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VDS-Infobrief 45. Woche

Presseschau vom 4. bis 10. November 2015

 

Kiezdeutsch in den Unterricht?

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Foto: Rudis-Fotoseite/pixelio.de

Die Linguistin Maria Pohle fordert Kiezdeutsch als Gegenstand im Schulunterricht. Unter Kiezdeutsch versteht man die informelle Kommunikation von Jugendlichen im Alltag in deutschen Ballungsgebieten. Im Vergleich zur Standardsprache besitzt Kiezdeutsch eine reduzierte Grammatik und ist in Lexik und Wortstellung von anderen Sprachen beeinflusst. Kiezdeutsch verwenden sowohl Jugendliche mit als auch ohne Migrationshintergrund, so die Linguistin Pohle. Sie sieht darin kein Defizit, sondern „vielmehr ein Zeichen jugendlicher Solidarität“. Auch sei diese „Multi-Kulti-Sprache“ ein Beweis für gelungene Integration. Das schlechte Ansehen solcher Jugendsprachen werde besonders von den Medien aufgebaut, so Pohle. Für sie ist das Kiezdeutsch eine „echte Ressource und ein modernes sprachliches Phänomen“. (deutsch-tuerkische-nachrichten.de)

 

Großbritannien denkt um!

 „Nur Englisch zu sprechen, ist genau solch ein Mangel wie kein Englisch zu sprechen.“ Zu diesem Ergebnis kommt eine Erklärung, die eine überparteiliche Gruppe britischer Abgeordneter herausgegeben hat. Die „All-Party Parliamentary Group on Modern Languages“ kritisiert die verbreitete Inkompetenz und Interesselosigkeit gegenüber modernen Fremdsprachen in Großbritannien. Für die britische Volkswirtschaft bedeute dies einen jährlichen Verlust von 48 Milliarden Britischen Pfund. Zu dem Manifest geht es hier: britishcouncil.org (pdf).

 

Bedrohte Sprachen

 Von den 200 Sprachen, die heute in Europa existieren, stehen manche kurz vor dem Aussterben. Wie die Welt berichtet, gehören dazu u.a. das Saterfriesische mit 1000 Sprechern rund um den Landkreis Cloppenburg, für dessen Erhalt sich VDS-Mitglied Marron Fort einsetzt, sowie das als Walserdeutsch bekannte Töitschu, das von gerade noch 200 Sprechern in der Schweiz, Italien, Liechtenstein und Österreich verwendet wird. Um einige Sprachen steht es sogar deutlich schlechter, wie z.B. das corfiotische Italienisch, welches sich bereits in der frühen Neuzeit zu einem eigenen Dialekt entwickelt hatte und größtenteils von Albanern und christlichen Türken beeinflusst wurde. Der UNESCO ist keine Angabe über die Zahl der Sprecher bekannt. (welt.de)

 

Mehr Vorlesen

 Eine aktuelle Studie der Stiftung Lesen kommt zu dem Ergebnis, dass regelmäßiges Vorlesen Kindern bei ihren schulischen Leistungen und in ihrer sozialen Entwicklung hilft. Von den Acht- bis Zwölfjährigen, denen regelmäßig vorgelesen wurde, hatten demnach 70 Prozent im Fach Deutsch eine sehr gute oder gute Note. Dies gelte unabhängig vom Bildungsniveau der Eltern. Außerdem trage das Vorlesen dazu bei, dass die Kinder einen weiten Horizont entwickeln und ein großes Repertoire an Verhaltensmodellen besitzen. (derwesten.de, stiftunglesen.de)

 

Flüchtlingshelfer als Sprachpaten

 Giulio Pagonis, Germanistikprofessor der Universität Heidelberg, hat zusammen mit seinem Team eine zweitägige Fortbildung für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer konzipiert. Sie sollen dadurch Wissen erwerben, wie man Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Pagonis schränkt aber ein, dass „diese Sofortmaßnahmen Kompromisse darstellen, die unter dem akuten Druck zustande kommen und in keiner Weise eine fundierte Ausbildung von Expertinnen in Deutsch als Zweitsprache ersetzen“ sollen. Im Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ erzählt der Professor, dass er als Gastarbeiterkind selbst erst mit fünf Jahren Deutsch gelernt habe. Die Alltagssprache hätten ihm seine deutschen Schulfreunde beigebracht. Die Schriftsprache habe er in der Schulegelernt. Deswegen hält Pagonis für die Sprachkompetenz der Flüchtlinge einen ständigen Austausch mit deutschen Muttersprachlern für besonders wichtig. (fr-online.de)

 

„Mitgliederinnen“ in NRW

 Ein Brief der neuen Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Christina Kampmann (SPD), hat kürzlich verdeutlicht, zu welchen Folgen die erzwungene geschlechtergerechte Sprache führen kann. Die Einladung zum Abendessen richtete sie: „An die Mitglieder/-innen der Ausschüsse“. Nachdem mehrere Abgeordnete der CDU auf das richtige Genus des Substantivs 'Mitglied' hingewiesen hatten, erfolgte eine erneute Einladung, dieses Mal an die „Mitglieder der Ausschüsse“. (wn.de, wdr.de)

 

Südtiroler Dialekt bei Jüngeren beliebt

 Das EURAC-Institut für Mehrsprachigkeit und Fachkommunikation hat den Sprachgebrauch von 109 deutschsprachigen Südtirolern im sozialen Netzwerk Facebook untersucht. 14-19 Jährige verwenden demnach in zwei Dritteln ihrer Beiträge den Dialekt, Nutzer ab 60 Jahren haben einen Dialektanteil von nur acht Prozent. Die Interpretation des Instituts: Junge Leute schreiben in den sozialen Netzwerken so, wie sie sprechen, ältere Menschen greifen in der Verschriftlichung auf die Standardsprache zurück, erklärt der Sprachwissenschaftler Aivars Glaznieks. Für einige Beiträge sei aber auch das Italienische von Bedeutung, da der Dialekt nur mit Italienisch-Kenntnissen verstanden werden könne. (tageszeitung.it)

 

Guardiola spricht lieber deutsch

 Der ZDF-Journalist Jochen Breyer glänzt in seinen Interviews mit dem Trainer des FC Bayern, Pep Guardiola, gern mit seinen Spanischkenntnissen. Obwohl durchaus bekannt ist, dass Guardiola sehr gut Deutsch spricht, befragte Breyer diesen nach dem 5:1-Sieg gegen Arsenal London auf Spanisch. Guardiola reagierte verärgert: „Mein Deutsch ist euch wohl nicht gut genug.“ Danach ging das Gespräch auf Deutsch weiter und der Moderator erklärte kleinlaut: „Vielen Dank für den Sprachwechsel. Das macht es auch für mich einfacher.“ (noz.de)

 

Querdenker-Stipendium: „Deutsch weltweit

Der Verein Deutsche Sprache e.V. und das Internetportal sprachreisenvergleich.de schreiben zwei Stipendien für junge Menschen aus, die sich auf die Suche nach den Spuren der deutschen Sprache im Ausland machen. Zur Bewerbung geht es hier: querdenker-stipendium.com (Motivationsschreiben mit Reisezeitraum und Angabe einer Kontaktperson im Zielland, Lebenslauf) oder an info@vds-ev.de

Nicht nur die Einwohner Deutschlands, Österreichs und der Schweiz sprechen Deutsch als Muttersprache. Über 10 Mio. Menschen weltweit zählen zu deutschsprachigen Minderheiten oder pflegen das Deutsche traditionell als Zweitsprache. In Dänemark gehören 15.000 Menschen der Minderheit der Nordschleswiger an. In Russland und im Kaukasus leben noch heute die Nachfahren deutschsprachiger Auswanderer, die im 18. Jahrhundert einer Einladung der russischen Zarin Katharina II. gefolgt sind. In Namibia hat Deutsch den Status einer Verkehrs­sprache. Drei Millionen Nachfahren deutscher Auswanderer in Brasilien gibt es noch heute in der Gegend um Rio Grande do Sul und sind teilweise zweisprachig. (vds-ev.de)

 

Bayerischer Buchpreis für Cornelia Funke

Die Autorin Cornelia Funke erhält den Bayerischen Buchpreis für ihr Lebenswerk. Obwohl Funke Kinderbücher schreibe, begeistert sie mit ihren Werken alle Generationen, so die Begründung. Zu ihren Werken zählen „Die wilden Hühner“ und die „Tintenherz-Triologie“, mit denen sie sich als Jugendbuch- Autorin „unserer Zeit“ etabliert habe und schon viele Auszeichnungen erhalten hat, wie z.B. den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache des VDS und der Eberhard-Schöck-Stiftung. Die Verleihung des Bayerischen Buchpreises findet am 12. November in München statt. (deutschlandradiokultur.de, kulturpreis-deutsche-sprache.de)

 


 

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten und Nachrichten der vergangenen Woche über die deutsche Sprache. Bestellbar unter: infobrief@vds-ev.de.

 

RECHTLICHE HINWEISE

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Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund
Redaktion: Anna Beckmann

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Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Sprüche

Wenn's ernst gemeint ist, muss es in der Muttersprache sein.

Rapper Smudo & Co. singen deutsche Texte
(derwesten.de 12.12.2014)