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VDS-Infobrief 46. Woche

 

1. Presseschau vom 11. bis 17. November 2016

2. Berichte

3. VDS-Termine

4. Literatur

5. Neues Denglisch

 

1. Presseschau vom 11. bis 17. November 2016

Sprache im Internet

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Foto: pixabay.com

Sprachforscher erwarten durch die Nutzung des Internets keine Verschlechterung, sondern vielmehr eine Veränderung der Sprache – auch im positiven Sinne. Man wolle durch innovative sprachliche Strategien beeindrucken, so die Mannheimer Sprachwissenschaftlerin Eva Gredel. Sprache differenziere sich so und Gemeinschaften finden ihren eigenen Stil. Gredel ist Sprecherin des Wissenschaftsnetzwerks „Diskurse digital“. „Sprache verfällt nicht“, so Gredel. Jeder habe seinen eigenen Stil. Auch das Verfassen von Kurznachrichten in nicht normgerechter Sprache sei kein Grund zur Beunruhigung. Der VDS setzt sich angesichts der Veränderungen durch die Internetmedien bei Bildungseinrichtungen dafür ein, dass eine hochsprachliche Norm gewahrt wird. (vds-ev.de, heise.de)

 

Ist auch ein Viertel der VDS-Mitglieder digital abgehängt?

Sven Braun berichtet bei NETZPOLITIK.ORG über die diesjährige Studie „D21-Digital Index“. Jährlich nehmen an der Befragung des Vereins „Initiative D21“ 33.000 Deutsche ab 14 Jahren teil. Die Studie gibt einen Überblick über die Digitalisierung der deutschen Gesellschaft. Aus den Kategorien Zugang, Nutzung, Kompetenz und Offenheit wird ein Digital-Index ermittelt. Um ein Prozent auf 79 Prozent ist im letzten Jahr die Zahl der Internetnutzer gewachsen. Wachstum ist nur noch bei den über 50-jährigen möglich. Bei den Jüngeren liegt sie schon über 90 Prozent. Dieses Jahr nahm die Internetnutzung der über 70-jährigen um sechs Prozent zu. Wie es wohl, fragt Dr. Kurt Gawlitta (VDS-Vorstand), um die Nutzung digitaler Angebote in unserem Verein stehe? Aus vielen Gesprächen entnehme er eine teils trotzige, teils resignative Haltung älterer Mitglieder, „mit dem Internet hätten sie es nicht so“. Sie hätten sich damit leider unwiderruflich aus dem Kreis aktiver Vereinsmitglieder verabschiedet. Es handele sich bei der Arbeit mit dem Internet, so hart dies auch klinge, um keine persönliche Geschmacksfrage, sondern um eine heute unverzichtbare Kulturtechnik wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Fortbildungsangebote für spät Entschlossene gebe es genügend. Man müsse sich nur einen Ruck geben und sie nutzen! (netzpolitik.org)

 

Grenzen „Leichter Sprache“

Der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann spricht in einem Interview mit dem Deutschlandradio-Kultur über Grenzen und Kritik an der „Leichten Sprache“. Er zweifele daran, dass das Konzept der „Leichten Sprache“ selbständige und souveräne Menschen hervorbringe. Beurteilungs- und Denkvermögen werden seiner Meinung nach damit nicht geschärft. Es sei zwar verständlich, dass sich Behörden und Journalisten bemühen, ihre Texte verständlich zu verfassen. Das Absenken der Ansprüche wirke sich aber auf die sprachlichen Fähigkeiten aus. Die Bildung werde immer mehr zu Ausbildung, die Schüler und Schülerinnen erlernten vermehrt Kenntnisse für die Arbeitswelt. Nur wer souverän mit Sprache umgehen könne, beherrsche auch die Kurzformen der Sprache wie in der „Leichten Sprache“, so Liessmann. „Leichte Sprache“ für politische Teilhabe sei der falsche Weg und führe zu einem Tiefstand der politischen Argumentationskultur. (deutschlandradiokultur.de)

 

Gefährdete Sprachen

Linguistin Mandana Seyfeddinipur, Leiterin des „SOAS World Languages Institute“, prophezeit, dass am Ende dieses Jahrhunderts von geschätzten 7.000 Sprachen die Hälfte nicht mehr existiere. Nur 25 Sprachen werden von der Hälfte der Bevölkerung gesprochen, darunter Spanisch, Deutsch, Englisch und Mandarin. Die vielen anderen Sprachen haben weitaus kleinere Sprecherzahlen. Viele davon seien gar nicht verschriftlicht. Das Sprachensterben beschränke sich nicht nur auf ferne Regionen, in Europa sei die Vielfalt schon stark eingeschränkt. Ein paar Stunden Unterricht reichen nicht aus, um eine Sprache oder einen Dialekt zu erhalten oder zu beleben, so Seyfeddinipur. Wenn Kinder keinen Grund hätten, die Sprache außerhalb der Schule zu sprechen, sei diese Sprache dem Untergang geweiht. (sueddeutsche.de)

 

Programm fälscht Stimmen

Die US-Firma Adobe hat ein neues Programm zur Bearbeitung von Sprachaufnahmen vorgestellt. Mit „Voice Conversion“ („Stimmwandlung“) sei es möglich, jemandem die Worte im Mund nicht nur umzudrehen, sondern sogar gänzlich zu verändern. Aus einer 20sekündigen Aufnahme werden die einzelnen Wörter und Sätze in ihre Phoneme zerlegt. Daraus ergebe sich ein linguistischer Baukasten, aus dem neue Sätze formuliert werden können. Das Programm kann außerdem die Stimmlage oder Melodie des Sprechers täuschend echt imitieren. Adobe sehe besonders in der Medienproduktion einen Markt für das Programm, da Versprecher so beispielsweise nachträglich korrigiert werden können. Auch bei der Synchronisation von Filmen könne „VoCo“ helfen. Dennoch bestehe die Gefahr von Manipulationen durch das Sprachbearbeitungsprogramm. Denn auch wenn Adobe die bearbeiteten Aufnahmen mit einer Signatur versehe, seien Fälschungen möglich, z.B bei gesprochenen Testamenten oder Zeugenaussagen. (stuttgarter-zeitung.de)

 

2. Berichte

Treffen Region Münsterland

Auf ihrem Treffen am 4. November in Saerbeck bewerteten die VDS-Vertreter der Region Münsterland (48) u.a. das Literaturprojekt „Babylon“ mit Werken aus elf Sprachen, zu dem am Tag der deutschen Sprache über 120 Zuschauer in die Saerbecker Scheune gekommen waren. Für den Tag der deutschen Sprache im Jahr 2017 teilt Regionalleiter Günter Denz die Arbeitstitel „Sprachwunder“ und „ Zauberwelt“ mit. (muensterschezeitung.de)

 

3. VDS-Termine

25. November 2016 Sprachverein „Muttersprache“ (Wien)

Der Sprachverein „Muttersprache“ in Wien lädt ein zu einem Liederabend anlässlich des 150. Todestag von Friedrich Rückert mit Gedichten und Liedern von Franz Schubert und Roman Schumann.

Zeit: 19 Uhr

Wo: Festsaal im Haus der Heimat, Wien 3., Steingasse 25

 

17. - 20. November 2016 Universität Heidelberg

An der Universität Heidelberg findet die 60. Studentische Tagung Sprachwissenschaft statt. Dort stellt die nächste Linguisten-Generation aus Deutschland und anderen Ländern ihre Abschlussarbeiten, Dissertationsthemen oder andere Projekte vor. Zu den Themen gehören: „Fremdsprachenlernen in der Mobilwelt“, „Höflichkeitsformen in der E-Mail“ oder „Linguistik in der Schule“. (60.stuts.de)

 

29. November 2016 Sprachrettungsklub Bautzen

Der Sprachrettungsklub Bautzen stellt ein neues Hörbuch des sorbisch-deutschen Schriftstellers und Lyrikers Kito Lorenc vor.

Zeit: 19 Uhr

Wo: Spreepension Bautzen

 

 

4. Literatur

Erster Josef-Guggenmos-Preis für Kinderlyrik

Am 18. November wird zum ersten Mal der Josef-Guggenmos-Preis für Kinderlyrik verliehen. Autor und Literaturübersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn erläutert in „Buchmarkt“, warum dieser Preis so besonders ist. Gutzschhahn veröffentliche u.a. 20 Bücher und arbeitete über zwanzig Jahre als Lektor für verschiedene Kinder- und Jugendbuchverlage. Deutsche Kinder- und Jugendbuchpreise berücksichtigen Lyrik nur selten. Der letzte ausgezeichnete Gedichtband war „Drunter und Drüber“ von Jürgen Spohn aus dem Jahre 1981. In anderen Ländern wie Österreich, England und den USA würden renommierte Preise für neue Gedichtbände verliehen. Damit schärfe man die Aufmerksamkeit für Kinderlyrik, so Gutzschhahn. Kinder seien bei Lyrik-Veranstaltungen begeistert und wollten selber mit der Sprache spielen. Es gehe um das Erleben, wozu Sprache fähig ist. (buchmarkt.de)

 

5. Neues Denglisch

Internationales Wort des Jahres

Das Oxford-Wörterbuch hat das Wort „post-truth“ („post-faktisch“) zum internationalen Wort des Jahres gewählt. Genutzt werde das Wort zur Beschreibung eines Zustandes, indem Emotionen und persönliche Voreingenommenheiten relevanter für die Bildung der öffentliche Meinung sind als belegbare Fakten. Besonders häufig kam das Wort im Jahr 2016 im US-Wahlkampf und der Kampagne für den Ausstieg Großbritanniens aus der EU vor. Für die deutsche Übersetzung „post-faktisch“ gibt es im Duden noch keinen Eintrag. (deutschlandfunk.de)


 

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten und Nachrichten der vergangenen Woche über die deutsche Sprache. Bestellbar unter: infobrief@vds-ev.de.

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Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund
Redaktion: Anna Beckmann, Kurt Gawlitta, Lea Jockisch, Holger Klatte

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