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VDS-Infobrief 45. Woche

 

1. Presseschau vom 4. bis 10. November2016

2. Berichte

3. Literatur

4. Neues Denglisch

 

1. Presseschau vom 4. bis 10. November 2016

Mit „apokalyptischer Rhetorik“ zur Präsidentschaft

 mr donald trump new hampshire town hall on august 19th 2015 at pinkerton academy in derry nh by michael vadon 03
© Wikipedia / CC-BY-SA 4.0 / Michael Vadon

Am 8. November hat das amerikanische Volk seinen neuen Präsidenten gewählt. Nie zuvor hat eine Wahl und ihr Ergebnis die Lager so gespalten wie diese. Der Republikaner Donald Trump tritt im Januar 2017 die 45. Präsidentschaft der Vereinigten Staaten an und setzte sich gegen die Demokratin Hillary Clinton durch. Der Sieg Trumps hat viele überrascht. Ein Ansatz, ihn zu begründen, hat mit der Sprache im Wahlkampf zu tun. Es sei die Mischung aus „apokalyptischer Rhetorik, nationalistischer Verheißung, Xenophobie und Chauvinismus“ gewesen, die Trump letztendlich zum Erfolg verholfen habe, heißt es im Tagesspiegel.

Linguistin und Kognitionsforscherin Elisabeth Wehling von der Berkeley-Universität sieht in der strategischen Vermittlung „intensiver sprachlicher Bilder“ in Verbindung mit einfacher Sprache die rhetorische „Stärke“ Trumps. Denn „in einer einfachen Sprache liegt neuronal mehr verborgen als in der abstrakten“, was wiederum den vorgeblichen Wahrheitsgehalt nicht fundierter Aussagen erhöht.

Jedoch nicht nur einfache inhaltliche Themen seien ausschlaggebend für seinen Gewinn gewesen, sondern auch Sprachmelodie und die Variation der Tonhöhe, meint Scott Miller, Rhetorikprofessor an der New York University. „Mehr Musikalität in der Stimme bedeutet, dass man seinem Standpunkt, also seiner Meinung mehr Sinn gibt“. Fehle diese, wie bei Clinton, könne ein Vortrag nicht nur emotional wenig beim Hörer bewirken, sondern auch seine vermittelten Information schlecht dauerhaft gespeichert werden, begründet Miller den Wahlausgang. (deutschlandfunk.de, welt.de)

 

Das Zeitalter der Fakten ist vorbei!

DRadio Wissen kommt auf das neue Schlagwort des Postfaktischen zurück. Als Ausgangspunkt dient der amerikanische Wahlkampf. Der Beitrag zitiert den Soziologen Will Davies mit seiner Rundumbewertung. Seit der Aufklärung hätten die Regierungen ihr Vorgehen mit Fakten begründet. Nun würden Fakten so zurechtgezimmert, dass sie einem in den Kram passen. Ihre Überprüfung werde allerdings immer schwieriger. In den sozialen Medien könne man schlüssig aus einer Binnenwelt heraus argumentieren und in abgeschotteten Kommunikations-Strukturen Verschwörungsmuster entwickeln. Natürlich gehöre es für Journalisten wie für Wissenschaftler seit jeher zum Geschäft, meint Dr. Gawlitta vom VDS, Neues zu entdecken. Dieses Neue sei jedoch oft nur vermeintlich neu. Was hätten denn die totalitären Ideologien des 19. und 20. Jahrhunderts, Nationalsozialismus oder Kommunismus, anderes getan? Von großen Gefühlslagen in der Gesellschaft ausgehen, sie ein wenig mit Fakten versetzen und einige zündende Parolen hinzugeben! Dieses postfaktische Gemisch hätten sie dann über ihre Propaganda den Menschen eingehämmert. Neu mag heute sein, fügt Gawlitta hinzu, dass oft nicht mehr versucht werde, eigene Interessen listig hinter dem Gemeinwohl zu verbergen. Nur bei CETA und TTIP werde dies noch ganz altmodisch praktiziert. Die Rede ist stets nur von Arbeitsplätzen, nicht von Gewinnmaximierung und Machtzuwachs! (dradiowissen.de)

 

Gendersprache: Pro und Contra

Die FAZ lässt in einem ausführlichen Beitrag Befürworter und Gegner der „geschlechtergerechten Sprache“ zu Wort kommen. Einer der Gegner ist der Kasseler Biologe Ulrich Kutschera. Er spricht von „Geschlechterideologie“, denn er habe „noch nie, weder beruflich noch privat, eine Frau kennengelernt, die sich sprachlich diskriminiert gefühlt hätte“. Die Frauenbeauftragte der LMU München, Margit Weber, hat einen Leitfaden für das geschlechtergerechte Formulieren herausgegeben und hofft, dass sich die Menschen an die neuen Begriffe gewöhnen, „wie sie auch die Rechtschreibreform akzeptiert hätten“. (faz.net)

Zum selben Thema schreibt der Leiter der VDS-AG „Gendersprache“, Eckhard Kuhla, im Magazin The European. (theeuropean.de)

 

Junge Menschen sprechen Friesisch

Renate Schnack, Minderheitenbeauftragte des Ministerpräsidenten in Schleswig-Holstein, erklärte, dass das Friesische immer mehr von jungen Menschen gesprochen werde und somit einen neuen Stellenwert bekomme. Das Friesische erlebe eine Renaissance bei Kindern und Jugendlichen. Die westgermanische Sprache finde Anklang in Liedertexten, auf der Fähre oder in privaten Haushalten. Der Vorsitzende der Ferring Stiftung auf Föhr, Volkert Faltings, sieht in den Lübecker Nachrichten ein ungeahntes Talent in den Jugendlichen. Sie verschicken sogar Textnachrichten per Mobiltelefon auf Friesisch, obwohl das länger dauert, da die Mobiltelefone das Friesische nicht erkennen. Laut Schätzungen sprechen 10.000 Menschen in Schleswig-Holstein Friesisch. (ln-online.de)

 

Was die Wahl der Adjektive über uns aussagt

Adjektive, die mit „f“ beginnen, sind momentan äußerst populär, wie die Süddeutsche berichtet. Neben Worten wie „fulminant“ und „famos“ sei besonders der Begriff „furios“ allein 27 mal innerhalb von 24 Stunden für die Beschreibung von Sportereignissen oder Musikveranstaltungen verwendet worden. „Floskelgetriebene feuilletonistische Kraftmeierei“, findet Süddeutsche-Autorin Juliane Liebert und geht dieser Entwicklung nach. Was die Adjektive eint, seien ihre Ursprünge im 19. Jahrhundert. Verwendet man sie heute, offenbare sich neben „altbackenen Bildungsbürgergehabe“ nun vor allem auch Distanz. „Wer so schreibt, drückt sich darum, eine Haltung zu seinem Gegenstand zu entwickeln“. Die Wahl eines f-Adjektivs zeuge schlichtweg von Faulheit. (sueddeutsche.de)

 

 

 

2. Berichte

Unterstützung für ehrenamtliche Deutschpaten

Die Freie Universität Berlin, das Institut für deutsche Sprache und Kultur e. V. (Martin-Luther-Universität Halle a. d. S.) und die gemeinnützige „weiterkommen GmbH“ haben zusammen mit dem VDS das Projekt „Weiterbildung ehrenamtlicher Sprachvermittler“ gestartet. Das Bildungsministerium des Innern fördert die kostenfreien zweitägigen Kurse zunächst bis März 2017. Ziel der Initiative ist es, den Freiwilligen Grundwissen bei der Vermittlung des Deutschen als Fremdsprache zu liefern und sie in den Bereichen der Grammatik und Didaktik zu schulen sowie auf interkulturelle Differenzen und Konfliktsituationen vorzubereiten.

Die Kurse finden noch bis zum Beginn nächsten Jahres jeweils an zwei aufeinanderfolgenden Samstagen in verschiedenen Regionen statt. Alle Kurstermine und den Link zur Anmeldung finden Sie hier. (wuerzburgerleben.de, weiterbildung-sprachvermittler.de)

 

 

 

3. Literatur

Preise für sprachliche Verdienste

Am 5. November wurde der Schriftsteller Marcel Beyer mit dem Georg-Büchner-Preis 2016 ausgezeichnet, einem der bedeutendsten deutschen Literaturpreise. Beyers Texte seien kühn und zart, erkenntnisreich und unbestechlich, hieß es in der Begründung der Deutschen Akademie Sprache und Dichtung. Den Durchbruch schaffte der Autor 1996 mit seinem vielbeachteten Roman „Flughunde“. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis wurde im Staatstheater Darmstadt vergeben.

Schriftsteller, Schauspieler und Musiker Heinz Strunk erhielt am vergangenen Sonntag den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis, welcher vom Deutschlandfunk und der Stadt Braunschweig gestiftet wird. Ausgezeichnet wurde sein Tatsachenroman „Der goldene Handschuh“, welcher die Geschichte des Serienmörders Fritz Honka auf der Hamburger Reeperbahn erzählt.

Die Stadt Aachen hat am 6. November den Walter-Hasenclever-Literaturpreis an die Berliner Schriftstellerin Jenny Erpenbeck für ihren Roman „Gehen, ging, gegangen“ verliehen. Ihr Werk behandelt das Thema Flüchtlinge in Deutschland und gebe den Flüchtlingen so eine Stimme, hieß es seitens der Jury. In dem Roman thematisiert Erpenbeck die unhaltbaren Lebensbedingungen von Flüchtlingen in Berlin.

Den Schiller-Gedächtnis-Preis des Landes Baden-Württemberg bekam der Schriftsteller Ror Wolf, dessen Werke von einer großen kreativen Vielfalt geprägt seien. Für Wolf nahm der Schauspieler Christian Brückner den mit 25.000 Euro dotierten Preis entgegen, da der Autor selbst erkrankt war. Förderpreise in Höhe von 7.500 Euro gingen an die Dramatiker Miroslava Svolikova und Stefan Hornbach. (mdr.de, deutschlandfunk.de, wdr.de, deutschlandradiokultur.de)

 

 

4. Neues Denglisch

Unnötiges Denglisch in Ostthüringen

Autor Claus Irmscher erläutert in der Ostthüringer Zeitung den unnötigen Gebrauch des Denglischen. Er greift Beispiele aus der Werbung in Ostthüringen auf, die im deutschen Wortschatz überflüssig sind: Die Südmarktpassage Bad Lobenstein bietet „Womans Fashion“ der Marke „Street one“ an, die E & P Wirtschafts- und Steuerungsberatungsstelle wirbt mit dem Werbespruch „Let´s talk about tax“, „Family Shoes“ werden in Bad Lobenstein verkauft und in Rudolstadt lud man zum „Getting Though – The Race“ ein. Einzig der Friseursalon „Schnittstelle“ zeige mit seinem Namen, dass auch das Deutsche originell und humorvoll sei. (otz.de)


 

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Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund

Redaktion: Anna Beckmann, Kurt Gawlitta, Lea Jockisch, Holger Klatte

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