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VDS-Infobrief 48. Woche

1. Presseschau vom 25. November bis 01. Dezember2016

2. Berichte

3. Literatur

4. Neues Denglisch

 

1. Presseschau vom 25. November bis 01. Dezembe r2016

Analphabetismus in Deutschland

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Foto: Pixabay (CC0)

In den kommenden zehn Jahren wollen sich Bund und Länder verstärkt für die Fortbildung von Erwachsenen einsetzen, die nicht richtig lesen und schreiben können. Die Bundesbildungsministerin Wanka rief am Montag die „Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung“ aus. 180 Millionen Euro will sie dafür ausgeben. In Deutschland gibt es mehr als sieben Millionen „funktionale Analphabeten“, d.h. sie können einzelne Wörter und Sätze lesen, scheitern aber an längeren Texten, z.B. Rezepten oder Bedienungsanleitungen. (spiegel.de )

 

Deutschpflicht in den Schulpausen

Die Schulordnung der Herbert-Hoover-Schule in Berlin schreibt Schülern eine Deutschpflicht während der Schulzeit, in den Pausen und bei schulischen Veranstaltungen vor. Ziel der Vorschrift sei es, Konflikte und Ausgrenzungen zu vermeiden: „Wenn man die Sprache nicht spricht und ausgegrenzt wird, wird man diskriminiert“, betont Schulleiterin Jane Natz. An einer Umfrage von Stern-TV zu dem Thema beteiligten sich 15.000 Zuschauer und entschieden mit großer Mehrheit für die Deutschpflicht auf Schulhöfen. Auch die meisten befragten Teilnehmer mit einer anderen Muttersprache als Deutsch befürworteten die Deutschpflicht. „Wir sind aus so vielen Ländern und uns verbindet die deutsche Sprache“, erklärte eine Schülerin der Herbert-Hoover-Schule gegenüber Stern-TV. (huffingtonpost.de)

 

Politische Sprache in der Kritik

Laut Thomas Speckmann, dem Leiter des Referats Reden und Texte von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, besteht die Kunst einer guten Rede in der Genauigkeit der Sprache. Wer hingegen auf spektakuläre Begriffe setze, käme bei den Zuhörern nicht gut an. Vor allem in Zeiten der Unsicherheit sei es wichtig, einen bewussten Umgang mit der Sprache zu pflegen, da die Menschen genaue Erklärungen verlangten und nichtssagende Floskeln sie nicht beeindruckten, erklärt der Journalist Armin Lehmann im Tagesspiegel. Die Zuhörer möchten in den „Phrasen“ das „Wie und Warum?“ einer Botschaft erkennen.

Über die politische Sprache äußerte sich auch der Schriftsteller Rolf Schneider im Deutschlandradio-Kultur. Ihm fällt allerlei grammatischer Unsinn auf. (tagesspiegel.de, deutschlandradiokultur.de)

 

Lehrer gegen Hass im Netz

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband hat unter dem Titel „Für unsere Demokratie: Haltung zählt“ ein Manifest verfasst. Darin positioniert sich der Verband gegen Hetze im Netz und gegen eine „zunehmend verrohte und hasserfüllte Sprache“. Die Mitglieder des Verbands setzen sich mit ihrer Initiative für bessere Umgangsformen in den sozialen Medien und abseits der virtuellen Welt ein. (br.debllv.de)

 

Interkulturelle Vorlesekoffer

Um das Vorlesen und das Verständnis der Kinder für andere Kulturen zu fördern, statten die „Stiftung Lesen“ und die „Deutsche Bahn Stiftung“ rund 2200 sächsische Kindertagesstätten mit einem „interkulturellen Vorlesekoffer“ aus. Die darin enthaltenen Geschichten behandeln Themen aus dem Alltag von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund – etwa das muslimische Zuckerfest oder das chinesische Frühlingsfest. Zu jedem Koffer gehört eine Anleitung für Erzieher mit Tipps zum Vorlesen. Die Initiative „Alle Kinder dieser Welt“ fordert einen solchen Vorlesekoffer für alle Kitas bundesweit, denn „beim Vorlesen entdecken Kinder Vertrautes wieder und Fremdes neu“, betonte die sächsische Kultusministerin Brunhild Kurth. (deutschebahn.com, focus.de)

 

Quote für deutschsprachige Musik

Bereits 1996 regte der Liedermacher Heinz Rudolf Kunze eine Diskussion über eine gesetzliche Quote für deutschsprachige Musik an. Dieser Forderung schlossen sich viele bekannte Künstler an, unter ihnen Herbert Grönemeyer und Reinhard Mey. Mitte der 2000er Jahre sprachen sich auch Politiker der CDU, der SPD und der Grünen für eine Selbstverpflichtung der Radiosender aus, die 35 Prozent deutschsprachige Musik im Radioprogramm vorsah. Auch der Verein Deutsche Sprache e.V. hat sich mit mehreren Initiativen für mehr deutschsprachige Musik im Rundfunk eingesetzt, zuletzt mit einem offenen Brief an die Rundfunkräte der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Seit 2016 ist der VDS am Internetsender Deutsches Musikradio (deutschesmusikradio.de) beteiligt.

Seit einigen Jahren setzten deutschsprachige Künstler der „Monokultur des Mainstream-Pops“ eine „nationale Vielfalt“ entgegen, schreibt der Kulturjournalist Thorsten Glotzman auf goethe.de. Die deutsche Sprache sei in allen Genres vertreten – ob Hip-Hop, Punk, Rock oder Pop. (goethe.de)

 

2. Berichte

Video-Vortrag in Weißrussland

VDS-Geschäftsführer Holger Klatte hielt einen Video-Vortrag an der Staatlichen Universität A.A Kuleschow in der weißrussischen Stadt Mogiljow. Klatte stellte Aktionen des VDS zum Tag der deutschen Sprache im Ausland vor. Die Verbindung hatte der weißrussische VDS-Regionalleiter Wladimir Stawski organisiert. Hier ein Bericht auf der Netzseite der Universität (allerdings auf Russisch): mgup.by

 

3. Literatur

Zu Gast bei Udo Lindenberg

SPIEGEL-ONLINE-Autor Alexander Kühn hat sich mit Udo Lindenberg in dessen Wohnsitz, dem Hotel Atlantic in Hamburg, unterhalten: über die Sprache im Lied, tote Rocklegenden und Lindenbergs Autobiographie „Panikherz“, die der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre für ihn verfasst hatte. 2010 hatte Lindenberg den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache erhalten, den der VDS und die Eberhard-Schöck-Stiftung jährlich verleihen. (spiegel.de, kulturpreis-deutsche-sprache.de)

 

Harry Rowohlts „nicht weggeschmissene Briefe“

Die Kulturjournalistin, Buchhändlerin und enge Freundin des verstorbenen Harry Rowohlt, Anna Mikula, hat den dritten Band „Und Tschüss“ mit Briefen Rowohlts herausgebracht. Der vor anderthalb Jahren verstorbene Sprachkünstler hat eindrucksvolle Briefe geschrieben u.a. an den damals neu gewählten Bundespräsidenten Joachim Gauck („So ein schöner Anschiss ist mir lieber als das meiste Lob.“), verschiedene Journalisten oder auch an die „kölschen Mädchen“ an der Rezeption des Chelsea-Hotels. Das 352 Seiten starke Buch „Und Tschüss“ beinhaltet rund 200 Briefe Rowohlts, die sich laut NDR grob in die vier Kategorien überschwängliche Briefe, innige Absagebriefe, zornige Briefe und Liebesbriefe einteilen lassen. (ndr.de)

 

4. Neues Denglisch

Rad ab bei VW?

Automated Driving, Smart Sustainability, kapazitive Softkeys, Playlists, App Connect, Mirror Link und Car Play fischt Holger Appel in dem Beitrag der FAZ bei “Technik und Motor” aus der Präsentation des neuen VW Golf heraus und zieht genüsslich darüber her. VW, so schreibt Appel, sei gerade dabei, sich wieder neu zu erfinden. Er fragt sich allerdings, wieso ausgerechnet der Stauassistent eine deutschsprachige Hilfskraft sei und kein Traffic Jam Assist. Alle anderen Dienste wie Guide & Inform oder Security & Service gebärdeten sich schließlich rein Englisch. Die Endmark-Studie 2016 eines Kölner Wirtschaftsforschungs-Instituts (endmark.de) veröffentlicht – seit Jahren immer wieder neu - die Feststellung, dass zwar nur 28 % des Publikums wüssten, was diese „Claims“ genau bedeuteten, jedoch 90 % der Meinung seien, daraus gehe eine positive Botschaft hervor. Dr. Gawlitta (VDS-Vorstand) lässt sich allerdings nicht ausreden, dass Hersteller und Handel, wenn sie sich bewusst nebelhaft äußerten, nichts anderes wollten, als die Kunden hinters Licht führen. Der Versuch, sich nach dem Diesel-Skandal durch eine noch internationalere Sprache als bisher schon neu zu erfinden, scheitere also schon im Ansatz. Es müsse für einen globalisierten Weltkonzern schwer sein, die Straße der Täuschungen zu verlassen, — wenn er es denn überhaupt ernsthaft vorgehabt habe. (faz.net)


 

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten und Nachrichten der vergangenen Woche über die deutsche Sprache. Bestellbar unter: infobrief@vds-ev.de.

 

RECHTLICHE HINWEISE

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Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund
Redaktion: Anna Beckmann, Kurt Gawlitta, Nasanin Ates, Holger Klatte

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