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VDS-Infobrief 51. Woche

1. Presseschau vom 16. bis 22. Dezember 2016

2. VDS-Termine

3. Literatur

 

1. Presseschau vom 16. bis 22. Dezember 2016

Protest gegen Volkswagen

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© Wikipedia / CC BY 3.0 / Andreas Praefcke

Der Volkswagen-Konzern will Englisch zur Unternehmenssprache machen. Für diese Ankündigung hat das Unternehmen in der vergangenen Woche viel Kritik einstecken müssen. Der Verein Deutsche Sprache e.V. warf den Autobauern aus Wolfsburg in einer Pressemitteilung „Verrat an der deutschen Sprache und Kultur“ vor.

Aus Protest gegen die sprachliche Neuausrichtung bei Volkswagen hat die in Berlin ansässige Stiftung Deutsche Sprache alle in ihrem Besitz befindlichen Aktien der Volkswagen AG verkauft. „Die Wörter Volkswagen und deutsche Sprache passen leider nicht mehr zusammen“, so der Stiftungsvorsitzende Prof. Dr. Walter Krämer. Der Plan, mit Englisch als Konzernsprache leichter Führungskräfte aus anderen Ländern gewinnen zu können, sei „illusorisch“, urteilte Krämer. (vds-ev.de, faz.net, welt.de, wiwo.de, automobilwoche.de, zeit.de, swp.de)

 

Rechtschreibung mangelhaft

Das Kultusministerium Baden-Württemberg will die Methode des „freien Schreibens“, bei der Erstklässler Wörter so schreiben dürfen, wie sie sie aussprechen, künftig verbieten. Damit reagiert Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) auf die schlechten Ergebnisse im Landesvergleich des Berliner Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) dieses Jahres. Das ursprüngliche Ziel des „freien Schreibens“ war es, den Schreibfluss des Schülers nicht durch Korrekturen zu unterbrechen und so kreatives Schreiben zu fördern.

Kritik an der Behandlung des Themas Rechtschreibung kommt auch aus Hessen. Der Hessische Philologenverband bemängelt, dass in gymnasialen Oberstufen seit Beginn des Jahres sprachliche Fehler nur geringfügig in die Bewertung einfließen. Wurden zuvor bis zu vier Punkte für gravierende Mängel abgezogen, sind es nun nur noch höchstens zwei, berichtet die FAZ. „Die neue Regelung relativiert die Bedeutung der formalen Korrektheit“, beklagt Reinhard Schwab, Vorsitzender des Pädagogischen Ausschusses im Hessischen Philologenverband. Dies betreffe auch stilistische Fehler, wie Wortwahl und Wiederholungen, Ausdrucksfehler oder unpassende Metaphern. Die Folgen zeigen sich besonders mit Antritt einer Berufsausbildung. Demnach scheitern ganze 17 % der Polizeianwärter trotz eines bestandenen Abiturs an den Sprachtests, so das Bundeskriminalamt in Wiesbaden. (tagesspiegel.de, faz.net)

 

Berliner Koalitionsvereinbarung nur für eingeweihte Kreise

Nach Lektüre des neuen Berliner Koalitionsvertrages meint Olaf Gersemann in einem Beitrag beim Portal „Welt – N 24 u.a.“, niemand verstehe, was Rot-Rot-Grün eigentlich vorhabe. Anhand einer Skala von 1 – 20 für die formale Verständlichkeit von Texten gelangt er zu einer vernichtenden Note 2,2. Satzlänge, Schachtel­konstruktionen und Wortungetüme wie „Licht­signal­anlagen-Vorrangschaltung“ und „Basis­korrektur­tatbestände“ gehen in die Bewertung ein. Der Text sei noch schlechter verständlich als eine gewöhnliche politik­wissen­schaftliche Doktorarbeit und übertreffe an Unverständlichkeit alle vergleichbaren Texte, wie etwa die Koalitions­vereinbarung der Großen Koalition im Bund. Gersemann zieht daraus den Schluss, der neuen Koalition gehe es durchaus nicht um Information gegenüber jedermann. Die im neuen Senat versammelten Parteien haben allerdings schon bei früherer Gelegenheit, daran erinnert Dr. Kurt Gawlitta (VDS-Vorstand), immer einmal wieder dokumentiert, dass ihnen an einer verständlichen Landessprache und ihrem Schutz nichts liegt. Die Entfaltung sprachlicher Minderheiten im Lande sei ihnen offensichtlich wichtiger. So haben sie im Jahre 2008 im Abgeordneten­haus Berlin den Antrag des SPD-Abgeordneten und VDS-Mitgliedes Torsten Hilse, die deutsche Sprache in der Landesverfassung Berlin zu verankern, gemeinsam torpediert. Dies sollte eine Übergangs­lösung sein, bis es eines Tages gelänge, eine ähnliche Schutzklausel im Grundgesetz unterzubringen. Denn dies war angesichts der Haltung der SPD im Bundestag damals wie heute nicht möglich! (welt.de)

 

Behördenbrief und Märchen in „leichter Sprache“

Behördenbriefe sind unverständlich und unpräzise – finden zumindest die Stadtwerke Schleswig und haben in Kooperation mit der Universität Hamburg und dem Projekt „Capito Schleswig-Holstein“ Probeschreiben in leichter Sprache an 157 Probanden geschickt.Die Universität Hamburg kommt zu einem positiven Ergebnis und mahnt, die Kommunikation für Menschen mit Behinderungen noch mehr zu vereinfachen.

Auch der NDR reagiert auf die steigende Nachfrage nach Texten in leicht verständlicher Sprache und hat passend zur Weihnachtszeit bekannte Märchen umgeschrieben und vertont sowie als Versionen in Gebärdensprache hochgeladen. Das Projekt initiierte die Forschungsstelle „Leichte Sprache“ der Universität Hildesheim, die Umsetzung kam den Studenten zu. Damit erweitert der NDR sein barrierefreies Angebot. „Wir möchten möglichst vielen Menschen die Chance geben, an unserem Informationsangebot teilzuhaben“, so die Schirmherrin des Projekts Uschi Heerdegen-Wessel. Alle in „leichter Sprache“ verfassten Märchen des NDR finden Sie hier. (shz.de, ndr.de)

 

Berliner Kiezdeutsch

Die Berliner Umgangssprache verändert sich: Berliner Kiezdeutsch, manchmal auch „Kanak Sprak“ genannt, ist vor allem eine Erfindung junger Berliner mit und ohne Migrationshintergrund. Kiezdeutsch entstand durch das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen in vorwiegend städtischen Regionen. Joe Metzroth stellt in einem Artikel für das Berliner Stadtmagazin tip-berlin nicht nur die grammatische Vereinfachung, sondern auch die sprachliche Kreativität der Jugendsprache heraus: Das Weglassen von Präpositionen und Artikeln sowie das Hinzufügen neuer Fremdwörter, etwa aus dem Türkischen, Russischen oder Arabischen, charakterisiere den neuen Sprachstil und präge die Syntax. So sagt man z. B. „Musstu Lampe reinmachen“ anstatt „Du musst eine Glühbirne reinschrauben“. Außerdem diene der Jargon zur Abgrenzung Jugendlicher von älteren Generationen: „Kiezdeutsch ist damit ein Mittel, um soziale Identität zu schaffen“. Kritiker befürchten negative Folgen für die Standardsprache. So setzt sich der VDS für die Festigung einer sprachlichen Norm ein. (tip-berlin.de)

 

2. VDS-Termine

Sprachpaten gesucht

Das Projekt „Weiterbildung für ehrenamtliche Sprachvermittler“ hat das Ziel, Sprachkurse für Flüchtlinge künftig systematischer und qualifizierter zu gestalten. Die Nachfrage für die kostenlosen, zweitägigen Veranstaltungen ist so groß, dass nun weitere Termine angeboten werden. Die Auflistung aller Daten und Orte finden Sie hier. (wuerzburgerleben.de)

 

3. Literatur

Romane des Jahres

Deutschlandradio Kultur hat passend zu Weihnachten seine zehn liebsten Romane des Jahres 2016 vorgestellt. Wer also noch kein Weihnachtsgeschenk für Freunde oder Familie hat, der kann sich hier inspirieren lassen. Zwischen historischen Romanen (Elena Ferrante: „Meine geniale Freundin“), über Autobiografisches (Thomas Melle: „Die Welt im Rücken“) bis hin zu fiktiven Fantasiegeschichten (Christoph Ransmayr: „Cox: oder Der Lauf der Zeit“) ist alles dabei. Die ganze Liste finden Sie hier.

Schon seit Jahrzehnten beschäftigen sich Forscher mit der Frage, was der Schlüssel zum Erfolg eines Buches sei. Mithilfe moderner Technik wollen Wissenschaftler nun – erneut – einen Code gefunden haben, der die Qualität eines Textes messen kann, berichtet die WELT und bleibt hinsichtlich der von den Forschern zusammengefassten 28.000 Merkmalen eines Bestsellers skeptisch: „Tausendfache Zutaten? Und aus dem Durchschnitt aller Bestseller kommt am Ende ein sehr durchschnittliches Buch heraus?“, so der spöttische Kommentar des Journalisten Marc Reichwein. (deutschlandradiokultur.de, welt.de)

 

Buchhandlungen wieder auf dem Vormarsch

Während in Großbritannien ein Drittel der Buchhandlungen durch die Zunahme des Internethandels schließen mussten, ist die Zahl der unabhängigen Buchhandlungen in Berlin in den letzten fünf Jahren von 299 auf 352 gestiegen. Das Mittel zum Erfolg sei vor allem unkonventionelle Literatur, die sich thematisch von den großen Ketten und Versandriesen unterscheidet, berichtet die Deutsche Welle. Auch das breite Angebot an Zusatzveranstaltungen der Buchhandlungen wie Lesungen oder Konzerten ermöglicht es den kleinen Läden, sich von der Konkurrenz abzusetzen. Hinzu komme, dass sich selbst die etablierten Ketten durch das Monopol Amazons zur Schließung vieler deutscher Filialen gezwungen sahen und somit Perspektiven für den unabhängigen und innovativen Buchhandel öffneten. Auch das Bewusstsein der Kunden habe sich in den vergangenen Jahren geändert, bemerkt Buchhändlerin Ana S. Pareja. „Politisches Gewissen“ sowie Loyalität und die Wertschätzung des persönlichen Kontaktes hebe ihre Kunden von Amazon-Nutzern ab. (dw.com)

 


Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten und Nachrichten der vergangenen Woche über die deutsche Sprache. Bestellbar unter: infobrief@vds-ev.de.

 

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Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund

Redaktion: Nasanin Ates, Anna Beckmann, Kurt Gawlitta, Lea Jockisch, Holger Klatte

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