VDS-Infobrief 346: 4/2017 Deutsch in Lothringen

1. Presseschau vom 20. bis 26. Januar 2017

2. Berichte

3. VDS-Termine

4. Literatur

5. Denglisch

 

1. Presseschau vom 20. bis 26. Januar 2017

Deutsch in Lothringen


(© Wikipedia / CC BY-SA 3.0 / Cornischong)

Das Hochdeutsche zählt in Lothringen nicht mehr zu den Regionalsprachen. Dies hat die Landesschulbehörde Rectorat in Nancy beschlossen. Hochdeutsch werde daher vom Unterricht im Moselfränkischen getrennt, so Antoine Chaleix, akademischer Direktor der Landesschulbehörde, und wie in ganz Frankreich als Fremdsprache unterrichtet. Da im laufenden Schuljahr rund 3000 Schüler mehr die deutsche Sprache im Moselland als Schulfach belegt hätten, sehe er keine Gefahr für die Stellung des Deutschen. Léon Dietsch, Vorsitzender des Vereins Culture et Bilinguisme de Lorraine (Kultur und Zweisprachigkeit in Lothringen), spricht sich gegen eine Trennung von Dialekt und Hochsprache aus. Dem moselfränkischen Dialekt komme eine große historische und kulturelle Bedeutung zu. Eine Trennung würde die Stellung der deutschen Sprache im französischen Schulsystem schwächen. Für das Erlernen des moselfränkischen Dialekts sei Hochdeutsch unbedingt notwendig. (saarbruecker-zeitung.de)

 

Gebärdensprache: Vorbild USA

Seit 2002 ist die Gebärdensprache als eigenständige Sprache rechtlich in Deutschland anerkannt. Doch noch immer treffen Menschen, die nur schlecht oder gar nicht hören können, im Alltag häufig auf Probleme. Uta Eisenhardt hat für die Berliner Zeitung Gehörlose getroffen und mit ihnen über die alltäglichen Kommunikationshürden gesprochen. Fernsehen oder Bahnhofsdurchsagen sind beispielsweise nur eingeschränkt nutzbar, obwohl die technischen Mittel dafür vorhanden sind und in anderen Ländern auch erfolgreich angewendet werden. Nicht nur in Betrieben, auch im sozialen Leben stehen Gehörlose häufig vor einer sprachlichen Barriere oder werden gar nicht erst eingestellt. In den USA ist dagegen in jeder staatlichen Institution ein Gebärdendolmetscher vorgesehen, Fernsehsender sind grundsätzlich mit Untertiteln verfügbar und inzwischen gibt es auch Gebärdenkurse für gehörlose Kleinkinder. (berliner-zeitung.de)

 

Tag der Handschrift

Im Zeitalter der Digitalisierung verliert die Handschrift immer mehr an Bedeutung. „Etwa 70 bis 80 Prozent der Grundschüler können nicht mehr richtig mit der Hand schreiben“, so die Bildungsforscherin Stephanie Müller. Einige Länder, wie beispielsweise Finnland, haben das Erlernen der Schreibschrift in der Schule sogar abgeschafft. Um die Bedeutung des handschriftlichen Schreibens zu stärken, wurde der 23. Januar zum Internationalen Tag der Handschrift ernannt. Der 1977 von der Writing Instrument Association (WIMA) gegründete Aktionstag soll an die Relevanz des handschriftlichen Schreibens erinnern und vor den Nachteilen des rein digitalisierten Schreibens warnen. Dazu gehören verminderte motorische Fähigkeiten und Schwächen beim Memorieren digitaler Texte, betont die Graphologin Rosemarie Gosemärker. Auch im zwischenmenschlichen Bereich spiele die Handschrift noch immer eine wichtige Rolle, denn sie sei Träger von Emotionen und Kreativität. Vor allem diesen Aspekt sieht Gosemärker durch das Schreiben am Rechner bedroht, bei dem „besonders die Ausdrucksfähigkeit und das Vermitteln der eigenen Gefühle verloren“ geht. (wdr.de, merkur.de, lz.de, br.de, mdr.de)

 

Mehrsprachigkeit in der Sozialisation: Hürde oder Privileg?

Die Deutsch-Französin Sonia Jaeger fragt sich auf Mobility Mag, warum Mehrsprachigkeit von vielen als negativ empfunden wird. Immer wieder treffe man nämlich auf eingewanderte Familien, die ihre Kinder von klein auf nur die Sprache des Gastlandes lernen lassen. Sie praktizieren sozusagen das Gegenmodell zu jenen, die in der Familie nur die Sprache der früheren Heimat sprechen. Jene Sprache aber gänzlich auszuklammern, bedeute, die neue Generation des Vorteils einer zweisprachigen Sozialisation zu berauben. Oft stehe dahinter der Wunsch, den Kindern die Integration im Gastland besonders leicht zu machen. Nicht selten jedoch die Sorge, wer beide Sprachen zugleich lerne, könne am Ende keine ordentlich sprechen.
Wissenschaftlich erwiesen ist, dass diese Kinder in der Anfangsphase etwas mehr Mühe als einsprachig aufgewachsene Kinder haben, insbesondere den Wortschatz beider Sprachen parallel zu erwerben und zu festigen. Die Vorteile der Mehrsprachigkeit seien jedoch eine allgemeine Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit, auch über den sprachlichen Bereich hinaus, sowie ein geringerer Abbau dieser Fähigkeiten im Alter.
Unter Mehrsprachigkeit, ergänzt Dr. Kurt Gawlitta (VDS-Vorstand), verstehen viele ausschließlich die Kenntnis der englischen Sprache als Ergänzung zur Muttersprache. Die Befürworter des „Only-English“ pflegen, sozusagen im Bereich der „alternativen Fakten“, zwei Kernsätze. Zum Einen, Englisch sei leicht zu erlernen und, zweitens, mit Englisch habe man die Welt in der Tasche. Überall spreche man schließlich Englisch. Wer sich jedoch ein wenig in der Welt umgehört und –gesehen habe, so Dr. Gawlitta, wisse, dass beides nicht zutreffe. (mobilitymag.de)

 

2. Berichte

Die Kunst des Redens

„Das gesprochene Wort. Aus dem Leben eines Rhetoriktrainers“, so lautete der Titel des Vortrags von Dr. Hartmut Nowacki am 23. Januar 2017 in Dortmund. Organisiert hat die Veranstaltung die VDS-Regionalgruppe 44. Gut 20 Zuhörer folgten der Einladung von Regionalleiter Dirk Hünnemeyer. Dr. Nowacki untermalte seinen Vortrag über Handwerk, Technik, Geist und Seele des Sprechens mit einigen Beispielen aus der Praxis, die er in seiner 25-jährigen Tätigkeit als Sprachtrainer gesammelt hatte. Neben einigen Mitmach-Übungen gab es nach dem Vortrag eine rege Diskussion.

 

3. VDS-Termine

31. Januar 2017 Region 01 (Dresden, Riesa)
Vortrag Dr. Joachim Oelschlegel (VDS): „Zusammenhang von Begriffsbildung und Sprache“
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Ortsamt Dresden-Loschwitz, Grundstraße / Ecke Körnerplatz

31. Januar 2017 Sprachrettungsklub Bautzen/ Oberlausitz E. V.
Vortrag von Albrecht Ludwig: „Sprichwörter und Redewendungen – was auf keine Kuhhaut passt“
Zeit: 19:00
Ort: Spree-Pension; Fischergasse 6, 02625 Bautzen

1. Februar 2017 Region 10-14, 16 (Berlin, Potsdam)
Mitgliedertreffen
Zeit: 18:30 Uhr
Ort: Restaurant Via Nova 2, Universitätstrasse 2-3a, 10117 Berlin, Tel. 20214861 (U- und S-Bahnhof Friedrichstraße)

1. Februar 2017 Region 25 (West-Schleswig-Holstein)
Mitgliedertreffen mit Referat von Eckhard Schwanck: „Politische Korrektheit und Gendersprache“
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Hotel Rosarium, Berliner Straße 10, 25436 Uetersen

 

4. Literatur

Zum Geburtstag Ludwig Thomas

Er verstand es wie kein anderer, die bairische Mundart zu verschriftlichen: Ludwig Thoma. Zum 150. Geburtstag gedenkt der Deutschlandfunk des großen Literaten und seiner bekanntesten Werke, wie „Moral“, oder „Der Ruepp“. Der satirische und zugleich kritische Umgang mit der Lebensrealität und den politischen Zuständen in seiner Heimat Bayern wurden zu seinem Markenzeichen. Seine politische Schärfe brachte Thoma 1906 für sein Spottgedicht gegen den Klerus sogar sechs Wochen ins Gefängnis. Auch später behielt er seine Rolle als Enfant terrible bei, als er nach dem ersten Weltkrieg anonym gegen die SPD, Juden und moderne Literatur hetzte. (deutschlandfunk.de)

 

5. Denglisch

Langweiliges Arbeitsprofil, skurriler Name

Die Internetsuchmaschine für Stellenangebote Joblift hat die dort rund 8 Millionen inserierten Arbeitsprofile auf ihre Bezeichnungen hin untersucht und stellte fest: Je unbeliebter die Tätigkeit ist, desto kreativer wird sie beschrieben. Besonders Denglisch scheint eine beliebte Lösung, um langweilige Berufe vermeintlich spannender klingen zu lassen. So wird ein Kundenbetreuer zum „digitalen Frontend Hero“, Marketingexperten zu „Rockstars“ und das Frühstück im Hotel serviert einem künftig der „King of Breakfast“. Experten bezweifeln hingegen, dass Arbeitssuchende sich von solchen Titeln angesprochen fühlen, berichtet SPIEGEL ONLINE. (spiegel.de)

 


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Verein Deutsche Sprache e. V. Dortmund

Redaktion: Anna Beckmann, Kurt Gawlitta, Lea Jockisch, Holger Klatte

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