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VDS-Infobrief 11. Woche

 

1. Presseschau vom 10. bis 16. März 2017

2. Berichte

3. VDS-Termine

4. Literatur

5. Denglisch

 

1. Presseschau vom 10. bis 16. März 2017

Mit Nostalgie gegen WhatsApp und Co.

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Foto: pixabay / CC0 1.0 / StefanHoffmann

Obwohl die schriftliche Kommunikation heutzutage meist über mobile Telefone und Rechner stattfindet, hat sich ein analoges Schreibmedium auch in den jungen Generationen noch gehalten: die Postkarte. Während private Briefe kaum noch verschickt werden, landeten 2014 eine Viertelmilliarde Postkarten in deutschen Briefkästen. Cathrin Schmiegel ist dem Zauber, der Postkarten innewohnt, für die Süddeutsche nachgegangen und meint: Ihr Erfolg begründet sich durch die stetige Weiterentwicklung der Gestaltung, die sich – wie auch die Mode – dem aktuellen Zeitstil anpasst. „Die Aufdrucke bewegen sich damit irgendwo zwischen Traumwandlerei, Nostalgie und altkluger Ironie, und sind immer Projektionsflächen für die Sehnsüchte der Menschen“, schreibt Schmiegel. Zurück geht die Tradition des Postkartenschreibens auf die sogenannte Correspondenzkarte, die 1869 erstmals in Österreich lanciert wurde. (sueddeutsche.de)

 

Analphabetismus in Deutschland

Wer nicht lesen kann, muss diesen Mangel jeden Tag durch Einfallsreichtum kompensieren. Das betrifft in Deutschland rund 7,5 Millionen, wie die Universität Hamburg in der bisher einzigen offiziellen Studie aus dem Jahr 2011 erhob. Experten schätzen jedoch, dass die Dunkelziffer noch weitaus größer ist und weisen darauf hin, „dass die Zahl der funktionalen Analphabeten tendenziell steigt“, berichtet die WELT. Die Gründe dafür liegen in den meisten Fällen im bildungsfernen Elternhaus. Auch häufige Fehlzeiten in der Schule können sich negativ auf die Lese- und Schreibkompetenz auswirken. Soziale Abhängigkeit und alltägliche Einschränkungen sind nur zwei Folgen, von denen Gesellschaft und Arbeitgeber allerdings in der Regel wenig bemerken. Hinzu kommt, dass „vielen Unternehmen die schriftsprachlichen Kompetenzen der Mitarbeiter schlichtweg egal“ sind, kritisiert Ursula Klimiont, Fachteamleiterin Grundbildung im Bildungszentrum Nürnberg. Allein in Bayern können etwa 700.000 Menschen nicht lesen oder schreiben, weswegen das Land 2013 das Programm ALPHA+ gegründet hat, aus dem bisher 370 Kurse zur Alphabetisierung hervorgegangen sind – zu wenige, hinsichtlich der enormen Zahl an Bedürftigen. Christine Sommer-Fiederer, Vorsitzende vom Verein für angewandte Lernforschung und individuelle berufliche Förderung (A-L-F) in Nürnberg betont zudem: „Zwar bieten VHS und Bildungszentrum in Nürnberg Kurse an, doch die sind nicht das, was die meisten bräuchten. Sie wollen in keine Gruppe und dort ihre Probleme schildern.“ (welt.de)

 

Mehrsprachigkeit nimmt Einfluss auf Kreativität

Je mehr Sprachen ein Mensch spricht, desto besser sind seine kognitiven Fähigkeiten. Das will jetzt die britische Wissenschaftlerin Gabrielle Hogan-Brun herausgefunden haben. Mehrsprachigkeit könne „eine verbesserte Aufmerksamkeit, Intelligenz und bessere verbale und räumliche Fähigkeiten“ zur Folge haben. Auch das Einfühlungsvermögensei ausgeprägter sowie die Fähigkeit, Entscheidungen rationaler zu treffen und kreativere Problemlösungen zu finden. Zurückführen lassen sich diese Ergebnisse auf „strukturelle Veränderungen im Synapsennetzwerk“ und eine Verdichtung des unteren Parietallappens, einem wichtigen Teil des Sprachzentrums, erklärt das Nachrichtenportal ze.tt. „Wie jedes Denkspiel, Logik oder visuelle Übungen kann Sprachenlernen die Gehirnstruktur stimulieren und verändern, auf die gleiche Weise, wie Menschen Muskelmasse aufbauen können“, so Hogan-Brun. Gibt es beispielsweise mehrere Übersetzungsmöglichkeiten für ein englisches Wort ins Deutsche, so bieten sich auch unterschiedliche Möglichkeiten zur Umsetzung einer Anforderung.

Mehrsprachigkeit kommt jedoch nicht nur den eigenen Fähigkeiten zugute, sondern nützt auch der Sprachenvielfalt. Denn Weltsprachen wie Englisch oder Spanisch verdrängen immer mehr kleinere Sprachen. Im schlimmsten Fall werden bis zu 90 % unserer Sprachen bis zum Ende des Jahrhunderts ausgestorben sein. Gründe für das Sprachensterben wollen Katharina Prochazka und Gero Vogl von der Universität Wien jetzt mithilfe der Diffusionsphysik erforscht haben. Die sonst zur Erhebung von Teilchenausbreitungen in einem Raum genutzte Methode, erfasste hier die Ausbreitung einer Sprache in einer Region. Die Ergebnisse überraschen zwar wenig, lassen sich nun jedoch erstmals mathematisch belegen: „Entscheidend für den Erhalt der Minderheitensprache ist die Anzahl der Sprecher, die die Sprache sprechen“, so science ORF.at. (ze.tt, science.orf.at, idw-online.de, studium.at)

 

Esperanto erfährt Zuwachs

Während weltweit immer mehr Sprachen bedroht sind, verbreitet sich die Kunstsprache Esperanto stetig. 1887 entwickelte Ludwik Zamenhof die Sprache, die inzwischen in 120 Ländern gesprochen wird. Seine Sprecher schätzen die simple Grammatik und den einfach zu erschließenden Wortschatz, der sich hauptsächlich aus Wörtern anderer Sprachen zusammensetzt. Dadurch lässt sich Esperanto schneller erlernen als natürliche Sprachen. Zudem ist die Esperanto-Gemeinschaft sehr gut vernetzt, sodass ihre Mitglieder durch einen regen Austausch ihre praktischen Kenntnisse erweitern können. Besonders in Ungarn ist das Interesse an der Sprache groß. Dort haben seit 2001 über 35.000 Menschen einen der staatlich anerkannten Esperanto-Kurse besucht, besonders auch jüngere Leute. Neben einer reichen Auswahl an Literatur in Esperanto haben sich in den letzten Jahrzehnten auch Musikgruppen gebildet, die in dieser Kultursprache singen. Sogar Regierungen fördern die Sprache: So veröffentlicht China seit 2001 täglich Nachrichten in Esperanto, und in Brasilien soll es künftig Esperantounterricht an Schulen geben. (freitag.de)

 

 

2. Berichte

Luther und die deutsche Sprache

Vor 500 Jahren schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg. Sein Wirken reformierte nicht nur Kirche, Politik, Kunst und das soziale Leben, sondern auch die deutsche Sprache. Wie groß der Einfluss Luthers auf das heutige Deutsch ist, erläuterte der Germanistikprofessor Helmut Ebert am 15. März 2017 in seinem Vortrag „Auf gut Teutsch – Luther und die deutsche Sprache“ in der Geschäftsstelle des VDS in Dortmund. Demnach habe sich mit Luthers Schriften die Großschreibung der Substantive immer mehr durchgesetzt, viele Redewendungen und Sprichwörter hätten ihren Ursprung in dieser Zeit. Die Alltagssprache war ein fester Bestandteil in Luthers Bibelübersetzung, so war sie, wie auch heute noch, eine Möglichkeit für den Leser, sich mit dem Text zu identifizieren.

Die sprachliche Wirkung Martin Luthers war auch Thema eines Vortrags von VDS-Vorstandsmitglied Dr. Reiner Pogarell in Belgrad. Pogarells Vortrag war Teil der Reihe „Der Einfluss Luthers und des Protestantismus auf die deutsche und serbische Sprachreformierung“, die das Goethe-Institut zusammen mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) Belgrad und der Universitätsbibliothek in Belgrad durchführt.

Bereits Goethe war der maßgebliche Einfluss der Arbeit Luthers bewusst. „Wir wissen gar nicht, was wir Luthern und der Reformation im Allgemeinen Alles zu danken haben“, schrieb er über Luther und lobte seinen „klaren Ausdruck, seine deftig-derbe Sprache sowie seine kämpferische Persönlichkeit“, schreibt Deutschlandradio Kultur. Zum Reformationsjubiläum zeigt das Goethe-Museum in Düsseldorf in der Ausstellung „Bibel, Sprache, Wahrhaftigkeit“, wie sich Luthers Einfluss in der Sprache Goethes äußerte. Alle Informationen zu der Ausstellung finden Sie hier. (deutschlandradiokultur.de, goethe.de, goethe-museum.com)

 

Krimi-Hörspiel im Handel

Das von VDS-Mitglied Sonja van Os initiierte und produzierte Hörspiel „Das Dutzend auf der Spur der Pferdeäpfel“ ist fertig. Vergangene Woche hielten die Teilnehmer der Hörbuchsprecher AG „Gib der Sprache deine Stimme!!“ vom Mariengymnasium in Warendorf die CD in ihren Händen, seit dem 11. März ist das Werk auch im Buchhandel erhältlich (VanOs-Verlag, 12,99 Euro, ISBN 978-3-9818323-0-3). Es gratulierte auch der 2. Vorsitzende des VDS, Prof. Dr. Roland Duhamel, der das Projekt als Schirmherr begleitete. „Es ist nicht alltäglich, sich freiwillig an zahlreichen Samstagen in die Schule zu begeben, um sich mit der deutschen Sprache, Bedeutung sowie Ausdruck zu beschäftigen“, sagte Duhamel. (vanos-verlag.de, die-glocke.de)

 

 

3. VDS-Termine

17. März 2017: Region (70-74) Nordwürttemberg
Regionaltreffen
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: „Trollingerstubn“, Rotebühlstraße 50, 70178 Stuttgart (Stuttgart-West, Haltestelle „Feuersee“)

23. März 2017: Region 45 (Essen)
Regionaltreffen, Wahl der Regionalvertretung
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Burggymnasium Essen, Burgplatz 4, 45127 Essen

 

 

4. Literatur

lit.COLOGNE

Vom 7. bis zum 18. März 2017 findet wieder das Internationale Literaturfest lit.COLOGNE in Köln statt. Seit 2001 treffen sich dort die Größen der weltweiten Literaturszene. Das Programm bietet vom literarischen Frühstück bis zur Krimilesung in einem Polizeipräsidium für jeden Geschmack etwas. Ein Höhepunkt stellte bereits der #LitMarathon dar, der vergangenes Wochenende stattfand. Unter dem Motto „Starke Stimmen reisen um die Welt“ lasen Prominente wie Nina Petri, Johann König und Bettina Böttinger innerhalb von 24 Stunden Ausschnitte aus 100 Büchern, die sich im weitesten Sinne mit dem Thema Reise beschäftigen. Die Mitschnitte der Lesungen können Sie hier abrufen. (wdr.de)

 

Preis für Politische Lyrik

Seit 2009 wird der „POLLY“-Preis verliehen, der Dichtkunst mit einer gesellschaftlichen Botschaft auszeichnet. In diesem Jahr steht der Preis unter dem Motto „Europa“. „Zum einen ist es der desolate Zustand, in dem sich das großartige Einigungswerk unseres Kontinents befindet, zum anderen hat mich die Lektüre von Joachim Sartorius‘ Handbuch der politischen Poesie im 20. Jahrhundert, das den Titel ‚Niemals eine Atempause‘ trägt, schockiert“, begründet der Stifter Jörn Sack das diesjährige Thema. Vom 1. April bis zum 1. September 2017 können Sie mit bis zu drei Gedichten an dem Wettbewerb teilnehmen. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

 

5. Denglisch

Urlaub im spanischen Sometimes

Drei Sprachwissenschaftler haben in den vergangenen 18 Jahren eine Liste aus 50.000 spanischen Orts-, Landschafts- und Flurnamen zusammengetragen, die am 24. April offiziell vorgestellt wird. Auch der Deutschen liebste Urlaubsinsel Mallorca hat einige Namen beitragen können. Neben lateinischen und arabischen Einflüssen, finden sich dort zuweilen auch englische: Denn neben Örtchen wie El Arenal und Cala Blava kann man unweit von Palma auch die Siedlung Sometimes besuchen. (mallorcazeitung.es)

 

Deutschnachhilfe gegen Denglisch

Weil das Model Toni Garrn international auf den Laufstegen der Welt unterwegs ist, musste sie für eine deutsche Serienrolle ihre Deutschkenntnisse durch Nachhilfeunterricht wieder auffrischen. Die gebürtige Hamburgerin habe ihre Muttersprache verlernt, da sie häufig nur englisch spreche, berichtet das Abendblatt. „Und jetzt muss ich mich in der Serie richtig artikulieren“, sagte die gerade mal 24-Jährige. (abendblatt.de)


 

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten und Nachrichten der vergangenen Woche über die deutsche Sprache. Bestellbar unter: infobrief@vds-ev.de.

 

RECHTLICHE HINWEISE

Bitte antworten Sie nur dann auf diesen Infobrief, wenn Sie ihn abbestellen oder eine neue E-Post-Adresse angeben wollen. Zur Diskussion bietet sich das VDS-Internet-Forum an: http://rundbrief.vds-ev.de.

Verein Deutsche Sprache e. V. Dortmund
Redaktion: Anna Beckmann, Kurt Gawlitta, Lea Jockisch, Holger Klatte

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