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VDS-Infobrief 50. Woche

Presseschau vom 9. bis 16. Dezember 2015

Wort des Jahres

inf288Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat „Flüchtlinge" zum Wort des Jahres gewählt. Das Wort sei keineswegs neu, jedoch sei kein anderes Wort in diesem Jahr so präsent gewesen, im Guten wie im Schlechten, so die GfdS. „Flüchtlinge" sei eine Ableitung aus dem Verb flüchten und dem Ableitungssuffix -ling. Für „sprachsensible Ohren" klinge es sogar etwas abschätzig, wie Sträfling, Emporkömmling oder Schreiber­ling, so die GfdS. Neuerdings sei deswegen auch von „Geflüchteten" die Rede. Der Germanistikprofessor Jochen Hörisch hält im Deutschlandfunk „Pfifferling", „Frühling" und „Liebling" dagegen. Die Plätze zwei und drei bei der Wahl des Wortes des Jahres belegten „Je suis Charlie" und „Grexit".

In der FAZ erklärt der Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg, warum es die Form „Flüchtlinginnen" nicht geben kann. (sueddeutsche.de, tagesspiegel.de, faz.net)

 

Ahnungslose Ingenieure

Die Firma Siemens hat sich einen neuen Werbespruch zugelegt: „Ingenuity for Life". „Werner von Siemens hätte es damals Erfindergeist genannt, wir nennen es Ingenuity for Life", begründete Siemens-Chef Joe Kaeser die Wahl. Das Wort „Ingenuity", welches sich mit Einfallsreichtum oder Erfindungsgabe übersetzen lässt, sei jedoch nur wenigen Deutschen bekannt, hieß es in der Süddeutschen Zeitung. Es könne auch für ein Kunstwort der Vermarktungsabteilung gehalten werden. In einigen romanischen Sprachen habe der Begriff „Ingenuity" eine andere Bedeutung: Das französische „ingénuité" bedeutet Treuherzigkeit und das portugiesische Adjektiv „ingênue" steht für ahnungslos. Um diesen Verwirrungen entgegenzuwirken, hat Siemens den Werbespruch in portugiesischsprachigen Ländern („Engenhosidade para a vida") sowie in Belgien und den französischsprachigen Teilen Kanadas („L'ingénuosité au service de la vie") entsprechend geändert. In Frankreich sei weiterhin das Original zu finden, jedoch mit einer Übersetzung. (horizont.net, sueddeutsche.de)

 

Neues Buch von Marica Bodrozic

Im Deutschlandradio Kultur stellte die Schriftstellerin Marica Bodrozic ihr neues Buch „Das Auge hinter dem Auge" vor. Bodrozic kam mit zehn Jahren aus Kroatien nach Deutschland und hat bereits zehn Bücher geschrieben, viele Auszeichnungen erhalten und die kroatische Literatur ins Deutsche gebracht. Der Buchtitel „Das Auge hinter dem Auge" heißt „den Blick von Innen nehmen und versuchen, dieses innere Sehen in die Sprache zu tragen", erklärt die Autorin. So könne die Sprache an einer tieferen Stelle berührt werden. In ihrem neuesten Werk erzählt sie die Geschichte eines syrischen Flüchtlingsmädchens, das sie an ihre eigene Kindheit erinnert. Durch die Zweisprachigkeit habe sie selber das Nebeneinander von verschiedenen Sprachen und Kulturen erlebt. Marica Bodrozic erhielt 2008 den Initiativpreis Deutsche Sprache des VDS e.V. und der Eberhard-Schöck-Stiftung.
(deutschlandradiokultur.de)

 

SPD-Parteitag zu TTIP: Ja, aber!

Gegen den heftigen Widerstand des linken Flügels hat der SPD-Parteitag am vergangenen Wochenende mehrheitlich der Fortführung der Verhandlungen zwischen EU und USA über ein Freihandelsabkommen (TTIP) zugestimmt. Die größten Bedenken richteten sich gegen private Schiedsgerichte zum sogenannten Investitionsschutz für private Investoren. Diesen Schiedsgerichten fehlten wesentliche Elemente der Rechtsstaatlichkeit. Sie können, so auch VDS-Mitglied und Rechtswissenschaftler Prof. Axel Flessner, einer verfassungsrechtlichen Prüfung nicht standhalten. Nachdem das Europaparlament bereits im Juni in einem Beschluss erklärt hatte, es werde privaten Schiedsgerichten in der bisher verhandelten Form bei der endgültigen Beschlussfassung über das Abkommen keineswegs zustimmen, ließ sich jetzt der SPD-Parteitag besänftigen und folgte seinem angeschlagenen Vorsitzenden nach heftiger Debatte. Der VDS wird aufmerksam verfolgen, ob die SPD diese Linie durchhält oder am Ende doch, wie von Kritikern befürchtet, Rechtsstaat, Verbraucherschutz, Arbeitsschutz sowie sprachliche und kulturelle Vielfalt den geostrategischen Zielen des Westens opfert. (heute.de)

 

Deutsch ist wie felsiges Gelände

Die US-amerikanische Autorin Elvia Wilk berichtet in der ZEIT über ihre Erfahrungen mit der deutschen Sprache und die Reaktionen deutscher Muttersprachler, wenn sie deutsch spricht. Wilk lebt seit fünf Jahren in Berlin und arbeitet als Journalistin. Sie schäme sich manchmal für ihr fehlerhaftes Deutsch, aber es passiere ihr nicht selten, dass deutsche Muttersprachler Unverständnis vortäuschen, obwohl sie auf Deutsch angesprochen werden. Auch die ständigen Komplimente für ihre Fortschritte beim Erlernen der deutschen Sprache seien übertrieben. Manche ihrer deutschen Gesprächspartner wechselten sofort ins Englische, wenn sie merkten, dass sie aus den USA stammt. (zeit.de)

 

Elektrischer Reporter

In der Sendung „Elektrischer Reporter" ging es auch um die Bedeutung und Funktion von Emojis – das sind Bildsymbole zur Kommunikation in sozialen Netzwerken. Neben dem Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch kommt der Berliner Regionalleiter Ehrhard Bohr zu Wort. Ehrhard Bohr sieht die Emojis eher als Spielerei an, wünscht sich aber eine größere Auswahl. Ganze Sätze oder bestimmte Tätigkeiten lassen sich nur schwer oder gar nicht mit den Emojis ausdrücken, erklärte Stefanowitsch. Das Video finden Sie hier: zdf.de.

 

Sprachensterben

Die Dokumentation „Das große Sprachensterben" von Meike Srowig auf 3sat machte das Aussterben von Sprachen, besonders Dialekten zum Thema. Die UNESCO sieht die Hälfte der heutigen 6.500 Sprachen als bedroht an. Nur 19 davon würden von der Hälfte der Menschen genutzt. Es herrsche starke Konzentration vor, weil Sprachen gefragt seien, die für die berufliche Zukunft von Bedeutung sind. Als bedrohte Sprachen stellte die Dokumentation die irische Sprache, Saterfriesisch und Sorbisch vor. Die Sendung berichtete auch über ein Forschungsprojekt des Max-Planck-Instituts, das die Hirnströme von Säuglingen aufzeichnet und erkennt, dass sie bereits frühzeitig Sprachen unterscheiden und aufnehmen können. Diese Feststellung bringe dem Erhalt von Sprachen jedoch nichts, kommentierte die WELT. Den Dokumentarfilm können Sie hier: 3sat.de anschauen. (welt.de)

 

E-Bücher verbessern Lesefähigkeit

Die Lesefähigkeit von Jungen wird durch E-Bücher verbessert, weil diese technische Vorteile gegenüber herkömmlichen Büchern bieten. Dies belegt eine Studie des britischen National Literacy Trust, einem unabhängigen Verband, der die Kinder im Vereinten Königreich zum Lesen motivieren möchte. 468 Schüler und Schülerinnen zwischen acht und 16 Jahren aus 40 verschiedenen Schulen wurden zwei bis acht Monate begleitet. Durch die Nutzung der E-Bücher konnten die männlichen Probanden ihre Lesefähigkeiten innerhalb von 4,2 Monaten auf einen Stand bringen, den sie normalerweise erst nach 8,4 Monaten erlangen würden. Auch die Mädchen verbesserten ihre Fähigkeiten. Nach der Studie stuften nur noch 15,9 Prozent der Jungen das Lesen als schwierig ein. Anfangs lag dieser Wert bei 28 Prozent. 66,5 Prozent bezeichneten das Lesen nach der Studie außerdem als „cool". (taz.de)

 


Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten und Nachrichten der vergangenen Woche über die deutsche Sprache. Bestellbar unter: infobrief@vds-ev.de.

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Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund
Redaktion: Anna Beckmann, Kurt Gawlitta, Lea Jockisch, Holger Klatte

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Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Sprüche

Wenn ich merke, dass Sprache den Weg über das Gehirn scheut, muss ich eingreifen.

Johann König, Komiker und Lingualgourmet