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VDS-Infobrief 49. Woche

1. Presseschau vom 2. bis 8. Dezember 2016

2. Berichte

3. VDS-Termine

4. Neues Denglisch

 

1. Presseschau vom 2. bis 8. Dezember 2016

Deutsch ins Grundgesetz

deutsch ins gg
Foto: VDS

Auf dem Parteitag der CDU in Essen beschlossen die Delegierten, die deutsche Sprache im Grundgesetz zu verankern. Schon 2008 hatte der CDU-Stadtverband in Völklingen diesen Antrag eingebracht, seit dem wartet dieser jedoch auf die Umsetzung durch die Bundestagsfraktion. Der Völklinger Delegierte Stefan Rabel machte sich bereits 2008 für dieses Ziel stark und betont weiterhin: „Durch die Erhebung der deutschen Sprache in den Verfassungsrang machen wir deutlich, welche Bedeutung und Wertschätzung wir unserer Sprache einräumen. Das Beherrschen der deutschen Sprache ist eine unverzichtbare und durch nichts zu ersetzende Voraussetzung einer gelungenen Integration“. Die Verfassung soll um die Formulierung: „Die Sprache der Bundesrepublik Deutschland ist Deutsch“ erweitert werden.

Der VDS hatte 2010 eine Petition mit mehr als 46.000 Unterschriften für Deutsch ins Grundgesetz beim Bundestag eingereicht. (stuttgarter-nachrichten.de, voelklingenimwandel.de/cdu, vds-ev.de/petition-deutsch-ins-grundgesetz)

 

BKA-Bewerber scheitern am Deutschtest

Wegen mangelnder Deutschkenntnisse bleiben viele Stellen des Bundeskriminalamtes (BKA) unbesetzt. Einem Spiegel Online-Bericht zufolge scheitern zu viele Bewerber am hauseigenen Deutschtest des BKA. Zwar handele es sich bei den Bewerbern um Abiturienten, dennoch seien diese nicht in der Lage, die Hürde des Deutschtests zu meistern, um das mehrstufige Aufnahmeverfahren zu durchlaufen. Vor allem fehlende Kenntnisse der Rechtschreibung seien für das Scheitern vieler verantwortlich. „Wenn nun der Deutschtest reduziert oder gar abgeschafft wird, muss man sich schon fragen, was mit unserem Bildungssystem nicht in Ordnung ist“, stellt der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter Andre Schulz fest. (spiegel.de)

 

Sprache des Ressentiments

Ulf Poschardt, Chefredakteur der Welt24, kritisiert den Umgang mit dem Begriff „Populismus“. Mittlerweile werde Populismus grundsätzlich mit Rechtspopulismus assoziiert, ohne zu erkennen, dass jeder eine Form von Populismus in sich oder nach außen trage. Laut Poschardt sei es eine deutsche Eigenart, bei Problemen in der Regel erst auf andere zu zeigen, anstatt die eigene Person zu hinterfragen. Meist gehe es darum, sich von bestimmten Lagern abzugrenzen, um linken oder rechten Populismus oder einfach um „die da oben“. Populismus dürfe keinem Schimpfwort gleichgesetzt werden, eine Demokratie müsse dem standhalten können, indem sie mit der Sprache dagegenhält und z. B. den inflationären Gebrauch des Begriffs vermeidet. Poschardt fordert, den Weg des Dialogs dem inhaltsleeren Gebrauch sogenannter „Wieselwörter“ vorzuziehen und der Sprache mehr Originalität zuzutrauen, anstatt sie als Waffe zu missbrauchen.

Der Sprachphilosoph Dr. Paul Sailer-Wlasits hingegen sieht in einer argumentativen Sprache wenig Erfolg. Er bedauert, dass eine Gegenrede die Hassrede wohl nicht übertrumpfen könne, da es ihr an Kürze und Emotionalität fehle. Sailer-Wlasits befürchtet dadurch zudem eine Aufwertung des meist vereinfachenden, diskriminierenden und radikalen Vokabulars. Wirksamer als die Gegenrede sei eine Gegenhaltung, die auf ethischen Grundlagen basiert, um „sprachliche Wellenreiter, die das Meer nicht lieben“, zu entkräften. (welt.de, theeuropean.de)

 

„Das habe ich nie gesagt!“ — Elektronische Manipulation von Stimmen

Dieser empörte Ausruf von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, denen ein Journalist gerade etwas vorhalten will, dürfte in Zukunft auf Achselzucken stoßen. Jan Sternberg berichtet in der WAZ über ein Programm der Firma Adobe, das mit der menschlichen Stimme ähnliche „Bastelübungen“ ermöglicht, wie es mit Bildern über „Photoshop“ jetzt schon alltäglich ist. Ein irgendwo veröffentlichtes Bild genießt nicht mehr das Vertrauen eines Dokuments. So wird es uns mit Tonaufnahmen von Reden, Interviews u.ä.m. eventuell auch ergehen. Der Fälscher muss nur genügend gesprochenes Material besitzen, aus dem er durch Zerlegen in Wörter, Silben, Laute und erneutes Zusammensetzen oder teilweises Wegschneiden etwas machen kann. Dr. Gawlitta (VDS-Vorstand) hält diese Möglichkeit durchaus für realistisch und für längst nicht mehr so neu, wie es in dem Beitrag dargestellt wird. Tonspuren kann man mit allgemein zugänglichen Programmen bereits genauso schneiden wie Bilderfolgen. Die meisten Endverbraucher solcher Kunststücke sind zudem gegenüber akustischen Reizen durchweg nicht so feinfühlig wie gegenüber optischen. Dies zeigt sich schon an der verbreiteten Geringschätzung der Phonetik beim Umgang mit Fremdsprachen, die den meisten ziemlich „wurscht“ ist. Gegenüber öffentlichen Erklärungen sind wir jetzt schon skeptisch. Nun kommt noch der Zweifel hinzu, ob der Redner alles so gesagt hat! (waz-online.de)

 

Integration durch Dialekt

Mundartforscher und Linguist Anthony Rowley von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München sieht in der Integration durch Dialekt eine große Chance. Besonders im Dialekt komme die Kultur der Menschen zum Ausdruck, so Rowley. Integration erfolge so durch die Einbeziehung in Sprachgruppen. Außerdem spiegeln sich menschliche Kontakte in Lehnwörtern wieder: Das bairische Wort „Zamperl“ (kleiner Hund) komme beispielsweise vom italienischen Wort „zampa“ (Pfote). Als Beispiel für die Integration durch Dialekt nannte Rowley einen italienischen Pizzabäcker, welcher zwar schlecht deutsch geschrieben habe, aber perfekt den Bayreuther Stadtdialekt sprach. Anthony Rowley erforscht seit vielen Jahren die bairischen Dialekte. (focus.de)

 

 

2. Berichte

1000 gegen die „Outdoor-Region“

Annette Scheil, VDS-Regionalleiterin in Nürnberg, übergab am 23.11.16 mehr als 1000 Unterrschriften an den Nürnberger Landrat Armin Kroder, um damit gegen die Autobahnschilder „Nürnberger Land – Outdoor- und Genussregion“ in Mittelfranken zu protestieren. Scheil wies darauf hin, dass es sich bei Wandern, Rudern, Klettern normalerweise immer um Freizeitaktivitäten handele. Landrat Kroder erklärte: „Outdoor“ habe bei Google 1,8 Mrd. Ergebnisse, „Freizeit“ nur rund 140 Mio. „Genau aus solchen Gründen ist 2013 der Duden zum Sprachpanscher der Jahres gewählt worden“, entgegnete Scheil. Landrat Kroder versprach, Anglizismen im Landratsamt künftig zu vermeiden.

 

 

3. VDS-Termine

14. Dezember 2016 Region 28 (Bremen)
Treffen der Sprachfreunde
Zeit: 19.00 Uhr
Ort: Lokal „Grauer Esel“, Am Vegesacker Hafen 10, 28757 Bremen-Nord

 

 

4. Neues Denglisch

Gekünstelte Geschäftssprache

Zeit Online-Redakteurin Tina Groll kommt nach der Lektüre einer Studie der Universität Erlangen-Nürnberg zu dem Ergebnis, dass Vorgesetzte, die sich stets denglischer Begriffe bedienen, nicht nur einen unglaubwürdigen, sondern auch inkompetentem Eindruck hinterließen. Die Versuche zeigten, dass englische Phrasen weder Vertrauen noch Sympathie bei Arbeitnehmern hervorrufen. Empfehlenswert sei eine Abkehr von der „Vernebelung mittels Sprache“ hin zu einer klaren, verständlichen Arbeitssprache, um ehrlich und „auf Augenhöhe“ kommunizieren zu können, so Groll. Die Zeitschrift Wirtschaftspsychologie-Aktuell beschäftigt sich ebenfalls mit der Wirkung überflüssiger Geschäftsphrasen und stellt heraus, dass nicht nur der Gebrauch englischer, sondern auch deutscher vorgefertigter Phrasen eine negative Wirkung nach sich zieht. „Wer nichts zu sagen hat, sagt es auf Englisch“, wird der VDS-Vorsitzende Walter Krämer zitiert. (zeit.de, wirtschaftspsychologie-aktuell.de)

 

Englisch-Pflicht am Flughafen

Der Hamburger Flughafen hat einen neuen Namen: Hamburg Airport Helmut Schmidt. Warum man jeden Flughafen in Deutschland als „Airport“ bezeichnen muss, bleibt ein Rätsel. Zudem müssen die Reisenden schon auf der Zufahrtsstraße zum Flughafen mindestens Englisch beherrschen, um sich willkommen zu fühlen: „Welcome to Hamburg Airport Helmut Schmidt“, heißt es dort. (ndr.de)

 


 

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Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund
Redaktion: Anna Beckmann, Kurt Gawlitta, Nasanin Ates, Holger Klatte
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