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VDS-Infobrief 47. Woche

1. Presseschau vom 18. bis 24. November 2016

2. VDS-Termine

3. Literatur

4. Neues Denglisch

 

1. Presseschau vom 18. bis 24. November 2016

Ein E-Buch ist auch ein Buch

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Foto: fotolia.com / 97792588 / Andrea Izzotti

Vor dem Europäischen Gerichtshof erging kürzlich ein Urteil, durch das elektronische Bücher (E-Bücher) und gedruckte Bücher beim Verleih durch Bibliotheken grundsätzlich gleich zu behandeln sind. Für die Nutzer von Bibliotheken wird sich deswegen einiges verändern. Liegt ein Buch elektronisch vor, dann erhält der Nutzer nur die elektronische Fassung. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. kritisiert das Urteil, weil die Bibliotheken keine besonderen Lizenzen für die E-Bücher mehr direkt mit den Verlagen aushandeln müssen. Der Deutsche Bibliotheksverband begrüßt die Entscheidung, weil auf diese Weise mehr aktuelle Titel verfügbar seien und die Vergütungen für die Urheber künftig über die VG-Wort geleistet werden.

Tilman Spreckelsen bezieht das Urteil in der FAZ auf die Deutsche Nationalbibliothek mit ihren Häusern in Leipzig und Frankfurt. Sie ist die „zentrale Archivbibliothek“ und das „nationalbibliografische Zentrum der Bundesrepublik Deutschland“. Jedes Buch und jede Zeitschrift, die in deutscher Sprache erscheinen, sammelt sie in zwei Exemplaren. Wer dort künftig ein gedrucktes Werk einsehen möchte, muss damit rechnen, dies nur noch in digitaler Form lesen zu können. Begründung: Die gedruckten Bücher sollen vor Abnutzung geschützt werden. „Allerdings sind Bücher, die man aus Vorsicht gar nicht erst zu lesen wagt, komplett sinnlos“, so Spreckelsen. (faz.net, bibliotheksverband.de)

 

Die Wahrheit ist dem Menschen zuzumuten

Cora Stephan, promovierte Politikwissenschaftlerin, knüpft auf der Netzseite von Deutschlandradio Kultur an die Feststellung der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann an: „Die Wahrheit ist den Menschen zuzumuten. Die aber ist mit subjektiver Befindlichkeit nicht zu verwechseln.“ Von hier aus entwickelt Stephan eine breit angelegte Kritik einer verbreiteten journalistischen Methode, die nicht selten auch von aktiven Politikern ihrer Arbeit zugrunde gelegt wird. Dies geht vielfach bis zum Selbstversuch, um dann etwa nach dem Aufenthalt im Kloster, nach dem Tragen eines Ganzkörperschleiers, nach der Einnahme neuer Rauschmittel beurteilen zu können, wie man oder frau sich danach fühlt. Das so geplant erzeugte Bauchgefühl tritt an die Stelle eingehender Recherche von Fakten und wird zur maßgeblichen Grundlage der Beurteilung. Auch Politikerinnen wie Nahles oder Scheswig, so Stephan, gründen politische Konzepte auf eine persönliche „Geschichte“, anstatt zunächst einmal die gesellschaftliche Realität repräsentativ abzubilden. Während er die nun bald zwanzigjährige politische Arbeit unseres Vereins Deutsche Sprache vor seinem geistigen Auge noch einmal Revue passieren lässt, fragt sich Vorstandsmitglied Dr. Gawlitta, ob denn der VDS alles richtig gemacht habe. Beharrlich haben wir unseren Mitbürgern immer wieder Aufklärung über die sprachpolitische Wirklichkeit geliefert. Nur wenige wollten wissen, was es bedeutet, wenn wir unsere hochentwickelte Kultursprache in breiten Feldern des öffentlichen Lebens achtlos beiseiteschieben. Das Bauchgefühl sagte anscheinend den Allermeisten, dass man sich weltmännischer, einfach besser fühlt, wenn man sich dem amerikanischen Lebensgefühl hingibt. Hätten wir lieber plump auf Emotionen setzen sollen? Wohl nicht! Vielleicht kommen nun nach Trumps Wahl Zeiten, wo mancher an der Überlegenheit des US-amerikanischen Lebensstils zu zweifeln beginnt, meint Dr. Gawlitta. Dann sind wir womöglich nicht mehr einsamer Rufer in der Wüste. (deutschlandradiokultur.de)

 

Sprachwechsel = Rollenwechsel

Wer andere Sprachen fließend beherrscht, dessen Persönlichkeit verändert sich beim Sprachwechsel. Das behauptet Jean-Marc Dewaele, Professor für Angewandte Sprachwissenschaften und Multilingualismus an der Universität von London. Dewaele erklärt, dass Sprachen ihre eigenen Verhaltensregeln aufweisen, die von den Sprechern übernommen werden. Die Aktivierung kultureller Konzepte ist demnach direkt mit der Sprache verknüpft – die Wörter einer Sprache führten zur Anpassung der Persönlichkeit an das jeweilige Land der gesprochenen Sprache. Dabei spielte es auch keine Rolle, wie früh eine Sprache erlernt wird oder ob die Sprecher in den jeweiligen Kulturen gelebt haben. Die Kolumnistin Iseult Grandjean spricht täglich drei Sprachen und erlebt, wie sie ständig in eine andere Rolle schlüpft, etwa wenn sie das Gefühl hat, sich auf Französisch intellektueller ausdrücken zu müssen oder „die zynische Deutsche“ und „die unbeschwerte Amerikanerin“ zu verkörpern. (jetzt.de)

Ob das sogar schon für schreiende Säuglinge gilt, hat die Leipziger Hirnforscherin Angela Friederici untersucht.Sie erklärt in einem Interview auf DeutschlandradioKultur, dass sich unterschiedliche Nationalsprachen schon in den ersten Lebensmonaten bemerkbar machen. (deutschlandradiokultur.de)

 

„Fly sein“ ist Jugendwort des Jahres 2016

Der Langenscheidt-Verlag erklärte „fly sein“ zum Jugendwort des Jahres. Laut der Jury, die sich aus Sprachwissenschaftlern, Pädagogen, Medienvertretern und Jugendlichen zusammensetzt, bedeutet „fly sein“, dass „jemand oder etwas besonders abgeht“. Das Wort, das seinen Ursprung in der Hip-Hop-Sprache hat, setzte sich unter anderem gegen die Begriffe „Hopfensmoothie“ für Bier, „Vollpfostenantenne“ für einen Selfiestange oder „Bambusleitung“, das eine langsame Internetverbindung bezeichnet, durch. Zur Auswahl standen 30 Begriffe, über die zunächst jeder im Netz abstimmen konnte. Bei dieser Abstimmung lag die Abkürzung „isso“ (eine Verkürzung von „ist so“) vorne, die Zustimmung und die Betonung von etwas suggeriert. Der Jury erschien das Wort jedoch nicht kreativ genug. Regelmäßig ruft die Wahl zum Jugendwort des Jahres auch Kritiker auf den Plan, die behaupten, die Wahl sei nichts weiter als eine Werbeaktion des Langenscheidt-Verlags. Bemängelt wird, dass Jugendliche das auserkorene Wort kaum benutzten, geschweige denn überhaupt kennen. Nach Meinung von Bastian Brinkmann (Süddeutschen Zeitung) hat das Auswahlverfahren „nichts mit Wissenschaft zu tun“, da jeder eine Worterfindung einreichen kann und dies passe „gut zu einem Verkäufer von Wörterbüchern“. (sueddeutsche.de, jugendwort.de)

 

Germanistik ohne Latein

Germanistikprofessoren der Universität Zürich haben an ihrer Universität die Abschaffung der Lateinpflicht für das Germanistikstudium zum Sommersemester 2017 durchgesetzt. Der Beschluss wird damit begründet, dass das Studium der Germanistik nun attraktiver werde und man den sinkenden Zahlen der Germanistikstudenten entgegenwirken wolle. Kritiker befürchten, dass viele bedeutende Autoren wie Opitz, Flemming und Gryphius, die ihre Schriften häufig auf Latein verfassten, außer Acht gelassen würden und dass weniger Gymnasiasten das Fach Latein belegen werden. „Diese Kenntnisse sind für ein fundiertes Studium der Germanistik von unbestrittenem Wert“, bemängelt das „Forum Alte Sprachen“. Dem Vorhaben tritt auch eine Gruppe, bestehend aus Professoren, Assistenten und Studenten, entgegen, indem sie formulieren: „Deutsche Literatur ist nicht immer deutsch!“ (nzz.ch)

 

Plattdeutsches Ensemble feiert 90. Geburtstag

Die Fritz-Reuter-Bühne in Schwerin schaut auf eine erfolgreiche Geschichte zurück: Als eines von zwei plattdeutschen Profi-Ensembles in Deutschland feierte das Theater mit der Komödie „Stratenmusik“ von Paul Schurek am 29. November 1926 seine Premiere. Doch nicht nur Erfolge sondern auch Krisen sind Teil der 90-jährigen Geschichte: Die Nazis befahlen die Schließung des Theaters und während der Nachkriegszeit durfte die Bühne kaum plattdeutsche Stücke inszenieren, weil die westlichen Verlage die Rechte an den Stücken für sich beanspruchten. Auch die DDR-Kulturpolitik sah das Niederdeutsche eher als rückschrittlich an. Nach dem Mauerfall konnte das Ensemble mit Inszenierungen „up Platt“ Bühnenerfolge feiern. (ndr.de)

 

2. VDS-Termine

29. November 2016 (Dresden)

Christiane Mörbe und Annelore Günther halten einen Vortrag über „Ausdrucksweisen und Darstellungen in unserer Sprache – eine nachdenkliche bis freche Gegenüberstellung“.

Zeit: 18 Uhr
Wo: Ortsamt Dresden-Loschwitz, Grundstraße/Ecke Körnerplatz

 

29. November 2016 (Wuppertal)

VDS-Geschäftsführer Dr. Holger Klatte informiert über den VDS im Carl-Fuhrlott-Gymnasium.

Zeit: 15 Uhr
Wo: Carl-Fuhrlott-Gymnasium, Jung-Stilling-Weg 45, 42349 Wuppertal-Cronenberg

 

30. November (Landshut)

In Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Bildungswerk Landshut e.V. findet der Literaturstammtisch „Leselupe“ im evangelischen Gemeindehaus statt.

Zeit: 19 Uhr
Wo: Evangelisches Gemeindehaus, Gutenbergweg 16, Landshut

 

 

3. Literatur

Kleist-Preis für Yoko Tawada

Die in Berlin lebende japanische Schriftstellerin Yoko Tawada wird mit dem 20.000 Euro dotierten Kleist-Preis 2016 ausgezeichnet. Tawada schreibt deutsch und japanisch und betont, dass sie zwischen zwei Sprachen keine Grenzen sieht, sondern einen „Raum, in dem die Literatur geschrieben wird“. (deutschlandradiokultur.de)

 

 

4. Neues Denglisch

„Happy END“ Bestattungsmesse

Eine Bestattungsmesse in Hamburg wirbt auf ihren Plakaten und ihrer Netzseite mit dem Werbespruch „Happy END“. Unter diesem Motto möchten die Veranstalter über Leben und Pflege im Alter, Vorsorge, Sterben und Bestattung informieren. Passend dazu heißt es auf der Netzseite „(…) denn unser Leben verdient ein Happy End“. Die Berufsgruppe der Bestatters fällt nicht das erste Mal wegen ihres Hangs zum Englischen auf: 2001 war der Bundesverband Deutscher Bestatter e.V. Sprachpanscher des Jahres geworden, weil er den Ausbildungsberuf „funeral Master“ eingeführt hatte. (bestattungs-messe.de)

 

Black Friday

Am Freitag nach dem Erntedankfest „Thanksgiving“ findet in den Vereinigten Staaten der „Black Friday“ (Schwarzer Freitag) statt, an dem der Beginn der Weihnachtseinkäufe beginnen soll. Auch in Deutschland werben die großen Kaufhäuser und Internethändler mit dem „Black Friday“ statt mit „Weihnachtsangeboten“ oder einem ähnlichen deutschen Ausdruck, bemängelt der „Lokalkompass“. Außerdem könnten auf diese Läden nun Geldstrafen von bis zu 100.000 Euro zukommen, da der Begriff „Black Friday“ eine eingetragene Wortmarke und somit geschützt ist. (lokalkompass.de)


 

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten und Nachrichten der vergangenen Woche über die deutsche Sprache. Bestellbar unter: infobrief@vds-ev.de.

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Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund
Redaktion: Anna Beckmann, Kurt Gawlitta, Nasanin Ates, Holger Klatte

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