Suche auf der VDS-Seite

Drucken

VDS-Infobrief 46. Woche


Presseschau vom 11. bis 18. November 2015

Latein unter Rechtfertigungsdruck

latein-denis-junker-fotolia
Bild: Denis Junker - Fotolia

Im Berliner Tagesspiegel diskutierten Lehrer, Wissenschaftler und Schüler über Sinn und Unsinn des Lateinunterrichts. Die Lehrerin Maria Große meint, dass beim Lateinlernen „verstärkt auf Sprachreflexion geachtet" wird. Sogar Schüler aus Zuwandererfamilien profitierten davon. Große unterrichtet am Neuköllner Ernst-Abbe-Gymnasium Schüler mit der Erstsprache Türkisch. Ergebnis: „Die Schüler verbesserten sich in Deutsch". Der Professor für die Didaktik Alter Sprachen, Stefan Kipf, glaubt, dass Lateinschüler „bewusst über ähnliche Strukturen im Deutschen nachdenken" und dass Schüler die „Grundlagen europäischer Kultur" verstehen.

In Berlin liegt Latein an vierter Stelle bei den Schulfremdsprachen hinter Englisch, Französisch und Spanisch. (tagesspiegel.de, tagesspiegel.de)

 

Schulstunde mit dem VDS in Cottbus

Über eine Deutschstunde mit den VDS-Sprachfreunden in Cottbus berichtet die Lausitzer Rundschau. Elftklässler des Erwin-Strittmatter-Gymnasiums in Spremberg diskutieren mit Annemarie Grimmler und Berthold Deckert von der Cottbuser Regionalgruppe über Fremdwörter in der deutschen Sprache. Die Jugendlichen hätten Spaß daran gehabt, einige Anglizismen zu entlarven. „Einen Coffee to go würden Engländer vermutlich ablehnen", so die Rundschau. (lr-online.de)

 

Augsburg gegen Englisch als Verkehrssprache

Nach Düsseldorf und Hamburg will die FDP nun auch in Augsburg Englisch als Verkehrssprache im Rathaus einführen. FDP-Stadtrat Markus Arnold stellte den Antrag, „dass Englisch in allen relevanten Verwaltungsbereichen als ergänzende Verkehrssprache zum Standard werden soll". Laut Augsburger Allgemeine ließ die Stadtverwaltung daraufhin die Fremdsprachenkenntnisse überprüfen. Ergebnis: Lediglich fünf von 43 städtischen Dienststellen benötigen erweiterte Englischkenntnisse, ansonsten sei Deutsch Amtssprache, Sprachbarrieren gebe es keine. (augsburger-allgemeine.de)

 

Jugend- und Lieblingswörter

Eine Jury des Langenscheidt-Verlags hat das Wort ‚Smombie' zum Jugendwort des Jahres gewählt. ‚Smombie' ist ein Kunstwort aus ‚Smartphone' und ‚Zombie' und beschreibt jemanden, der von seiner Umwelt nichts mehr mitbekommt, weil er nur noch auf sein Smartphone starrt. In der Sprachwissenschaft bezeichnet man solche Zusammensetzungen aus Teilen anderer Wörter als Portmanteauwörter. Der VDS-Anglizismen-INDEX schlägt anstelle von ‚Smartphone' die deutsche Entsprechung ‚Schlaufon' vor.

Zur Wahl gestanden hatte außerdem das Verb ‚merkeln', das so viel bedeutet wie ‚nichts tun, keine Entscheidung treffen, keine Äußerung von sich geben' sowie ‚Discopumper' (jemand, der nur trainiert, um im Klub gut auszusehen), ‚Dia Bolo' (misslungenes Selbstfoto), ‚Maulpesto' (Mundgeruch) und ‚bambus' (cool, krass).

Die Jury fällt die Entscheidung über das Jugendwort des Jahres nach den Kriterien sprachliche Kreativität, Originalität, Verbreitungsgrad und nach ihrem Bezug auf gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse. In vielen Beiträgen herrscht allerdings Verunsicherung darüber, ob ‚Smombie' überhaupt von Jugendlichen verwendet wird. (spiegel.de, jugendwort.de, chip.de)

Auch die Deutsche Welle begab sich auf die Wörtersuche und fragte ihre Hörer im Ausland: „Was ist das schönste Wort in der deutschen Sprache?" Der Tagesspiegel berichtet über „mitunter rührend gebrochen" formulierte Antworten, die zeigten, dass Deutschschüler die deutsche Sprache „wegen ihrer Klarheit und Präzision schätzen" und diese Sprache sogar lieben „wegen der Poesie, die in ihr steckt." Das beliebteste Wort wurde Schmetterling, gefolgt von Freiheit, Eichhörnchen, Mutter, Sehenswürdigkeit, Streichholzschächtelchen und Kätzchen. Für Leily aus Teheran war „Schicksal" das schönste Wort. In ihm verberge sich ein ganzer Roman. Ondrej aus Brünn war verblüfft vom Wort „Schifffahrt – drei F in einer Reihe, das habe ich nie gesehen". (tagesspiegel)

Sogar der amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen wählte sein deutsches Lieblingswort. Es ist die Konjunktion „obwohl", die, so Frantzen, die Aussage eines gerade geäußerten Satzes aushebelt: „In keiner Sprache lässt sich schöner zweifeln." (tagesspiegel.de)

 

Rumäniendeutsche Wochen

Am Forschungszentrum Deutsch in Mittel-, Ost- und Südosteuropa der Universität Regensburg (DiMOS) gibt es seit dem 17. November bis zum 3. Dezember die „Rumäniendeutschen Wochen" mit Ausstellungen, Vorträgen und Theateraufführungen. „In Rumänien ist die deutsche Sprache noch sehr lebendig", sagte Prof. Dr. Hermann Scheuringer, der Leiter des DiMOS. Heute lebten dort noch etwa 35.000 Deutschsprachige. (mittelbayerische.de)

 

Zweisprachigkeit in den USA

Im US-amerikanischen Wahlkampf hat der republikanische Kandidat Jeb Busch kürzlich auf Spanisch um die Stimmen der Latinos geworben. Laut Hamburger Abendblatt entwickeln sich die USA zu einem zweisprachigen Land, in dem rund 55,4 Millionen Spanisch als Muttersprache haben (17,4 Prozent der US-Bevölkerung). Fast alles lasse sich in den Metropolen, vor allem aber im US-Bundesstaat Florida auf Spanisch regeln: Behördensachen, Kundendienste der Firmen und Internetauftritte gebe es mehrsprachig. Es gibt sogar eine Nordamerikanischen Akademie für die Spanische Sprache.


Vielen US-Amerikanern gefällt das gar nicht. Die Organisation Proenglish.org verteidigt das „historische Recht des Englischen als gemeinsame und vereinigende Sprache". Der Chef der Organisation, Robert Vandervoort, will Englisch zur offiziellen Landessprache erklären lassen. Die USA könnten sonst enden wie Kanada: „Das Land ist gespalten – Französischsprachige gegen Englischsprachige", so Vandervoort. (abendblatt.de)

 

Mehr Russisch

Weltweit sprechen rund 260 Millionen Menschen Russisch. Der Regierung in Moskau sind das zu wenige. Deswegen hat Präsident Wladimir Putin nun ein Programm zur „Förderung und staatlichen Unterstützung der russischen Sprache im Ausland" angekündigt. Es soll ein Netzwerk aus „Puschkin-Instituten" im Ausland entstehen, die Russisch-Unterricht geben und Zertifikate ausstellen. (de.rbth.com)

 

Weinschreiber-Stilblüten

Mit der manchmal eigenwilligen Sprache der Weinkritik beschäftigt sich die WELT und fragt: „Warum schreiben Weinkritiker so einen Quatsch?". Der Beitrag erhebt den Vorwurf, dass Sätze wie „Ein Tango von Früchten und Tanninen bebt im Gaumen – verschmolzen und zugleich wehmütig." nicht von Weinkennern stammten, sondern von Werbefachleuten, die von Wein nur wenig verstünden. Das gelte auch für „Der Wein zeigt gletscherfrischen Schmelz, seine Säure kriecht kreiselnd über die Zunge in das ewig Dunkel des Rachens hinab." Solche und andere Weinschreibe-Stilblüten stehen auf der Facebook-Seite von von Markus Hofschuster, Chefverkoster der Online-Weinplattform „Wein-Plus". (welt.de)

 

Englische Kampagne in der Schweiz

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Schweiz (BFU) steht derzeit in der Kritik wegen einer Werbekampagne für mehr Sicherheit m Straßenverkehr. Politiker fordern Plakate in Landessprachen statt auf Englisch. „Stayin' Alive", „Slow Down, Take It Easy", „See You – mach dich sichtbar" sind die Schlagwörter der Kampagne. Der Politiker Didier Berberat, Sozialdemokrat und Mitglied im Schweizer Ständerat, bezeichnete dies als „bedauernswerte Auswüchse" und dem „Versuch, auf jung zu machen". (20min.ch)

 


 

 

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten und Nachrichten der vergangenen Woche über die deutsche Sprache. Bestellbar unter: infobrief@vds-ev.de.

RECHTLICHE HINWEISE
Bitte antworten Sie nur dann auf diesen Infobrief, wenn Sie ihn abbestellen oder eine neue E-Post-Adresse angeben wollen. Zur Diskussion bietet sich das VDS-Internet-Forum an: rundbrief.vds-ev.de.

Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund

Redaktion: Holger Klatte

Der Verein Deutsche Sprache e.V. nimmt den Schutz Ihrer persönlichen Daten ernst. Ihre Daten werden ausschließlich für den Versand dieses Infobriefs gespeichert.
© Verein Deutsche Sprache e.V.

 

Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

Mitglied werden

vds-logo-kleinMachen Sie mit! Im Verein Deutsche Sprache e. V. tun Sie etwas für die Zukunft des Deutschen als Kultur­sprache. Jeder ist willkommen; inzwischen sind es mehr als 36.000 Menschen, die weltweit im VDS in über 120 Ländern die deutsche Sprache fördern. Sie können den VDS als stilles Mitglied unterstützen oder die Vereinsarbeit aktiv mitgestalten. Hier (PDF-Datei) finden Sie den Antrag auf Mitglied­schaft. Am besten gleich ausfüllen und mit gelber Post oder per Fax an die Vereinszentrale zurück­. Weitere Informationen finden Sie hier: Mitglied werden.

Stiftung Deutsche Sprache

stiftungdsDie Stiftung Deutsche Sprache ergänzt die Vereinsarbeit. Sie wurde 2001 ge­gründet, ist weltanschaulich neutral, politisch unabhängig und verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke.

Sprüche

Dass Sprache und Worte auch Stil, Klasse und Poesie haben können, das geht in unserem schnelllebigen, alltäglichen Miteinander völlig verloren. 

Hannah Herzsprung, Schauspielerin, über das wunderschöne Deutsch in ihrem Film "Die geliebten Schwestern"