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VDS-Infobrief 48. Woche

Presseschau vom 25. November bis 1. Dezember 2015

Schlagzeile des Jahres

schabowski
Pressekonferenz am 9. November 1989 (Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1989-1109-030 / Lehmann, Thomas / CC-BY-SA 3.0)

Der VDS hat die Schlagzeile des Jahres 2015 gekürt, die bereits seit fünf Jahren gewählt wird. Die Schlagzeile dieses Jahres war am 2. November in der Süddeutschen Zeitung zu finden und bezieht sich auf den Tod des ehemaligen SED-ZK-Mitglieds Günter Schabowski. „Der Mann, der die Mauer nieder­stammelte“, fasse die dramatische Gemengelage auf der Pressekonferenz am 9. November 1989 treffend zusammen, so die Jury. Platz zwei belegte die Spiegel-Überschrift „Letzte Ausfahrt Grexit“ zu einem möglichen Euro-Austritt Griechenlands und Platz drei ging an die Überschrift „Winterkorn hat sich verdieselt“ zum VW-Skandal, vorzufinden in der Bild-Zeitung. Weitere Schlagzeilen aus dem Wettbewerb finden Sie hier. Insgesamt gingen 126 Vorschläge aus 23 Zeitungen bei der Jury ein, die sich aus dem Tübinger Rhetorikprofessor Gert Ueding, den Journalisten Wolf Schneider und Franz Stark, den Sprachwissenschaftlern Helmut Glück aus Bamberg und Horst Haider Munske aus Erlangen sowie dem Vorsitzenden des Vereins Deutsche Sprache Walter Krämer zusammensetzt. (badische-zeitung.de, vds-ev.de)

 

Deutsch für Flüchtlinge

Eine Expertenkommission der Robert Bosch Stiftung unter der Leitung von Armin Laschet hat ein Dossier zum Thema „Sprachvermittlung und Spracherwerb für Flüchtlinge“ vorgelegt. Die Kommission empfiehlt die Sprachkenntnisse der Asylbewerber bereits im Zuge des Aufnahmeprozesses in den Erstaufnahme­einrichtungen zu erheben, zivilgesellschaftliche Initiativen zu stärken und die ehrenamtlichen Netzwerke und deren Qualifizierung auszubauen.

An der Koordination des Deutschunterrichts für Flüchtlinge will sich auch das Herder-Institut der Universität Leipzig beteiligen und hat Vertreter zum Thema „Deutsch als Zweitsprache“ zu einem sächsischen Netzwerktreffen eingeladen. Die Teilnehmer haben ein Vorgehen beschlossen, um Maßnahmen und Initiativen besser aufeinander abzustimmen. Sie waren sich einig, dass die ehrenamtlichen Tätigkeiten zwar begrüßenswert sind, jedoch auf längerfristige Sicht nur professionelle Angebote ein gutes Ergebnis erzielen können. Auch eine angemessene Vergütung der Lehrkräfte war ein Thema. Wer dieser Forderung Nachdruck verleihen will, kann folgende Petition zeichnen: openpetition.de (idw-online.de, presseportal.de)

 

Oberfränkisches Wort des Jahres

In Oberfranken wurde das erste oberfränkische Wort des Jahres gewählt. Viele hundert Worte, darunter „Herrgottsmuggerla“ (Marienkäfer), „etzerla“ (jetzt aber) und „fei“ (Füllwort), wurden eingesendet. Das Rennen machte das Wort „Wischkästla“, welches für Mobiltelefon oder Smartphone steht. „Wischkästla“ beschreibe die Handhabung und Form des Mobiltelefons verständlich und nimmt dem Wort die Abgehobenheit, so die Begründung der Jury. „In dem Wort kommen die Bodenständigkeit und Kreativität, aber auch die Zukunftsfähigkeit des oberfränkischen Dialekts besonders deutlich zum Ausdruck“, sagte der Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. Für das englische Wort Smartphone schlägt der Anglizismen-INDEX den Begriff „Schlaufon“ vor. In der Facebook-Gruppe des VDS kann über bessere Vorschläge diskutiert werden. (frankenpost.de, www.vds-ev.de, facebook.com)

 

Sinnliche Sprache

Ein Radiointerview mit der Berliner Sprachwissenschaftlerin Dagmar Schmauks beim Kulturradio im Rundfunk Berlin-Brandenburg dreht sich um den Einfluss der Sinne auf die Sprache. Redewendungen wie „Probleme wälzen“, „auf Biegen und Brechen“, „harte Verhandlungen“ seien Metaphern aus der Welt des Ertastbaren. (mediathek.rbb-online.de)

 

Kölner Kreuzblume: Vorbild für Vielsprachigkeit

Die VDS-Region Köln will den Standort der bekannten Kreuzblume auf der Kölner Domplatte behalten. Gegen die Pläne des Rates der Stadt Köln, die Kreuzblume im Stadtteil Deutz aufzustellen, haben die VDS-Mitglieder nun einen Bürgerantrag an die neue Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Rekers gestellt und unterstützen diesen mit einer Internetpetition. Das Modell der südlichen Kreuzblume auf dem Kölner Dom steht 50 Meter vor der Westfassade des Doms und ist ein maßstabsgerechtes Abbild des Originals in 150 Metern Höhe. Sie wiegt 35 Tonnen und trägt am Sockel erklärende Schrifttafeln in 15 Sprachen. „Damit ist sie auch ein Vorbild für die sprachliche Auszeichnung von Denkmälern“, sagte der Kölner Regionalleiter Dietmar Kinder. „Köln steht sowohl für Bodenständigkeit als auch für Weltoffenheit“, so Kinder. (express.de)

Die Petition kann hier gezeichnet werden: thepetitionsite.com

 

Rechtschreibreform hat Geburtstag

An einen „fatalen Beschluss“ der 274. Kultusministerkonferenz in Mainz 30. November 1995 erinnert der Kolumnist Jürgen Stark auf Baden-Online. Damals wurde die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung auf den Weg gebracht. „Was sich weitgehend sinnfrei Berufspolitiker ausdachten, führte nachweislich zu noch mehr Chaos und blankem Entsetzen bei den Sprachprofis, die nun das Elend nur noch beobachten, aber nicht mehr verhindern konnten“, schreibt Stark. Er zitiert die F.A.Z.-Redakteurin Heike Schmoll, die feststellt, dass „Kinder am Ende der Grundschulzeit nicht einmal die kulturellen Standardtechniken beherrschen.“ (bo.de, faz.net)

 

Schreiben lernen in der digitalen Welt

Viele Schulen reagieren auf die zunehmende Nutzung von digitalen Medien wie Mobiltelefone und Tablettrechner. Sie haben sich als Ziel gesetzt, den Kindern den vernünftigen Umgang mit Text­verarbeitungs­programmen und sozialen Netzwerken beizubringen. In den USA wird das Schreiben am Rechner bereits seit 2010 in den Schulen gelehrt. In Finnland wird die Schreibschrift ab 2016 dem Tippen weichen müssen. Experten warnen davor, dass die Komplexität des Schreibprozesses und die Bedeutung für die Entwicklung des Kindes verkannt wird. Das Tippen oder Wischen und das Schreiben mit der Hand führe zu unterschiedlichen kognitiven Prozessen. Außerdem belegen wissenschaftliche Studien, dass durch das Schreiben mit der Hand die Informationsspeicherung und Reflexion besser gelingt und ein Text so besser verstanden und memoriert wird. Aus diesem Grund rät Verhaltensbiologe Markus C. Schulte von Drach, dass Eltern ihre Kinder nicht zu früh mit digitalen Medien konfrontieren sollten. (sueddeutsche.de )

 

Telefonbuch adé

Die Tage des in Deutschland am meist verbreiteten Buches sind gezählt. Die Telekom hat angekündigt, ihren Telefonbuchverlag DeTeMedien zu verkaufen. Das Telefonbuch sei unnütz geworden, hieß es in der WELT. Telefonnummern ließen sich heutzutage schneller über das Internet finden. Das Telefonbuch diene bloß noch als Türstopper und Umweltverbrechen: 2007 wurden in den USA 660.000 Tonnen Telefonbücher entsorgt. Für die Produktion in Deutschland wurden 134 Jahre lang ein groß Aufwand betrieben. Es galt als unverzichtbares Buch, das jeder lesen konnte, und das einzige öffentliche Verzeichnis, indem jeder seinen Namen finden konnte. (welt.de)

 

Märchenwelt in Kassel

Kassel widmet ein Museum den Brüdern Grimm. Die „Grimmwelt“ soll Sprachforschung, Märchenwelt und die Biografien der Brüder für die Besucher präsentieren. Die Kuratorinnen Annemarie Hürlimann und Nicola Lepp wollen dies mit allen Mitteln der Museumspädagogik vermitteln. Die Ausstellung ist ein begehbares Wörterbuch, welches bei „Z“ wie „Zettel“ beginnt. Bei A wie „Ärschlein“ findet der Besucher ein riesiges sprechendes Hörrohr vor. Dort schallen hineingerufene, moderne Schimpfwörter als Schimpfwörter aus dem Grimmschen Wörterbuch wieder heraus. 1119 Zettel des Wörterbuchs zu dem Eintrag „Zettel“ sind an eine Wand gepinnt. Der Besucher erhält Einblicke in die lexikographische Arbeit sowie in die Vernetzung der Grimms mit 1400 Briefpartnern, die auf einer Porträtwand interaktiv dargestellt werden. Weitere Informationen gibt es hier. (nzz.ch)

 

Deutsch, eine unterschätzte Sprache

Während Englisch immer weiter zur der Sprache des globalen Marktes emporgehoben werde, erfahre Deutsch zunehmend Missachtung und Unterschätzung. Dass diese zu kompliziert, lernintensiv und allgemein nicht mehr zukunftsorientiert ist, wie oft behauptet wird, dem widerspricht Roland Kaehlbrandt in einem Artikel für DIE WELT. Kaehlbrandt lobt die reiche Wortvielfalt und kodifizierte Grammatik des Deutschen als Hochsprache, die nicht nur kultur-, sondern auch identitätsfördernd sei. Immerhin zeuge die Zahl von etwa 280 Millionen Deutsch sprechenden Menschen weltweit von einer enormen Popularität und Bedeutung. (welt.de)

 

Versuch und Irrtum

Die Kenntnis von Fremdsprachen zeugt oftmals von Bildung und Prestige. Dass fehlerhafte Sprachkenntnisse jedoch nicht nur peinlich, sondern sogar rufschädigend sein können, musste nun das Abgeordnetenhaus in Malaysia feststellen. Dieses hatte zu einem Parlamentsessen einen vermeintlichen „Caesar's Salad“ servieren wollen, ihn jedoch kurzerhand in „Scissors Salad“ unbenannt. Nach dem Scherensalat wurde zum Abschluss eine „Cream Brule“ gereicht. Der Vize-Parlamentspräsident musste sich entschuldigen. (kleinezeitung.at)

 


 

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten und Nachrichten der vergangenen Woche über die deutsche Sprache. Bestellbar unter: infobrief@vds-ev.de.

 

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Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund
Redaktion: Anna Beckmann, Holger Klatte, Lea Jockisch

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Medienecho

Wiederum als voller Erfolg erwies sich laut einer Mitteilung eine Vortrags­veranstaltung mit grenz­über­schreitendem Charakter, zu welcher die Regional­gruppe Ortenau des Vereins Deutsche Sprache nach Offenburg eingeladen hatte.
(Badische Zeitung 24.4.2015)

 

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Stiftung Deutsche Sprache

stiftungdsDie Stiftung Deutsche Sprache ergänzt die Vereinsarbeit. Sie wurde 2001 ge­gründet, ist weltanschaulich neutral, politisch unabhängig und verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke.

Sprüche

Schrecklich, diese „fremdbestimmte Dauer-Beschallung” – vor allem wenn aus den Boxen einer dieser „Gute-Laune-Sender” töne. „Dieser ganze Mainstream-Rock-Faschismus macht mich krank!” Wer das Formatradio erfunden habe, gehöre „gevierteilt – und seine Eingeweide sollten von Geiern gefressen werden!” Da bricht der aufgestaute Frust zahlloser Tournee-Reise-Stunden vor dem Autoradio durch. Auf die Radiomacher, die „unsere Gesellschaft in die Knie zwingen wollen: Diese Nervsäcke in den Gute-Laune-Radios vergehen sich an der Geschmacksbildung – das ist die Hölle. Ganz bitter!”

Götz Alsmann
(derwesten.de, 5.11.2014)