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VDS-Infobrief 7. Woche

1. Presseschau vom 10. bis 16. Februar 2017

2. VDS-Termine

3. Literatur

4. Denglisch

 

1. Presseschau und Berichte vom 10. bis 16. Februar 2017

Hindernis für wissenschaftliche Kreativität

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© pixabay / CC0 / andrew_t8

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) stellt ein aktuelles Buch vor, in dem Wissenschaftler vor dem Einsatz des Englischen als einziger Wissenschaftssprache warnen. Der Verlust der Sprachenvielfalt verzerre den Wettbewerb zugunsten der angelsächsischen Forscher, und er behindere den wissenschaftlichen Fortschritt. Wissenschaftler, die bei der Anglisierung nicht mitmachen, „verzichten auf Ansehen, Positionen und Fördermittel, weil die auf Deutsch oder Französisch publizierten Arbeiten international nicht mehr gelesen werden und in der auf Rankings fixierten Wissenschaftsfinanzierung bedeutungslos sind“, so die NZZ. Besonders in der Lehre sei die Fremdsprache ein Hindernis für die Kreativität. Auch das Antragswesen bei Förderinstituten erfolge mitunter ausschließlich auf Englisch. So schreibe z. B. der Österreichische WissenschaftsfondsAnträge in englischer Sprache in allen Wissenschaftsdisziplinen vor.

Kürzlich wies auch der Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache e.V. (ADAWIS) in einem offenen Brief an Wissenschaftsministerin Johanna Wanka darauf hin, dass der gesellschaftliche Diskurs über wissenschaftliche Themen allein schon dadurch beeinträchtigt werde, dass zahlreiche Forschungsgruppen ihre Internet-Seiten ausschließlich auf Englisch veröffentlichen und Jahresberichte, die auf die wissenschaftlichen Inhalte tiefer eingehen, oft nicht mehr in der Landessprache zur Verfügung gestellt werden. (nzz.ch, adawis.de)

 

Bairisch im Kindergarten

„Schüler sind in der Liebe zur bayerischen Heimat zu erziehen“, verlangt das Erziehungs- und Unterrichtsgesetz des Freistaates Bayern. Dazu gehört auch der Dialekt. Jedoch ist das Bairische auf dem Rückzug – besonders in der Landeshauptstadt München. Seit 2009 führt die UNESCO das Bairische auf der Liste der gefährdeten Sprachen. Nun sollen die jüngsten Münchner bereits im Kindergarten Nachhilfe darin bekommen. Dialektvereine in Bayern begrüßen die Initiative, sehen die Erfolgsaussichten aber eher skeptisch: Wo nicht mehr als die Hälfte der Kinder den Dialekt von Haus aus sprächen, seien solche Kurse „folkloristisches Beiwerk“, sagte Sepp Obermeier vom Bund Bairische Sprache. (idowa.de)

 

Maßlosigkeit in der Sprache

Erst am vergangenen Sonntag hat die Bundesversammlung Frank-Walter Steinmeier zum nächsten Bundespräsidenten gewählt und eine seiner ersten Aussagen betrifft die Sprache: „In sozialen Netzwerken hat sich eine gewisse Maßlosigkeit in der Sprache breitgemacht, auf deren Basis keine vernünftige Kommunikation mehr zustande kommt“, sagte er in einem Interview mit dem ZDF. „Wenn ich nach 14, 16 Stunden nach Hause komme und immer noch keine schlechte Laune habe, dann schaue ich auf meine Facebook-Seite“, so Steinmeier. (heute.de)

 

Zweisprachige Kinder und soziale Fähigkeiten

Der Spiegel berichtet über eine Studie der Zürcher Entwicklungspsychologin Stephanie Wermelinger, die sie mit Kindergartenkindern durchgeführt hat. Zweisprachig aufwachsende Kinder verfügen zunächst in beiden Sprachen über einen reduzierten Wortschatz. Dies wird im sozialen Umgang allerdings durch ein besonderes Geschicklichkeitstraining ausgeglichen. Etwaige Missverständnisse, die etwa durch ein nicht ganz passendes Wort entstehen, spüren sie rasch auf und helfen, den Fall aufzuklären. Im dauernden spontanen Improvisieren scheinen sie sich besonders gut zu behaupten. Sie können sich wohl in eben diese Schwierigkeiten beim Spielkameraden einfühlen und mit ihm zu einer befriedigenden gemeinsamen Lösung gelangen.

Das geschickte Improvisieren benötigt auch der Erwachsene, wenn er mit mehreren Sprachen umgeht, etwa bei einem mehrsprachigen Kongress, berichtet Dr. Kurt Gawlitta (VDS-Vorstand). So bietet sich beispielsweise, wenn einem ein passendes Wort in der gerade verwendeten Sprache nicht einfällt, das Vokabular der anderen Sprache(n) als eine Art stille Wortreserve an, um der Erinnerung auf die Sprünge zu helfen oder durch phantasievolle Umformung in etwa auszudrücken, was man eigentlich sagen wollte. Der VDS ist in der Öffentlichkeit vielfach kritisiert worden, er habe etwas gegen Englisch. So ist es nicht. Er möchte allerdings kein englisch-deutsches Kreolisch hier im Lande und keine Verdrängung unserer Landessprache in ganzen Feldern des gesellschaftlichen Lebens. Auch wendet der Verein sich gegen den Irrglauben, man habe mit der Sprache Englisch gewissermaßen die Welt in der Tasche und brauche sich mit den anderen Sprachen keine Mühe mehr zu machen. (spiegel.de)

 

Deutschstunde bei Arsenal London

DFB-Nationalspieler Mesut Özil und der Ex-Gladbacher Granit Xhaka betätigen sich bei ihrem englischen Verein Arsenal London als Kulturvermittler. Auf einem Youtube-Video eines Vereinssponsors bringen sie ihren Spielerkollegen Fußballweisheiten bei, wie „Das Runde muss ins Eckige“. (suedkurier.de)

 

 

2. VDS-Termine

22. Februar 2016 Region 03 (Sprachfreunde Cottbus)
Treffen (an jedem letzten Mittwoch des Monats)
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Hotel „Zur Sonne“, Taubenstraße 7, 03046 Cottbus

22. Februar 2017 Region 23 (Lübeck, Wismar)
Mitgliedertreffen
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Bootshaus der Lübecker Rudergesellschaft, Hüxtertorallee 4, 23564 Lübeck

22. Februar 2017 Region 84 (Landshut, Niederbayern)
„Leselupe“ - Literaturstammtisch in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Bildungswerk Landshut e.V.
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Evangelisches Gemeindehaus, Gutenbergweg 16, Landshut

22. Februar 2017 Region Frankreich
15:00 - 17:00 Uhr: Deutsch-Französischer Kinderkarneval
20:30 Uhr: Rosenmontagsstammtisch
Ort: Goethe-Institut in Toulouse (4 Bis Rue Clémence Isaure, F-31000 Toulouse)

 

3. Literatur

Der erste Satz

Ob „Paukenschlag“ oder „leiser [sic] Pianissimo-Beginn“ – die erste Zeile eines Romans oder Kinderbuchs ist entscheidend für die Geschichte und die Leselust. Doch warum sollte das bei einem Geschichtsbuch anders sein, fragte sich der Historiker Jürgen Osterhammel und verfasste daraufhin als Teil seiner Essaysammlung „Die Flughöhe der Adler“ eine „Poetologie gelungener Startschüsse“. Ein Beginn aus der Totalen sei aus der Mode gekommen und eine Definition mit begriffsgeschichtlichen Erläuterungen am Anfang eines Buches gelte als pedantisch, so Osterhammel. Die „Kopfthese“, die den gesamten Inhalt des Buches direkt auf der ersten Seite zusammenfasst, stelle hingegen eine gute Alternative dar, findet Osterhammel. (welt.de, chbeck.de)

 

4. Denglisch

Denglisch im DAX

Die Medienagentur „Wortwahl“ hat die Internetseiten der 30 DAX-Konzerne auf den Gebrauch von Anglizismen hin untersucht. Als besonders englisch-lastig erwiesen sich dabei die Netzauftritteder Firmen Infineon, BMW und die des Technologiekonzerns Linde. Bei Infineon kamen fast ein Drittel der Wörter aus der englischen Sprache. Die Volkswagen AG belegte hingegen den vorletzten Platz, verwendete also relativ wenige Anglizismen. Dieses Abschneiden überrascht, denn der Konzern hatte erst vor einigen Wochen die Absicht verkündet, Englisch zur Unternehmenssprache zu machen. (horizont.net)

 


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 Verein Deutsche Sprache e. V. Dortmund
Redaktion: Anna Beckmann, Kurt Gawlitta, Lea Jockisch, Holger Klatte

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