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VDS-Infobrief 44. Woche

1. Presseschau vom 28. Oktober bis 3. November 2016

2. Berichte

3. VDS-Termine

4. Literatur

5. Neues Denglisch

 

1. Presseschau vom 28. Oktober bis 3. November 2016

Dialektverlust

buecher
Foto: VDS eV

Dialekte werden nicht nur immer weniger gefördert, sondern zunehmend auch diskreditiert. Sprachforscher Péter Maitz von der Universität Augsburg hat diese Entwicklung durch eine Analyse von Schulbüchern erforscht. „Die Bücher legen nahe, dass ein Schüler mit Dialekt unangemessen spricht, vom Rest der Welt nicht verstanden wird und vom Dialekt daher wegkommen muss“, so Maitz. Auch der Bund Bairische Sprache beobachtet seit einiger Zeit den Umgang bayerischer Schulen mit dem Dialekt und spricht von „alarmierenden Vorkommnissen“. Dort sei der Gebrauch nicht nur verboten, sondern auch bestraft worden, berichtet der Bayerische Rundfunk. Kultusminister Ludwig Spaenle reagierte auf die Vorwürfe und betonte, dass die Nutzung von Mundarten an Schulen nicht nur ausdrücklich erwünscht, sondern verfassungsrechtlich geschützt sei. Auch Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband versicherte, dass es sich um Einzelfälle handele, vielmehr sei „es geradezu en vogue, den Dialekt wieder in die Schule zu bringen“. (augsburger-allgemeine.de, br.de)

  

Bologna-Reform: Scharfe Kritik des Uni-Präsidenten aus Hamburg

Deutschlandradio Kultur berichtet über eine kritische Äußerung des Präsidenten der Universität Hamburg, Dieter Lenzen, zur Bologna-Reform von gewagter Schärfe. Die Verkürzung der Studiengänge zum Bachelor und zum Master führe seinem Eindruck nach dazu, dass die Persönlichkeitsbildung hinter den Erwartungen zurückbleibe. Dies sei die schädlichere Alternative zu der früher oft gehörten Kritik, die Absolventen seien beim Eintritt ins Berufsleben zu alt. Lenzen nennt die Bologna-Reform einen „angekündigten Unfall mit Fahrerflucht“. Er fügt noch hinzu, dass die Abschaffung der angesehenen deutschen Hochschulabschlüsse wie Diplom oder Magister ein Entgegenkommen gegenüber den Briten gewesen sei. Leider werde aus der Notiz nicht deutlich, meint Dr. Kurt Gawlitta vom VDS-Vorstand, woran Lenzen den Mangel an Persönlichkeitsbildung messe. Er berufe sich nämlich nur auf ähnliche Eindrücke von Kollegen. An dieser Stelle vermisst Dr. Gawlitta noch den Hinweis, dass die europäischen Verabredungen aus dem Jahre 1998, die sogenannte Bologna-Reform, mit keinem Wort einen allgemeinen Sprachzwang der Hochschulen zum Englischen umfasst hätten. Die Vorherrschaft der Wissenschaftssprache Englisch sei bei der Gelegenheit unter der Fahne Bolognas einfach mit durchgerutscht! Internationalität der Hochschule bedeute danach anscheinend zwangsläufig ihre Anglisierung! (deutschlandradiokultur.de, adawis.de)

 

Die Kunst des Übersetzens

Eine Übersetzung beinhaltet immer eine Form der Interpretation. Das Übertragen von der einen Sprache in die andere ist ein Handwerk, das mehr bedarf als nur erstklassige Sprachkenntnisse. Vielmehr müsse der Übersetzer Land und Kultur kennen und verstehen, um neben dem reinen Sinn eines Satzes auch Emotionen, Humor und Atmosphäre transportieren zu können, so Christopher Schmidt in der Süddeutschen Zeitung. Eine besondere Hürde ergibt sich vor allem dann, wenn die zu übersetzenden Schriftstücke aus einer vergangenen Epoche stammen, beispielsweise aus Zeiten Homers oder Shakespeares. Aus diesem Grund sei Shakespeare-Übersetzer Frank Günther aufs Land gezogen. Das ländliche Leben helfe ihm, die unzähligen von Shakespeare verwendeten Metaphern aus der „agrarisch geprägten Kultur“ zu verstehen und abzuleiten, so Günther. Am 19. November findet im Münchner Literaturhaus der Übersetzertag „Kannitverstan“ statt, bei dem namhafte Übersetzer in Vorträgen und Gesprächen die Grenzen des Verstehens und Nicht-Verstehens, des Übersetzens und Interpretierens ausloten. (sueddeutsche.de)

 

Deutschsprachige Musik sehr gefragt

Bereits zum sechsten Mal suchen die Privatsender ProSieben und SAT.1 in der Erfolgssendung „The Voice of Germany“ die beste Stimme Deutschlands. Trotz englischen Titels und zahlreichen weiteren Denglisch-Fauxpas, verzeichnet das Deutsche einen Erfolg für sich. Denn nie zuvor wurden so viele deutschsprachige Texte gesungen wie in der aktuellen Staffel. Rund ein Drittel der vorgetragenen Lieder sind auf Deutsch – 2013 war es zum Vergleich nicht einmal jedes zehnte Lied. Auch die Jurymitglieder Andreas Bourani, Smudo und Michi Beck von den Fantastischen Vier sowie Yvonne Catterfeld führen seit Jahren die Hitlisten mit ausschließlich deutschsprachigen Liedern an. (finanznachrichten.de)

 

2. Berichte

Deutschunterricht in Lüdinghausen

Seit März 2015 bietet die Arbeitsgruppe Sprachförderung des Arbeitskreises Asyl Deutschkurse für Flüchtlinge in Lüdinghausen an. Mittlerweile konnte das Projekt elf ehrenamtliche Sprachpädagoginnen und -pädagogen für den sogenannten „Orientierungsunterricht“ gewinnen, der den Asylbewerbern helfen soll, sich sprachlich und kulturell in ihrem neuen Umfeld zurechtzufinden. VDS-Mitglied Reinhard Loewert (Region 59) hat während der „Blauen Stunde“ am 29.09.2016 eine Spende in Höhe von 120 € gesammelt, die er nun an den Arbeitskreis Asyl überreichen konnte. (asyl-luedinghausen.de)

 

3. VDS-Termine

7. November 2016 Region 41 (Mönchengladbach, Neuss, Viersen)
Mitgliederversammlung
Zeit: 19:0 Uhr
Ort: Gaststätte Haus Porz, Am Markt 10, 41515 Grevenbroich

8. November 2016 Region 38 (Braunschweig, Salzgitter, Wolfsburg)
Mitgliedervollversammlung
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Gaststätte Gliesmaroder Thurm, Berliner Str. 105, 38104 Braunschweig


9. November 2016 Region 23 (Lübeck, Wismar)
„Sprache und Jugend - wie können wir die Handy-Generation erreichen?“
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Bootshaus der Lübecker Rudergesellschaft, Hüxtertorallee 4, Lübeck


9. November Region 58 (Hagen / Ennepe-Ruhr / Mark)
Mitgliederversammlung
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Haus Humpert, Hagen


9. November 2016 Region 67, 68 ,69 (Rhein-Neckar)
Mitgliedertreffen
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Müller' Wirtshaus, Brunhilden-Straße 5, 67059 Ludwigshafen


10. November 2016 Region 42 (Wuppertal, Remscheid, Solingen)
Mitgliedertreffen (normalerweise jeden zweiten Montag im Monat)
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Gaststätte „Kaiser-Treff“, Hahnerberger Straße 260, 42349 Wuppertal-Cronenberg


10. November 2016 Region 44 (Dortmund)
Vortrag: „Luther und die deutsche Sprache“
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Ev. Paul-Gerhardt-Kirche, Markgrafenstr. 123, 44139 Dortmund

 

 

4. Literatur

Redewendungen und ihre Ursprünge

Viele unserer Redewendungen und Sprichwörter sind jahrhundertealt. Wir benutzen sie täglich, doch oftmals sind Entstehung und ursprüngliche Aussage heute unbekannt. Zusammen mit der WELT haben sich die Herausgeberinnen Eva-Maria Bast und Heike Thissen deshalb 50 bekannter Redewendungen angenommen und in dem Nachschlagewerk zusammengefasst. Was hat es mit der treulosen Tomate auf sich? Wieso verstehen wir manchmal nur Bahnhof? Und was hat Goethe mit dem „roten Faden“ zu tun?

Eva-Maria Bast, Heike Thissen (Hg.): „Geheimnisse der Redewendungen – 50 spannende Erklärungen, warum wir sagen, was wir sagen“ ist im Verlag Bast in Kooperation mit der „Welt“ erschienen, 190 Seiten, 14,90 Euro. (welt.de)

 

 

5. Neues Denglisch

Verschleierung durch Denglisch

Seit langem werfen große Firmen mit denglischen Fachbegriffen um sich, die kaum jemand versteht. Auch immer mehr Banken nutzen diese Taktik, um ihr Vorgehen zu verschleiern oder seriöser erscheinen zu lassen als es ist. Beispielsweise bleibt so von den Kunden meist unerkannt, dass Kredite nicht mehr von den Banken selber ausgezahlt werden, sondern von sogenannten „Main Funders“, also nicht näher bestimmten institutionellen Investoren. Was global und kompetent klingt, entblößt sich so als ist „ein Experiment, von dem bislang niemand weiß, ob es funktioniert“, so ZEIT-ONLINE. (zeit.de)

 


 

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten und Nachrichten der vergangenen Woche über die deutsche Sprache. Bestellbar unter: infobrief@vds-ev.de.

 

RECHTLICHE HINWEISE

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Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund

Redaktion: Anna Beckmann, Kurt Gawlitta, Lea Jockisch, Holger Klatte

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