne deutschsprachiges Fernsehprogramm?

Das „Deutschlandradio Kultur“ berichtete über die geplanten Umstrukturierungen bei der Deutschen Welle (DW). Es sei im Gespräch, nach dem deutschsprachigen Radioprogramm nun auch das deutschsprachige Fernsehprogramm nur noch im Internet anzubieten. DW-Intendant Peter Limbourg setzt auf einen englischsprachigen Nachrichtenkanal. Aufgabe der DW ist nach dem novellierten Deutsche Welle-Gesetz, die deutsche Sprache zu fördern, weshalb ein Komplettverzicht auf ein deutschsprachiges Angebot ausgeschlossen sei. Der Bundestag erhöhte kürzlich das jährliche Budget ab 2016 um 12 Millionen Euro (siehe auch Infobrief 9. Woche/2015). (www.deutschlandradiokultur.de)

 

Werbung: alles außer Schwäbisch

Die Edeka-Gruppe wirbt in einer neuen Kampagne humorvoll mit ihrem Sprachtalent. Zwei Verkäufer an der Käsetheke überbieten sich mit französischen Käsenamen. Als eine Kundin fragt, ob sie auch Deutsch sprechen könnten, beweisen die Verkäufer dies mit „Allgäuer Bergkaas“ und „Schwarzwälder Bibiliskäs“. Der schwäbischen Antwort stehen sie jedoch ratlos gegenüber. Zu sehen ist die Werbung hier. (www.absatzwirtschaft.de)

 

Deutsches Wort für Live-Chat gesucht!

Die Arbeitsgruppe Anglizismen-INDEX des VDS sucht regelmäßig Vorschläge für deutsche Entsprechungen zu englischen oder pseudoenglischen Ausdrücken. Zurzeit sucht die Arbeitsgruppe ein treffendes deutsches Wort für den Anglizismus Live-Chat. Der aktuelle Anglizismen-INDEX beschreibt diesen als Simultandiskussion (im Internet).

Senden Sie Ihren Vorschlag an: deutscheswort @ vds-ev.de. Unter den besten Einsendungen verlosen wir einen Buchpreis.

 

Denglisch im BBC

Robert Tonks, der an der VHS-Duisburg einen satirischen Sprachkurs „Denglisch“ anbietet und in mehreren Büchern die Anglisierung der deutschen Sprache augenzwinkernd verarbeitet hat, sprach mit dem Sender „BBC World Service“ über das Phänomen Denglisch in Deutschland. Er erklärte, dass bei einem „Baby Shooting“ in Deutschland Fotos gemacht werden und nicht, wie es englische Muttersprachler verstehen, auf Babys geschossen werde. Auch über den Scheinanglizismus „Handy“ klärt Tonks die britischen Redakteure auf. (www.robert-tonks.de)

 

Tier- statt Babynamen

Nach Einschätzung der Mainzer Namensforscherin Damaris Nübling könnten klassische Tiernamen wie Hasso oder Rex bisherige Babynamen ablösen. Nübling erklärte: „Die Tiere rücken immer näher an den Menschen ran, das schlägt sich auch in ihren Namen nieder“. Die Grenze zwischen Mensch und Tier werde immer mehr überschritten. Das gelte für Haustiere, die oft menschliche Namen erhielten. In Schweden sei jedoch auch umgekehrt zu beobachten, dass Kinder klassische Tiernamen bekommen. Nübling führte aus: „Und die Schweden sind uns in der Regel etwa 20 bis 30 Jahre voraus. Sofern es die Behörden erlauben, könnte das auch in Deutschland vorkommen“. (www.welt.de)

 

Tagungen in Mainz

An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz findet vom 12. bis 14. März eine Tagung zur sprachübergreifenden Entwicklung der Grammatik statt. Ein Symposium geht erstmals der Frage nach, ob Grammatikalisierungsprozesse universell in allen Sprachen der Welt gleich verlaufen. (idw-online.de)

Auch die Jahrestagung der Gesellschaft katholischer Publizisten beschäftigt sich mit der „Zukunft der deutschen Sprache“. Bei einer Podiumsdiskussion am 20. März u. .a. Mit dabei: VDS-Vorsitzender Prof. Dr. Walter Krämer. (www.gkp.de)

 


Der Verein Deutsche Sprache im Internet: vds-ev.de, facebook.com
Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu, facebook.com

Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Redaktion: Monika Elias

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Medienecho

Wiederum als voller Erfolg erwies sich laut einer Mitteilung eine Vortrags­veranstaltung mit grenz­über­schreitendem Charakter, zu welcher die Regional­gruppe Ortenau des Vereins Deutsche Sprache nach Offenburg eingeladen hatte.
(Badische Zeitung 24.4.2015)

 

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Sprüche

„Mich hat es gestört, dass es keine ordentlichen deutschen Texte gab. Ich dachte, das muss doch gehen. Dass ich Trommler war, kam mir sehr zugute. Ich hab mir die Sprache zurechtgetrommelt. Ich konnte gut Wörter dehnen wie Kaugummi, sie schleudern, zerbeißen, konnte rhythmisch auch die ersten Rap-Dinger anlegen: 'Käthe Dorsch wohnt in Kiel', das war schon Ende der Siebziger.“

Udo Lindenberg, DB mobil 5/2016