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Freitag, den 16. Dezember 2016 um 13:51 Uhr

VDS-Infobrief 50. Woche

1. Presseschau vom 9. bis 15. Dezember 2016

2. Berichte

3. Literatur

1. Presseschau vom 9. bis 15. Dezember 2016

FDP in Düsseldorf gegen Gendersprache

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© Bildarchiv des Landtags Nordrhein-Westfalen

Die FDP-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen hat sich in einem Antrag gegen einen Zwang zu geschlechtergerechten Formulierungen ausgesprochen. Gleichstellungspolitik dürfe nicht „zu einer sprachlichen Überformung mit absurden Bezeichnungen führen“, heißt es darin. Auf „weiteres sprachliches Gendern in der öffentlichen Verwaltungslandschaft“ solle künftig „aufgrund des damit verbundenen Bürokratie- und Kostenaufwands“ verzichtet werden. Mitglieder der Regierungsfraktionen von SPD und den Grünen warfen der FDP vor, das Thema lächerlich zu machen. Geschlechtergerechte Sprache sei „für die Verwaltungen in NRW längst gesetzlich festgeschrieben“, so die SPD-Abgeordnete Regina Kopp-Herr. (nw.de, landtag.nrw.de)

 

„Postfaktisch“ ist das Wort des Jahres 2016

Die Wiesbadener Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat „postfaktisch“ zum „Wort des Jahres“ erklärt. Das Kunstwort ist ein Merkmal von gesellschaftlichen und politischen Diskussionen, in denen eine auf Emotionen basierende, gefühlte Wahrheit wichtiger erscheint als tatsächliche Fakten. „Postfaktisch“ steht als Synonym für „Fehlinformation“. Bereits vor drei Wochen hatte eine Jury des Oxford English Dictionary die englische Entsprechung „post-truth“ zum Internationalen Wort des Jahres gewählt. Der VDS-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Walter Krämer kritisierte im „Handelsblatt“ die fehlende Ausdruckskraft des Begriffs, da es entgegen seiner Semantik keine Fakten „nach“ sich ziehe, sondern Lügen. Er schlägt „Falschmeldungen“ als Alternative vor. Die GfdS hebt in ihrer Begründung „die Vorstellung einer neuen Epoche“, ähnlich wie bei „Postmoderne“, in den Vordergrund.
In Österreich setzte sich bei der Wahl zum „Wort des Jahres“ ein Zungenbrecher durch: Die Forschungsstelle Österreichisches Deutsch der Universität Graz verlieh den Titel an „Bundespräsidentenstichwahlwiederholungsverschiebung“, angelehnt an die umständliche Wahl des Bundespräsidenten. (gfds.de, welt.de, orange.handelsblatt.com, kurier.at)

 

Machen Journalisten aktiv Politik?

Bei Telepolis verhandelt Ulrich Teusch das immer wieder neue alte Thema, ob Journalisten häufig ihren Auftrag überschreiten und Politik machen, anstatt über sie zu berichten. Die Fälle Ypsilanti, Steinbrück, Wulff und Joe Kaeser, Vorstandschef der Siemens AG, dienen als Material. Teusch beruft sich auf das Buch „Die Unbelangbaren“ von Thomas Meyer. Der verstorbene FAZ-Herausgeber Schirrmacher wird mit seiner heftigen Kritik an Claus Kleber zitiert, er habe durch sein verhörähnliches Interview mit Kaeser wegen einer Russland-Reise zur Unzeit die Grenzen seines beruflichen Auftrags überschritten. Teusch gerät mit seiner Meinung zur um sich greifenden Journalistenschelte in sportliche Gefilde. Er spricht von Rudeljournalismus und dem beinahe verständlichen Ehrgeiz, das angeschossene Wild am Ende auch zu erlegen. Kategorien, die im Zusammenhang mit dem vielbeschworenen öffentlichen Auftrag der freien Presse, meint Dr. Kurt Gawlitta vom VDS-Vorstand, eventuell nicht angemessen sind! Sämtliche Meinungsäußerungen, die vom aktuellen Gleichklang der Empörung und des Moralisierens abweichen, schweben nämlich ständig in der Gefahr, Ziel einer solchen „rein sportlichen“ Treibjagd zu werden. Der VDS hat es in den Anfangsjahren nach den ersten Verleihungen des Kulturpreises Deutsche Sprache in Kassel ebenfalls erlebt. Eine linke Presse versuchte in einer wüsten Kampagne, dem Oberbürgermeister klarzumachen, dass er mit in den Strudel geraten werde, wenn er sich weiter von falschen Freunden einspannen lasse. Er blieb unbeeindruckt, und der Sturm legte sich. (heise.de)

 

Rechtschreibrat fordert Großbuchstaben für Eszett

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hält die Einführung eines Großbuchstabens für das Schriftzeichen „ß“ für sinnvoll – vor allem für amtliche Zwecke. So sollte beispielsweise im Personalausweis ein großes Eszett möglich sein. In seinem Bericht an die Kultusministerkonferenz rät der Rechtschreibrat auch zu vermehrter Großschreibung von Fügungen aus Adjektiv und Substantiv, z. B. „Schwarzes Brett“.
Dankwart Guratzsch nimmt dies in der WELT zum Anlass, dem Rechtschreibrat und seinem scheidenden Vorsitzenden Hans Zehetmair eine Standpauke zu halten: „Das ist an Komik kaum zu überbieten“, so Guratzsch. Mit Verweis auf die 2015 erschienene Studie „Orthographische Regelwerke im Praxistest“ von Uwe Grund hält er den Rechtschreibrat für unfähig, den ihm erteilten Auftrag zur „Beobachtung des Schreibgebrauchs und der Analyse von Veränderungen und Schwankungen in der Schreibung“ wahrzunehmen. (welt.de, focus.de)

 

Gewalt durch Sprachlosigkeit

Die österreichische Psychologin Rotraud Perner begründet zunehmende Gewalt und Aggression in der Gesellschaft mit fehlender Kommunikation. In Familien werde kaum noch gesprochen und das Argumentieren von den Lehrplänen an den Schulen gestrichen. Perner schlägt als Gegengewicht „sinnvolle Freifächer“ und „mehr Schultheater“ vor. (noen.at)

 

Überforderung durch Sprachunterricht?

Schweizer Bildungsexperten und Politiker diskutieren derzeit darüber, Zuwandererkindern schulischen Sprachunterricht in ihrer Herkunftssprache zu erteilen statt in einer zweiten Fremdsprache. Die Kinder hätten dann mehr Freiraum für das Erlernen des Deutschen, meint Jörg Brühlmann vom Schweizer Lehrerverband. Gegner des Vorschlags bezweifeln, dass es genügend Lehrer für die jeweiligen Muttersprachen gibt, und warnen davor, Zuwandererkinder vom gemeinschaftlichen Schulalltag auszuschließen. (20min.ch)

 

2. Berichte

Brieffreundschaften

Der Verein Deutsche Sprache vermittelt über sein Netzwerk Brieffreundschaften ins Ausland. Wer Interesse daran hat, Einblicke in eine andere Sprachgemeinschaft und in einen anderen Kulturkreis zu erhalten, kann durch den VDS kostenlos neue Kontakte ins Ausland knüpfen: per E-Mail oder per Briefpost, in jeder Altersgruppe und natürlich auf Deutsch. Die Briefpartner im Ausland können auf diese Weise ihre Deutschkenntnisse verbessern.
Interessierte wenden sich bitte an: nasanin.ates@vds-ev.de. Folgende Informationen wären hilfreich: Name, Alter, Wohnort, Beruf, Studienfächer sowie Hobbys. (vds-ev.de)

 

3. Literatur

Wichtiges Theaterstück

Der Uraufführung des Dramas „Des Teufels General“ von Carl Zuckmayer vor genau 70 Jahren in Zürich widmet der Deutschlandfunk ein „Kalenderblatt“. Im Zentrum des Stückes steht der General und Flugzeugbauer Harry Harras, den seine Technikbegeisterung in Konflikte mit den Nationalsozialisten bringt. Mitläufertum und Zivilcourage sind die Themen, die Zuckmayer aus seinem amerikanischen Exil ansprach.
Zuckmayers bekanntestes Werk „Der Hauptmann von Köpenick“ ist Gegenstand der Rubrik „Schönes Deutsch“ in der aktuellen Ausgabe der Sprachnachrichten, S. 18/19. (deutschlandfunk.de, vds-ev.de)

 


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Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund
Redaktion: Anna Beckmann, Kurt Gawlitta, Nasanin Ates, Holger Klatte
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