Infobrief 360: 18/2017 Welttag der Pressefreiheit

1. Presseschau vom 28. April bis 4. Mai 2017

2. VDS-Termine

3. Literatur

4. Denglisch

 

1. Presseschau vom 28. April bis 4. Mai 2017

Welttag der Pressefreiheit


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CC0 1.0 / MichaelGaida

Laut Amnesty International mussten in der Türkei seit Juli 2016 mindestens 156 Redaktionen schließen, rund 2.500 Journalisten erhielten die Kündigung, 120 wurden eingesperrt. Die Freiheit der Presse ist noch immer keine Selbstverständlichkeit – daran erinnert der Welttag der Pressefreiheit am 3. Mai seit 1994. Dabei ist durch eine demokratische Regierung tatsächliche Pressefreiheit keineswegs garantiert, wie die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ aufzeigt. Auf ihrem „Pressefreiheits-Index“ bildet das diktatorische Nordkorea (wenig überraschend) mit Rang 180 das Schlusslicht, doch auch die USA bewegten sich schon vor der Präsidentenwahl auf dieser Rangliste im Mittelfeld. Spitzenreiter ist Norwegen, Deutschland befindet sich auf einem soliden 16. Platz. „Trotzdem gibt es Grund zur Sorge: Vor allem bei rechten Demonstrationen nimmt die Zahl tätlicher Angriffe und Drohungen gegen Journalisten zu“, schreibt die Deutsche Welle.

„Das freie Wort wird hierzulande bedroht gerade von Menschen, die es in Anspruch nehmen und sich als Märtyrer sehen“, sagt Regula Venske, die neue PEN-Präsidentin. (heute.de, dw.com, spiegel.de)

 

Sprache und Zeit

Sprache dient nicht nur der Kommunikation, sondern beeinflusst auch das Denken und die Wahrnehmung. Dass Sprache zudem das Zeitgefühl beeinflussen kann, wollen Sprachforscher der Universität Stockholm nun herausgefunden haben. So wird im Schwedischen und Englischen eine Dauer oft als physikalische Distanz wiedergegeben: kurze Pause, lange Hochzeit. Im Griechischen und Spanischen dient als Vergleich eher eine Mengenangabe, also: kleine Pause, große Hochzeit.

Die Teilnehmer der Studie beherrschten fließend Schwedisch und Spanisch und bekamen die Aufgabe, die Zeit für bestimmte Vorgänge abzuschätzen, die auf einem Bildschirm abliefen. Je nachdem, ob die Arbeitsanweisungen spanisch oder schwedisch waren, bewerteten die Teilnehmer die Vorgänge als Menge oder Distanz. (scinexx.de)

 

Fremdsprachen an Schweizer Schulen

In der dreisprachigen Schweiz bahnt sich ein Streit darüber an, wie viele Sprachen in der Primarschule gelernt werden müssen. Derzeit haben die Schüler je nach Herkunftsort Deutsch, Französisch und Englisch auf dem Stundenplan. Besonders die Leistungen der Klassen mit Frühenglisch waren jedoch schlechter als erwartet. „Der grosse Aufwand, den wir in der Primarschule betreiben, ist gemessen am Resultat nicht gerechtfertigt“, erklärt der Lehrer Christoph Ziegler im Tages-Anzeiger (Zürich). Ziegler ist auch Sprecher einer Initiative, die sich für nur eine Fremdsprache in der Primarschule ausspricht. Die Kinder seien durch das Erlernen zweier Sprachen neben der noch unausgereiften Muttersprache schlichtweg überfordert. Ziegler setzt sich dafür ein, den Beginn des Unterrichts in der zweiten Fremdsprache in die Sekundarschule zu verlegen. Ihm widerspricht die Zürcher Schulpräsidentin Vera Lang. Sie ist der Meinung, dass die Schule sich „nicht allein an den 20 Prozent Überforderten ausrichten dürfen.“ Es gebe auch 80 Prozent der Schüler, die mit zwei Fremdsprachen zurechtkommen. (tagesanzeiger.ch)

 

„Leichte Sprache“ und ihre Wirkung

Über die Wahlbenachrichtigung zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein berichtete in der vergangenen Woche auch die deutschsprachige dänische Zeitung Der Nordschleswiger, das Sprachrohr für die deutsche Minderheit in Dänemark. Ungewöhnliche Bindestrichwörter hätten Leserbriefschreiber und Sprachexperten empört. Der VDS hatte in einer Pressemitteilung vom 19. April die in „Leichter Sprache“ abgefassten Informationen der Landeswahlbehörde als „Frontalangriff auf unsere Sprache“ bezeichnet.

Im Magazin Tichys Einblick äußert sich dazu auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus. Er erkennt zwar das „lobenswerte Unterfangen, leseschwache Bürger ‚mitzunehmen’“, stellt allerdings die intendierte Wirkung in Frage. Vielmehr führe eine solche Form der Ansprache zu einer Entmündigung der Bürger. Auch sei die „unbewiesene Behauptung, 40 Prozent der Menschen bräuchten diese Sprache“ überaus zweifelhaft. Als das Land Bremen die „Leichte Sprache“ in ihren Wahlbenachrichtigungen bei der Bürgerschaftswahl 2015 einsetzte, gaben sogar 5 Prozent weniger Wähler ihre Stimme ab. (nordschleswiger.dk, tichyseinblick.de)

 

2. VDS-Termine

8. Mai, Region 42 (Wuppertal, Remscheid, Solingen)
Mitgliedertreffen
Zeit: 17:00 Uhr
Ort: Gaststätte „Kaiser-Treff“, Hahnerberger Straße 260, 42329 Wuppertal-Cronenberg

8. Mai, Region 20,22 (Hamburg)
Mitgliederversammlung
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Hotel Ibis (HH-Wandsbek), Pappelallee 61, 22089 Hamburg

9. Mai, Region 35 (Mittelhessen)
Mitgliedertreffen
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: „Alt Gießen“, Westanlage 60, 35390 Gießen

11. Mai, Region 28 (Bremen)
Treffen des Freundeskreises der deutschen Sprache (ab März 2017 jeden 2. Donnerstag des Monats)
Zeit: 19:00
Ort: Restaurant „Platzhirsch“, Ostertorsteinweg 50, 28203 Bremen

12. Mai, Region 49 (Osnabrück)
Mitgliedertreffen (Gast: VDS-Geschäftsführer Holger Klatte)
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Haus der Jugend (Raum „Kleiner Saal“), Gildewart 6-9, 49074 Osnabrück

13. Mai, Region 03 (Cottbus)
Mairadeln mit Andreas Fehrmann als Ausflugsführer
Zeit: 10:00 – 17:00 Uhr
Ort: Treffpunkt an der Stadthalle, Berliner Platz 6, 03046 Cottbus

13. Mai, Region Berlin/Potsdam
Konzert mit der deutsch-französischen Sängerin Marén Berg Résister – Widerstehen Andenken an die Opfer der Attentate in Deutschland und Frankreich.
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Falkenhagener Kircher, Kirchstraße, 14612 Falkensee

 

3. Literatur

Tag für die Literatur

Bereits zum sechsten Mal feiert das Land Hessen am 7. Mai den „Tag für die Literatur“, der alle zwei Jahre stattfindet. In diesem Jahr laden rund 200 Vereine und Veranstalter dazu ein, Literatur in Lesungen, Ausstellungen und Vorträgen zu erleben. Die etwa 140 Veranstaltungen in 60 Städten stehen unter dem Motto „Literatur und Musik“. Der „Tag für die Literatur“ ist Teil des Netzwerkprojekts „Literaturland Hessen“ von hr2-kultur und wird mit 40.000 Euro vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert.

Das Programm finden Sie hier. (frankfurt-live.com, hr-online.de)

 

4. Denglisch

Unverständliche Wahlprogramme

Politische Wahlprogramme dienen dazu, den Wählern die Entscheidung für oder gegen eine Partei zu erleichtern. Dieses Ziel verfehlen jedoch die meisten Programme, wie eine Untersuchung der Kieler Werbeagentur „New Communication“ und der Universität Hohenheim vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein ergab. Die Parteiprogramme sorgten durch komplizierte Äußerungen für Unverständnis. Mithilfe einer Software ermittelte die Werbeagentur „verschiedene Lesbarkeitsformeln sowie eine Vielzahl von Verständlichkeitsparametern – zum Beispiel Satzlängen, Wortlängen, Schachtelsätze oder den Anteil abstrakter Wörter“, erklärt Jana Witt, Sprecherin von „New Communication“. Besonders auffällig war dabei die Nutzung von Anglizismen und Denglisch, beispielsweise dem „Greening-Programm“ (CDU) oder der „No-Bail-out-Klausel“ (AfD). Denglische Begriffe könne man inzwischen in jedem Wahlprogramm der großen Parteien finden und ließen sich in den meisten Fällen vermeiden, betont Witt. (shz.de)

 


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Redaktion: Anna Beckmann, Lea Jockisch, Holger Klatte

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