Mit eindrucksvoller Deutlichkeit hat der angehende deutsche EU-Kommissar in
Brüssel, Günther Oettinger, vorgeführt, dass es besser ist, politische
Angelegenheiten in der Europäischen Union in der Muttersprache zu erklären.
Oettinger, der seine Englischkenntnisse laut Financial Times als sehr
sicher einschätzt, ist seit einigen Tagen auf dem Video-Portal Youtube
bei einer Rede zu sehen, die er im Dezember in Berlin gehalten hatte.
Das Video offenbart erhebliche Schwächen des deutschen Politikers bei
der Aussprache von englischen Wörtern und bei der Satzbetonung, so dass
große Teile der Rede vollkommen unverständlich sind.
Oettinger legt gute Gründe dafür vor, dass deutsche Politiker
sich mehr für die deutsche Sprache in Brüssel einsetzen sollten,
kommentierte der Vorsitzende des Vereins Deutsche Sprache e.V., der Dortmunder
Wirtschaftswissenschaftler Walter Krämer, den Auftritt des Politikers.
Mit einer derart schlechten englischen Darbietung werde man in Brüssel
nicht ernst genommen, befürchtet Krämer.
2005 hatte Oettinger in einem Fernseh-Interview vorausgesagt, die deutsche
Sprache würde in Zukunft eine Sprache fürs Private sein, Englisch
sei die Sprache für den Beruf. Die knapp 32.000 Mitglieder des Vereins
Deutsche Sprache hatten ihn dafür zum Sprachpanscher des Jahres 2006 gewählt.