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VDS-Infobrief 51. Woche

Presseschau vom 16. bis 22. Dezember 2015

 „Sale“ verbieten?

Focus.de stellt die Frage, ob man „Sale“-Aktionen verbieten soll. Denn dieser Anglizismus wird nicht nur sprachlich falsch verwendet, „hinter den vermeintlichen Schnäppchen verbirgt sich häufig eine Mogelpackung“. „Die grellen Plakate in englischer Sprache gehören mittlerweile zum Stadtbild wie Coffee-to-go-Becher und Smartphones“, so Focus-Redakteur Jochen Schuster. Wer mitdiskutieren will, kann das hier tun: focus.de

 

Hamburg erneut Speerspitze der Amerikanisierung

Hamburg hat als Lobbyist der englischen Sprache wieder auf sich aufmerksam gemacht. Wenn es so etwas wie einen „Award der anglophilsten Stadt Deutschlands“ gäbe, wäre Hamburg ein heißer Anwärter. Zunächst bei den Wegweisern auf den Straßen und den öffentlichen Verkehrsmitteln! Gegen den heftigen Widerstand der Regionalgruppe des VDS musste es nun „Airport“ anstatt „Flughafen“ heißen. Dann die Bundesratsinitiative zur Einführung von „Kammern für Internationale Handelssachen“! Sie kam maßgeblich von Hamburg. Es ging keineswegs ums „Internationale“, sondern schlicht um die Zulassung von Englisch als Gerichtssprache. Hierzu hat sich der VDS mehrfach kritisch geäußert (VDS-Infomaterial). Jetzt also die Rangfolge der Amts- und Verkehrssprachen im Hafen! Der Plan: Unsere Landessprache rückt auf Platz 2, Englisch wird die Eins. Die Seeleute sind dagegen, die Reeder propagieren sprachliche Globalisierung. Die Landesregierung Niedersachsen wartet, was das Bundesverkehrsministerium unternimmt. Ein schönes neues Aktionsfeld für die aktive VDS-Regionalgruppe! (nwzonline.de)

 

Deutsche Kultur für Chinesen

Das Goethe-Institut in Peking eröffnet einen neuen Standort in einer ehemaligen Fabrik, die von DDR-Facharbeitern in der chinesischen Hauptstadt erbaut wurde. Das Gebäude ist Teil einer bis 1957 errichteten Fertigungsstätte für Funk- und Radartechnik. Das Bauprojekt stand damals unter strenger Geheimhaltung. Das Goethe-Institut ist in die Fabrik 706 eingezogen, welche von einem Architekturbüro zu einem modernen Veranstaltungsort umgebaut wurde - mit einem Filmsaal, einem Bühnenraum und einer Bibliothek. (welt.de)

 

Dialekte verschwinden

Im Deutschlandradio Kultur ging es um das Verschwinden von Dialekten. „Kölsch“ sei z.B. für die jüngere Generation nur noch das Bier. Daran sei der „Hochdeutschfetischist“ schuld, sagt der Kölner. Dazu gehören Lehrer, Nachrichtensprecher und Politiker, deren sprachliche Heimat man ihnen nicht mehr anhört. Auch im Ruhrgebiet werde immer weniger heimatverbunden gesprochen, „Ruhrgebietler“ machen den Rückgang der Zechen dafür verantwortlich. Im Münsterland wird dagegen noch im Nachmittagsunterricht Plattdeutsch geübt. Sprachwissenschaftler Werner Beckmann filtert die Dialekt-Reste aus dem Hochdeutschen heraus und archiviert seine Ergebnisse. Als Beispiel nennt er den „Vietnameffekt“ im Ruhrgebiet: „Kannse mir ma sagen, vietnam Stadion geht?“. (deutschlandradiokultur.de)

Dagegen rappt „De fofftig Penns“ auf Plattdeutsch. (ln-online.de)

 

„Krieg der Sterne“ und die Politik

Passend zum Kinostart der neuen Episode von „Krieg der Sternehat sich der Germanist Ladislaus Ludescher von der Universität Heidelberg in einem Vortrag mit den sozio-kulturellen Einflüssen der Film-Saga beschäftigt. Der bekannte Satz „Ich bin dein Vater“ wird zum Beispiel in verschiedenen Kontexten benutzt und zählt zu den großen Zitaten der Filme. Politische Gegner werden häufig als „Darth Vader“ bezeichnet oder ähnlich dargestellt. Ein Präsidentschaftskandidat in der Ukraine nannte sich „Darth Vader“ und kostümierte sich sogar passend dazu. (rnz.de)

 

Deutschkurse über Whats App und mit Roboter

Eine Werbeagentur aus München hat mit der App „WhatsGerman“ eine neue Methode entwickelt, um Deutschkurse für Flüchtlinge anzubieten. Über den Nachrichtendienst Whats App werden kleine Übungseinheiten zusammen mit Videos an das Mobiltelefon geschickt. Interessierte senden über Whats App die Nachricht „Start“ an die Nummer von „WhatsGerman“ und erhalten täglich Lektionen. Auf Deutsch, Englisch und Arabisch werden die Vokabeln angegeben und dienen Flüchtlingen als gute Einstiegsmöglichkeit. (dradiowissen.de)

Eine Forschungsgruppe der Universität Bielefeld möchte einen Roboter entwickeln, der Kindergartenkindern mit Migrationshintergrund die deutsche Sprache beibringen soll. Als Lehrer dient das Roboterkind „Nao“, welches rund 60 Zentimeter groß ist, ein Mikrofon und eine Kamera zur Kommunikation nutzen kann und die Erzieher bei der Aufgabe entlasten soll. „Nao“ soll in der Lage sein, Sprache spielerisch zu erklären und die Unterrichtsinhalte auf einem Tablettrechner zu erläutern. Der Roboter soll auf die Lernfortschritte und Stimmungslagen der Kinder reagieren können und sie so möglichst gut unterstützen. (heise.de)

 

Deutschkenntnisse im Gesundheitssystem

Im deutschen Gesundheitssystem arbeiten rund 630.000 Menschen mit Migrationshintergrund in Kliniken, Arztpraxen und Heimen. Gesundheitsminister Hermann Gröhe sieht die Zuwanderung als eine Chance, da Personal im Gesundheitswesen benötigt wird. Er fordert deswegen eine zügige Prüfung ausländischer Bildungsabschlüsse und verpflichtende berufsspezifische Sprachkurse. Schon im Sommer 2014 hatten sich die Gesundheitsminister der Bundesländer auf einen Praxistest für ausländische Ärzte geeignet, der überprüfen soll, wie die Verständigung am Krankenbett funktioniert. Die Bundesländer streben einen einheitlichen Standard der Sprachkenntnisse an. (derwesten.de)

 

Bochumer Kulturpreis

Der Schriftsteller Ulrich Peltzer bekommtden Kulturpreis der Stadt Bochum, den Peter-Weiss-Preis, der mit 15.000 Euro dotiert ist. Der Preis ist nach dem Autor, Maler und Filmemacher Peter Weiss benannt und wird seit 1990 alle zwei Jahre vergeben. Peltzer führe mit seinem Werk das humanistische Engagement Weiss' fort. Zu seinen vielfach ausgezeichneten Romanen zählen „Die Sünden der Faulheit“ und „Teil der Lösung“. Sein neuestes Werk „Das bessere Leben“ hat es in engere Auswahl des deutschen Buchpreises geschafft. Preisträger der letzten Jahre sind u.a Georg Tabori und Kurt Hübner. (deutschlandradiokultur.de)

 

 


 

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Redaktion: Anna Beckmann, Kurt Gawlitta, Lea Jockisch, Holger Klatte

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Medienecho

Wiederum als voller Erfolg erwies sich laut einer Mitteilung eine Vortrags­veranstaltung mit grenz­über­schreitendem Charakter, zu welcher die Regional­gruppe Ortenau des Vereins Deutsche Sprache nach Offenburg eingeladen hatte.
(Badische Zeitung 24.4.2015)

 

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Hannah Herzsprung, Schauspielerin, über das wunderschöne Deutsch in ihrem Film "Die geliebten Schwestern"