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VDS-Infobrief Nr. 101
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Mehr deutschsprachige Produkt- und Firmennamen im Ausland

Freitag, den 03. September 2010 um 13:56 Uhr

Deutsch gehört zu den zehn meist­gesprochenen und den drei meist­gelernten Sprachen weltweit. Neben den rund 100 Mio. Einwohnern der deutschsprachigen Länder Europas leben rund um den Globus noch einmal etwa ebenso viele Menschen mit Deutschkenntnissen. Die internationale Bedeutung der eigenen Sprache ist vielen deutschen Unternehmen gar nicht bewusst. Im Ausland jedoch nutzen zahlreiche Firmen die internationale Verbreitung der Sprache Goethes und setzen auf deutschsprachige Namen und Bezeichnungen. Ihre Zahl wird größer, wie eine Untersuchung des Vereins Deutsche Sprache (VDS) beweist.

Ein prominentes Beispiel ist der italienische Süßwarenkonzern FERRERO. Seine KINDER-Schokolade und seine KINDER-Überraschungseier heißen nicht nur in Deutschland so, sondern werden weltweit unter der Marke „KINDER“ vertrieben.


landwind

In Estland gibt es eine besondere Häufung deutschsprachiger Firmen- und Produktnamen: Für seine neue Baumarkt-Kette hat sich ein estnischer Unternehmer den Namen „Bauhof“ ausgedacht. Die größte estnische Kräuter- und Gemüsefirma heißt „Grüne Fee“ und eine der bedeutendsten Kaffeehaus-Ketten des baltischen Staates nennt sich „Kehrwieder“. In Chile wirbt eine Brauerei mit dem Spruch „Das gute Bier!“.

In Brasilien heißt eine Brauerei „Eisenbahn“. Bei Biermarken sind deutsche Namen besonders beliebt, um eine Assoziation zur führenden Brau-Nation Deutschland herzustellen. So kommt aus der Tschechischen Republik seit weit über 150 Jahren das „Pilsener Urquell“, und aus Frankreich stammt das „Kanterbräu“. Gerade in Großbritannien würde man deutsche Namen nicht vermuten, aber dort sind sie stark in Mode: Eine große Schuh-Ladenkette heißt einfach „Schuh“ (www.schuh.co.uk), eine weit verbreitete Reisezeitschrift hat den Titel „Wanderlust“ (www.wanderlust.co.uk) und ein neues Philosophie- und Kulturmagazin nennt sich „Bedeutung“ ( www.bedeutung.co.uk ). Der Herausgeber von „Bedeutung“ erklärt zur Namenswahl: „Der deutsche Titel ist ästhetischer.“

Auch auf dem asiatischen Pressemarkt gibt es Erstaunliches: In Indien und Bangladesch erscheinen jeweils große englischsprachige Boulevard-Zeitungen mit dem Namen „Blitz“ (www.weeklyblitz.net). Im fernen Osten liebt man deutsche Bezeichnungen, weil sie mit guter deutscher Qualität gleichgesetzt werden. Deshalb hat zum Beispiel der chinesische Autohersteller Jiangling seinen Geländewagen „Landwind“ genannt (siehe auch Foto).

Der 1997 gegründete VDS ist die weltweit größte Sprach-Bürgerbewegung mit über 32.000 Mitgliedern auf allen Kontinenten. Ihm gehören u.a. Prominente wie Hape Kerkeling, Dieter Hallervorden, Reinhard Mey, Nina Ruge, Gunter Sachs oder Jürgen von der Lippe an.

 

Medienecho

Für VDS-Mitglied Rainer Pogarell, Verlagsleiter und Sprachberater, war das Jahr 2000 ein Tiefpunkt, was die Stellung der deutschen Sprache angeht. Warum? „Wenn damals ein deutsches Unternehmen mit 10.000 Mitarbeitern ein Werk in Tschechien mit 200 Mitarbeitern gekauft hat, wurde deshalb Englisch zur Arbeitssprache auf allen Ebenen erklärt.“ Daraus resultierte, dass Fachkräfte in Konferenzen aufgrund mangelnder Englischkenntnisse schweigsam wurden. Pogarell: „Die Plapperer haben alles an sich gerissen.“ „Klartext tut gut“, FAZ vom 15.02.2009

 

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Sprüche

„Sie müssen sich doch nur ansehen, wer dieses Geschwafel in unserem Lande eigentlich verzapft. ... Das sind Leute, die glauben, ihre Halbbildung könnten sie dadurch steigern, daß sie sich, weil es als schick gilt, plötzlich nicht mehr in Deutsch ausdrücken.“

Helmut Schäfer (FDP), Staatsminister im Auswärtigen Amt, auf einer Podiumsdiskussion in Hannover, 24.10.1999.