Infobrief 364 (22/2017): Norbert Lammert erhält Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache

1. Presseschau vom 26. Mai bis 1. Juni 2017

Norbert Lammert erhält Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache

Sprachliche Probleme bei Migranten

Dialekte und Vorurteile

2. Berichte

Von Heine bis Brecht

3. VDS-Termine

4. Literatur

Heimatdialekt

Digitale Büchersuche

5. Denglisch

Englisch-Pflicht bei Sportfliegern

 

 

1. Presseschau vom 26. Mai bis 1. Juni 2017

Norbert Lammert erhält Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache


Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert,
Foto: Deutscher Bundestag

Der Kulturpreis Deutsche Sprache 2017 geht an Norbert Lammert, das Projekt „Klasse! Wir singen“ des gemeinnützigen Vereins Singen e. V. und das Sprachmagazin „Sozusagen!“ des Bayerischen Rundfunks. Dies gab die Jury für den Kulturpreis Deutsche Sprache, der auch der VDS-Vorsitzende Prof. Dr. Walter Krämer und VDS-Geschäftsführer Dr. Holger Klatte angehören, am Dienstag bekannt. Die Preisverleihung findet am 11. November 2017 in Kassel statt.

Bundestagspräsident Lammert erhalte den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache für die beispielhafte sprachliche Qualität seiner Reden sowie dafür, dass für ihn „die grundlegende Bedeutung der deutschen Sprache für unser Gemeinwesen stets eine Leitlinie seines politischen Handelns war“, erklärte der Sprecher der Jury, Prof. Dr. Helmut Glück.

Den mit 5.000 Euro dotierten Initiativpreis Deutsche Sprache erhält das Projekt „Klasse! Wir singen“ des gemeinnützigen Vereins Singen e.V. „Wir würdigen damit den gesamtgesellschaftlichen Ansatz des Projekts, Familien und Kinder zum gemeinsamen Singen und zur kulturellen Teilhabe zu ermuntern sowie ausländischen Kindern und deren Familien die Integration und den Spracherwerb durch das Singen zu erleichtern“, erklärte Glück die Entscheidung der Jury.

Der Institutionenpreis Deutsche Sprache geht an die Sprachsendung „Sozusagen!“ des Bayerischen Rundfunks, die ein gelungenes Beispiel einer kritischen und zugleich behutsamen Auseinandersetzung mit aktuellen Sprachmoden liefert, so die Begründung der Jury.

Der dreiteilige Kulturpreis Deutsche Sprache wird seit 2001 von der Eberhard-Schöck-Stiftung (Baden-Baden) und vom Verein Deutsche Sprache e. V. für besondere Verdienste um die deutsche Sprache vergeben. Bisherige Preisträger sind u. a. Udo Lindenberg, Cornelia Funke, Loriot, Ulrich Tukur, Dieter Nuhr, und Katharina Thalbach. (vds-ev.de/pressemitteilungen, deutschlandfunkkultur.de, welt.de, focus.de)
 

Sprachliche Probleme bei Migranten

Obgleich Sprachkenntnisse unbestritten ein wichtiges Werkzeug zur Integration sind, absolviert nur jeder zweite Teilnehmer den Integrationskurs erfolgreich, wie der Deutschlandfunk berichtet. Demnach erreichen von 100 Personen, die sich zur anschließenden „Deutschprüfung für Zuwanderer“ angemeldet haben, „nur 55 das geplante Deutsch-Niveau“. Die Verantwortliche für die Integrationskurse beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Sandra Schlötzer, relativierte dieses Ergebnis: „Weil ich glaube, jeder, der Deutsch lernt, erreicht Kompetenzen, die nicht unbedingt immer in einer Zahl abgebildet werden können.“ Christoph Schroeder, Leiter der Abteilung „Deutsch als Zweitsprache“ der Universität Potsdam, spricht hingegen von einem Misserfolg und verweist auf die Unwissenschaftlichkeit der Integrationskurse. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat mit dem Projekt „Einstieg Deutsch“ auf den erhöhten Bedarf reagiert. Das vier- bis zehnwöchige Lehrangebot richtet sich an Flüchtlinge ab 16 Jahren, die nicht in einem Integrationskurs unterkommen konnten.

Auch an Schulen im Nachbarland Österreich sind die fehlenden Sprachkenntnisse ein großes Problem. Schulpflichtige Flüchtlingskinder müssen dort (genau wie in Deutschland) auch ohne vorherigen Sprachkurs in eine Regelschule. Allein in Wien hat sich die Zahl dieser außerordentlichen Schüler innerhalb von sechs Jahren verdoppelt. (deutschlandfunk.de, bmbf.de, diepresse.com)

 

Dialekte und Vorurteile

Obwohl sich erst im April 2017 eine Initiative zur „Rettung der Berliner Schnauze“ gegründet hatte (siehe Infobrief 356), berichtet die Berliner Zeitung nun, dass fast die Hälfte der Berliner den eigenen Dialekt ablehnt. So nehme die Akzeptanz seit einigen Jahren vor allem bei unter 30-jährigen ab, weil ihr Idiom, vielerorts als „Proletendeutsch“ empfunden werde. Besonders seit dem Mauerfall distanzierten sich die Berliner von dem Dialekt.

Auch das Sächsische leidet unter geringem Ansehen. Regelmäßig führe es die Rangliste der unbeliebtesten Dialekte Deutschlands an, berichtet ZEIT ONLINE. Der schlechte Ruf resultiere dabei allerdings weniger aus Klang, sondern sei eine Folge politischer Entwicklungen, meinen Sprachwissenschaftler. Hinzu komme eine oft undeutliche Aussprache der Vokale sowie der Stolz der Sachsen auf den eigenen Dialekt, meint Beat Siebenhaar, Dialektforscher an der Leipziger Universität. (berliner-zeitung.de, zeit.de)

 

2. Berichte

Von Heine bis Brecht

VDS-Vorstand Birgit Schönberger begleitete den Konzertchor Landshut bei seinem diesjährigen Frühjahrskonzert. Vor über 200 Zuhörern im „Bernlochner“ in Landshut rezitierte Schönberger Texte von Heine bis Brecht zwischen Liedern von Brahms und Edward Elgar. (konzertchor-landshut.de)
 

3. VDS-Termine

5. Juni, Region 20,22 (Hamburg)
Mitgliedertreffen
Zeit: 19:30
Ort: Hotel Ibis (HH-Wandsbek), Pappelallee 61, 22089 Hamburg

7. Juni, Region 23 (Lübeck, Wismar)
Mitgliedertreffen
Zeit: 18:00
Ort: Bootshaus der Lübecker Rudergesellschaft, Hüxtertoralle 4, 23564 Lübeck

7. Juni, Region 97 (Würzburg)
Treffen, Vorstellung des Buches „Denksport Deutsch – Wer hat bloß die Gabel zur Frau und den Löffel zum Mann gemacht“ von Daniel Stolten
Zeit: 18:00
Ort: CCW Würzburg, Kranenkai 34, 97070 Würzburg

7. Juni, Region 45 (Essen)
Mitgliederversammlung (Stammtisch)
Zeit: 19:00
Ort: Restaurant Kiepenkerl (Essen), Teichstraße 1, 45127 Essen

8. Juni, Region 77 (Offenburg)
Vortrag Dr. Reiner Pogarell (VDS-Vorstandsmitglied): „Luther und die deutsche Sprache“
Zeit: 19:30
Ort: Gasthaus Brandeck, Offenburg, Zeller Straße 44, 77654 Offenburg

9. Juni, Region 76 (Karlsruhe, Baden-Baden)
Vortrag Dr. Reiner Pogarell (VDS-Vorstandsmitglied): „Luther und die deutsche Sprache“
Zeit: 19:30
Ort: Café Pagodenburg, Kapellenstraße 34, 76437 Rastatt

 

4. Literatur

Heimatdialekt

Da sprachliche Heimat nicht direkt übersetzt werden kann, verfasste Agnes Jay ein Buch über das Reeser Platt. Ihr Werk soll keines unter vielen Wörterbüchern sein, die niederrheinische Dialekte in das Hochdeutsche übersetzen, für welches Jay zugunsten der „Bildungssprache“ in ihrer Kindheit ihren Dialekt ablegen sollte. Als Pensionärin fand sie seit 2012 die Zeit, selber das von ihr lange ersehnte Buch zu schreiben, welches die „bildreiche, ausdrucksstarke, manchmal auch ein wenig derbe“ Sprache und ihre Herkunft erklären soll. Nach fünf Jahren Recherche zu Straßennamen, unterschiedlichen Schreibweisen, wichtigen Verbformen und Pronomen, bei der sie durch Mitglieder des Geschichtsvereins RESSA unterstützt wurde, erschien „Reeser Platt“ im Verlag „Edition Winterwork“. (nno.de)

Agnes Jay: Reeser Platt, 2017, 492 Seiten, 19,90 €, ISBN 978-3-96014-255-3
 

Digitale Büchersuche

Eine digitale Brücke ins analoge Zeitalter schlägt der Buchblogger Tobias Zeising mit seiner Anwendung „BuchschrankFinder“. Das Programm soll seine Nutzer dabei unterstützen, Standorte von Büchertauschschränken im öffentlichen Raum ausfindig zu machen. Hiervon gibt es momentan etwa 1400 Stück in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Jeder kann dort ausgelesene Bücher einstellen, um sie anderen Lesern verfügbar zu machen, und sich an der vorhandenen Auswahl bedienen. Um der spontanen Lust auf frisches Lesefutter beim sonntäglichen Spaziergang nachzukommen, kann nun also über „BuchschrankFinder“ mithilfe von GPS und der „GoogleMaps“-basierten Karte der Standort des nächsten Lieblingsbuches ausfindig gemacht werden. (heise.de)

 

5. Denglisch

Englisch-Pflicht bei Sportfliegern

Deutschsprachige Piloten müssen im Schweizer Luftraum künftig auf Englisch kommunizieren, wie das Parlament nun beschlossen hat. Diese Regelung trifft auch auf Sportpiloten zu, weshalb das Gesetz auf reichlich Kritik stieß. Der Nationalrat hat aus diesem Grund angekündigt, beim Bundesrat eine Ausnahme zu erbitten. Mit der Englisch-Pflicht wolle man die „Sicherheit in der Zivilluftfahrt“ verbessern, äußerte der Nationalrat. (handelszeitung.ch, bazonline.ch)

 


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Redaktion: Anna Beckmann, Lea Jockisch, Holger Klatte, Ann-Sophie Roggel
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